|






























| |
Mali
24.2. - 19.3.2006
In Bamako, der
Hauptstadt Malis, verbrachten wir eineinhalb Wochen auf dem Camping le Cactus.
Der Campingplatz liegt rund 18 km ausser halb des Stadtzentrums direkt am Niger.
Dadurch war es da immer fast 10 ° C kühler als in der Stadt und wir schwitzten
bei „nur“ über 40°C vor uns hin anstatt bei über 50°C. Obwohl der Niger
eigentlich zum Baden lockte, hegten wir grosse Zweifel an der Wasserqualität
und verzichteten schweren Herzens darauf . Stattdessen stellten wir uns mehrmals
täglich unter die Dusche. Diese kühlte uns aber nur kurzzeitig ab, da das
Duschwasser fast Umgebungstemperatur hatte. Mittlerweile ist unsere erste Frage
auf einem neuen Campingplatz nicht mehr die nach warmem sondern nach kaltem
Wasser! Auf dem le Cactus trafen wir nun nach Guinea zum ersten Mal wieder
andere Reisende und genossen den Austausch. Viele wertvolle Infos erhielten wir
von Nicole und Nik, dem Pärchen aus Solothurn, das unsere Reiseroute in entgegen
gesetzter Richtung macht und die nun schon fast am Ende ihrer Reise stehen. Zum
ersten Mal erlebten wir hier auch wie es ist, wenn man selber gute Tipps und
Reiseinfos abgeben kann. Kaum waren wir nämlich am ersten Tag auf dem Camping
angekommen, machten
uns
die bereits anwesenden Reisenden der Reihe nach ihre Aufwartung und fragten uns
aus nach dem Woher und Wohin, nach unseren
Erlebnissen und Reisetipps. Barbara wurde sogar interviewt von einem belgischen
Filmemacher. Da hat sich doch ihre Medien-Ausbildung in Krisenkommunikation
bereits bezahlt gemacht… Ein paar Tage später trafen dann auch Sibylle und
Christoph und anschliessen Rielle und Jeroen auf dem Camping ein und wir
genossen es bei kaltem Bier (und Cola für Barbara), unsere Reiseerlebnisse
auszutauschen.
Bamako gefiel uns
als Stadt sehr gut. Der Niger fliesst als blaues (tatsächlich – nicht braun!)
Band mitten durch die Stadt und bildet viele kleine grüne Inseln. Überhaupt ist
Bamako – zumindest von oben betrachtet – eine richtig grüne Stadt. Sie hat
verschiedne begrünte und baumgesäumte Alleen und dadurch manchmal einen fast
etwas europäischen Touch. Im krassen Gegensatz dazu steht das typische
afrikanische Verkehrschaos und das farbenfrohe Gewimmel in den ungeteerten,
staubigen Seitenstrassen. Wenn vielleicht auch ein wenig dekadent, so genossen
wir es doch sehr, hier wieder einmal in einem richtig europäischen,
klimatisierten Laden einkaufen zu können. Wie gut schmecken doch französische
Jogurt, Schinken, Brie und deutsches Muesli!
Bamako wird uns
aber aus einem anderen Grund immer gut in Erinnerung bleiben. Hier auf dem
Camping adoptierten wir nämlich am 3. März unser 4monate altes Hündchen. Wir
tauften sie Mali. Mali ist rehbraun mit weiss an Bauch, Beinen und
Schwanzspitze. Sie hat ein Spitz- und ein Schlappohr und ist, aus den Falten auf
ihrer Stirn schliessend, eine grosse Denkerin. Sie war scheuer als ihre beiden
Geschwister, gewöhnte sich aber erstaunlich schnell an uns. Nach den ersten
Kapriolen mit dem neuen ungewohnten Ding um den Hals und der langen Schnur sowie
der ersten jammervollen Nacht war alles nur noch halb so wild. Auch der Tierarzt
mit seiner grossen Spritze konnte sie nun nicht mehr aus der Ruhe bringen.
Einzig das Autofahren rüttelte ihr Weltbild und ihren Magen nochmals heftig
durch. Auf der ersten Fahrt nach Bamako kotzte sich die arme Mali die Seele aus
dem Leib. Auf dem Rückweg war sie dann so erschöpft, dass sie die ganze Fahrt
verschlief – ohne zu kotzen. Die zweite Fahrt war schon besser, wenn auch noch
nicht kotzfrei. Als wir am nächsten Tag Bamako verliessen und rund 300 km nach
Teryia Bugu fuhren, liess sie sich nicht einmal mehr von Rumpelpisten
erschüttern sondern verschlief auf ihrem Plätzchen friedlich die lange Fahrt.
