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Angola       31.5. - 7.6.2006

Wir sitzen auf dem Campingplatz des Elisenheims ausserhalb Windhoeks und versuchen uns zurück zu erinnern, wie es in Angola war. Es ist schon lange her. Normalerweise schreiben wir unsere Berichte ja viel zügiger wenn alles noch frisch ist. Seit der Republik Kongo sind wir aber nicht mehr dazu gekommen, weil wir uns entschieden hatten, unseren Internetauftritt komplett neu zu gestallten mit Front Page. Barbara hatte sich in Pointe-Noire einmal mehr unglaublich über das bisher verwendete System geärgert, weil mit der Formatierung einfach nichts klappte, die Anzahl der Seiten und Unterseiten beschränkt war und ebenso der Umfang des Inhalts pro Seite. Seit Pointe-Noire war Barbara also Abend für Abend beschäftigt, unsere neue Homepage aufzubauen. Deshalb wurden in letzter Zeit die Berichte vernachlässigt - es blieb einfach keine Zeit dafür - aber wir bemühen uns, so schnell wie möglich wieder up to date zu sein.

Ja, wie gesagt, wenn wir uns jetzt an Angola zurück erinnern, kommen uns die Stichworte "Stress, Stress und nochmals Stress" in den Sinn, aber auch "ewig lange Fahrtage",  "Afrikas schlechteste Pisten", "schöne Landschaft", "freundliche Leute". Es war sehr Schade, dass wir dieses schöne Land im Schnellzugstempo durchbrausen mussten. Aber alles der Reihe nach:

Die Einreise nach Angola verlief schon wie in Cabinda richtig geordnet und einigermassen zügig. Wir waren recht angespannt, weil wir ja in Togo gehört hatten, dass die Einreise mit Hunden nach Angola sehr schwierig sei und die Hunde in eine lange Quarantäne müssten. Wir parkierten unser Auto so weit abseits des Zollhäuschens wie möglich und befahlen Mali sich ganz still auf ihr Plätzchen zu legen - was sie ausnahmsweise auch machte. Wir hofften ganz fest, dass unser Auto nicht gefilzt wird. Und siehe da, niemand fragte uns nach einem Hund und niemand wollte unser Auto sehen. so waren wir kurz nach 11 Uhr in Angola - mit unseren Hunden.

Jetzt hiess es also in 7,5 Tagen die gut 1700 km bis nach Namibia durchzubrettern. Wir hatten uns vorher schon ausgerechnet, dass dies wohl in der Regel Zehnstunden-Fahrtage  bedeuten wird. Wir waren uns einig, dass wir morgens möglichst früh starten wollen - es war dann jeweils um ca. 7 Uhr - damit wir abends eventuell noch eine Stunde bei Tageslicht haben um uns bei einem Sundowner von der anstrengenden Fahrerei zu erholen. Wir wussten, dass diese Fahrerei allen an die Substanz gehen würde und entschieden deshalb auch, dass wir als Kompensation und um unsere gute Laune einigermassen beibehalten zu können, uns jeden möglichen Luxus, nach dem es uns gelüstet, leisten werden: Jeden Tag duschen und frische Kleider, jeden Abend einen Apéro und das Beste zum Znacht was unsere Vorräte hergeben.

Am ersten Tag fuhren wir von der Grenze über schöne und zu unsrem Erstaunen recht gute Buschpiste durch grandiose, einsame Hügellandschaft und schafften gerade mal gut 150 km bis in die kleine Ortschaft Tomboco. Dort fanden wir beim Eindunkeln Unterschlupf in der katholischen Mission bei den zwei Padres aus Südamerika. Wir waren ganz zufrieden mit unserer heutigen Kilometerleistung und feierten dies abends mit den Padres ausgiebig mit von ihnen offerierter echter brasilianischer Caiphiriña und langen Gesprächen über Gott, die Weilt und Angola. Es war sehr interessant zu erfahren, was die Padres über die 30 Jahre Krieg zu erzählen wussten. Zu unserem Schrecken bestätigten sie auch, dass Angola nach wie vor von Landminen übersät ist, von denen niemand mehr weiss, wo sie vergraben sind. Es seien zwar verschiedene Minensuchtruppen in Angola am Werk, es brauche aber wohl noch lange, bis das Land sauber sei. Sie rieten uns auch, nicht von den Strassen oder offensichtlich befahrenen Wegen abzuweichen - auch nicht für Bushcamps. Wir hatten zwar über das Problem Landminen in unseren Reiseunterlagen gelesen, waren uns aber nicht bewusst, dass es nach wie vor so akut ist. Wir waren auch verblüfft, als wir hörten, dass in Tomboco und Umgebung nach wie vor täglich 4-5 Kleinkinder an Malaria sterben. Die Padres waren sehr erstaunt, als sie hörten, dass niemand von uns in den 6 Monaten Reisezeit an Malaria erkrankt war.

