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Botswana  21.11. - 6.12.2006

Mit der Fähre tuckerten wir über den Sambesi und rollten auf der anderen Seite in ein neues Land – Botswana. Die Grenzbeamten in Kazungula hätten sich an ihren sambischen Kollegen ein Vorbild nehmen können. Die Einreise verlief zwar speditiv, aber nicht gerade freundlich. Barbara legte sich mit dem Zöllner an. Sie wollte nicht nur den Einreisestempel im  momentan bis 1. Dezember 2006 gültigen Carnet de Passage, sondern wollte auch einen im neuen Carnet ab 2. Dezember 2006. Unsere Ausreise aus der Zollunion wird in Südafrika irgend wann im Januar 2007 erfolgen und dann gilt nur noch das neue Carnet. Aber der Zöllner stellte sich dumm und stur und es blieb bei dem einen Stempel. Nach diesem Theater hatten wir auch Null Bock mehr, dem Zöllner auf die Nase zu binden, dass wir mit Hund reisen. Mali besitzt zwar alle nötigen Papiere und ein grosses Schild an der Grenze weist darauf hin, dass man Haustiere zu deklarieren hat, aber einfachheitshalber schmuggelten wir sie nach Botswana rein.

Da wir vorher schon wussten, dass in Sambia alles teuer sein würde, hatten wir in Namibia unsere Fressalien noch aufgestockt. In Sambia hatten wir fast ausschliesslich von unseren Vorräten gelebt. Nun war aber im „billigen“ Botswana ( d.h. Namibia-Preise) endlich wieder Shopping angesagt. Am Bancomaten in Kasane bedienten wir uns mit Pula. Pula heisst übersetzt „Regen“ – ein interessanter Name für eine Währung! Im Spar füllten wir unsren Einkaufswagen wieder nach Herzenslust – u.a. mit 1.5 kg Rindsfillet für gerade mal 13 Franken! Wir übernachteten  in Kasane, dem Vierländereckdirekt am Chobe River (Botswana, Sambia, Zimbabwe, Namibia) . Mali fand hier wieder einmal einen Würstli-Hund (Jack Russel) zum rumtoben. Die Würstlis scheinen ihre bevorzugten Spielgefähren zu sein: kleiner als sie, aber trotzdem flink und ausdauernd. Bei uns gings weniger hektisch zu. Wir verdrückten nur gerade mal 700 g Rindsfillet. Beim letzten Stück musste uns allerdings Mali helfen, sonst wären wir wohl geplatz!

Auf den 60 km geteerten Transitstrasse durch den Chobe-Nationalpark hielten wir vergeblich nach Tieren Ausschau. Da hiess es also wohl Mali verstecken und richtig in den Park reinfahren. Entlang den üppig grünen Lynianti-Sümpfen gesäumt von mächtigen Schirmakazien pirschten wir uns also an den Park heran. Wir wollten die 100 km Piste ( ca.5-6 h) im Park durchfahren. Eine Übernachtung im Park mit Mali wäre dann wohl doch zu viel des Guten. Kurz vor Mittag waren wir nur noch wenige Kilometer vom Parkeingang beim Goha Gate entfernt und schlugen gleich neben der schmalen Sandpiste unser Bushcamp auf. Die vielen, vielen  Elefantenspuren liessen es uns weiser erscheinen, gut sichtbar im „offenen“ Gelände mit Ausweichmöglichkeit zu campen als irgendwo versteckt im Busch, wo vielleicht eine Elefantenherde über uns stolpern könnte. Wir achteten auch darauf, nicht gerade auf einem offensichtlichen Wildwechsel zu stehen. Gut gewählt! Kurz vor fünf herrscht plötzlich reges Elefantenaufkommen. Links und rechts von uns stapften Einzelgänger und ganze Herden mit Jungtieren aus dem Busch und überquerten die Piste. Ein imposantes Schauspiel – nur: wir waren gerade dabei Gemüse zu kochen und aus unserer Puros-Erfahrung wussten wir ja, dass Elefanten von solchen Gerüchen angezogen werden. Daher wohl das Kribbeln im Bauch. Alles ging gut. Aber mit dem Eindunkeln um 19h30 verzogen wir uns dann doch rasch ins sichere Auto und ins Bett. Barbara hatte nämlich auf ihrer letzten Runde mit Mali (die Leinenspaziergänge beschränkten sich auf Runden ums Auto im Maximalabstand von 50 Metern) grosse Tatzenabdrücke im Sand entdeckt – vermutlich Löwen. Tja, der Busch lernt einem schnell, früh zu Bett zu gehen …. Karsten lag wie fast immer bei Bushcamps die halbe Nacht wach. Dieses Mal sogar mit gutem Grund: immer wieder raschelte und knackte es im Busch rund ums Auto. Die Elefanten taten sich an ihrem Mitternachtsbuffet gütlich. Auch Mali verfolgte das Treiben angestrengt lauschend, gab aber ganz vorbildlich keinen Mucks von sich. Nur Barbara bekam von alle dem nichts mit. Sie schläft nirgends so tief und fest wie in Bushcamps.

