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Libyen
31.8. - 6.9.2007
Ursprüngliche Landschaft, kaum touristische
Infrastruktur und nette Leute - so macht Reisen Spass! Mit den netten Leuten
hatten wir es bereits bei der Einreise zu tun. Wir rollten langsam ins libysche
Zollgelände in der Hoffnung raus zu finden wo und in welcher Kolonne wir uns
anstellen mussten für die Formalitäten. Schnell kam ein junger Beamter
herbeigeeilt, begrüsste uns freundlich und fragte, ob wir arabisch sprechen
würden. Auf unser Kopfschütteln hin erkundigte er sich in behelfsmässigem
Englisch nach unserem Guide (der jeweils den ganzen Papierkram für die Touris
erledigt) und blickte verdutzt aus der Wäsche, als wir wieder den Kopf
schüttelten. (Zu unserer Libyen-Visabeschaffung siehe
Bericht Ägypten / Sinai). Er wies uns etwas ratlos in einen Parkplatz ein und erklärte uns in
Zeichensprache, dass wir hier fünf Minuten warten sollten. Wir machten uns auf
eine längere Wartezeit gefasst. Zu unsrem Erstaunen
dauerte es genau fünf europäische Minuten bis der Beamte wieder aufkreuzte und,
sich für sein schlechtes Englisch entschuldigend, um unsere Pässe bat. Rey und
Barbara begleiteten ihn. Freundlich erkundigte er sich nach Barbaras Name und
von diesem Moment an hiess es immer wieder: "Barbara come", "Barbara wait here",
"Barbara, bring this, bring that". Wir hatten früher schon festgestellt, dass
die arabisch sprechenden Leute Barbaras Name gut aussprechen und sich merken
können. Der Beamte war ganz glücklich, in unserer Fünfergruppe eine
Ansprechperson zu haben, deren Name er kannte. Der Beamte kümmerte sich
hervorragend um uns. Er brachte uns wie vorhergesagt nach exakt weiteren fünf
Minuten unsere abgestempelten Pässe zurück und organisierte schliesslich sogar
den Chef der Zollbehörde, der besser Englisch sprach und Barbara und Rey mit
seinem komfortablen Dienstfahrzeug in die nahe gelegene Stadt chauffierte um die
libyschen Nummernschilder zu organisieren. Die beiden Beamten fuhren mit uns von
Büro zu Büro. Erstaunlicherweise waren alle diese Amtsstuben trotz sonntäglichem
Freitag offen (genau wie im libyschen Konsulat versprochen) - ausser der Bank.
Für die Nummernschilder brauchten wir aber einige libysche Dinar. Nichts
einfacher als das: unser junge Beamte wechselte für uns das Geld zu einem guten
Kurs auf dem Schwarzmarkt - damit wir keine Probleme mit der Polizei bekämen und
auch nicht übers Ohr gehauen würden - während uns der Chef der Zollbehörde im
klimatisierten Auto viel Wissenswertes über sein Land erzählte. Alles lief wie
am Schnürchen, ohne dass wir einen Finger rühren mussten. Ganz schön ins
Schwitzen gerieten unsere Helfer aber, alles die Verkehrspolizei feststellte,
dass sie im Moment kein einziges Nummernschild mehr vorrätig hatten. Heftig
wurden arabische Wortgefechte ausgetragen und unzählige lautstarke Telefonanrufe durchgeführt. Ganz beschämt und mit vielen Entschuldigungen erklärten uns unsere
beiden Beamten das Problem. Sie versprachen aber hoch und heilig, dass wir in
ein bis zwei Stunden die Schilder hätten, da sie jetzt sofort von der nächsten
grossen Stadt in 140 Kilometer Entfernung, Tubruk, gebracht würden. Nach unserer
Asswan Erfahrung staunten wir immer noch darüber, wie speditiv, schnell,
freundlich und hilfsbereit hier in Libyen alles für uns in die Wege geleitet
wurde und waren deshalb gerne bereit, die zusätzlichen ein bis zwei Stunden zu
warten, zumal uns die Beamten am laufenden Band mit kühlen Getränken versorgten.
Aber keine zehn Minuten später schon kam der erlösende Anruf: es waren doch noch
zwei Nummernschilder aufgetaucht; unseres allerdings schon so alt und farblos,
dass es kaum mehr entziffert werden konnte. Aber wen interessiert's? Ruckzuck war
der Papierkram erledigt und eine Versicherung abgeschlossen. Wir bezahlten 115
Dinar (90 $) und waren stolze Besitzer von libyschen Nummernschildern. Unsere
Beamten bläuten uns ein, dass wir bei der Ausreise und Rückgabe der Schilder 100
Dinar zurück erhalten würden - darauf müssten wir bestehen! Auf dem Rückweg zum
Zollgelände liess der Chef der Zollbehörde noch rasch unsere Carnet abstempeln
(während wir wieder gemütlich im Auto warteten), dann hiess es Nummern anbringen
und losfahren. Wir bibberten noch etwas vor der letzten Zollkontrolle, weil wir
von Manon und Peter gehört hatten, dass sie Probleme hatten wegen Hund Durban.
