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Ghana    2.4. - 19.4.2006

In Ghana wird alles besser – Karstens Lieblingsspruch! Man spricht englisch und sowieso und überhaupt! Nur versteht Karsten das Ghana-Englisch kaum und Barbara fragte sich, was nach Burkina nun noch besser werden sollte. Aber wenn sich Karsten mal etwas in den Kopf gesetzt hat …! (Anmerkung der Redaktion für Insider: Gahnahook - vielleicht hat dies eine falsche Vorstellung entstehen lassen?!)

Aber nun zur Realität. Der Grenzeübergang, unser neunter in Afrika, hiess uns schon von weitem mit einem riesigen Torbogen willkommen mit grossen Schriftzug „Welcome to Ghana“. Nach den bisherigen Bretterbuden und Lotterhäuschen an den Grenzen wirkte dies extrem pompös und ungewohnt für Afrika. Am Zoll instruierte uns der Beamte: „Geben Sie mir das Carnet (Autopapiere) und gehen Sie zur Polizei, wenn Sie zurück kommen ist das Carnet schon abgestempelt und dadurch verlieren Sie nicht so viel Zeit“ – na das hatten wir doch noch nie erlebt! Seit wann spielt Zeit in Afrika eine Rolle? Zu Karstens grosser Enttäuschung waren die Strassen Ghanas aber keineswegs besser als im restlichen Afrika. Auf rauer Piste ging es an diesem Tag noch bis nach Wa, der ersten grossen Stadt in Ghana. Hier wollten wir uns mit Cedi, die einheimische Währung, eindecken. Barbara wollte schon an der Grenze CFA in Cedi wechseln, aber Karsten war überzeugt, dass es in Wa einen Geldautomaten geben würde – schliesslich waren wir jetzt ja in Ghana! Weit gefehlt! Auch das Eurotauschen war weitaus komplizierter als gedacht. Und den versprochenen Campingplatz (ein richtiger Campingplatz – natürlich, in Ghana ist alles besser) gab es nicht. Zum Glück gab es hier aber  ein Katholisches Gästehaus. Wir waren offenbar die ersten, die je hier in ihrem Auto übernachten wollten und so brauchte es etwas Zeit, dem Manager klar zu machen, wie wir schlafen wollten. Er konnte sich nicht vorstellen wie man bei dieser Hitze im Auto schläft und als er das Wort Zelt hörte, rätselte er, wie wir die Heringe auf dem Betonplatz einschlagen wollten. Wir genossen dann wieder einmal eine ruhige Nacht in den Schutzmauern der Kirche.

Nach der schlechten Piste vom Vortag waren wir über die angenehme Teerstrasse positiv überrascht und genossen das schnelle Vorankommen. Nur die letzten 60 Kilometer bis zum Mole Game Reserve waren wieder einmal mehr harte Probe für Mensch, Hund und Material.  Dafür trafen wir am Eingang zum Park in einem schönen Camp die Holländer, welche mit ihren Hunden ja auch nicht in die Parks dürfen. Während wir uns von ihnen zum verspäteten Zmittag mit Omletts verwöhnen liessen und uns ihr Video vom Morningwalk im Park anschauten, überlegten wir, wie wir Hund und Parkbesichtigung am nächsten Tag unter einen Hut bekommen sollten. Wir erinnerten uns plötzlich daran, dass es auch einen Eveningwalk gibt um 15h30 und uns also gerade noch zehn Minuten blieben um zum Park zu rasen und uns anzuschliessen. Wir waren froh, Mali in der Obhut der Holländer und in guter Gesellschaft von Stapper und Lakshmi lassen zu können. Im Park wartete der Ranger bereits mit einer Gruppe und es ging sofort los. Wir pirschten uns zu fünft durch den Busch und bekamen tatsächlich nach wenigen Minuten die ersten Elefanten zu sehen. Anders als bei unserem letzten Elefantenerlebnis vor nur zwei Tagen waren wir dieses Mal nun auf Augenhöhe und ohne schützende Lodge um uns herum. Da war die Entfernung von knapp 50 Metern schon unangenehm nah. Es schien uns, als könnten wir die langen Stosszähne, die fast bis zum Boden reichten, berühren. Der Ranger hiess uns auch sogleich aus Sicherheitsgründen zurückzuweichen - der eine von den Elefanten hätte nicht umsonst den Spitznamen „Action“! Das Glück war uns auch auf dem weitern Spaziergang hold und wir konnten unter anderem Antilopen, Springböcke und Krokodile beobachten. Zum ersten Mal seit langer Zeit erlebten wir auch wieder einmal kühles Nass von oben. Ausgerechnet während unserem Spaziergang öffnete der Himmel seine Schleusen und wir wurden klitschnass.