Mit dem Trompten der Elefanten standen wir in der Morgendämmerung auf und waren bald schon im Chobe Nationalpark. Im Gegensatz zu Namibias Etosha ist der Chobe ein richtig wilder zugewachsener Park, der wie alle Parks ins Botswana nicht eingezäunt ist. Mit einer Fläche von 12'000 km2 ist er ein viertel so gross wie die Schweiz! Und ohne 4x4 Fahrzeug geht gar nichts. Die Tiere warten hier nicht auf die Touristen sondern die Touristen auf die Tiere. Auf den ersten 40 km sahen wir gerade mal einen Elefanten. Wir drehten dann einige Schlaufen in der Gegend des Savuticamps und kamen auf vier Elefanten mehr und einige Antilopen. Wir witzelten bereits, dass wir in unsrem gestrigen Bushcamp wohl mehr Tiere gesehen hatten als jetzt im Park, und das gratis und nicht für teure 290 Pula (55 Franken). Doch dann in den Savutisümpfen sahen wir sie doch noch, die riesigen Zebra-, Gnu-, Giraffen-, und Elefantenherden. Ein besonderes Schauspiel boten die zwei kämpfenden Giraffenbullen, wie sie ihre langen Hälse gegen einander schlugen. Nun konnten wir uns unter der Bezeichnung „Elefantenüberpopulation“ auch etwas vorstellen. Es wimmelte nur so von diesen Dickhäutern. Mehr als einmal entgingen wir einer Kollision nur um haarsbreite, wenn wir um eine Kurve kamen und sich vor uns auf der Piste eine graue Wand auftürmte. Das jagte allen Beteiligten immer einen gewaltigen Schrecken ein. Der Chobe hat über 18'000 Elefanten, viermal mehr als das ökologische Gleichgewicht verträgt. Die Elefanten gehen mit ihrer Umgebung nicht gerade zimperlich um und schlagen regelrechte Schneisen in den dichten Busch. Ganze Gebiete werden so abgeholzt. Der Grund für solche Überpopulation liegt im immer enger werdenden Lebensraum für die Tiere. Veterinärzäune, Farmen und Siedlungen schränken ihren Bewegungsradius ein und unterbrechen die Migrationsrouten. Kein Wunder dringen Elefanten in Dörfer ein und wüten in Swimmingpools und Kanalisation und werden so zur Bedrohung für die Menschen. Lösungsansätze bestehen zum einen darin, Korridore zwischen den verschiedenen Parks zu schaffen um einen gewisse Migration zu ermöglichen und der Natur eine Verschnaufpause zu verschaffen. Zum anderen werden Tiere umgesiedelt – nur wo gibt’s noch geeignete Lebensräume? Geburtenkontrolle bei Elefanten steckt noch in den Kinderschuhen, ist aber die Zukunftshoffnung. Langfristig wird die Natur die Zahl der Elefanten selber regulieren: Keine Nahrung – weniger Elefanten und rückläufige Geburtenziffern. Aber bis dahin …

Zwischen Chobe und Moremi NP folgten wir 30 km dem gewunden Flusslauf des Khwai und waren uns sofort einig: das ist wohl eine der schönsten Landschaften auf unserer Reise. Die sattgrüne, unberührte Schilf-, Fluss- und Graslandschaft mit den unzähligen Tieren ist einfach nur eine Streicheleinheit für die Seele. Wir konnten uns kaum satt sehen. Da störte es wenig, dass die schlechte und schmale Sandpiste streckenweise unter Wasser stand und wir fast nicht vom Fleck kamen.