Mali hatte sich aber brav versteckt gehalten und unser junger Beamter lotste uns
augenzwinkernd an der letzten Hürde vorbei. Geschafft, nach nur zwei Stunden
Grenzformalitäten waren wir in Libyen! Unsere Befürchtungen waren alle um sonst
gewesen. Dies war wohl die freundlichste, hilfsbereiteste und erst noch zügige
Grenzabfertigung die wir je hatten, auch wenn ausser dem Chef tatsächlich
niemand englisch sprach. Und alles ohne die geringste Gegenleistung (sprich
Bakschisch oder Present) zu erwarten.
Wir hatten uns vorgängig schon entschieden, dass
wir Libyen entlang der Küste durchqueren wollten. Unsere 10 Tage
Aufenthaltserlaubnis waren etwas knapp um in die schöne Wüstenlandschaft von
Libyens Süden zu fahren. Da wollten wir es lieber entlang der Küste
gemütlich angehen lassen. Diese Strasse ist gut ausgebaut, eine Hauptverbindung,
und sollte deshalb auch einfach zu finden sein. Wir wussten bereits, dass es in
ganz Libyen keine Strassenschilder in unserer Schrift und Sprache gibt und die
Orientierung deshalb schwierig sein kann. Auch spricht kaum jemand mehr als drei
Worte englisch oder italienisch. Das bestätigte sich bereits beim ersten der vielen
Checkpoints. Der Polizist wollte irgend etwas Bestimmtes von uns - aber was?
Sein arabisch verstanden wir beim besten Willen nicht. Immerhin konnten wir ihm
nach einer Weile begreiflich machen, dass wir keinen Guide dabei haben. Wir
hielten ihm Pässe, Carnet, Fahrausweise und Autopapier hin - nichts
interessierte ihn. Schliesslich dann doch noch die zündende Idee: Barbara kramte
eine unserer Fichen (englische, französische und mittlerweile auch arabische
Angaben zu unserer Person und zum Pass) hervor und der Polizist strahlte über
alle vier Backen. Erleichtert winkte er uns weiter. Er wie auch seine Kollegen
an den folgenden Checkpoints hatten nie gemerkt, dass unsere Fiche eigentlich
nur Angaben über uns und nichts über unsere südafrikanischen Freunde enthielt.
Die Südafrikaner konnten hinter uns aber immer ungeschoren passieren. Sonst
hätten sie wohl an jedem Checkpoint ewig lange warten müssen, bis ihre Pässe
abgemalt worden wären.
Nach der Grenzüberquerung waren wir am späten
Nachmittag bereits in Tubruk und wollten uns ausserhalb der Grossstadt einen
schönen Platz fürs Camp suchen. Eine vierspurige Strasse führte uns quer durch
die moderne, aber nicht besonders schöne Stadt und endete an einem Kreisel.
Welche Ausfahrt war jetzt wohl die Richtige für uns? Die zwei grössten
Ausfahrten sahen beide etwa gleich befahren aus und führten in ähnliche
Richtung. Nach zwei Runden im Kreisel hatten wir uns bereits für die sich später
auch als richtig herausstellende Ausfahrt entschieden, wollten uns aber noch bei
einem herumstehenden Polizisten versichern. Es dauerte erst wieder eine ganze
Weile, bis der Polizist verstand, dass wir keinen Guide dabei hatten. Dann
bedeutete er uns zu warten und sprach aufgeregt in sein Funkgerät. Was war nun
los? Schliesslich erhielt er Antwort, lächelte uns an, kletterte in seinen
Streifenwagen und befahl uns zu folgen. Geschickt lotste er uns durch den
Stadtverkehr und brachte uns am Stadtrand auf die richtige Strasse. Wir waren
dankbar dafür, auch wenn wir am Kreisel, dem einzigen Knackpunkt, auch selber
den richtigen Weg gefunden hätten. Zu unserem Entsetzten aber fuhr uns der
Streifenwagen nun auch auf der Überlandstrasse brav voraus und wir wollten hier
doch ein Buschcamp suchen. Wir befürchteten schon das Schlimmste: Barbara hatte
ihn nämlich nach dem Weg nach Dahrna, der nächsten grossen Stadt gefragt.
Hoffentlich wollte uns der Polizist jetzt nicht bis dahin begleiten. Dahrna
befindet sich nämlich 120 Kilometer entfernt und so weit wollten wir an diesem
Tag bestimmt nicht mehr fahren. Mit Lichthupe gelang es uns schliesslich, den
Streifenwagen zum Anhalten zu bewegen und verzweifelt versuchten wir dem
Polizisten klar zu machen, dass wir den Weg jetzt alleine finden würden. Aber
nichts da! Er liess sich nicht beirren und fuhr uns weiterhin voran.
