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Guinea     14.2. - 24.2.2006

Guinea, das Land der bewaldeten Hügel und Wasserfälle – hier in diesem Land mit der beeindruckenden Landschaft und den freundlichen, zurückhaltenden Menschen hätten wir problemlos noch länger bleiben können. Wäre da nicht unser Malivisum, das am 28. Februar abläuft.

Am Valentinstag haben wir mittags in Boundou-Foudou die Grenze nach Guinea – Guinea-Conakry, wie das Land hier genannt wird zur Unterscheidung von Guinea-Bissau – überquert und dies in einer Rekordzeit von ca. 60 Minuten. Sowohl die verschiedenen Ausreiseposten aus Senegal wie die mindestens 6 Kontrollen bei der Einreise in Guinea waren alle sehr freundlich und speditiv und zu unserem Überraschen  wurden wir keine einziges Mal aufgefordert, für irgend etwas zu bezahlen. Wenn es in Afrika doch immer so wäre!

Unsere erste Nacht in Guinea verbrachten wir in Koundara. Da wir Land und Leute noch nicht so richtig einschätzen konnten, waren wir froh um die sichere Unterkunft, die wir in der katholischen Mission fanden. Bisher hatten wir nur von solchen Missions-Übernachtungsmöglichkeiten gelesen und waren deshalb gespannt, wie es werden würde. Der junge „Père“, der die Station leitete, stammt aus Ghana und für ihn war es selbstverständlich, dass wir im Innenhof übernachten durften. Das Gästezimmer, das er uns anbot, lehnten wir dankend ab, waren aber froh um die Dusche, die wir benutzen konnten. In der Abenddämmerung sassen wir auf der Terrasse und freuten uns über die wirklich wohlklingenden Chorgesänge, die von der Kirche nebenan herüber wehten. Wir genossen die ruhige und friedliche Stimmung unheimlich. Freudig überrascht nahmen wir gerne die Einladung des „Père“ zum gemeinsamen Abendessen an. Die Tafelrunde bestand aus dem „Père“, zwei weiteren jungen Missionaren aus Senegal – die aus dem uns bekannten Affiniam stammten, wie wir später erstaunt feststellten – und einem Missionaren aus Irland. Die Tafel bog sich unter den aufgetischten einheimischen Spezialitäten. Dazu gab es lokalen Palmwein und französischen Rotwein. Wir verbrachten einen fröhlichen gemeinsamen Abend und unser Gelächter schallte wohl ab und zu über das Grundstück der Mission hinaus…

Für Übernachtung und Abendessen durften wir nichts bezahlen, nach einigem Drängen nahm der „Père“ dann aber eine kleine Spende für die Gemeinde an.

Unser nächstes Ziel war Labé, die Hauptstadt der Fouta Djalon und drittgrösste Stadt Guineas. Ursprünglich wollten wir dazu eine kleine und als sehr schlecht beschriebene Piste durch die Berge fahren. Aber nach all den Horrorgeschichten, die wir mittlerweile über diese Piste gehört hatten und in Erinnerung an Martin Krauers (unser Gelände-Fahrinstruktor) Worte, entschieden wir uns für eine etwas grössere und bessere Piste um unseren Macun für den Ernstfall zu schonen. Wider Barbaras Befürchtungen stellte sich auch diese Piste nach den ersten langweiligen  rund 70 km als lanschaftlich sehr schön und fahrtechnisch immerhin ein klein wenig anspruchsvoll heraus. Wir fuhren durch hügeliges Gelände durch dichten Laubwald und kamen uns zeitweise vor, wie zu Hause im Herbst. Der Staub der roten Erdpiste setzte sich an den Bäumen und Sträuchern beidseits der Piste ab, häufig lag Laub am Boden (schliesslich ist auch hier jetzt Winter) und die vereinzelten Sonnenstrahlen, die durch das gelb-grüne Blätterdach drangen, liessen alles in goldigem Licht erstrahlen. Auf diesen gut 200 km schlängelte sich die Piste von Meereshöhe bis auf 1100 Meter und unser Macun fühlte sich langsam so richtig heimisch. Unterwegs kreuzten zweimal grosse Affenherden – vermutlich Paviane -  unseren Weg um sich anschliessend in den Bäumen etwas abseits der Piste von uns beobachten zu lassen – oder beobachteten sie wohl eher uns...?