                       

So  spektakulär, wie dieser Chobe-Khwai River-Tag begann, so spektakulär endete er auch: Auf der Umfahrung einer besonders tiefen und langen Wasserlache blieben wir im Sumpf stecken. Es ging weder vor- noch rückwärts. Wir waren ausgelaugt von dem langen und schönen, aber anstrengenden Fahrtag. Die sonst schon gereizte Stimmung sank noch um einige Stufen. Trotzdem lehnten wir grosskotzig die Hilfe eines Ausflugsfahrzeugs der nahen Lodge ab. Karsten stand knietief im Schlamm, schaufelte, hackte, fluchte, legte Sandbleche, schaufelte, kurbelte das Auto mit dem Wagenheber hoch, legte Sandbleche, fluchte, blickte in den schwarz bewölkten Himmel, fluchte… Nach langen 30 Minuten gelang es Barbara endlich mit viel Glück rückwärts aus dem Sumpf auf festen Grund zu fahren. Und schon fielen die ersten Regentropfen. Blitzschnell suchten wir uns einen geeigneten offenen Platz für unser Bushcamp. Barbara konnte gerade noch drei Schritte mit Mali spazieren und schon ging das wohl heftigste Gewitter, das wir je erlebt hatten auf uns nieder. Uns vergingen wortwörtlich hören und sehen! Mali war nicht die einzige, die Angst hatte! Als krönender Abschluss verbuchte Karsten eine weitere schlaflose Nacht, dieses Mal wegen laut schnaubenden und schmatzenden Hippos in Autonähe.

Am nächsten Tag kamen nun erstmals unsere neuen elektronischen Karten fürs GPS von Hoschi zum Einsatz. Mit diesen fanden wir auf den Meter genau! unsere kleine, eingewachsene Sandpiste nördlich um das Okavango-Delta herum. Somit war nicht wie befürchtet die Navigation das Problem. Stattdessen waren wir fahrtechnisch gefordert. Zuerst gab es lange und tiefe Wasserdurchfahrten als Überbleibsel des Gewitters und weiter nördlich kämpften wir uns dafür im Schritttempo durch tiefen Weichsand. Mehr als 200 km krochen wir so durch den dichten Busch. Permanent kratzte es links, recht und oben über unser armes Auto. Zu sehen gab es ausser zarten frühlingsgrünen Blättern neben herbstlich goldenen Büschen kaum etwas – ausser einer erschrocken fliehender Giraffe, deren Hinterteil wir fast gestreift hätten. Mitten im Nirgendwo versperrte uns plötzlich ein Veterinärszaun die Weiterfahrt - die Gatedurchfahrt war doch tatsächlich bewacht. Plötzlich erschien uns der Spruch „Botswana, das Land der Veterinärszäune  - das Land mit an Paranoia grenzender Angst vor Maul- und Klauenseuche“ nicht mehr so weit hergeholt. Ziehen sich doch 3000 km Veterinärszaun (Höhe 1.5 m) durchs Land – nicht etwa durchgehend sondern in uns willkürlich erscheinender Anordnung. Ursprünglicher Zweck des „Buffalo Fence“ war es, das Farmgebiet und die Haustiere von den Wildtieren, insbesondere den Büffeln zu schützen. Heute soll der Zaun die Verbreitung von Maul- und Klauenseuche verhindern. An diesem Gate (wie auch an allen weiteren die wir in Botswana noch durchqueren sollten) fragte uns der freundliche Wächter: „Führen sie bewilligungspflichtige Waren mit, wie Frischfleisch, lebende Tiere oder Trophäen?“ Worauf wir immer scheinheilig lächelnd den kopf schüttelten – schliesslich war das Fillet gut versteckt unter dem Beifahrersitz, Mali verhielt sich hinten auf ihrem Plätzchen mucksmäuschen still und unsere Kudu-, Oryx- und Springbockhörner sind schon lange „zollsicher“ verstaut.