Ihr neues Zuhause, unser Auto, scheint sie sehr zu lieben. Tagsüber springt sie
immer wieder rein um sich auf ihr Plätzchen zu legen und so den Überblick zu
geniessen. Nachts kanns nicht früh genug rein und ins Bett gehen. Sie passt also
bestens zu Karsten: am Abend früh zu Bett und morgens in aller Hergottsfrühe
wieder auf. Mittlerweile schläft sie aber morgens auch bis 7h30, oder schaut
zumindest ruhig und friedlich aus dem Fenster. Wir haben unsere kleine Mali fest
ins Herz geschlossen und so wie es aussieht, beruht dies auf Gegenseitigkeit.
Die Zeit in
Bamako nutzten wir um uns die Visa für Nigeria und Ghana zu beschaffen. Obwohl
wir es ja eigentlich bereits wissen sollten, wurde uns hier wieder einmal
deutlich vor Augen geführt, dass in Afrika alles etwas anders läuft – auch die
Bürokratie. Auf der Nigerianischen Botschaft warteten wir nur schon mal drei
Stunden, bis unsere Anträge auf Vollständigkeit vorgeprüft wurden. Es handelte
sich schliesslich ja auch um ein jeweils vierseitiges Formular mit
detailliertesten Angaben zur Person und Reisezweck und haufenweise Papiere von
uns, die beweisen mussten, dass wir Nigeria bestimmt auch wieder verlassen und
dort nicht zum Sozialfall werden… Endlich wurde uns mitgeteilt, dass alles
vollständig sei, wir bezahlen dürfen (der Preis ist abhängig von der
Nationalität und Karsten bezahlte fast doppelt soviel wie Barbara) und die Visa
in 3 Tagen abholen können. Eigentlich hatten wir gehofft, die Visa noch
gleichentags zu erhalten. Als wir dann wie abgemacht drei Tage später um 10 Uhr
die Visa abholen wollten, waren unsere Pässe noch immer im Büro des Konsuls,
diese aber gerade an einer Besprechung. Wir warteten also nochmals über eine
Stunde…
Die Sekretärin
auf der Botschaft von Ghana war sehr zuvorkommend und unterbrach für uns sogar
ihre Mittagspause. Sie wurde dann aber leicht säuerlich, als sie die Anträge
dreimal zurückweisen musste, weil sie angeblich unvollständig ausgefüllt waren.
Als Barbara ihr erklärte, dass wir bei unserer Reiseart nun halt mal keine zwei
Referenzadressen in Ghana hätten, drückte sie ihr einen Katalog eines
Reiseveranstalter in die Hände mit der Anweisung, Hoteladressen aus dem Katalog
abzuschreiben. So kommt man also zu Referenzen. Auch hier dauerte die
Visaausstellung zwei Arbeitstage. Da wir die Anträge am Donnerstag ausgefüllt
hatten und die Botschaft Samstag, Sonntag und Montag geschlossen hat, wurden wir
aufgefordert die Visa am Dienstag um 14h00 abzuholen. Das passte eigentlich
nicht in unsere Reisepläne, wir hätten früher von Bamako losfahren wollen. Also
richteten wir uns zumindest so ein, dass wir dienstags um 14h00 von der
Botschaft gleich losfahren konnten.
Als wir dann pünktlich auf der Botschaft
eintrafen, erlebten wir ein Deja-Vu – das selbe Spiel wie auf der nigerianischen
Botschaft und wir warteten eine Stunde auf unsere Pässe.
Da es sich nun am
späten Nachmittag nicht mehr lohnt weiter zu fahren, verbrachten wir eine Nacht
mehr in Bamako, jetzt aber auf einem zentrumsnahen Camping mit Swimmingpool –
als Wiedergutmachung für den verpatzten Tag.
Am nächsten Tag
brachen wir nun definitiv auf Richtung Segou mit Teryia Bugu als nächstem Ziel.
Leider haben wir von der Landschaft nicht sehr viel mitbekommen.
Seit dem frühen
Morgen war alles in dichtes Grau gehüllt. In Bamako dachten wir, dass es sich um
Smog handle.