Affen der Gattung Meerkatzen hatten wir schon in der Nähe von St. Louis beobachten können und in unserem Camp in Georgetown (Gambia) hangelten sich kleine Affen ihren Weg quer durchs Camp. So kam es auch, dass sich einer dieser Affen im Baum über unserem Frühstückstisch behaglich einrichtete. Als ihm Barbara zuwinkte grüsste er auf seine Weise zurück – und schon war die Affenkacke auf Karstens Frühstückteller am Dampfen!

Mit dem landschaftlichen Wechsel vom Flachland ins hügelige Bergland, änderte sich auch das Erscheinungsbild der Häuser. Sahen wir bisher vorwiegend Rundhütten aus Lehm mit Strohdächern, wurden diese nun abgelöst durch rechteckige, gemauerte Häuser mit Wellblechdach und Schmiedeisenverzierungen. Auch wir mutierten von den „Toubab“ (Weisse, Fremde), wie uns die Kinder in Gambia und in der Casamance nachriefen, zu „Porto“ (vermutlich in Anlehnung an die ersten Weissen in diesem Gebiet aus Portugal).

Kurz vor Labé bogen wir auf eine kleine holprige Nebenpiste ab die uns nach ca. 15 km zu den Chutes (Wasserfall) de la Sala führte. Kurz oberhalb der Fälle plätscherte das Wasser, gesäumt von üppiger tropischer Vegetation, gemächlich über Steinstufen und sammelte sich in zahlreichen Pools, die zum Baden einluden. Da die Einheimischen diesen Badeplatz aber auch zu lieben scheinen und oberhalb sogar Bungalows zur Vermietung stehen, fuhren wir ein kleines Stück weiter zum Aussichtspunkt, der einen fantastischen Blick auf den ca. 200 Meter hohen Wasserfall bot. Trotz Trockenzeit schäumte eine weisse Wasserwand über den schwarzen Fels und stürzte tosend in die Tiefe. Wir genossen einen ruhigen Nachmittag und ein gemütliches Znacht bei überwältigender Aussicht und eine dafür etwas zu „rauschende“ Nacht. Die Städte Labé und Pita links liegen lassend, gings am nächsten Tag gleich weiter zu Wasserfall Nummer 2, den Chutes de KinKon. Auch dieser Wasserfall war schön, wäre aber sicher noch beeindruckender ohne Staudamm oberhalb. Dafür staute der Damm einen kleinen See, der sich sanft in die hügelige Landschaft einschmiegte und uns das Gefühl gab, entlang eines grossen Schweizer Bergsees zu spazieren.