Da sich die Piste nach dem Veterinärszaun nicht wie erhofft besserte, schlugen wir bald ein weiteres Bushcamp auf. Am anderen Morgen zeigte sich aber, dass keine 5 km später die kleine Holperpiste doch urplötzlich zu einer grossen und breiten Gravelroad wurde. So waren wir nach nur knapp 2 Stunden Fahrt bereits in der Mbiroba-Lodge in Seronga, direkt am „Nordufer“ der Okavango-Deltas und konnten den ganzen restlichen Tag bei schönster Aussicht ins Delta faulenzen.

Weiter ging es alles am nördlichen Deltarand entlang. Immer wieder boten sich uns fantastische Ausblicke über die Sumpflandschaft. Der tiefblaue Himmel war geschmückt mit einigen Schäfchenwölkchen, die Wiesen und Bäume leuchteten uns in sattem grün entgegen und über weideten wohlgenährte Kühe mit Glocken um den Hals. Wir kamen uns fast vor wie zu Hause. Nur die herzigen Strohhüttensiedlungen und die dunklen, lachenden Kinder passten nicht ganz in unsere Schweiz-Erinnerung. An der Grenze zu Namibia überquerten wir mit einer kostenlosen! Fähre den Okavango. Mit diesem Fluss hatten wir ja bereits einige Kilometer nördlich im Caprivi bei den Popa-Falls Freundschaft geschlossen. Wir trauten unseren Augen nicht, als neben unserer Fähre ein Ding in Armeetarnfarbe angeschwommen kam. Botswana testet hier doch tatsächlich seine Schwimmpanzer. Wir konnten dieses Teil nach einiger Zeit zumindest identifizieren, unseren einheimischen Mitreisenden vielen aber fast die Augen aus dem Kopf und sie verstanden wohl die Welt nicht mehr. Auf der Westseite des Okavango erwartete uns eine gut ausgebaute Asphaltstrasse und entsprechend zügig gings nun südwärts. Das erste Camp, das wir ansteuerten, schickte uns wieder fort wegen Mali. Hier hörten wir nun mal eine ganz andere Begründung: Sie hätten selber so viele Hunde, dass sie keine Gast-Hunde erlauben würden. Tja, reisen mit Hund ist nicht immer einfach… Nur halb so schlimm, denn einige Kilometer südlich fanden wir in der Shakawe Fishing Lodge einen wunderbaren Campingplatz direkt am Okavango mit viel Platz für Mali zum herumtoben. An diesem Abend installierten wir mit Blick in den schwarz verhangenen Himmel frühzeitig unser neues Regendach. Bei den Regenfällen der letzten Tage campten wir entweder im Busch und wollten das Dach nicht aufbauen oder wurden vom Regen überrascht und liessen es bleiben. Jetzt wollten wir unser Heckzelt aber endlich testen. Leider stellte sich rasch heraus, dass wir hierfür wohl den ungünstigsten Moment gewählt hatten. Der schwarze Himmel kündigte nicht nur heftigsten Regen sondern einen ausgewachsenen tropischen Sturm an. Innert Kürze verwandelten die Sturmwinde unser Regendach in ein paar lose flatternde Streifen Stoff. Schade! Aber wir haben ja sonst nichts zu tun und alle Zeit der Welt um das Malheur wieder zu flicken…. Nach diesem Tiefschlag betrübte es uns auch nicht weiter, dass unser über dem Feuer gebackenes Brot nun im Potjie ein Schwimmfest feierte.