Mali, die unsere Wegfahrt nicht sonderlich beeindruckt hatte, freute sich nun aber riesig über unsere Rückkehr. Sie hat sich offenbar sehr gut gehalten in unserer Abwesenheit und hatte sogar, als die Holländer mit ihren Hunden und Mali des Regens wegen in ihr Auto flüchteten, die beiden anderen grossen Hunde in deren eigenen Auto angeknurrt und sie erfolgreich daran gehindert, ihre Stammplätze einzunehmen. Unsere kleine Mali entwickelt sich zu einem mutigen Frechdachs! Am gleichen Abend stöberte sie direkt neben dem Auto auch noch einen Skorpion auf und wollte zu unserem Schrecken mit ihm spielen. Karsten hielt ihn jedoch mit einer Plastikflasche in Schach bis der Platzbesitzer uns zu Hilfe kam. Zu unserer Erleichterung erklärte er, dass dieses Tier zwar genau so aussehe wie ein Skorpion aber ungiftig sei. Wir werden es wohl aber auch in Zukunft nicht darauf ankommen lassen!

Am nächsten Tag liess sich Barbara in die komplizierten Kunst der Ghanaischen Küche einweihen und kochte mit der Frau des Platzbesitzers mit grossem Mörser und „Handpresse“ über offenem Feuer das traditionelle ghanaische Gericht Fufu (Yam-Brei mit Alefblätter-Sauce). Es schmeckte köstlich – was auch Sibylle und Christoph bestätigten, die eben aus dem Park zurück kamen und sich gerade mit uns an den Mittagstisch setzen konnten. Zusammen fuhren wir anschliessend weiter Richtung Süden. Im Baobeng-Fiema Monkey Sanctuary genossen wir einen gemütlichen Nachmittag im Camp. Mali konnte sich zum ersten Mali in ihrem Leben in hohem Gras tummeln und genoss es in vollen Zügen. Seit dem Mole Game Reserve war die Piste nämlich von dichtem, dunkelgrünen Dschungel gesäumt, der es uns schwer machte von der Piste abzuweichen und einen Schlafplatz zu suchen und nachts hinderte uns das mittlerweile extrem feuchte Klima am Schlafen. Aber für Mali gab es jetzt dafür hohes Gras zum Verstecken spielen. Gegen Abend spazierten wir durch den Dschungel im Monkey Sanctuary und amüsierten uns über die vorwitzigen Mona-Affen, die uns vor der Nase herumturnten. Weit oben in den Baumwipfeln entdeckten wir die grösseren und scheuen Black and White Affen mit ihren buschigen weissen Schwänzen. Nicht schlecht staunten wir über den Affenfriedhof, wo die hier für heilig gehaltenen Affen beerdigt werden.                    