Auf dem Rückweg von den KinKon-Fällen bog die Piste ab zu den Kambadagafällen. Lange Zeit standen wir an der Abzweigung und überlegten hin und her, ob wir nun zu diesen Fällen fahren sollten oder nicht. In unserer Wegbeschreibung stand, dass die Piste sehr schlecht sei, man für die ca. 26 km rund 2 Stunden Fahrzeit benötige und der Wasserfall erst nach einem längeren Fussmarsch erreicht werde. Karsten hatte eigentlich schon die Nase voll von 10 km Holperpiste zu den King Kong-Fällen, aber Barbara reizte der angekündigte Dschungelspaziergang zu den Fällen und Zeit hatten wir eigentlich genug. Also gings los Richtung Kambadaga. Die Piste stellte sich tatsächlich als Rüttel-Schüttel-Steinstufen-Bachdurchquerungs-Weg heraus, war aber zum Glück nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Jedoch fehlten nach dem ersten Hinweisschild jegliche weitere Richtungshinweise, so dass wir uns schon bei der ersten Verzweigung – und von diesen gabs noch viele – verfuhren. Die Wegbeschreibung in unserem Routenbuch beschränkte sich auf eine Zeile, GPS-Koordinaten hatten wir nicht, in der Karte waren die Fälle nicht eingezeichnet und wir wussten nicht einmal, in welcher Himmelsrichtung wir sie suchen mussten. Die wenigen Leute, an welchen wir unterwegs vorbei krochen, halfen uns aber immer breitwillig weiter – sofern sie verstanden, was wir fragten (was wir ab und zu bezweifelten aufgrund ihres verständnislosen Blicks aber heftigen Kopfnickens und breiten Grinsens).Wir fragten uns unterwegs einige Male, ob wir wohl die richtige Entscheidung getroffen hatten und ob Wasserfälle überhaupt so schön sein können, dass sie diese Mühen rechtfertigen. Aber als wir nach gut 2.5 Stunden Fahrzeit am Ende der Piste angelangten und unseren Übernachtungsplatz direkt am Fluss inspizierten, waren wir bereits überzeugt davon, dass sich die Fahrt nur schon deshalb gelohnt hatte. Wir campierten direkt neben dem Fluss, der hier friedlich über grosse Steinplatten floss und nicht nur zum Baden sondern auch zum Wäsche waschen einlud – was Karsten auch sogleich ausnützte. Auf einem grossen Stein mitten im Fluss kniend bürstete er mit Innbrunst unsere Wäsche. Da schien jemand überschüssige Energie zu haben … An diesem Abend waren wir noch lange wach und lauschten erst begeistert und zur vorgerückter Stunde dann eher genervt dem Quak-Konzert der Frösche. Am nächsten Morgen kümmerten wir uns um Karstens überschüssige Energie: schon um 8 Uhr standen unsere zwei jungen Führer bereit um uns zu Fuss zu den 4 Wasserfällen zu begleiten. Immer wieder versuchten wir den Jungs klarzumachen, dass wir keine Führer bräuchten und dass wir das Wandern gewohnt seien. Da sie sich aber nicht abschütteln liessen, machten wir uns halt zu viert auf den Weg. Nach knapp 20 Minuten auf einem gut sichtbaren Pfad entlang des Flusses erreichten wir den Aussichtspunkt auf den ersten der Wasserfälle – mit seinen rund 200 Metern wirklich beeindruckend. Bei diesem grandiosen Aussichtspunkt fanden wir auch ein paar halb zerfallene Bungalows vor – die Infrastruktur für den Tourismus würde in Guinea bestehen, es fehlen nur die Touristen, was bei diesem abgelegenen Ort aber auch nicht erstaunt… Immerhin gab es hier auch eine Tafel mit den Preisen für die offiziellen Wasserfallführungen und plötzlich wollten die beiden Jungs für die weiteren 3 Wasserfälle zusätzliche 100'000.- GF, obwohl wir vereinbart hatten, dass sie uns für 25'000.- zu allen vier Wasserfällen führen. Nach heftiger Diskussion erklärte Barbara genervt, dass sie jetzt halt eben alleine zu den nächsten Fällen gehen würde, und stapfte wütend davon, ohne jedoch einen Pfad zu sehen. Die Jungs folgten uns dann aber doch und zeigten uns den wirklich sehr schwer zu findend Trampelpfad. Einige hundert Meter gings den steilen, dicht bewachsenen Hang runter, zu Fuss und auf dem Hosenboden, bis zum kleinsten der vier Fälle. Dem Fluss entlang, teilweise entlang des Wasserfalls kletternd, arbeiteten wir uns langsam und schweisstreibend zu den anderen Wasserfällen hoch, um am Schluss auf den Bauch liegend über die Abbruchkante des ersten 200 Meter hohen Falls zu schauen. Es war spektakulär, aber nicht weniger anstrengend bei mittlerweile über 30°C. Gegen Mittag wieder beim Auto zurück, einigten wir uns mit unsern Führern schliesslich auf 50'000.- FG, diese 10 € haben sich die Jungs redlich verdient! Uns blieben nicht nur die eindrücklichen Erinnerungen sondern für einige Tage auch ein ausgewachsener Muskelkater.