Bereits kurz nach Zehn Uhr waren wir am nächsten morgen schon in den Tsodilo Hills. Die vier Hügel „Vater, Mutter, Kind und Enkelkind“ ragen als einzige Erhebungen aus der topfebenen Landschaft empor und sind mit knapp 1300 MüM die höchsten Berge Botswanas. Schon seit Urzeiten gelten die Tsodilo Hills den Bewohnern dieser Region als heilig und werden bis heute verehrt. Die Geschichte der Menschheit lässt sich an diesem Ort weit zurück verfolgen. Schon vor 100'000 Jahren lebten hier Menschen (oder besser deren Vorfahren) und Überreste zeugen von zwei Steinzeitdörfern. Aus der jüngren Geschichte, aber immerhin auch um die 3000 Jahre alt, zeugen die über 4500 Felsmalereien der San (Buschmänner). Die Zeichnungen wurden in rot, braun und weiss auf den Fels aufgetragen. Sie bestehen aus eisen- und kalkhaltiger Erde vermischt mit Eierschalen, Tierblut, -fett und –urin. Die Darstellungen zeigen v.a. Wildtiere wie Rhino, Giraffen, Raubkatzen und Antilopen. Fischzeichnungen und Fundgegenstände aus Fischknochen lassen darauf schliessen, dass die Tsodilo Hills vor zig tausenden Jahren als Inseln aus einem See ragten. Was der Felsmalerei von Wal und Pinguin jedoch für einen Bedeutung zukommt ist bis heute nur Spekulation. Auch die Malerei der „tanzenden Penisse“ lässt verschiedene Interpretationen zu … Da wir schon so früh da waren und das kleine Museum von einer Schulklasse belagert wurde, machten wir uns gleich auf den 2stünden Rhino-Trail, um einige der Zeichnungen zu bewundern. Unsere Kalkulation ging aber nicht auf. Der bedeckte Himmel klarte plötzlich auf, der schattenspendende Wald wich einer Fels und Sandlandschaft und in der brütenden sommerlichen Mittagshitze war das Ganze für uns kein sonderlicher Genuss mehr. Und für die arme Mali war es noch schlimmer: Sand und Steine waren für ihre Pfoten viel zu heiss und über schattenlose Strecken mussten wir sie deshalb tragen. Trotzdem, die Zeichnungen waren beeindruckend! Und nach einer erfrischenden Dusche zurück beim Auto, gings uns dreien schon wieder besser. Nicht nur wir waren geschafft von der Anstrengung. Ausnahmsweise war es Mali egal, wegen Hundeverbots den ganzen Nachmittag an der langen Leine am Auto angebunden zu sein. Sie lag lang ausgestreckt unter dem Auto und rührte sich nicht.

Von den nächsten 300 km Asphaltstrasse bis nach Maun hatte Barbara nicht viel mitbekommen. Sie hasst dieses lange Asphaltgebloche und findet, dass man von der richtigen Landschaft so gar nichts erlebt. Karsten riss also die Kilometer herunter und Barbara vertiefte sich auf dem Beifahrersitz in den Reiseführer. Maun liegt am südlichen Ende des Okavango Deltas. Das kleine Städtchen ist Ausgangspunkt für Trips in die grossen Nationalparks und ins Delta und bietet deshalb komplette touristische Infrastruktur. Hier gibt’s alles, was der „abenteuerlustige“ Tourist für einen Ausflug in die "grosse Wildnis" braucht. Entsprechend wimmelte es auch nur so von Mietwagen und Overlandtrucks mit Touris in teuren Safariklamotten. Wir stockten unsere Vorräte wieder auf und nisteten uns für drei Tage auf dem Audi Camp ein. Wieder einmal zeigte sich, wie klein die Welt doch ist – besonders in Afrika: Schnell stellten wir fest, dass der blaue Land Rover mit Zürcher Kennzeichen bei uns auf dem Camping zu Nicole und Christoph gehört. Die beiden planen ebenfalls die Ostküste hoch zu fahren und setzten sich deshalb per Mail mit uns in Verbindung. Wegen einer falschen Absendeadresse konnten wir ihnen nicht antworten und machten deshalb einen Aufruf auf unserer Homepage. Und siehe da, man trifft sich zufällig ein paar Tage später in Maun. Wir genossen stundenlange gemeinsame Frühstücks und Abendessen und schafften es jeweils nur gerade knapp noch vor Mitternacht ins Bett – so spät wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Dass es nicht noch später wurde, verdankten wir wohl den vielen Skorpionen, die in der Dunkelheit über den Platz krabbelten und das draussen Sitzen etwas ungemütlich machten. Die frechen und recht aggressiven Biester krochen sogar unter unserem Tisch und neben unseren Füssen durch und Barbara hatte rechten Stress um Mali von diesen Viechern fernzuhalten.