Wir
zermarterten unsere Hirne, wie wir ihn loswerden konnten. Nach 20 Kilometern
passierten wir einen Checkpoint und da löste sich das Problem dann doch von
selbst. Das Hoheitsgebiet des Polizisten war zu Ende und nach besten Wünschen
für unsere Weiterfahrt drehte er um. Glück gehabt! Zwanzig Kilometer weiter
fanden wir dann auch endlich einen wunderschönen Platz fürs Camp: Mitten in einem
schneeweissen Dünenfeld ganz nahe am Strand. Zur Feier des Tages lud uns Erika
zum gediegenen Znacht ein: Fillet mit Kartoffelstock, backed Beans und Salat.
Libyen zeigte sich uns an diesem ersten Tag von seiner besten Seite! Wie geht es
wohl weiter?
Am nächsten Morgen waren wir der Zeitumstellung
wegen viel zu früh wach. Unsere inneren Uhren hatten die eine Stunde rückwärts
an der libyschen Grenze (wir hatten nun wieder "Schweizerzeit") noch nicht
vollständig adaptiert. Wir freuten uns schon darauf, diese geschenkte Stunde mit
gemütlichem Lesen vor der Abfahrt zu verbringen. Aber so läuft es in Gruppen
halt eben nicht. Die Südafrikaner, die sonst am Morgen immer
Ewigkeiten brauchen bis es los gehen kann, sassen bereits eine Stunde früher als
abgesprochen abfahrtbereit mit laufendem Motor im Auto. Wir hatten vor in
einigen Kilometern von der grossen Strasse auf eine kleinere Küstenstrasse
abzubiegen und bis Cyrene alles direkt dem Meer entlang zu fahren. In der
Theorie tönt das einfach, die Praxis entpuppte sich aber als schwieriger. Wir
hatten neben unserer Michelin-Karte zwar noch eine weitere Libyenkarte zur
Verfügung, aber sie war ebenfalls recht rudimentär. Es waren nur die grossen
Strassen und Ortschaften eingezeichnet. Die unzähligen kleineren Strassen und
kleinen Dörfer fehlten. Und natürlich nützten uns die Ortschaftsnamen auf
unserer Karte nichts; wir konnten sie auf der Karte lesen, hatten aber keine
Ahnung, ob diese Namen auch den arabischen Buchstaben auf den Strassenschildern
entsprachen. Unsere elektronischen Karten auf dem Computer waren auch keine
grosse Hilfe, da noch rudimentärer als die papierenen. Unser einziges
Hilfsmittel war der Kilometerzähler, aber auch gazu waren die Kartenangaben
zu ungenau. Häufig hatten wir also keine Ahnung, wo wir uns genau befanden. Die
Südafrikaner zogen es vor, gedankenlos hinter uns her zu gondeln, obwohl sie
eine Karte mit arabischen Ortsnamen und ein GPS mit (zugegebenermassen ebenfalls
simplen) Karten hatten. Wenn wir wieder einmal anhielten um nach dem richtigen
Weg zu suchen, hockten die Drei gemütlich in ihrem Landy mit noch weniger Ahnung
als wir und ohne auch nur auf den Gedanken zu kommen, ihre Karte oder GPS zu
konsultieren. Mit der Zeit versetzte uns diese Bequemlichkeit in Rage und wir
überlegten uns schon, ob wir ihnen vielleicht die offiziellen Guidegebühren in
Rechnung stellen sollten.
Natürlich verfehlten wir im ersten Anlauf die
richtige Abzweigung an die Küste - wie sich später herausstellen sollte, waren
wir etwa 20 Kilometer zu früh auf eine kleine Nebenstrasse abgebogen. Aber auch
unsere kleine Strasse führte uns auf Umwegen direkt ans Wasser. Vor uns tat sich
ein tiefer, in einen engen Canyon auslaufenden Abbruch auf. Die Strasse
schlängelte sich die Steilwand hinunter wobei wir bei jeder Kehre dachten, dass
sie hier sicher gleich im Nichts enden wird.
Doch
wir kamen bis ganz nach unten und nach der letzten Kurve tat sich vor uns eine
wundervolle, riesige, fast kreisrunde, natürliche Bucht mit Sandstrand auf. Das
Meer war ganz glatt und schimmerte über dem hellen Sand jadegrün. Weiter
draussen näherten sich die Felswände auf beiden Seiten so sehr, dass nur eine
schmale Durchfahrt auf das wellige, mit weissen Schaumkronen verzierte Meer offen
blieb. Die Überreste eines Schiffes brachten uns auf die Idee, dass dieser
versteckte, natürliche Hafen früher bestimmt als Schmugglerbucht diente. Uns
diente er an diesem Morgen als willkommenes Freiwasser-Planschbecken. Übermütig
stürzten wir uns, ohne erst die Badekleider rauszukramen, nackt in die kühlen
Fluten. Wer sollte sich schon dran stören? In diese Sackgasse mitten im
Nirgendwo verirrt sich ja wohl kaum jemand ausser wir. Was auch zutraf -
allerdings nur gerade für etwa 20 Minuten. Dann tauchte plötzlich ein Bus voll
gepackt mit einheimischen Touristen auf.