Mit dem Zeitdruck des Mali-Visums im Nacken entschieden wir uns schweren Herzens noch für die Weiterfahrt am selben Tag. Der russischen Karte (von 1945!) und GPS sei Dank, fand Barbara nach einigem Suchen zu unserer Erleichterung eine Abkürzung und so waren wir nach nur 45 Minuten  bereits wieder auf der grossen Piste und hatten uns erst noch über 40 km Weg gespart. Auf einem Wochenmarkt in einem kleinen, abgelegenen Dorf machten wir halt um unsere Vorräte aufzustocken. Sobald wir aus dem Auto ausgestiegen waren, stand das gesamte Markttreiben still und die Leute verfolgen mit offenen Mündern unser Tun. Eine ganze Schar Kinder heftete sich an unsere Fersen, ohne uns aber anzusprechen oder zu berühren. Nachdem Karsten unsere ersten Einkäufe im Auto verstaut hatte, konnte er Barbara auf dem bunten Markt nicht gleich wieder entdecken. Da zeigte ihm der gesamte Markt ganz aufgeregt, in welcher Richtung er Barbara zu suchen hatte. Ein älterer Shopbesitzer kam zudem hierfür über den ganzen Markt herbei gerannt. Glücklich wieder vereint listeten wir anschliessend unsere Einkäufe auf und siehe da, für 1 € haben wir doch sage und schreibe 6 Zwiebeln, 4 Mangos, 4 Bananen, 1 grosser Salat, 1 Kohl und 1 Seife erhalten – und hatten vermutlich noch immer zu viel bezahlt.

Die Piste schlängelte sich zwischen steilen Hügeln hindurch und auf handgekurbelten Fähren mussten wir verschiednen Flüsse überqueren. Da standen wir dann jeweils am Flussufer und mussten erst einmal mit anhaltendem Hupen auf uns aufmerksam machen – was aber schwierig ist mit einer Hupe, die ab ca. 33°C keinen Laut mehr von sich gibt…

Aufgrund der dichten Vegetation blieb uns nichts übrig als in der Nähe eines Dorfes zu übernachten. Wir standen ca. 30 Meter neben den letzten Häusern und machten uns schon auf einen riesigen Menschenauflauf gefasst. Aber siehe da, auch hier grüssten uns die Leute nur freundlich im Vorbeigehen und liessen uns in Ruhe campieren. Der Dorfälteste vertrieb die gaffenden Kinder und holzte trotz unseres Protests extra Sträucher um unseren Lagerplatz herum ab. Als es dunkel wurde, sammelten sich dann die Teenies dieses Dorfes und des Nachbardorfes um unser Auto und auf dem Labtop zeigten wir ihnen Bilder von der Schweiz. Die Kinder hingen mit grossen Augen an den Bildern und waren überzeugt, dass das weisse Zeug an den Bergen doch sicher Sand sei wie in der Sahara. Barbara musste ihnen immer wieder erklären, was Schnee und Eis ist und wie sie entstehen und wie Skifahren funktioniert. Auch von unseren Hochzeitsbildern waren sie begeistert und wollten unbedingt wissen, welches unsere Eltern, Geschwister, Grosseltern und Freunde sind. Als wir nach einer Stunde Filmvorführung und Schulunterricht den Labtop zuklappten, bedankten sich die Kinder mit leuchtenden Augen immer wieder überschwänglich bei Madame Barbara und Monsieur Karsten und trollten sich schliesslich zufrieden von dannen.