Mit Nicole und Christoph gönnten wir uns am frühen Morgen einen Rundflug über das Okavango Delta. Das Binnendelta ist mit seinen  16'000 km2 (die Grösse von Schleswig –Holstein!) so riesig und die Wasserwege so verzweigt, dass man nur aus der Luft einen vernünftigen Überblick erhält. Der Okavango fliesst im Norden an der Namibischen Grenze in das Kalaharibecken Botswanas. Da dieses kaum Gefälle aufweist, verzweigt sich der Fluss mitten in der Wüste in unzählige Arme und bildet so das sumpfige Delta. Die 300 km bis ans südliche Ende des Deltas schaffen gerade mal 3% der Wassermassen, 2% gehen ins Grundwasser und 95% verdunsten in der Gluthitze der Kalahari. Der südliche Teil des Deltas hat jetzt zur Trockenzeit nur wenig Wasser. Trotzdem mäandern immer wieder kleine und grössere Flussarme durch die satte grüne Schilflandschaft und bilden zig kleine Inseln (insgesamt über 50'000!). Aus der Luft sahen wir riesige Büffel- und Elefantenherden, Giraffen, Hippos und sogar einen Löwen (behauptet Barbara zumindest). Einfach wahnsinnig schön! Bewusst hatten wir den frühen Morgen für diesen Rundflug gewählt, weil es da weniger „bumpy“ sein soll. Uns war es aber immer noch viel zu schauklig und kurvig und nach einer Stunde kletterten vier bleich-Bleichgesichter schwankend aus dem Flieger und mussten ihre Mägen erstmal mit einer hohen Dosis Coca-Cola beruhigen.

             

Trotz aller Überzeugungskunst gelang es uns nicht, Nicole und Christoph zu überreden, mit uns nach Kubu-Island zu fahren. Die beiden zog es nun nach 5 Monaten südlichem Afrika definitiv nordwärts. Aber wer weiss, vielleicht treffen wir uns irgend wo in Ostafrika wieder. Wir nahmen also die 350 km Richtung magisches Kubu Island unter die Räder. Wir haben so viele Reisende von Kubu-Island schwärmen hören, dass wir uns diese Insel in der Salzpfanne unbedingt selber anschauen wollten, auch wenn dass einen „Umweg“ von 700 km bedeuten würde. Nur schon die Anfahrt wurde als spektakulär beschrieben: Über 10 km quer durch die Salzpfanne – weiss-graue Einöde bis zum Horizont und das ringsherum. Bei unserem Zwischenstopp in Gweta jedoch, riet man uns vehement von dieser Route ab. Wir seien etwa einen Monat zu spät, jetzt hätte bereits die Regenzeit begonnen. Wir wussten, dass die Salzpfannen sich bei Regen in einen extrem rutschigen, schneematschähnlichen Untergrund verwandeln. Viel schlimmer aber ist es, dass man überall einbrechen kann und nie mehr ohne fremde Hilfe frei kommt. Wir wären diese Route so gerne gefahren und überlegten hin und her  - es hatte ja die letzten paar Tage auch nicht geregnet – schliesslich gewann dann doch die Vernunft (allerdings unterstützt von der Geschichte, dass vor 3 Wochen französische Touristen erst nach 36 Stunden und gegen 5000 Pula, etwa 1000 CHF, gerettet werden konnten). Die Ausweichroute führte uns weiter östlich über kleine Pisten alles am Rand der Salzpfanne entlang und war auch wunderschön. Und dann sahen wir endlich Kubu-Island. Inmitten einer Salzpfanne, die es zu durchqueren galt, ragt diese Insel gerade mal 24 Meter in die Höhe. Der Realist würde sagen: nur eine kleine Insel in der Ebene, mit Baobabs und vielen grossen Steinen. Aber nein, die Insel strahlt eine Mystik und einen Charme aus, die jeden gefangen nimmt und gar nicht beschrieben werden kann. Das Nebeneinander und Ineinander von uralten, knorrigen Baobabs, rundgeschliffenen Stein- und Felsformationen, Buschgras und endloser weisser Salzfläche liess uns sofort nachvollziehen, weshalb dieser Ort schon seit Urzeiten als Heiligtum gilt. Neuerdings gibt es hier einen einfachen und schön in die Natur eingepassten grossräumigen Campingplatz. Wir kamen uns vor wie in einem unserer schönsten Bushcamp. Und das Ganze erlebten wir bei einer lauen Vollmondnacht!  Kubu-Island zählt für uns zu den Top 3 (Camping)Plätzen unserer bisherigen Reise – neben Spitzkoppe und Puros. Gerne wären wir einen weiteren Tag an diesem grandiosen Ort geblieben. Aber das nächtliche Gewitter und der stark bewölkte Himmel am Morgen kombiniert mit einer bevorstehenden Rückfahrt durch die Salzpfanne liess und zügig aufbrechen. So schön Kubu-Island ist, wollten wir hier nicht für Wochen festsitzen. Wir kamen auch wirklich noch in den „Genuss“ einer nassen Salzpfannendurchquerung – Eis- und Schneefeeling mitten im Sommer! Auf der langen Rückfahrt nach Maun durch Salzpfannen-und Kalahariwüstenlandschaft passierten wir auf 350 km sage und schreibe 5 Veterinärszäune!