Im
Wissen darum, dass wir hier im gröbsten gegen die islamischen Benimmregeln
verstiessen, beeilten wir uns aus dem Wasser zu kommen und uns in unsere Tücher
zu hüllen. Zum Glück fuhr der Bus erst ans Ende der Strasse um zu wenden, bevor
er die Touristen vor unserer Nase ausspuckte. Die Strasse führte noch ein Stück
in den engen Canyon hinein, bevor sie schliesslich einfach endete. In dieser
Schlucht fühlten wir uns schlagartig in eine andere Welt versetzt. Von der
trockenen und staubigen Halbwüste Afrikas direkt und mitten in einen nordischen
Fjord. Auch die Vegetation in der Schlucht passte perfekt nach Skandinavien.
Unsere Irrfahrt entpuppte sich so als absolut lohnenswerte kürzeste Verbindung
zwischen zwei Welten.
Schliesslich fanden wir unsere richtige
Küstenstrasse doch noch und tuckerten gemächlich dem felsigen und verzahnten
Übergang zwischen Land und Wasser entlang. An manchen Stellen führten waagrechte
Felsplatten sanft ins Wasser, an anderen Orten stürzten steile zerklüfte
Felswände in die schäumende Tiefe. Viele dieser beigen Felswände waren vom
Wasser stellenweise so ausgewaschen, dass sich grosse Bogen und Fenster im Fels
gebildet hatten. Eine bizarre Welt! die Vegetation und der in der Luft liegende
würzige Geruch erinnerte uns stark an Griechenland oder Portugal. Kein Wunder
fühlten sich hier schon die alten Griechen wohl. Sie besiedelten diesen
Küstenabschnitt bereits 600 vor Christus. Davon zeugt der alte Hafen Apollonia,
dessen Ruinen mittlerweile zu einem grossen Teil unter Wasser liegen - ein,
wenn auch verbotenes, Tauchparadies. Kurz nach Apolonia verliessen wir den
schmalen Küstenstreifen und kletterten über eine steile Strasse aufs Hochplateau
im Hinterland. Hier hatten Griechen aus Santorini 631 vor Christus eine Stadt
gegründet, getreu dem Vorbild von Delphi. 200 Jahre später war Cyrene die
zweitgrösste Stadt des griechischen Reiches. Noch heute kann man gut erhaltene
Überreste der Tempelanlagen besichtigen, wenn man nur will. Zu jenem Zeitpunkt
aber verspürten wir keine grosse Lust auf alte Steine - was zumindest Barbara
heute etwas bereut. Aber auf unserer langen Reise wurden wir mit der Zeit eben
etwas "besichtigungs-faul" und freuten uns viel eher mal über einen gemütlichen
Nachmittag Füsse hochlagern und Nichtstun. Wir wussten von einer
Campingmöglichkeit in einer Hotelanlage in Cyrene. Es dauerte Ewigkeiten und
zwei kunstvolle Zeichnungen von Karsten bis wir von dem nur arabisch sprechenden
Receptionisten schliesslich heraus bekamen, dass wir uns überall auf dem
Hotelgelände hinstellen und die Toiletten des Restaurant benutzen dürfen - alles
umsonst. Einzig Duschen war nur möglich, wenn man sich ein teures Hotelzimmer
(ca. 40 $) leisten würde. Wir waren auch ohne Duschen happy (schliesslich haben wir ja
unsere Autodusche) mit dem Platz. Nicht so die Südafrikaner. Sie störten
sich an den fehlenden Duschen und befürchteten eine lärmige Nacht des
Restaurants wegen und sowieso sei es viel zu früh um bereits jetzt mitten am
Nachmittag irgend wo zu bleiben. Sie wollten lieber ein Bushcamp (was wir ja
grundsätzlich auch vorziehen), das wir aber wie schon am Abend zu vor und auch
in den kommenden Tagen ohne die geringste Unterstützung ihrerseits hätten suchen
müssen. Laut Karte sah es aber auf den nächsten 120 Kilometern topographisch gar
nicht nach Bushcamp aus und wir entschieden uns schliesslich nach einer
halbstündigen Diskussion genervt, dass zumindest wir hier bleiben würden. Auch
die Südafrikaner blieben schliesslich und wir genossen einen gemütlichen
Nachmittag und eine ruhige aber kalte Nacht. Zum ersten Mal konnte wir uns
wieder so richtig in unsere Bettdecken einkuscheln. So schön!
Die Jebel Akahdar waren der Höhepunkt des
nächsten Reisetages. Hinter dem Küstenstreifen des Vortages machen die Grünen
Berge ihrem Namen alle Ehre.
Die
Berge und Hügel dieser Region sind dicht bewachsen mit der typischen Busch- und
Baumvegetation des Mittelmeerraumes. Grün so weit das Auge reicht. Und was für
ein Gegensatz zu der sonst in Libyen so weit verbreiteten braun-gelben und
absolut flachen Wüstenlandschaft. Die Grünen Berge sind zerfurcht und durchbrochen von tiefen Einschnitten und Schluchten,
an deren Grund ein Fluss fliessen würde - wenn es Wasser hätte. Einen besonders
eindrücklichen Blick bot sich uns von einer riesigen modernen Hängebrücke, die
irgend wie gar nicht hier hin zu gehören schien. An verschiedenen Stelle konnten
wir riesige Höhlen ausmachen, die der Wind in die Steilwände gefräst hatte. Eine
bizarr-schöne Landschaft!