Unser nächster Übernachtungsplatz war eine richtige Camping-, Bungalowanlage ausserhalb Kindias, auch hier wieder direkt neben Wasserfällen. Wir waren die einzigen Gäste und genossen die Ruhe. Es sollte unsere einzige Campingübernachtung in ganz Guinea bleiben. Die Wasserfälle „Voile de la Mariée“ (Brautschleier) wurden ihrem Namen gerecht und hinter dem Wasserfall stehend, hatten wir wirklich das Gefühl durch einen aus glitzernden Perlen gewobenen Schleier hindurch zu sehen.

Von dem auf ca. 400 MüM gelegenen Kindia aus fuhren wir via Mamou auf guter Teerstrasse wieder aufwärts ins Hochland auf 1400 MüM. Bei unserem Tankstopp in Mamou stellten wir frustriert fest, dass der Diesel vor zwei Tagen um rund 10% von 3600.- FG auf  4000.- FG aufgeschlagen hatte und der Liter nun 76 Cent kostete. Aber was solls, auch unser Macun muss gefüttert werden. Trotz der schlechten Wegbeschreibung fanden wir nach einigem  Fragen ausserhalb von Dalaba die Piste nach Ditin und die Abzweigung zu den Chevalier-Gärten. Einen Garten gabs hier zwar auch – wir erhielten dort auch ganz frisch geschnittenen Salat – es handelte sich bei diesen Chevaliergärten aber vielmehr um einen grossen Pinienwald mit einem Teich in der Mitte. Es war das erste Mal, dass wir in Afrika Nadelbäume sahen. Wenn man aber Höhe und das nahezu europäische Klima bedenkt, ist dies auch nicht weiter erstaunlich. Der alte Wächter dieses Waldes sah sich nun mit einer neuen Aufgabe konfrontiert und bezog auf einer Steinbank neben unserem Auto Quartier um unseren Schlaf zu bewachen. Erst nach längerer Überzeugungsarbeit sah er ein, dass wir dies zwar schätzten, seine Nachtwache aber nicht nötig sei. Es stellte sich heraus, dass wir unseren Übernachtungsplatz unter den Bäumen neben dem Teich dummerweise so gewählt hatten, dass wir genau neben dem zwei Dörfer verbindenden Fussweg standen. In einem der Dörfer war an diesem Abend ein Fest und die gesamte Dorfjugend des anderen Dorfes defilierte in ihren besten Klamotten an uns vorbei auf dem Weg zum Fest – und spät abends als wir schon im Tiefschlaf lagen unter freundliche gemeinten „bonne nuit“ -Rufen wieder zurück. Trotzdem schliefen wir bei angenehmsten 12°C wieder einmal wie die Murmeltiere.

Über eine kleine Holperpiste gings die nächsten zwei Tage via Ditin und Timbo zurück auf die Teerstrasse. Auch die Wasserfälle in Ditin waren beeindruckend, wenn uns dieses Erlebnis und der Spaziergang auch ein wenig versaut wurden von extrem aufdringlichen Teenies, die uns unbedingt als bezahlte Führer begleiten wollten. Und hier war der Weg wirklich nicht zu verfehlen. An unserem nächsten Übernachtungsplatz blieben wir trotz unmittelbarer Nähe eines Dorfes bis zum Frühstück völlig ungestört. Dann entdeckten uns drei Jungen auf ihren Fahrrädern auf dem Schulweg, kam an unseren Zmorgentisch und fragten freundlich, ob wir vielleicht eine Panne hätten und Hilfe bräuchten und ob wir schon frisches Trinkwasser vom Dorf bekommen hätten. Nach einigen Minuten plaudern, zogen die Jungs wieder ab, enttäuscht darüber, dass sie uns mittags nach der Schule wohl nicht mehr hier vorfinden würden. Wir waren gerade beim Aufräumen als der Älteste der drei nach etwa 30 Minuten wieder bei uns aufkreuzte, sich ohne zu fragen an unseren Tisch setzte, sich die Brotresten nahm und enttäuscht war, dass wir Butter und Confi schon weggepackt hatten. Er erklärte uns, dass wir ihm einen grossen Gefallen tun würden, wen wir ihn mitnehmen würden nach Mali. Dort wolle er eine Fussballer-Schule besuchen. Er sei Fussballer und ein grosses Talent. Leider gäbe es in Guinea keine Fussballerschulen. Und er wolle schliesslich seine Familie ernähren, da sein Vater schon vor einiger Zeit gestorben sei. Barbara war so verblüfft von der Bitte, dass ihr im ersten Moment keine Argumente einfielen, um diesen Wunsch abzulehnen. Bis jetzt wollten immer alle mit uns in die Schweiz zurück kommen, aber niemand wollte mit uns bis ins Nachbarland mitfahren. Der Junge half in der Zwischenzeit ganz eilfertig beim zusammenpacken des Autos. Enttäuscht aber mit einem Lächeln nahm er schliesslich nach einigen Erklärungen unsere negative Antwort entgegen und drückt jetzt wohl wieder die guineische Schulbank.

