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Gabon      8.5. - 16.5.2006                    

In Gabon lockten uns der Regenwald, die Gorillas und das Albert Schweitzer-Hospital in Lambarené. Vorher mussten wir aber erst mal in Gabon einreisen. Dieses Mal waren es nicht unsere Visa, die Probleme bereiteten sondern unsere Hunde. Der Grenzbeamte sah Mali im Auto – sie war auch nicht zu übersehen wie sie auf dem Fahrersitz rumtanzte – und klopfte anschliessend an die anderen Autos, worauf Stapper natürlich heftig bellte. Der Beamte wollte darauf die Impfausweise für die Hunde sehen und erklärte uns, dass er für jeden Hund ein Gesundheitszeugnis ausstellen werde (selbstverständlich ohne sich die Hunde anzusehen) das 10'000 CFA (15 €) kosten würde. Barbara wollte wie immer in solchen Fällen die gesetzliche Grundlage dafür sehen worauf der Beamte nach langem Suchen tatsächlich einen Schnellhefter mit einigen Bestimmungen präsentierte. Über Hunde stand aber nichts drin. Wir erklärten ihm, dass unsere Hunde ein internationales Gesundheitszeugnis besässen (Computer sei Dank verfügt auch Mali über ein solches Papier) und wir hier keines kaufen würden. Der Beamte maulte, dass unsere Zeugnisse nur in deutsch und englisch und nicht französisch ausgestellt waren und Barbara musste ihm die Papiere erst einmal übersetzten. Er hörte aber gar nicht hin und blätterte glücklich in Malis französischsprachigem Impfbüchlein wo er die Informationen über Tollwut angeblich genaustens studierte. Jedenfalls kam er zur glorreichen Schlussfolgerung, dass die Hunde wohl gegen Tollwut geimpft sind, aber diese Krankheit auf den Mensch übertragbar sei und wir deshalb auch geimpft sein müssten. Es passte ihm gar nicht, als wir ihm ohne zu zögern unsere Impfausweise mit der entsprechenden Impfung unter die Nase halten konnten. Er versuchte es dann noch damit, dass unsere Impfungen 2005 und nicht 2006 gemacht wurden und damit nicht mehr gültig wären. Mit viel Geduld erklärte Barbara ihm, dass die Impfung mindestens 10 Jahre anhält. Ohne über die verlorene Schlacht traurig zu sein, liess uns der Grenzbeamte daraufhin freundlich lächelnd ohne Bezahlung ziehen. Es zeigte sich hier einmal mehr, dass sich in Afrika mit viel Zeit und Geduld  alles Regeln lässt, auch ohne Geld!

Gabon ist eines der Länder mit dem höchsten Prokopfeinkommen Afrikas. Wir machten uns deshalb auf gesalzene Preise gefasst und wurden in dieser Vorstellung leider auch bestätigt. So teuer war Afrika für uns wohl noch nie. Dafür aber konnten wir zumindest im Norden Gabons auch gute Infrastruktur geniessen: gute Teerstrassen und zum ersten Mal seit Europa grosse Beschilderungen mit Kilometerangaben. Sogar die kleinen Einkaufsläden in den Döfern verfügten über ein erstaunliches Sortiment auch europäischer Produkte.

Die erste Nacht in Gabon verbrachten wir in einer kleinen und bescheidenen Mission in Oyem. Karsten machte sich trotz Müdigkeit und Gliederschmerzen daran unseren Wasserfilter zu putzen. Mit aller verbleibenden Energie drehte Karsten am Verschluss und – knack, der Anschluss des Wasserschlauchs brach am Filter ab. Die Männer mühten sich nun trotz Regen ab, den Schaden zu beheben. Ergebnislos. Da hatten wir doch nun nach nur genau 3 Tagen gefiltertem Wasser einzig wieder normales Wasser zur Verfügung. Am nächsten Tag beschafften wir uns in Mitzic Ersatzteile. Mittlerweile hatte Karsten knapp 39° Fieber. Nach einigem Beratschlagen entschieden wir uns für einen Malariatest im nahen Spital. Nach einem Fingerpicks und nur 20 Minuten Wartezeit hatten wir bereits das Ergebnis: negativ – keine Malaria. Karsten ging es schlagartig besser. Unter diesen Voraussetzungen machten wir uns auf Richtung Lopé Nationalpark wo wir hofften Gorillas beobachten zu können. Die Piste führte uns durch dichten Regenwald und durch die vom letzten Regen schlammgefüllten Löcher.  Abenteuer pur! Es war nie klar, wie tief diese Löcher sein würden, wie der Untergrund beschaffen sein würde und wie steil die Ausfahrt wird. Unangenehm, durch diese Schlammseen zu fahren, die manchmal über Radtiefe hatten!

                                              

 

Mit etwas Glück fanden wir gegen Abend einen abgeholzten Platz für ein Bushcamp. Karsten legte sich mit knapp 40° Fieber gleich ins Bett und schluckte fiebersenkende Medis. Obwohl wir wussten, dass es keine Malaria sein konnte, machte Barbara sich langsam Sorgen. Karsten fühlte sich abgesehen von der Hitze aber ganz gut und nachts senkte sich das Fieber auch wieder. Auf dem abendlichen Hundespaziergang stellten wir fest, dass der sonst so lebhafte Stapper wie schon seit einigen Tagen lustlos hinterher trottete. Wir vermuteten, dass auch ihm das heisse und feuchte Klima hier nicht zusagt.