Es wurde aber
ausserhalb nicht besser sondern sah aus wie bei uns im Herbst.
Wie bei dichtem Nebel konnten wir nur knapp 100 Meter weit sehen. Aber herbstliche Temperaturen hatten wir ganz und gar nicht. Es waren noch immer
über 30°C. In Teryia Bugu erfuhren wir, dass dies Staub und Sand sei in der Luft
und dieses Phänomen vor der sommerlichen Hitze häufig sei. Dieser weisse
Schleier hielt sich auch die nächsten Tage. Wir beschlossen deshalb, einen
zusätzlichen
Tag auf dem wunderschönen Camping in Teryia Bugu zu bleiben, da wir
bei einer Weiterfahrt wohl eh nicht viel sehen würden. Der Campingplatz liegt
auf einer Farm mit einem landwirtschaftlichen
Projekt und bietet auf einem
riesigen und sehr sauberen Gelände einen Swimmingpool, Zoo mit
Riesenschildkröten, Affen, Dromedar, Gänsen, vielen bunten Vögeln und
freilaufenden Pfauen – für Mali alles extrem spannend – ein Arboretrum und eine
wunderschöne Lage direkt am Bani-Fluss. Also tatsächlich ein Paradies – auch
ohne Sonne!
Von Teryia Bugu
gings bei etwas besserer Sicht weiter nach Djenne. Djenne war neben dem weiter
nördlich gelegenen Timbuktu der zweit wichtigste Handelsort im 15. und 16.
Jahrhundert. Da wir beschlossen hatten, nicht nach Timbuktu zu fahren – ausser
dem Namen gibt’s dort offenbar nicht mehr viel, dass an die glorreichen Zeiten
erinnert – freuten wir uns sehr auf Djenne mit seinen berühmten Lehmbauten. Die
ineinander verschachtelten Lehmhäuser und die verwinkelten Gässchen waren auch
wirklich faszinierend. Und typisch afrikanisch war auch hier wieder das
farbenfrohe Gewusel: neben „arbeitenden“ Erwachsenen hinter ihren
Verkaufsständen rannten zahllose Kinder umher, Rinder, Schafe, Ziegen, Hunde und
Hühner bevölkerten die Gassen, mittendurch drängten sich Eselsgespanne und
überall lag der für Afrika obligate Abfall herum – für unsere kleine Mali alles
eine grosse Herausforderung. Übernachten konnten wir mitten im Zentrum im
Innenhof des Restaurants Chez Baba. Keine zwei Meter von unserem Auto entfernt,
stand der erste Tisch des Restaurants. Weil wir an diesem Abend selber kochen
wollten, stellten wir also unseren Tisch gleich daneben auf und kochten so
zusagen mitten im Restaurant unser Essen. Die Gäste beobachteten uns
interessiert – daran gestört hatte sich niemand. Eine Stadtbesichtigung in
Eigenregie machten wir früh morgens um 7h00 um uns und Mali die zahlreichen
aufdringlichen Kinder und selbsternannten Führer zu ersparen.
Wie schon nach
Djenne gings nun auch nach Mopti zu Malis Freude über beste Teerstrasse. Mopti,
das „afrikanische Venedig“ liegt am Zusamm enfluss des Bani und Niger und
bedeutet „Treffpunkt“. Und beim hektischen Treiben im Hafengelände kommt
wirklich das Gefühl auf, dass sich alles hier trifft. Am Wasser werden die
Pirogen entladen und direkt oberhalb auf der Mole wird alles zum Verkauf
angeboten. Ein Durchkommen war manchmal kaum möglich Trotzdem schafften wir es
für Mali den Vorrat ihres heiss geliebten getrockneten Fisches aufzustocken.
Ganz brav hatte sie unterdessen zum ersten Mal alleine im Auto gewartet – über
eine Stunde! Wir hätten hier gerne in der katholischen Mission übernachtet, die
sich auch hier wieder als Ort der absoluten Stille, des Friedens und der
Sauberkeit entpuppte. Leider war aber Camping im Innenhof nicht erlaubt und wir
hätten ein Zimmer nehmen müssen – was wir nicht wollten. So sind wir einmal mehr
auf einem so genannten „Camping“ gelandet, der einfach aus dem staubigen
Innenhof eines Hotel/Restaurants besteht mit weniger als nur dürftigen sanitären
Anlagen, dafür regem Durchgangsverkehr und masslos überteuerten Preisen. Wir
freuen uns deshalb bereits jetzt schon aufs ruhige Wildcampen in den nächsten
Tagen im Dogonland. Weiter geht es dann vermutlich ins hüglige Klettergebiet
Hombori und von dort aus direkt nach Burkina Faso.