Am nächsten Tag machten wir uns auf Richtung Luanda. Die Padres hatten uns schon prophezeit, dass wir für die 80 km bis nach N'zeto an der Küste 4 - 5 Stunden brauchen würden, weil die Piste so schlecht sei. Sie wussten, wovon sie sprachen: Wir kurvten im Zick-Zack über die Piste um den schlimmsten Schlaglöchern auszuweichen und brauchten tatsächlich 5 Stunden bis an die Küste. Obwohl die Piste dann besser wurde und später in z.T. löchrigen Asphalt überging, schafften wir es an diesem Tag nicht mehr bis nach Luanda und mussten uns ein Buschcamp suchen. Wir waren sehr vorsichtig und parkierten schliesslich mitten auf einem kleinen Feldweg mit Autospuren.

Auch für Mali und Lakshmi gabs Einschränkungen: In Angola fanden ihre Spaziergänge häufig nur an der Leine und auf Wegen statt, obwohl sie sich nach den langen Fahrtagen eigentlich etwas anderes verdient hätten. Karsten war zwar der Meinung, dass Mali zu leicht sei, um eine Landmine zum Detonieren zu bringen, Barbara wollte aber kein Risiko eingehen. Die Fahrerei durch Angola war auch für Mali und Lakshmi kein Vergnügen. aber die beiden liessen die langen holprigen Fahrtage anstandslos über sich ergehen und gaben sich mit kurzen Morgen- und Abendspaziergängen zufrieden.

Am nächsten Mittag erreichten wir Luanda und quälten uns zwei Stunden durch das Verkehrschaos der Hauptstadt - und verfuhren uns natürlich auch noch. Dank guter Teerstrasse schafften wir an diesem Tag doch noch rund 350km und suchten uns kurz vor Porto Amboim ein schönes, sicheres Bushcamp. Wir lagen zwar gut im Zeitplan, wussten aber, dass wir uns keine Trödelei erlauben konnten.

Die Strasse wurden wieder bedeutend schlechter und im Zick-Zackkurs fuhren wir am nächsten Tag der Küste entlang knapp 300 km bis ein Stück ausserhalb von Benguela. Ursprünglich wollten wir alles der Küste entlang fahren bis nach Namibe, obwohl wir wussten, dass die Strecke zwischen Benguela und Namibe extrem schlecht und schwierig zu befahre ist und extrem viel Zeit frisst, dafür wunderschön ist. Als wir uns unterwegs erkundigten, riet man uns aber, die Piste im Landesinneren zu nehmen und damit mindestens einen Tag Zeit zu sparen. Wir wären trotzdem gerne die Küstenstrecke gefahren und hätten es auch in Kauf genommen, die Visumsgültigkeit dadurch zu überschreiten. Wir hätten darauf spekuliert, dass es bei der Ausreise nicht bemerkt wird und wenn doch, dass es Barbara hätte wegdiskutieren können. Unseren Freunden war eine Visumsüberschreitung aber zu heikel und so entschieden wir uns schweren Herzens für die Inlandpiste. Nach einigem Suchen fanden wir auch ein schönes Bushcamp, das Christophs Geburtstagsfrühstück am nächsten Morgen gerecht wurde. Wir erlaubten und zur Feier des Tages auch eine Stunde später loszufahren - also um 8 Uhr.

Wir beide mussten uns in diesen Tagen mit sehr frühem Aufstehen abfinden und unsere Zeit am Morgen genau planen. Barbara braucht am Morgen immer etwas länger bis sie wirklich wach ist und kann Stress am Morgen nicht ausstehen. So standen wir also rund eineinhalb Stunden vor Abfahrt, also um 5h30 bei der Morgendämmerung auf. Karsten ging als erstes mit Mali auf einen kurzen Spaziergang, während Barbara langsam wach wurde, Malis Frühstück zubereitete und Heisswasser für Tee und Kaffe kochte. Während Karsten im Stehen ein kurzes Frühstück runter schlang, schmierte Barbara Sandwichs für unterwegs und die Mittagspause. Dann mussten wir das Auto wieder fahrtbereit machen und schon gings los.