Zwei weitere Tage genossen wir die touristische Infrastruktur in Maun. Swimmingpool, vollklimatiserte Internetcafes und Einkaufsläden, Milkshakes und Glaces sind bei über 40°C ein absolutes Paradies. Mali bewegte sich nur von ihrem Schattenplatz unter dem Auto zu ihrem Wasserbecken und zurück. Abkühlung genoss sie bei den abendlichen Spaziergängen entlang des Flusses (zumindest solange, bis Barbara gehört hatte, dass es dort Krokodile gibt) und beim Rumtoben im Schlamm. Am  4. Dezember hatten wir mal wieder Grund zum Feiern: Wir waren an diesem Tag genau 1 Jahr unterwegs. Diesen Anlass würdigen wir mit einem feinen Znacht: griechischen Salat, Rindsfillet (wie könnte es auch anders sein) und frischen Spargeln mit feiner Sosse und Wein.

Der Trans-Kalahari-Highway spedierte uns ruckzuck über 500 km bis an die Namibische Grenze. Was, schon wieder Namibia? Ja! - Die aufmerksamen Leser unserer Berichte wissen ja, dass in Windhoek im Elisenheim neue Gasdruckdämpfer für unser Hubdach warten. Eigentlich wollten wir noch eine weitere Nacht in Botswana verbringen und fanden kurz vor der Grenze auch einen Campingplatz ausgeschildert. Aber so typisch für Afrika: der an sich herzige Platz mit recht neuer und ehemals guter Infrastruktur war völlig verwahrlost. Wir fanden die Zufahrt kaum, hätten jedes Busch-WC der völlig verdreckten Anlage vorgezogen und fuhren deshalb rasch weiter. Schade! Wir hielten nach einem geeigneten Bushcampplatz Ausschau als einmal mehr ein heftiges Gewitter über uns hereinbrach. Also trotz der vorgerückten Stunde doch noch bis zur Grenze und dann gleich auf den ersten Camping auf Namibischer Seite. Zum Glück verlief die Ausreise aus Botswana extrem zügig – auch nach europäischen Massstäben. Mal sehen, was uns bei der Einreise in Namibia erwartet, schliesslich haben wir da unsere Visumszeit schon lange ausgereizt …

Der Norden Botswanas hat uns sehr gut gefallen: Wildlife noch und noch, abwechslungsreiche, einsame Landschaft und freundliche Batswana (Einwohner Botswanas). Schade, lag der Süden mit seinen grossen Städten nun nicht mehr auf unserem Weg. Dort hätten wir gerne nach Mma Ramotswe Ausschau gehalten. Die traditionally built Mma Ramotswe in ihrem tiny white van ist die emanzipierte aber traditionsbewusste erste Detektivin Botswanas, deren lustigen und spannenden Fälle wir in Alexander McCall Smith’s Romanen mit Begeisterung folgten. Die fünf dünnen Büchlein in sehr einfachem Englisch geben einen witzigen, guten und vielseitigen Einblick in den Alltag Botswanas bzw. Afrikas. Alle die liebvollen kleinen Details – so typisch Afrika! Die Gelegenheit also für alle zu Hause Gebliebenen, sich vom bequemen Sofa aus etwas Afrika-Feeling rein zu ziehen!

Windhoek, 12. Dezember 2006

 

 In der Chronologie geht es hier weiter mit dem letzten Reisebericht über Namibia.