Mopti, 11. März
2006
Von Mopti
gings via Bandiagara durchs Dogonland über Douenza nach Hombori und von dort auf
direktem Weg nach Süden nach Burkina Faso – ausnahmsweise mal alles wie
geplant, nur nicht ganz so schnell wie vorgesehen. Von Mopti nach nur einer
guten Stunde Fahrt über neueste Teerstrasse genossen wir nach einem kurzen
Abstecher nach Songo, das erste Dogon-Dorf, bereits vor Bandiagara vom Mittag an
einen „fahrfreien“ Nachmittag und Abend. Vordergründig können wir jetzt
natürlich immer sagen, wir fahren Mali zuliebe kürzere Strecken, genau genommen
sind Karsten und Barbara aber ebenso glücklich über frühen Fahrschluss und
gemütliche Nachmittage. Und das schöne und ruhige Hotel/Camp Togona lud zu
einem solchen Nachmittag geradezu ein. Auch konnten wir mit Mali ausserhalb
problemlos über die Felder und Ebene spazieren gehen, ohne ständig Leute um uns
zu haben. Am anderen Tag gings dann aber definitiv los Richtung Dogonland. Über
holprige Piste klapperten wir durch grandiose Felslandschaft vorbei an
verschiednen Dogondörfern. Nachdem wir aber am Vortag in Songo bereits die
negative Erfahrung gemacht hatten, dass wir für die Dorfbesichtigung eine
Eintrittsgebühr hätten bezahlen und dazu noch einen Führer hätten nehmen müssen
für insgesamt schlanke 5000 CFA, verzichteten wir auch jetzt wieder darauf diese
Dörfer bzw. Touristenattraktionen zu Fuss zu besichtigen. Wir waren der
Meinung, auf der Durchfahrt vom Auto aus genug vom Dorf und den speziellen
Bauten zu sehen. Die Dogon mögen zwar eine eigene Bauweise haben und ihre Dörfer
nach alt überlieferten Vorgaben bauen und sich ihre ganz eigene Kultur bewahrt
haben – trotzdem roch uns das Ganze zu sehr nach Touristenabzocke und darauf
hatten wir definitiv keine Lust. Die Piste führte uns über die rund 60 Meter
hohe Falaise runter ins sandige, flache Buschland. Die meisten bekannten und
touristisch häufig besuchten Dogondörfer reihen sich entlang dieser rund 100 km
langen Falaise oberhalb und unterhalb auf.
 Deshalb wählten wir eine Piste bzw.
häufig eher einen Trampelpfad, der uns für die ersten 60 km in einiger
Entfernung von der Falaise durch einsames Buschland führte. Wir fuhren so mitten
durch vereinzelte Dogondörfer und wurden hier, abseits der Touristenpfade
freundlich begrüsst. Landschaft und Leute erinnerten uns hier oft an den schönen
Zentralsenegal. In Madougou schauten wir uns ein Dogon-Camp an, mit der Idee,
dort eventuell zu übernachten. Als wir dann aber den Verliess ähnlichen
Lehmschlafraum sahen, lehnten wir dankend ab. Ebenso wenig wollten wir auf dem
Flachdach des Camps zelten (unser Zelt ist sowieso in Zürich geblieben) und
überhaupt keine Lust hatten wir, uns mit dem Auto mitten auf den Dorfplatz zu
stellen und da Nachmittag und Abend zu verbringen, so zu sagen als
Ausstellungsobjekt für die Kinder, die uns jetzt schon am Auto hingen. Also
suchten wir uns einen schönen Platz fürs Wildcampen. Aber siehe da, schon nach
den ersten 20 Minuten fanden sich die ersten ungebetenen Gäste ein und blieben
penetrant 3 Sunden bis zum Eindunkeln bei unserem Auto sitzen. Wir erklärten den
Kindern zu erst, dass wir gerne etwas Ruhe hätten und als dies nichts half,
ignorierten wir sie. Unangenehm und ohne Erfolg. Als die Kinder dann endlich
abzogen, fragte uns eines scheu, ob sie die Papaya-Abfallschalen und die runter
gefallenen Zwiebelringe mitnehme dürften. Beides schlangen sie auf dem Heimweg
runter. Wir waren sprachlos darüber. Die Kinder sahen nämlich keineswegs
unterernährt aus und waren gut oder zumindest normal gekleidet. Barbara hatte
daraufhin ein ganz schlechtes Gewissen, die Kinder vorher so abweisend behandelt
zu haben. Aber wie bei so vielem, ist die Art des Umgangs mit der einheimischen
Bevölkerung sehr abhängig von unserer Tagesverfassung. Es kann jeweils schon
extrem nervend sein, wenn wir nach einer langen und anstrengenden Fahrt keine
Ruhe und nicht das kleinste bisschen Privatspähre haben.