Wenig erstaunte uns, dass die Grünen Berge eben "Grüne" Berge heissen:
die dichte Vegetation ist das eine - viel wichtiger aber scheint, dass in Libyen
eben einfach "alles" grün ist. Grün muss die offizielle Landesfarbe sein. Der
Einreisestempel im Pass ist grün, alle Amtsstuben und offiziellen Gebäude haben
einen grünen Sockel oder zumindest grüne Türen und Fensterläden. Die
Innenpolitik des Landes ist im Grünen Buch formuliert: Eine Verbindung
sozialistischer und islamischer Lehren mit dem persönlichen und oft recht
eigenwilligen Gedankengut des Staatschefs Gaddafi. Unzählige Strassenzüge in den
Dörfern und Städten sind mit grünen Wimpeln und Fahnen geschmückt. Auch vor
privaten Wohnhäusern und Shops hängen grüne Stofffetzen. Möglicherweise hatte
diese "Grün-Manie" einfach mit dem 38. Jahrestag der Machtübernahme durch
Muammar Gaddafi zu tun. Überall nämlich lächelte Libyens Staatsoberhaupt in
Siegespose von überdimensionalen Plakaten. Der alternde Gaddafi auf den
Plakatwänden trägt traditionelle Zivilkleidung und der Hintergrund mahnt an
seine Bemühungen und seine führende Rolle im Prozess um eine Organisation for
African Unity (OAU). Vergessen oder zumindest verdrängt ist die Rolle des
Militärdiktators und Unterstützer der verschiedensten Freiheits- bzw.
Terrororganisationen. Diese jahrzehntelang praktizierte Politik hatte Libyen von
der westlichen Welt komplett isoliert und gipfelte in einem UN-Embargo nach dem
Bombenattentat 1988 auf eine Pan-Am-Maschine über dem schottischen Lockerbie.
Erst als Libyen bereit war, die Attentäter auszuliefern, der Prozess
durchgeführt, die verhängte Strafe in Libyen anerkannt und die auferlegten
Schadensersatzzahlungen erfüllt waren, wurden die Sanktionen nach 14 Jahren
aufgehoben. Kein Wunder bei dieser Geschichte, dass sich Gaddafi in früheren
Jahren gerne in seiner Militäruniform ablichten liess. In den unzähligen
libyschen Büros, in denen wir gesessen hatten - angefangen beim Konsulat in
Alexandria und beschlossen im Zollgebäude bei der Ausreise - konnten wir das Leben
Gaddafis problemlos mitverfolgen: Bilder von Gaddafi in jeder Alters- und
Regierungsphase schmückten Wände und Tische; Gaddafi als noch nicht
dreissigjähriger Militäroffizier und neuer Machthaber nach dem Putsch unter
seiner Führungen gegen König Idris I am 1. September 1969, der gefürchtete
Terroristenunterstützer in mittleren Jahren und der gereifte und gezeichnete
Staatsmann mit friedenspolitischen Interessen der neusten Zeit. Gaddafis
Beliebtheit bei seinem Volk ist wohl auf die grosszügige Verteilung des enormen
Vermögens aus dem in Libyen in riesigen Ausmassen vorhandenen Erdöls begründet.
Mit der Entdeckung der Ölvorkommen wurde das mausarme Libyen 1959 zum ersten Mal
in seiner Geschichte seit römischer Zeit ein wohlhabender Staat - theoretisch,
denn alle Ölfirmen waren in ausländischem Besitz und Management. Erst als
Gaddafi 1973 durchsetzte, dass alle Ölfirmen neu mindestens 51% libysche
Beteiligung aufweisen müssen, begann der Ölgewinn auch in die libyschen
Staatskassen zu fliessen. Mit diesen Einnahmen begann Gaddafi die Infrastruktur
im Land zu verbessern: medizinische Versorgung und Schulwesen wurden ausgebaut,
Strassen angelegt und tausende von Wohnungen aus dem Boden gestampft. Mit der
Agrarreform und der Vervielfachung der agrarischen Nutzfläche durch das 27
Millionen Dollar teure Bewässerungsprojekt mit Grundwasser aus der Wüste, das in
die Küstenregionen geleitet wird, verbuchte Gaddafi einen wichtigen Erfolg in
Sachen Selbstversorgung. Bei allen Fehlern und Erfolgen Gaddafis fragten wir uns
aber auf jeden Fall immer wieder, wie wohl erst ein runder Jahrestag gefeiert
wird, wenn schon der 38. mit soviel Personenkult, Glanz und Gloria verbunden
ist.