Christophs Geburtstagsgeschenk war ein extrem schlechter Streckenabschnitt - zwar durch wunderschöne Hügellandschaft, die einwenig an die Schweizer Alpen erinnert, jedoch mindestens dem Fahrer nichts brachte, weil die Bombenkraterpiste 150%ige Konzentration erforderte. Entsprechend schnell waren Fahrer oder Fahrerin jeweils ausgelaugt und wir mussten uns häufig abwechseln, obwohl wir sonst jeweils nur tageweise gewechselt haben. Die Strecke war vor dem Krieg asphaltiert gewesen. Von diesem Asphalt waren aber nur noch alle zwei bis drei Meter Bruchstücke vorhanden, die wie Inseln aus einem welligen See ragten. Rund um diese Asphaltüberbleibsel reihten sich bis zu zwei Meter tiefe Schlaglöcher oder Bombenkrater. Wir fuhren mehr neben der Piste als auf der Piste und auch das nur im zickzack und Schrittempo. Barbara wurde, wenn sie nicht gerade selber fuhr, als Beifahrerin von dem Geschaukle richtig seekrank. Nur Mali konnte dies alles nichts anhaben. Sie schlief friedlich auf ihrem Plätzchen.

In einer kleinen Ortschaft wurden wir auf einen Velofahrer aufmerksam, der mit seinem voll beladenen Velo im Schatten am Strassenrand sass. Er stellte sich als Virgil aus Rumänien vor. Für das Guinessbuch der Rekorde will er mit dem Velo in jedes Land und dessen Hauptstadt auf unserer Erde radeln. Ganz schön verrückt! Er erzählte uns in gebrochenem spanisch-italienisch-franzöisch-englisch, dass er in Matadi an der Grenze ausgeraubt worden sei und dass Angola mit den schlechten Pisten das schrecklichste Land sei für einen Velofahrer. Weil Virgil aussah, als sei er am Ende seiner Kräfte, boten wir ihm an, ihn ein Stück mitzunehmen bis nach Lubango. Christoph und Sibylle banden sein Fahrrad aufs Dach, die Holländer schmissen sein Gepäck in den Ländy und wir zogen natürlich mal wieder den Hauptgewinn und durften Virgil in unsrem Auto unterbringen. Er setzte sich ganz hinten in den Mittelgang auf eine Kiste. Alles was wir von ihm hörten war "multo problemo in africa, africa non est buono, problemo, mucho problem!" Das wäre ja noch gegangen, aber der gute Man roch so penetrant nach ungewaschen und nach Knoblauch, dass wir die Klimaanlage ausschalten und die Fenster öffnen mussten und Barbara sich trotzdem fast übergeben hatte. Am Abend kam dann unser Raumspray, den wir eigentlich wegen Malis anfänglicher Kotzerei gekauft hatten, zum ersten Mal in Einsatz. Entsprechend wenig erfreut waren wir, als wir am nächsten Morgen Virgil wieder in unser Auto packen durften. Weil er aber holländisches Abendessen genossen hatte, war zumindest der Knoblauchgestank nicht mehr ganz so schlimm. Wir waren richtig erleichtert, als wir am Mittag nach wiederholt sehr schlechter Bombenkrater-Piste Lubango erreichten und Virgil in der von Schweizer Padres geführten katholischen Mission absetzen konnten. Virgil ist ein netter, aber doch recht durchgeknallter Zeitgenosse, der von seinen vielen Problemen offenbar richtig gehend traumatisiert ist. Er wäre gerne noch weiter mit uns mitgefahren, aber schliesslich kommt er nicht als bester Anhalter ins Guinessbuch...

Nach einem weiteren Buschcamp ausserhalb von Lubango erreichten wir am nächsten Tag Xangongo, wo wir unsere Tanks mit den letzten Kwenzas nochmals mit Afrikas günstigstem Diesel (0.29 € / L) füllten und machten uns nach einem weiteren Buschcamp über eine kleine und landschaftlich reizvolle Piste auf Richtung Namibische Grenze. Am achten Tag, mittags 13 Uhr erreichten wir den kleinen Grenzübergang bei Mahenene. Dort interessierte sich niemand für unsere Visumsdauer. Es wurde zwar alles aufgeschrieben aber nicht nachgerechnet ... Wir waren alle fix und fertig und auch unser Teamgeist hatte etwas gelitten - aber jetzt waren wir glücklich denn wir haben es in den acht Tagen geschafft, die 1730 km durch Angola abzuspuhlen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 kmh! Von Hoschi, Andrea, André und Claudia haben wir erfahren, dass sie in Luanda fünf Tage auf die Visaverlängerung warten mussten, diese Wartezeit von den zusätzlichen 10 Tagen abgezogen wurde und sie dafür 50 $ bezahlen mussten. Wir waren froh, hatten wir unsere acht Tage gewählt - auch wenn es um das schöne Angola Schade war.

Windhoek, 5. Juli 2006