Home Wir Reiseroute & -info Reiseberichte Fotos Kontakt & Links

Europa
Marokko
Mauretanien
Senegal & Gambia
Guinea
Mali
Burkina Faso
Ghana
Togo, Benin, Nigeria
Kamerun
Gabon
Republik Kongo
Cabinda & DRC
Angola
Namibia
Sambia
Botswana
Südafrika
Lesotho
Swaziland
Mosambik
Malawi
Tansania
Uganda
Kenia
Äthiopien
Sudan
Ägypten
Libyen
Tunesien

 

Marokko         12.12.2005 - 3.1.2006

Afrika, hier sind wir! Seit über einer Woche kurven wir nun durch Marokko und sind überwältigt von der eindrücklichen und abwechslungsreichen Landschaft, den malerischen Dörfern und den sehr herzlichen Menschen. Mit Marokko gelang uns der optimale Einstieg für unsere Afrikareise. Aber alles der Reihe nach:

Am 12.12., punkt 12h00 sind wir von der Fähre auf afrikanischen Boden gerollt. Nachdem wir uns in Ceuta noch mit zollfreiem Diesel eingedeckt hatten, gings zügig Richtung marokkanische Grenze weiter. Noch weit vom eigentlichen Grenzübergang entfernt, wedelten uns schon zahlreiche selbsternannte Helfer mit verschiednen, „ganz billig“ zu kaufenden Formularen vor der Windschutzscheibe rum. Alle diese Formulare haben wir dann aber an der Grenze gratis erhalten! In für uns nicht wirklich nachvollziehbarer Reihenfolge wurden wir von einem Schalter zum anderen geschickt und wieder zurück, um hier noch ein Formular, da noch eine Unterschrift und dort noch eine Nummer oder einen Stempel zu hohlen. Aber unerwartet schnell – nach 30 Minuten – hatten wir dann doch alle Papiere für uns und das Auto zusammen und durften nach einer aus reiner Neugier vorgenommenen letzten Inspektion des Wageninnern „Ahh, das ist also Ihre Küche, schön… und hier schlafen Sie, interessant …“ in Marokko einreisen. Das erste Bild, das wir von Marokko erhielten, waren Flüchtlingslager entlang dem Grenzzaun, voll mit Leuten, die hoffnungsvoll Richtung paradisisches Europa blickten …

Bei erster Gelegenheit deckten wir uns aus einem Bancomaten mit marokkanischem Dirham ein und rollten dann vorbei an saftigen Wiesen, Eselgespannen und winkenden Kindern über kleinere Pässe und gute Teerstrassen rund 100 km nach Chefchaouen. Diese kleine Stadt schmiegt sich auf 600 MüM an steile Bergflanken. Von unserem Campingplatz weit oberhalb der Stadt konnten wir uns erstmal eine wunderbare Übersicht verschaffen, die uns dann am nächsten Tag davor bewahrte uns in der Medina (Altstadt) in den verwinkelten Gässchen heillos zu verlaufen – aber wie wir später feststellten, steckt die Medina von Chefchaouen im Vergleich zu den grossen Medinas von Fes oder Meknes noch in (angenehmen) Kinderschuhen.