Die Grünen Berge liefen aus in die wohlbekannte
flache Wüstenlandschaft. Die einzige Abwechslung bot uns da die Durchquerung der
Grossstadt Benghazi. Mindestens von Weitem auf der Durchfahrt erschien uns die
moderne Stadt am Meer sauber, grün und attraktiv. Benghazi ist die zweitgrösste
Stadt Libyens mit wichtigem Handelszentrum und bedeutendem Hafen. Hier mussten
wir erstmals in Libyen unsere Tanks auffüllen. Was für ein Vergnügen - eine
ganze Tankfüllung von 180 Litern für 27 Dinar bzw. 18 Euro. Schon in Ägypten
waren wir mit so preiswertem Diesel unterwegs, was sich auch ganz beträchtlich
auf unser Budget ausgewirkt hatte, machen doch die Ausgaben für Diesel jeweils
etwa die Hälfte unserer Gesamtausgaben aus! Unabhängig vom Dieselpreis
verbrauchen wir natürlich durchschnittlich immer etwa die gleiche Menge
Treibstoff: 12 Liter auf 100 Kilometer. Da regt sich bei uns jeweils schon ab
und zu mal das Grüne Gewissen (nicht nur weil wir in Libyen sind). Unsere
Reise per Velo gestrampelt, hätte die Umwelt wohl um einiges weniger mit
Giftstoffen belastet - dafür wohl bedeutend mehr mit Schweissgeruch. Immerhin
trösteten wir uns mit dem Gedanken, dass wir auch in Afrika versuchen, den Motor
nur dann laufen zu lassen, wenn unbedingt nötig und nicht wie hier gang und gäbe
mindestens 10 Minuten vor Abfahrt um den Motor warm werden zu lassen und während
längern Pausen um mit einer funktionierenden Klimaanlage im Kühlen zu sitzen.
Und zuhause fahren wir dann ja wieder Velo (wir überlegen uns schon lange, wie
wir Mali sicher mit auf den Drahtesel packen können). Im Übrigen kann sich
Barbara noch sehr gut an den Ausspruch ihres Geografielehrers erinnern: Für
einen Flug von Zürich nach New York braucht ein Jumbojet so viel Treibstoff, wie
wenn alle Passagiere einzeln mit ihrem Auto einmal um die Erde fahren würden.
Anstatt dass wir nach New York geflogen sind, haben wir auf unserer Reise
kilometermässig eben zweimal die Erde umrundet.
Auf der Suche nach einem akzeptablen und von der
Strasse nicht einsehbaren Bushcampplatz kurvten wir an diesem Tag mehrmals vergeblich von der
Strasse in Richtung Dünenfelder am Strand, nur um nach den ersten paar hundert
Metern immer wieder in einer Sackgasse vor und nicht hinter den Dünen zu
stranden.
Müde und gereizt fanden wir schliesslich kurz vor sechs Uhr doch noch ein
schönes, wenn auch in Sachen Sichtschutz nicht gerade optimales Plätzchen vor
einer Düne mit einer kleinen Palmenoase. Viel zu Verbesserung unserer Laune trug
bei, dass sich der nette Landbesitzer darüber freute, uns Gastrecht zu gewähren
und uns drängte, uns an seinen Rebstöcken mit den süssen blauen Trauben zu
bedienen. Trotzdem waren wir uns alle einig, dass wir am nächsten Tag spätestens
um vier Uhr nachmittags unseren Übernachtungsplatz haben wollten. Nur leider
reichte das Wollen nicht aus: Die Südafrikaner machten klar, dass sie unbedingt
ein Bushcamp direkt am Strand wollten - wir dürften auswählen wo (Klartext:
sucht!) ... Weil die Landschaft den ganzen Fahrtag über flach bis zum Horizont
blieb, kamen wir zügiger vorwärts als erwartet und waren bereits nachmittags um
halb drei am einzigen Küstenabschnitt, der für ein Beachcamp in Frage kam. Wir
suchten pflichtbewusst nach einem schönen Platz als uns die Südafrikaner
ärgerlich zu verstehen gaben, dass es noch viel zu früh sei zum campieren. Wir
verstanden die Welt nicht mehr. Gestern waren wir uns einig, dass wir spätestens
um vier einen Platz haben müssen und unsere Freunde wollten unbedingt eine Beach
- alles erfüllt und Eile hatten wir ja schliesslich keine, wie die Südafrikaner
mit ihrer langsamen Fahrweise immer wieder betonten. Auch unser Argument zählte
nicht, dass die Strasse demnächst ins Inland abdrehe und auf den nächsten 200
Kilometern nicht mehr in Küstennähe verlaufe. Alles egal - weiter ging's. Anstatt
unseren Unmut richtigerweise gegenüber den Freunden zu äussern, schimpften wir
in unserem Auto vor uns hin uns stellten etwas schadenfroh fest, dass unsere
Vorhersage genau zutraf: Die Strasse verlief nun im Inland durch die weite Ebene
ohne eine einzige Chance auf einen nur im mindesten akzeptablen Bushcampplatz.
Als wir um fünf Uhr (!) endlich einen Hügel am Horizont ausmachen konnten, der
auch noch eine kleine Zufahrt hatte, steuerten wir wortlos darauf zu, bis uns
die Südafrikaner stoppten.