Von Kouroussa ging es über Piste und neue Teerstrasse alles entlang des Nigers nach Siguiri und Kouremalé an der malischen Grenze. Letztes Jahr wurden Schweizer Touristen auf diesem Streckenabschnitt beim Wildcampen von vermutlich Wildern angeschossen. Also nahmen wir uns vor, bei einem Dorf zu übernachten. Leichter gesagt als getan! Wir fanden kein geeignetes kleines Dorf etwas abseits der Piste. Alle Dörfer waren ungewöhnlich gross und direkt an der Piste. Dafür besorgten wir uns bei einem dieser Dörfer wieder frisches Wasser und mussten hierzu erstmal den Dorfältesten – ein altes Mannchen in weiss-schwarz karierten Küchenchefhosen - suchen, der uns den abgeschlossenen Brunnen öffnete. Mit Händen und Füssen versuchten wir uns zu verständigen. Als wir dann endlich Wasser pumpen durften, stand das ganze Dorf um uns herum und kommentierte unsere Pumparbeit in ihrer Sprache. Nach ergebnisloser Dorf-Schlafplatz-Suche entschieden wir und dann doch für Wildcampen, aber möglichst gut versteckt. Nach langem Suchen fanden wir endlich einen geeigneten Platz. Aber bereits nach 20 Minuten hatten wir den ersten Besucher. In den letzten Tagen in Guinea hatten wir uns mittlerweile an den Anblick der Gewehre gewöhnt – hier schien jeder erwachsene Man mit einer mindestens dreissigjährigen Jagdflinte auf dem Rücken rumzuspazieren – aber ein wenig mulmig wurde es uns schon, als auch unser Besucher und alle folgenden Gewehr mit trugen. Wie schon in ganz Guinea vorher waren die Leute aber sehr freundlich und zurückhaltend und wir fühlten uns nie auch nur im geringsten bedroht. Obwohl jeder zehnte Einwohner ein Flüchtling aus einem der umliegenden Kriegsländer ist, war Guinea für uns trotz aller Warnungen ein sicheres und sehr schönes und zudem günstiges Reiseland. Da wir fast immer wild gecampt hatten, kamen wir mit einem Tagesschnitt von 16 €, inkl. Diesel, über die Runden.

Der Grenzübertritt am 24. Februar nach Mali verlief problemlos, wenn auch zum ersten Mal nicht besonders freundlich. Der Grenzübergang in Kouremalé ist stark frequentiert und die Beamten sind recht gestresst. Wir benötigten für alle Formalitäten fast zwei Stunden, obwohl wir an einigen Stellen einfach durch gewunken wurden, in der Annahme, wir seien vom Roten Kreuz…

Gleichentags gings mit ungewohnt berauschendem Tempo von 90 km weiter über niggelnagel neue, schlaglochfreie Teerstrasse und 40 km Wellbelchpiste, bis nach Bamako. Hier in Malis Hauptstadt Ruhen wir uns nun erstmal einige Tage auf dem etwas ausserhalb, direkt am Niger gelegenen Camping le Cactus aus.

 

Bamako, 1. März 2006