Die Medina von Cehfchaouen vermittelt mit ihren weiss gekalkten Häusern, den dunkelblauen Türen und den hellblau gestrichenen Böden einen sehr freundlichen und mediteranen Eindruck. Wären die Leute nicht in ihre dicken Berbermäntel mit den grossen Kapuzen gehüllt gewesen, hätten wir uns in Santorini gewähnt. Die Geschäftstüchtigkeit der Souvenierverkäufer hier in Marokko dürfte aber diejenige der griechischen Händler weit überbieten. Karsten musste sich erstmal daran gewöhnen alle drei Meter angesprochen zu werden und in unverständlicher Sprache – arabisch-französisch – mit Begrüssungsfloskeln und Fragen überhäuft und ins Geschäft gelockt zu werden. Nach einem kleinen Schwätzchen mit Barbara über das woher und wohin liessen uns die Verkäufer dann jeweils mit einem Lächeln und Winken ungeschoren ziehen. Und Karsten wird sich irgendwann (hoffentlich) an diese Mentalität gewöhnen und seinen ärgerlichen und misstrauischen Blick ablegen. So richtig auf Marokko eingestimmt haben uns dann der über frischen Pfefferminzblättern aufgebrühte süsse Tee und die Rufe der Muezzins - scherbelnd über Lautsprecher und zu nacht- bzw. morgenschlafender Zeit! In Chefchaouen feierten wir der Kälte wegen unseren ersten Abend in Afrika im Auto drinnen bei Standheizung, Rotwein und Chips. Beim anschiessenden Kochen im Wageninnern – Tomatensuppe und Würstli – konnten wir uns so richtig auf das enge Leben im Auto einstimmen. Aber mit etwas Improvisationsgeist klappt das bestens!

                        

Auf dem Weg nach Fes fuhren wir über eine nicht einmal in der Strassenkarte eingezeichnete Piste entlang des Stausees Al Wahad. In aller Abgeschiedenheit –  so dachten wir – gönnten wir uns dann um 14h00 ein verspätetes Frühstück mit Blick auf den See. Leider war unser Timing nicht optimal, denn plötzlich tauchten aus dem Nichts eine ganze Horde Kinder auf, die gerade die Schule fertig hatten. Sie standen mit grossen Augen um unseren Tisch und zeigten auf die verschiednen Sachen. Barbara schäckerte mit ihnen rum und veranstaltete einen „Wer-kann-am-lautesten-durch-die-Finger-pfeiffen-Wettbewerb“, während Karsten versuchte, unsere Habseligkeiten wegzupacken. Als dann die Bitten „donnez moi un stylo, donnez-moi un bonbon, donnez-moi un Dirham, donnez-moi…“ immer aufdringlicher wurden, räumten wir fluchtartig das Feld. Einem der kleinen Wichte gelang es aber tatsächlich, eine unserer Spanngurten zu klauen. Karstens Verfolgungsjagd blieb ergebnislos. Denn anderen Kindern war der Diebstahl sehr peinlich, sie entschuldigten sich für den Dieb und begleiteten uns winkend die nächsten paar Meter. Willkommen in Afrika!

 

Die Medina von Fes führte uns in die Märchenwelt von 1001 Nacht. In jedem Hauseingang bot irgendein Händler seine Ware feil oder stellte sie gerade vor Ort her. Unzählige Gerüche, Farben und Klänge umringten und verzauberten uns. Die Medina von Fes mit ihren über 9400 verwinkelten Gässchen und über 340 Moscheen verlangte unserem Orientierungssinn einiges ab… Genauso gefordert waren wir aber, wenn es darum ging, überaus freundliche, aber aufsässige Teppich, - Leder, oder Messinghandwerker oder Händler wieder los zu werden. Karstens mittlerweile einstudierter Satz „je ne parle pas français“ brachte ihm nur eine Flut englischer Angebote ein. Als wir uns dann aber überzeugen liessen, doch das eine oder andere Gebäude bzw. Geschäft von innen anzuschauen, waren wir überrascht, welche architektonische Pracht und künstlerischer Verzierungen wir hinter den lehmgrauen Fassaden vorfanden. Und mit freundlicher Beharrlichkeit haben wir es bis jetzt geschafft, ohne Souvenir davon zu kommen.