                                                                 

In Kumasi, der zweitgrössten Stadt Ghanas, konnten wir uns nun endlich mit Geld aus dem Automaten eindecken. Dafür mussten wir uns aber erst einmal zwei Stunden durch das gemäss Guidebook grösste Verkehrschaos Westafrikas durchkämpfen. Entsprechend hatten wir von dieser Stadt auch schon wieder genug, als wir endlich unser Geld hatten und fuhren gleich weiter an den für die Ashanti heiligen Vulkankratersee Botswumti. Hier hatten wir die Bungalowanlage Rainbow Village direkt am See ganz für uns alleine und genossen die Ruhe und die ans Tessin erinnernde Landschaft. Mali hatte in Johnny, dem „Hotelhund“ den perfekten Spielgefährten gefunden. Am nächsten Morgen kamen Sibylle und Christoph für ein gemütliches Frühstück vorbei, fuhren aber anschliessend weiter, während wir noch einen weiteren Tag Ruhe, angenehmes Klima und schwimmen im sauberen badewannen-warmen See genossen. Mittlerweile entdeckte auch Mali –zwar etwas unfreiwillig -, dass sie schwimmen kann.

In einem ewig langen Fahrtag (7h!) gings anschliessend runter an die Küste bis nach Dixcove in die Green Turtle Lodge. Der Tipp von Angela und Bruce entpuppte sich ein weiteres Mal als Volltreffer. Wir konnten uns direkt am Strand unter Palmen hin stellen und die sehr saubere und schöne Bungalowanlage mitbenutzen. Der ewig lange weisse Traumstrand lud zu endlosen Spaziergängen ein. Schade war nur, dass ausserhalb „unseres“ Strandes viel angeschwemmter Müll rumlag, den Mali natürlich absolut toll fand. Hier am Meer war nun endlich auch das Klima wieder erträglich. Der starke Wind, einzelne Wolkenfelder (schliesslich ist jetzt Regenzeit) und der zwar warme aber immerhin nasse Atlantik liessen unsere Lebensgeister wieder aufblühen. Schön fürs Auge dafür eher unangenehm zum Schwimmen, waren die riesigen, sich weiss schäumend auf dem Strand brechenden Wellen. Mehr als hüfttief konnten wir deshalb nicht ins Wasser, auch der starken Strömung wegen. Dies reichte aber absolut aus um nur schon bei „kleinen“ Wellen vollständig überspühlt und durchgeschüttelt (in Surfer-Sprache: gewaschen) zu werden. Deshalb waren wir auch ganz froh darüber, dass Mali das seltsame weiss schäumende Zeug lieber aus sicherer Distanz beobachtete und sich höchstens die Pfoten umspühlen liess. Schweren Herzens verliessen wir nach vier Tagen das kleine Paradies um uns vor den Osterfeiertagen in Accra noch rasch mit Geld und einigen europäischen Lebensmitteln einzudecken und anschliessend Sibylle, Christoph und die Holländer etwas weiter nördlich an der Grenze zu Togo bei den Wli-Wasserfällen wieder zu treffen.

Die Fahrt nach Accra dauerte der schlechten Strasse wegen wieder einmal viel länger als erwartet, obwohl wir uns nur zwei Kurzbesuche in den Sklavenfort an der Küste gönnten. So steckten wir um 16 Uhr mitten in Accras Osterverkehr fest und brauchten eine Ewigkeit um quer durch die Stadt in den grossen Supermarkt zu fahren. Zu allem Übel funktionierten dort aus irgendwelchem Grund unsere Kreditkarten nicht und die nächste Bank spuckte gerade mal 40 € als Höchstbetrag aus. Völlig genervt machten wir uns in der Dunkelheit und bei anhaltendem Verkehrschaos auf einen Übernachtungsplatz zu suchen mitten in Accra. Extrem mühsam und schwierig! Müde, hungrig und genervt übernachteten wir schliesslich ausserhalb der Stadt auf dem Parkplatz der Next Door Lodge am Meer. Wir waren richtig froh, am nächsten Morgen früh Accra wieder verlassen zu können. Feiertage sind während des Reisens mühsam. Überfüllte Strassen und geschlossene Läden und Botschaften sind das eine, zu viele Leute an den schönen Plätzen das andere.

