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Kamerun
25.4. - 8.5.2006
Bei der
Einreise nach Kamerun empfing uns ein dicker Zollbeamte und während seine
Sekretärin gewissenhaft unser Carnet ausfüllte, erklärte er uns nebenbei, dass
dies 3000.- Neira (20.- €) kosten würde. Auch als Barbara ihm erklärte, dass
dies immer kostenlos gemacht werden müsse und er schliesslich vom Staat bezahlt
werde, blieb er bei seiner Forderung. Anstatt uns auf weitere Diskussionen
einzulassen, liessen wir uns von der Sekretärin unser ausgefülltes Carnet geben
und gingen erst einmal zur Immigration, wo wir innert kürzester Zeit unsere
Einreisestempel im Pass hatten (gratis!). Nun verfügten wir über alle nötigen
Stempel und hätten eigentlich einreisen können, wenn uns der dicke Zöllner das
verschlossene Tor geöffnet hätte. Er aber sass gemütlich auf der Terrasse seines
Häuschens und blieb bei seiner Geldforderung, während wir draussen in der
einsetzenden Dämmerung bei strömendem Regen vor uns hinfluchten. Aufgrund der
vorgerückten Stunde und der nun nassen Piste hätten wir eigentlich gerne gleich
an der Grenze übernachtet, sahen dafür nun aber schwarz wegen des geldgierigen
Zöllners. Nach einigem Abwägen setzten wir uns dann zum Zöllner auf die Terrasse
und Barbara startete eine Diskussion mit ihm über internationales Recht,
Zollvorschriften, Verantwortlichkeit und Berufsethik. Und wer hätte es gedacht,
nach gut 60 Minuten sagte er, dass wir nun beide unsere Standpunkte dargelegt
hätten, er unsere Sichtweise sehe und ihm das Gespräch Spass gemacht hätte,
weshalb er auf seine Forderung verzichte. Wir könnten zudem gratis hier
übernachten. Gesagt getan. Bei strömendem Regen und viel Schlamm bauten wir uns
also unser Regendach auf und kochten uns ein rasches Znacht. Mali war glücklich,
im trockenen Auto sein zu können, nachdem sie überall ihre Schlammabdrücke
hinterlassen hatte. Als Dankeschön für die Übernachtungsmöglichkeit bezahlten
wir dem Zöllner vor der Abfahrt am nächsten Morgen freiwillig 3.- €.
Durch
bilderbuchhafte Dschungellandschaft fuhren wir am nächsten Tag über ca. 170 km
von 100 MüM auf das Hochplateau auf 1350 MüM bis nach Dschang ins „centre
climatique“. Diese Bungalowanlage wurde 1942 von Deutschen, die wegen des 2.
Weltkrieges nicht nach Hause zurück konnten, als Ferienanlage auf einem Hügel
mitten in einem Park erbaut, mit grossem Swimmingpool. Wir durften unser Auto
neben einen Bungalow stellen und konnten in diesem WC und Dusche benutzen –
falls es gerade mal Wasser hatte. Es gab hier auch ein feines Restaurant, edel
mit weissen Tischtüchern, wo wir uns ab und zu ein exquisites Znacht gönnten.
Das erste Mal seit Europa waren wir nun gerne abends auch wieder drinnen. Auf
dieser Höhe hatten wir ein ähnliches Klima wie im Sommer im Fex. Die
Temperaturen waren zwar höher (nachts ca. 20°C) aber wegen der hohen
Luftfeuchtigkeit empfanden wir es als recht kühl. Seit langem kamen unsere
Pullis wieder zum Einsatz und abends kuschelten wir uns gerne unter unsere
Decken. Weil es so schön war, blieben wir fünf Tage in Dschang.
 Im übrigen tat
es uns gut, dass wir uns hier einige Tage erholen konnten, nach den langen und
anstrengenden Fahrtagen durch Togo, Benin und Nigera. Barbara konnte ihren
steifen Nacken, die Rückenschmerzen und die zahlreichen entzündeten
Mückenstiche auskurieren und Karsten konnte sich ganz seinem heftigen Durchfall
widmen und sich zwischendurch in der Hängematte erholen.
Als wir uns
endlich von Dschang los reissen konnten, fuhren wir über neuste Teerstrasse,
vorbei an zahlreichen unbesetzten Checkpoints in Kameruns Hauptstadt Yaoundé zur
Visabeschaffung.
Gerade als wir auf dem Gelände der Presbyterianischen Mission
ankamen und den Motor ausmachten, bogen ein beiger Landy und ein roter Toyota um
die Ecke. Ohne uns abzusprechen, sind wir und unsere Freunde nach
unterschiedlichen Routen genau gleichzeitig am selben Ort in Yaoundé
eingetroffen. Gross war die Wiedersehensfreude und natürlich hatten wir uns
wieder einmal viel zu erzählen.