Sie würden lieber noch 120 km bzw. zwei Stunden
fahren um dann bei der Ausgrabungsstätte Leptis Magna auf einen Campingplatz zu gehen. Da wir bereits
seit acht Stunden im Auto sassen, müde und recht verstimmt waren, liessen wir
uns auf keine Diskussion ein und suchten uns ein gemütliches Plätzchen. Die
Südafrikaner fuhren weiter. Wir würden uns vermutlich am nächsten Tag auf dem
Campingplatz wieder treffen oder uns sonst wo begegnen. Gerne wollten wir mit
ihnen zwischendurch mal wieder einige Tage gemeinsam an einem Ort verbringen,
aber uns war auch klar, dass gemeinsames Reisen nicht mehr sein muss. Es hatte
sich mal wieder gezeigt, dass das gemeinsame Unterwegssein nicht so einfach ist.
Da können wir unsere Reisegspänli noch so gern haben und schätzen - und unsere
Südafrikaner mögen wir wirklich sehr -, wenn die Reisestile aber so
unterschiedlich sind, klappt's trotzdem nicht. Wie einfach hatten wir es da doch
auf dem ersten Teilstrecken unserer Reise mit Sibylle, Christoph, Rielle und
Jeroen. Das war uns damals gar nicht so richtig bewusst.
Von Leptis Magna hatten alle Reisenden, die dort
waren und die wir getroffen hatten, geschwärmt. Wir konnten uns gar nicht so
richtig vorstellen, was an dieser Ruinenstadt so besonders und anders sein
sollte, als an den vielen anderen alten Steinen die wir schon gesehen hatten.
Leptis war wie seine Schwesterstadt Karthago nach den Punischen Kriegen der
Römischen Provinz Africa angegliedert worden. Es entwickelte sich in den ersten
beiden Jahrhunderten nach Christus zu Leptis Magna (grosses Leptis) und erlebte
seine Blütezeit unter dem Imperium von Septimus Severus.
Leptis Magna wurde zu
einer der wichtigsten Städte im Römischen Reich: Kornkammer, Olivenöl-Lieferant
und Schlüsselposition auf der Afrika-Handelsroute. Ein gut gewählter,
vorzüglicher Hafen und ein reiches Hinterland. Obwohl heute komplette versandet,
ist der alte Hafen mit seinen Molen und Anlegestellen noch perfekt erkennbar. Wo
heute Bäume wachsen auf sandigem Untergrund, ankerten vor über zweitausend
Jahren Schiffe. Leptis Magna ist riesig. Die Ausmasse der Stadt können heute
noch in einer mehrstündigen Wanderung nachvollzogen werden. Leptis Magna hatte
alles, was zu einer Römischen Stadt gehörte: ein grosses Forum, riesige Thermen,
eine wunderschön gehauene Basilika, ein exzellentes Theater, ein Amphitheater,
einen Circus, Triumphbögen und hunderte von Wohnhäusern. Wir nahmen uns einen
ganzen Nachmittag Zeit, um durch die Überreste zu schlendern.
Und es hatte sich
gelohnt, mehr als gelohnt; es war einfach fantastisch, gigantisch,
atemberaubend, mystisch - das Beste, was wir an Ruinen je gesehen hatten! Und
das Besondere: es ist alle noch unglaublich gut erhalten. Wo etwas nicht mehr
steht, liegen die Trümmerteile gut erkennbar gleich daneben. Nur schon mit dem
kleinsten Quäntchen Fantasie, konnten wir Leptis Magna zu seiner Blütezeit
vor unserem inneren Auge auferstehen lassen, während wir gemütlich durch die
alten Strassen spazierten. Fast konnten wir die Stadt riechen und die
Alltagsgeräusche hören. Und wir hatten Leptis Magna ganz für uns alleine. Wir
begegneten den ganzen Nachmittag über keiner Menschenseele, nur wir, die Ruinen,
die Geschichte und die Stille, die unsere Fantasie füllte mit emsigem
Alltagsleben aus Römischer Zeit. Über allem das Rauschen des Meeres und eine
kühle, würzige Brise. Eine Zeitreise in eine andere Welt!
Zurück in der Gegenwart führte uns unsere Reise
weiter nach Westen und vorbei an der Hauptstadt Tripoli. Nach der Mystik von
Leptis Magna verspürten wir nicht die geringste Lust auf Gegenwartshektik einer
Afrikanischen Grossstadt. Entsprechend gelegen kam uns die mehrspurige
Umfahrungsstrasse im Süden der Stadt. Obwohl auch hier alle Schilder nur in
arabisch waren, fiel uns die Orientierung nicht schwer, zumal aus dem Nichts
plötzlich ein Auto aufkreuzte, das uns quer durch die Stadt und auf die
richtige Ausfallstrasse lotste. Der aus Deutschland stammende Reinhold ist schon
seit vielen Jahren in Afrika im Ölgeschäft tätig und war verblüfft, vor sich
plötzlich ein Auto mit deutsch-schweizer Kennzeichen zu sehen. Er konnte sich
ausmalen, wohin wir unterwegs waren und nach einigen gebrüllten Worten quer
über zwei Fahrspuren der Autobahn, fuhr er uns spontan voraus. Eine
Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, wie wir sie in Afrika von Menschen jeder Ethnie und Hautfarbe immer wieder erlebt hatten.