Nach einer weiteren langen Fahrt – nur unterbrochen von zwei Stunden Internetcafé unterwegs – kamen wir am Karfreitagabend geschafft in der Wli-Waterfall-Lodge an. Nicht nur wir freuten uns, unsere Reisegspännli wieder zu treffen, auch Mali war ausser sich vor Freude Lakshmi, ihr grosses Vorbild und Stapper, ihre heimliche Liebe, zu sehen. Mit dem „Lodgehund“ Dolfi tobten sie zu viert durch die Anlage. Obwohl die Waterfall-Lodge noch in keinem Reiseführer zu finden ist, wird sie als Geheimtipp unter den Reisenden gehandelt. Das deutsche Paar Sabine und Bernhard ist auf ihrer Afrikareise hier in Wli hängen geblieben und hat 2003 dieses kleine Paradies aufgebaut. Hier in den Hügeln an der togolesischen Grenze ist das Klima trotz üppigem Dschungel angenehm. Zusammen mit unsern Freunden genossen wir ein paar Tage Osterferien bei feinem Essen, nachmittäglichem Volleyball, Spielabenden, Pläne schmieden und Spaziergängen. Am Ostersonntag hiess es für einmal nicht Eier- sondern Camäleonsuchen im Fliederbaum. Die Eiervariante ist definitiv einfacher! Ohne fremde Hilfe hätten wir das Camäleon wohl nie entdeckt. Zu sechst mit drei Hunden unternahmen wir anschliessend die Osterwanderung zu den Wasserfällen. Die insgesamt gut fünfstündige Wanderung war wohl Malis bisher längster Spaziergang. Im Gegensatz zu uns schaffte sie die einige hundert Höhenmeter über steilen, steinigen und rutschigen Pfad in tropischer Hitze problemlos und war nach der Rückkehr und einem kurzen Nickerchen schon wieder zum Spielen aufgelegt. Wir hingegen kämpften uns schweissgebadet und mit dem letzten Quäntchen Energie zum Wasserfall und zurück und verbrachten den Nachmittag regungslos in Liegestuhl und Hängematte. Aber es hatte sich gelohnt: Wie in einer der bekannten Shampoo–Werbungen  badeten wir mitten im Dschungel im natürlichen Pool unter dem Wasserfall und liessen das aus 100 Meternrrunter stürzende Wasser über uns strömen. Ein fantastisches Erlebnis! Das wir dabei die grüne Grenze nach Togo überquert hatten, störte uns im Gegensatz zu den togolesischen Führern, die wir unterwegs trafen, wenig…

Leider mussten wir feststellen, dass aus unserem Vorhaben mit unseren Freunden gemeinsam von hier aus durch Nigeria weiterzureisen nichts wird. Im Gegensatz zu ihnen haben wir noch kein Visum für Kamerun. Wir wollten uns dieses auf der Durchreise in Nigerias Hauptstadt Abudja beschaffen. Wir mussten jetzt aber feststellen, dass es entgegen unserer bisherigen Informationen keine Kamerun Vertretung in Abudja gibt. So werden wir wohl anstatt wie geplant durch Nigerias Mitte zu fahren den zwar viel kürzeren aber wegen zahlreichen Checkpoints und Kriminalität auch unangenehmeren Weg im Süden nehmen müssen um uns in Calabar das Kamerunvisum zu holen. Wenn alles klappt, treffen wir uns dann aber in Kamerun oder Gabon wieder um gemeinsam durch den Kongo zu reisen. Wir möchten alle nun zügig durch die schwierigen Länder durchreisen bevor die Regenzeit die Strassen Kameruns in Schlammrutschbahnen verwandelt und wegen den anstehenden Wahlen im Juni die Grenzen Kongos möglicherweise geschlossen werden.

Karstens voreiliger Spruch „in Ghana wird alles besser“ hat sich als Trugschluss erwiesen. Wir haben hier sehr schöne Plätze gefunden und freundliche Leute kennen gelernt. Ghana ist für uns eines der vielen schönen afrikanischen Länder ohne jedoch in einer Hinsicht speziell hervorzustechen.

 

Wli, 19. April 2006