Am nächsten Tag
rollten wir gemütlich am Fusse der Falaise entlang Richtung Douentza, wo wir
übernachten wollten. Einige Kilometer vor Douentza sahen wir, wie uns aus der
Ferne eine beiger Landy und ein roter und weisser Toyota entgegen kamen.
Begeistert begrüssten wir zuerst mit Lichthupe und dann persönlich Sibylle,
Christoph, Rielle, Jeroen, Rick und natürlich die beiden Hunde. Ohne uns
abzusprechen und mit unterschiedlichen Fahrrouten haben sich unsere Wege ein
weiteres Mal gekreuzt. Wir packten die Gelegenheit beim Schopf und suchten uns
gemeinsam einen geeigneten Übernachtungsplatz. Begeistert tauschten wir unsere
neusten Reiseerlebnisse aus und liessen den Abend gemütlich ausklingen bei
Älplermakronen, Wein und Vollmond. Mali konnte ihre vorsichtig-wankelmütige
Freundschaft mit Stapper und Lakshmi auffrischen, musste aber knurrend ihr Auto
und ihr Fressen verteidigen. Dafür konnte sie an diesem Nachmittag und Abend zum
ersten Mal ihre Freiheit ganz ohne Leine geniessen.
Am nächsten
Morgen nahmen wir schweren Herzens einmal mehr Abschied voneinander, da uns
unsere Wege in entgegen gesetzte Richtung führten. Unsere Freunde hatten uns den
Floh ins Ohr gesetzt, die Elefanten von Mali aufzusuchen. Es solle sich bei
diesen um speziell grosse Exemplare handeln. Für unsere Freunde lagen die
Elefanten nicht am Weg, auf unserer Route nach Hombori sollten wir aber in der
Nähe vorbei kommen. Mit der genauen Wegbeschreibung versehen, fanden wir die
entsprechende kleine Piste zu den Elefanten problemlos, hatten aber dummerweise
vergessen zu fragen, wie weit die ganze Fahrt ist. Nach einer guten Stunde
Geholpere durch die Wildnis und knappen 30 km riss Barbara der Geduldsfaden und
sie suchte auf den elektronischen Landkarten auf dem Labtop den Elefantenort.
Christoph hatte den Ort schon am Vorabend ergebnislos gesucht - kein Wunder,
der Ort lag nämlich extrem weit abseits im Nirgendwo und hätte für uns noch
mindestens zwei weitere Stunden Holperpiste bedeutet. So versessen waren wir nun
doch nicht darauf, die Elefanten zu sehen – und unsere Mali schon gar nicht –
und so kehrten wir um im Wissen darum, dass wir auf unserer Reise noch viele
Elefanten sehen werden.
Gemütlich rollten
wir anschliessend über Teerstrasse durch skurrile Landschaft ins Kletterparadies
Hombori. Aus der flachen Buschlandschaft schossen nun mehrere hundert Meter hohe
Felswände wie Pilze oder Termitenhügel aus dem Boden. Zum Klettern wohl wirklich
einen Traum – bei anderen Temperaturen!
Als uns ein
Führer abends auf dem Campingplatz Mali-Elefanten in nur 30 km Entfernung
versprach, erlagen wir dann doch der Versuchung und entschieden uns nach langer
Preisverhandlung für eine Tour am nächsten Morgen. Früh um 7h00 gings los. Unser
Führer sass auf unserem Autodach und wies uns so den Weg. Wie versprochen kam
nach 30 km das Tuaregdorf, von wo aus wir ein kurzes Stück zu Fuss mit einem
Tuareg zu den Elefanten hätten wandern sollen. An diesem Dorf fuhren wir aber
geschmeidig vorbei und bogen erst etwa 10km später von der Piste ab um gemäss
den Angaben unseres Führers kreuz und quer durch die Landschaft zu kurven.