Wie von Reinhold empfohlen, nächtigten wir an jenem Tag auf dem
Besucherparkplatz der Ruinenstadt Sabratha. Während wir am Parkplatzrand an
unserem Tisch sitzend ein Grillpoulet schlemmten, konnten wir den fantastischen
Ausblick auf die Schwesterstadt von Leptis Magna geniessen.
Der abendliche
Malispaziergang führte uns um die eingezäunten Ruinen herum zum Meer und den
malerischen Überresten eines Tempels. Damit erschien eine offizielle
Besichtigung am nächsten Tag gar nicht mehr nötig. Unsere Parkplatznacht fiel
nicht ganz so ruhig aus wie erhofft, da sich hier offenbar der vierrädrige
Jugendtreff befand. Unzählige Jugendliche drehten auf dem Parkplatz mit ihren
aufgemotzten Schlitten ihre Runden, liessen die Motoren aufheulen und testeten
die Bodenhaftung mit Kurven in höllischem Tempo und quitschenden Reifen. Uns war
hier in Libyen bereits aufgefallen, dass sich die selben Autos im Strassenverkehr
bewegen wie in Europa: viele auf Hochglanz polierte neuste Pw-Modelle, kaum
mehr Pick-Ups und Geländewagen wie in Ägypten und keine wandelnden Schrotthaufen
wie in vielen anderen afrikanischen Ländern. Und der wohl am meisten gesehene
Aufkleber in ganz Libyen ist - der CH-Aufkleber auf den Autos. Nun wissen wir
endlich, wo die in der Schweiz ausgemusterten Autos ihr Gnadenbrot verdienen.
Wir warteten nur darauf, dass ein weisser Jetta mit eingedrückter Fahrertür
(Barbara weiss eine spannende Schnee-Geschichte dazu zu erzählen) unseren Weg
kreuzen würde ...
Die letzten 90 Kilometer in Libyen legten wir
rasch zurück - zu rasch, denn wir verpassten die letzte Tankstelle vor der
Grenze. Dabei hatten wir doch unbedingt alle unsre Tanks noch mit dem
preiswerten Diesel füllen wollen. An der Grenze in Ras Ajdir erwarteten uns ewig
lange Autokolonnen - sechs Reihen neben einander. Wo sollten wir uns nur
einreihen und wie lief hier alles ab mit Pässen, Carnet und Nummernschilder?
Nirgends entdeckten wir für uns lesbare Hinweisschilder und freundliche Helfer,
wie wir sie bei der Einreise hatten, suchten wir hier vergebens. Schliesslich
erbarmte sich doch noch einer der herumstehenden Beamten unserer, nachdem er
gemerkt hatte, dass wir ohne Guide unterwegs waren, und hiess uns warten, während er unsere Pässe zur Datenfütterung des Computers mit nahm. Flott
wies er uns anschliessend in die kürzeste und bisher abgesperrte Warteschlange
ein. Nach zwanzigminütiger Wartezeit erreichten wir die erste Reihe von
Grenzhäuschen. Es war aber niemand da, der unsere Pässe oder Autopapiere sehen
wollte.
Dann wohl bei der nächsten Häuschenreihe, dachten wir uns. Zu unserem
Schrecken aber stellten wir fest, dass bei diesen Grenzhäuschen plötzlich alle
Beamten französisch sprachen und eine ganz andere Uniform trugen. Das war doch
tatsächlich schon die Einreise nach Tunesien! Es war gar nicht so einfach, den
Beamten klar zu machen, dass wir erst einmal die Ausreise aus Libyen erledigen
mussten. Immerhin zeigten uns die tunesischen Beamten, in welche Büros wir
mussten. Barbara flitze also mit allen unseren Dokumenten und den
Nummerschildern von Büro zu Büro. Problemlos erhielten wir bei der Rückgabe der
Schilder die versprochenen 100 Dinar zurück, das Carnet wurde zügig abgestempelt
und die Passdaten einmal mehr an den Computer verfüttert. Fertig! Wenn man weiss
wohin, geht alles erstaunlich schnell.
Libyen, das war's. Uns gefiel es
hier ausgesprochen gut, weil wir wieder einmal nach Herzenslust bushcampen
konnten und als Touristen den Sonderbonus "Seltenheitswert" in Libyen genossen.
Auch unsere finanzielle Libyenbilanz erfreute uns, zeigte sie doch, dass wir
insgesamt in diesen sieben Tagen im Land gerade mal soviel Geld verbraucht
hatten, nämlich 80.- € (inkl. Visa 12.-$ und Nummernschilder 10.-$), wie uns die Agentur für einen einzigen Tag
mit Guide ( oder etwas mehr als die Hälfte der Visabeschaffungskosten für eine
Person über die Agentur) hatte verrechnen wollen!
Tunis, 15. September 2007
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