Die nächsten Tage
verbrachten wir in Yaoundé mit Beschaffung der Visa für Gabon, Kongo und
Demokratische Republik Kongo.
 Da sich die Mission mitten in der Stadt auf einem
ruhigen Hügel befand, genossen wir auch Spaziergänge ins Zentrum zum Markt und
ins Internet. Uns gefiel Yaoundé sehr gut. Die Stadt breitet sich aus über
verschiedene Hügel und ist sehr grün. Abseits von den Hauptverkehrsstrassen ist
es angenehm ruhig. Unser Highlight in Yaoundé war wohl das Abendessen im noblen
Restaurant La Salsa, das Christoph und Sibylle entdeckt hatten und wohin sie die
Holländer einluden, nachdem Jeroen den ganzen Tag die Wasserpumpe repariert
hatte an Sibylles und Christophs Auto. Wieder einmal auswärts essen wie in einem
noblen Restaurant zu Hause. Der Salat mit warmem Geisskäse, die Crevetten und
der Fisch waren ein Gedicht!
Neben dem
Highlight in Yaounde gabs aber leider auch noch ein „deeplight“: Angestachelt
von Jeroens und Christophs Reparaturaktion und in Anbetracht der Choleraepidemie
in Angola machte sich Karsten daran unseren Wasserfilter zu wechseln. Nachdem er
das Filtergehäuse aufgeschraubt hatte, suchte er vergeblich nach dem Filter.
Ausser Schmutzwasser war nichts im Filtergehäuse drin. Wir hatten doch
tatsächlich 5 Monate in Afrika ungefiltertes Wasser getrunken! Wir durften davon
ausgehen, dass das Filtersystem komplett funktionsbereit war, als wir das Auto
kauften und kontrollierten den Filtereinsatz nicht. Unser Mech wird jetzt ein
böses Email erhalten! Nun liess sich auch Karstens schlimmer Durchfall der
letzten Tage erklären. Aber abgesehen davon und abgesehen von Barbaras Durchfall
in Mauretanien (der wohl aber vom Essen kam), hatten wir nie irgendwelche
Beschwerden. Das spricht doch sehr für Afrikas Wasserqualität! Wir werden sehen,
was eine medizinisch-mikroskopische Untersuchung ergeben wird.
Auf der
Weiterfahrt Richtung Gabon schauten wir uns in Mefou das Affenzentrum im
Dschungel an. Hier werden Affenbabys, deren Eltern als Bushmeat auf dem Teller
eines ignoranten Snobs landen, grossgezogen und wenn möglich später wieder
ausgewildert. Vor dem rieseigen Gehege der ausgewachsenen Gorillas fragten wir
uns, ob wir diese wirklich ohne schützenden Zaun in freier Wildbahn beobachten
möchten…
Die letzte Nacht
in Kamerun verbrachten wir in Ebolowa. Barbara fühlte sich nicht wohl und kroch
noch vor dem Abendessen mit Fieber unter die Bettdecke. Da sie sich am nächsten
Tag wieder etwas besser fühlte, fuhren wir weiter zur Gabonesischen Grenze. In
ganz Kamerun hatten wir nie Probleme mit korrupten Beamten ausser bei der
Einreise – und jetzt bei der Ausreise wieder. Dem arroganten Immigrationofficer
passten unsere beiden Visa nicht. Der Beamte bei der Einreise hatte sie nicht
beanstandet, jetzt bei der Ausreise waren sie „plötzlich“ mit den falschen, bzw.
vorjährigen Marken versehen. Natürlich sollten wir jetzt etwas draufzahlen für
ein neues, korrektes Visum. Erst als wir beim Chef vorsprechen durften, klärte
sich das Problem: Im Konsulat in Calabar hatten sie offenbar noch keine der
teureren 2006-Marken, weshalb wir eine 2005-Marke erhalten hatten und eine
Zuschlag bezahlen mussten, der auch offiziell aufgeführt war. Der Chef liess
unsere Pässe abstempeln, entschuldigte sich für die Umstände und weiter gings
nach Gabon.
Das wenige, das
wir von Kamerun gesehen hatten, gefiel uns sehr gut. Der intensiv grüne
Regenwald, der sich über die bergige Landschaft zieht, die nebelverhangenen
Kuppen, das einigermassen angenehme Klima und die mehrheitlich freundlichen
Leute lassen uns Kamerun in guter Erinnerung behalten.

Lambarené, 13.
Mai 2006
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