Ausser getrocknetem alten Elefantendung bekamen wir nichts zu sehen. Unser
Führer behauptete, er hätte die Elefanten erst gestern hier gesehen. Als er sich
nach rund einer Stunde Suchfahrt in einem Dorf erkundigte, hiess es aber, die
Elefanten seien vor drei Tagen schon weiter gezogen und befänden sich jetzt mit
Sicherheit in der Nähe des Dorfes XY. Nach einiger Diskussion willigten wir ein
zu einer weiteren 30 minütigen Pistenfahrt, wo wir jetzt ja schon mal so weit
gekommen waren. Aus den 30 Minuten wurden natürlich 60 Minuten, wir mussten die
Elefanten zu Fuss suchen und den versprochenen Schattenplatz für Mali im Auto
gab es auch nicht. Mittlerweile war es Mittag und in der heissesten Zeit – dann
wenn sich die Elefanten ins Dickicht zurückziehen - stapften wir los und folgten
den frischen Trampelspuren und Dung. Nach einer halben Stunde Fussmarsch klebte
Karsten die Zunge am Gaumen und Barbara war einem hysterischen Anfall nahe wegen
der vielen leeren Versprechungen und ihrem schlechten Gewissen Mali gegenüber im
heissen Auto. Ohne auch nur eine Rüsselspitze eines Elefanten gesehen zu haben,
kehrten wir - gemäss unserem Führer ganz kurz vor dem Ziel – um. Aus Distanz
betrachtet ist dieser Entscheid auch für uns nicht mehr ganz nachvollziehbar, in
jenem Moment aber hatten wir beide die Schnauze gestrichen voll von leeren
Worten und nicht existenten Elefanten. Und so gings unverrichteter Dinge die gut
100 km Piste wieder zurück nach Hombori. Am anderen Morgen stellten wir anhand
der GPS-Trackaufzeichung fest, dass wir am Schluss auf Umwegen an genau dem Ort
- In Adiattafene - gelandet waren, wo uns Sibylle und Christoph ursprünglich
hingelotst hatten.
In Hombori
verbrachten wir die zweite Nach auf einem Campingplatz ausserhalb der Stadt, wo
es schön ruhig war und ideal um mit Mali zu spazieren. Rasch kamen Frauen aus
dem nahen Dorf zu unserem Auto und boten uns frische Eier, Bastuntersetzer,
geflochtene Körbchen und Kinder an. Ja tatsächlich: Eine hübsche junge Frau kam
mit Zwillingen zu uns, stillte sie neben unserem Auto und versuchte Barbara zu
überzeugen – mit etwas Schalk in den Augen aber trotzdem in vollem Ernst – ihr
eines der beiden Kinder für 10000 CFA (17.- €) abzukaufen. Barbara hätte ihrer
Oma ja gerne den lang gehegten Wunsch nach einem kleinen schwarzen (Urenkel)Kind
erfüllt, aber im Moment sind wir mit unserem vierbeinigen Baby voll ausgelastet…
Am nächsten Tag
erledigten wir in Hombori in nur 10 Minuten die Ausreiseformalitäten und machten
uns auf zur 90 km entfernten Grenze nach Burkina Faso. Eine direkte Strecke von
Hombori zur Grenze gibt es laut Karte nicht, wir versuchten es trotzdem. Mit
Hilfe des GPS, einigen Tiertrampelpfaden (unser Auto ist aber leider breiter und
höher als diese Tiere) und vielen Querfeldeinfahrten erreichten wir
die Grenze
tatsächlich am vorgesehenen Ort – am Mittag des nächsten Tages. Bei einem
Tiefbrunnen vor der Grenze waren Nomaden eben dabei, Wasser aus wohl über 50
Meter Tiefe heraufzuziehen. Auch wir konnten hier unsere Wassertanks wieder
auffüllen. Besser als die Wasserqualität war aber das Schauspiel, das sich uns
dabei bot. Über einfache Winden, gefertigt aus Holz und alten Velogabeln wurden
Säcke an langen Leinen in den Brunn en gelassen. Die anderen Enden der Leinen
waren an Dromedars befestigt, die von kleinen Jungen vom Brunnen weg geritten
wurden. So wurden die vollen schweren Wassersäcke hochzogen. Mit vollen
Wassertanks überquerten wir nun die unsichtbare Grenze nach Burkina Faso.
Bobo-Dioulasso,
24. März 2006
|