Auf den 60 km zwischen Fes und Meknes (Versaille von Marokko) haben wir erstmals unsere „Auto-Waschmaschine“ in Betrieb genommen. Und siehe da, trotz der ruhigen Fahrt über die Autobahn – auf der gesamten Strecke haben wir gerade mal rund 15 weitere Fahrzeuge gesehen – wurde unsere Wäsche auf dem Dach so durchgeschüttelt, dass wir sie in Meknes nur noch ausspühlen und aufhängen mussten. Alles wurde sauber und unsere Waschtonne erhält das Gütesiegel! Meknes ist das Versaille von Marokko und weil hier alles etwas ruhiger und gemächlicher war als in Fes, gefiel es uns sehr gut. Hier haben wir auch die Störche von Maja gefunden. Sie lassen Dich herzlich grüssen, Maja! Trotz den vielen Sehenswürdigkeiten und der eindrücklichen Königsstadt waren wir mittlerweile etwas asphalt-lahm und es zog uns weg von den Städten in das marokkanische Altlasgebirge.

Über Julier-hohe Pässe, Zehdenrwälder, Schnee, Skigebiete, Steinwüsten, vorbei an Bergbächen und durch Grand-Canoyon ähnliche Schluchten durchquerten wir den Mittleren Atlas und Ausläufer des Hohen Atlas. Es ist unvorstellbar, welche landschaftliche Vielfalt sich auf dieser rund 300 km langen Strecke präsentiert! Ebenso vielfältig war die Temperaturskala unterwegs und uns blieb nichts anderes übrig als zusätzlich zu unseren warmen Bettdecken auch noch die Schlafsäcke zu benutzen. In der Oase von Mezki, bei den blauen Quellen hatten wir in der Nacht Minustemperaturen und in der nächsten Nacht in der Dadées-Schlucht (ca. 1300MüM) vereiste unsere Dachlucke!

Landschaftlich extrem eindrücklich waren die Thodra- und die Dadées-Schlucht. Die beiden Flüsse haben sich über 300 Meter tief in den okerfrabenen Sandstein eingefressen und eine einmalige Canoyonlandschaft geformt. Die wenigen breiteren Stellen der Talsohle sind von Palmen und üppigem Grün gesäumt. Auf und an den Berghängen, verschmelzend mit der Umgebung, kleben alte Kasbahs wie Adlerhorste. Wir entschieden uns für die Fahrt über eine Piste, die die beiden Schluchten verbindet. Gemäss Afrika-Strassen-Bibel handelt es sich hierbei um eine sehr schlechte Piste (in der normalen Strassenkarte nicht eingezeichnet!) – was masslos untertrieben ist, wie wir feststellten. Für die rund 45 km brauchten wir etwas mehr als 4 Stunden, wobei wir die letzten 15 km mit rasanten 25 kmh durchgebraust sind… Die ersten Kilometer ging es den Berg hoch über Felsstufen und Geröllfelder die unser Macun (= Steinbock, so haben wir unseren Toyota getauft) wohl nur geschafft hat, weil Karsten streckenweise zu Fuss auf Erkundungstour vorangegangen ist und Barbara im Kriechtempo zentimetergenau nachgekurvt ist. Als kleine Zugabe kamen dann noch die bettelenden Berberkinder, die sich an unsere Aussenspiegel gehängt haben und die vor dem Auto hin und her rennenden Hunde dazu, die unsere sonst schon vor Konzentration angespannte Stimmung noch unterstützt haben … Es schon ein ganz unangenehmes Gefühl in unserer luxuriösen Blechkiste zu sitzen mit hochgekurbelten Fenstern und das einfache Leben und die Armut dieser nomadischen Berber zu sehen und nicht sinnvoll unterstützen zu können. Geld wollten wir keines geben, die Souvenirs (Fossilien) konnten wir nicht gebrauchen und sinnvolle Geschenke oder Esswaren, die wir im nötigen Umfang hätten austeilen können, haben wir nicht dabei. Trotz aller Schwierigkeiten hat sich diese Pistenfahrt der landschaftlichen Schönheit wegen sehr gelohnt. Wir mussten aber feststellen, dass es auch in Marokko kein Vergnügen ist, bei absoluter Dunkelheit einen Campingplatz zu suchen, sogar wenn man wüsste, wo er eigentlich sein sollte.