Am nächsten Tag begann es schon morgens früh um 5 Uhr heftigst zu regnen. Unser Übernachtungsplatz stand fast unter Wasser aber wir schafften es noch knapp bis auf die Piste zurück. Diese war jetzt aber ungemütlich glitschig, schlimmer als Schnee! Vorsichtig fuhren wir los durch fantastischen ursprünglichen Regenwald (im wahrsten Sinn des Wortes) und überquerten nach einer knappen Stunde Fahrtzeit am 10. Mai 2006 um 10h15 den Äquator, was wir natürlich trotz Regen feiern mussten.

Über schmale Piste und mit Fähre über einen breiten Fluss gings weiter Richtung Nationalpark. Kaum im Park änderte sich die Landschaft schlagartig. Wir fühlten uns nach Irland gebeamt: Grasbewachsene Hügel mit Waldflecken eingehüllt in feuchten Nebel.                     

Wir schafften es bis in die luxuriöse Lodge und durften dort nach einiger Diskussion und einem extrem überteuerten Znacht im Restaurant auch in unseren Autos übernachten. Aus der Gorilla-Beobachtung wurde leider nichts, da ausgerechnet jetzt dieser Teil des Parks geschlossen war. Am anderen Morgen verweigerte Stapper den Morgenspaziergang und wir stellten fest, dass er Fieber hatte. Jetzt bekam Stapper die fiebersenkenden Medikamente.

Wir entschieden uns für die Weiterfahrt Richtung Lambarené, da wir von vor uns reisenden Schweizern erfahren hatten, dass die Angolanische Botschaft in Gabons Hauptstadt Libreville neuerdings keine Visa mehr ausstellt. Also ersparten wir uns den Umweg nach Libreville und fuhren direkt nach Süden über Schlammpiste und vorbei an einem mitten auf der Piste stecken gebliebenen und bis zur Achse eingesunkenen Lastwagen. Unsere Ausweichmanöver waren filmreif!

                                              

Wegen der schlechten Pistenbeschaffenheit schafften wir es nicht bis nach Lambarené und Übernachteten vor einem kleinen Hotel direkt an der Durchgangsstrasse.

Am anderen Morgen hatte Stapper so hohes Fieber, dass er sich nicht mal mehr aufstehen konnte. Überstürzt fuhren wir morgens kurz vor 7 Uhr los um möglichst schnell ins 106 km entfernte Lambarené zu einem Tierarzt zu kommen. Auf der Fahrt hatte Stapper mehrere, vermutlich fieberbedingte epileptische Anfälle. Endlich in Lambarené angekommen mussten wir feststellen, dass es nur in Libreville einen Tierarzt gibt. Hilfesuchend wandten wir uns ans Albert Schweitzer-Spital und Kay, ein netter junger deutscher Arzt kümmerte sich um Stapper, dem es zum Glück mittlerweile etwas besser ging. Mit neuen Antibiotika versehen machten sich unsere Freunde auf den Weg einen Übernachtungsplatz in Lambarené zu suchen. Wir schnappten uns Kay und nutzten die Gelegenheit für einen umfassenden Gesundheitscheck (nach 5 Monaten ungefiltertem Afrikawasser!). Kay war begeistert von unseren Blutbildern – die besten, die er in den letzten 3 Monaten zu sehen bekam… Bis auf einige Käfer in unseren Gedärmen (Lamblien) war alles in bester Ordnung. Wir erhielten Antibiotika – Barbara eine doppelte Ration um auch ihre entzündeten Mückenstiche zu bekämpfen – und fuhren ebenfalls zum Übernachtungsplatz in der katholischen Mission, bzw. zu den Schwestern der unbefleckten Empfängnis. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass es Stapper wieder schlechter ging. Er hatte trotz Medis mehrere Anfälle, war bewusstlos und seine Körpertemperatur musste ständig mit kaltem Wasser gesenkt werden. Im Laufe des Nachmittags verschlimmerte sich sein Zustand. Gegen Abend, nach einem heftigen Anfall, machte Stapper in den Armen seiner „Eltern“ seinen letzten Atemzug. Wir konnten uns einzig damit trösten, dass Stapper nicht lange Leiden musste und jetzt bestimmt in guter Hundegesellschaft weilt. Am nächsten Morgen beerdigten wir den lieben Stapper an einem schönen Platz. Die Weiterfahrt von Lambarené viel uns allen schwer und der auch von Mali so geliebte Stapper hinterlässt ein grosses Loch. Wir machten uns zudem auch etwas Sorge um Mali und Lakshmi, da wir nicht wussten, woran Stapper gestorben war und wir eine ansteckende Krankheit nicht ausschliessen konnten.

Da uns allen das extrem feuchte Klima und die vielen Insekten (v.a. die winzigen, kaum sichtbaren Fourmi, die durch jedes Moskitonetz schlüpfen können und hässliche, juckende rote Flecken auf der Haut hinterlassen) sehr zu schaffen machten, entschlossen wir uns, so schnell wie möglich und ohne weitere Umwege nach Süden, in angenehmere Regionen zu fahren. Nach zwei langen rüttelschüttel Fahrtagen durch wunderschöne Graslandschaft, einer zweistündigen, siestabedingten Wartezeit auf unsere Ausreisestempel in Ndendé, verschiedenen Checkpoints und zwei buschigen Bushcamps erreichten wir früh morgens am 16. Mai die Grenze zur Republik Kongo.

 

                                                                                              Pointe-Noire, 21.Mai 2006