Mit den Gesetzeshütern hatten wir bislang gute Erfahrungen gemacht. Wenn wir nach dem Weg fragen mussten, erhielten wir immer sehr freundliche und fast immer auch kompetente Auskunft, selbstverständlich immer verbunden mit einem kleinen Schwätzchen aber ohne lästige Fragen nach Geschenken. Auch wenn wir auf der Strasse raus gewunken wurden, ging es immer nur darum, mit uns zu plaudern und uns gute Reise zu wünschen. Gestern wurden wir jedoch angehalten und der Polizist warf uns vor, wir hätten trotz Sicherheitslinie überholt. „Das kostet Sie 400 Dirham – nur 40 Euro“, klärte er uns auf. Wir hatten zwar überholt aber Driver Karsten war sich ziemlich sicher, dass die Linie nicht ausgezogen war und Barbara hatte nicht darauf geachtet. Jedenfalls hatte das Taxi vor uns genau an der gleichen Stelle überholt und wurde nicht raus geholt. Also begann Barbara mit dem Polizisten zu diskutieren. Er aber blieb hart und erst als Barbara Anstalten machte auszusteigen und die ca. 700 Meter zu Fuss zurück zu gehen um die Linie zu überprüfen, lenkte er ein. Mit einem Grinsen und einer Ermahnung liess er uns ziehen. Schade, da ist ihm wohl sein sonntägliches Trinkgeld entgangen…

Als nächstes steht die Besichtigung von Marrakech auf dem Programm. Es zieht uns aber weiter ans Meer. Weihnachten werden wir wohl an der Beach verbringen. Nicht typisch Weihnachten… - aber dafür haben wir die Kerzen und den Weihnachtsschmuck von Bettina, die feinen Guetzli von Heidi (die von Mami haben wir schon verputzt) und den Weihnachststollen von Maischners. Herzlichen Dank!

Vor Weihnachten kommen wir wohl nicht mehr ins Internet, so wünschen wir jetzt schon allen ein schönes Weihnachtsfest und sicherheitshalber bereits einen guten Rutsch in ein glückliches und gesundes neues Jahr.

Die 3 Könige aus dem Morgenland mögen Euch etwas südliche Reiseluft bringen!

                                                                                              Marrakech, 21-12-2005

 

Weihnachten und Neujahr verbrachten wir in Marokko. Geplant war es ja eigentlich etwas anders: Sylvester wollten wir ursprünglich in Senegal in der Zebra-Bar feiern zusammen mit Sibylle und Christoph. Aber es zeigte sich schnell einmal, dass Marokko viel zu schön ist um einfach directissima durchzufahren. Wir kamen bis jetzt deshalb nur im Schneckentempo voran, sahen und erlebten aber dafür viel in diesem schönen Land. Zum Glück haben wir uns vor der Abfahrt schon immer dagegen gesträubt, detaillierte Reisepläne zu machen, sonst wären wir jetzt wohl enttäuscht, unseren Zeitplan nicht einhalten zu können.

Als wir am 21.Dezember in Marrakech auf dem Campingplatz eintrudelten, traffen wir, wie wir es per sms abgesprochen hatten, Sibylle und Christoph. Die beiden fuhren gute zwei Wochen vor uns ins Zürich ab, doch in Marrakech ging das Timing nun auf. Wir genossen es sehr, mit den beiden, gemütlich zu kochen (Couscous mit Gemüse - Barbaras Augen bzw. Kontaktlinsen erinnerten sie noch 3 Tage lang an die scharfe Peperoncini…), zu essen und erste Reiseabenteuer auszutauschen. Der Regen konnte uns unter unserem Sonnenzelt zum Glück fast nichts anhaben. Am nächsten Tag entdeckten wir dann gemeinsam Marrakech bzw. des Regens wegen eigentlich nur ein Internetcafé und ein Restaurant… Zum ersten Mal erlebten wir Marokko nun bei schlecht Wetter – dieses sollte sich dann leider auch noch für eine ganze Woche halten – aber dank denn nun etwas angenehmeren Temperaturen war es nicht ganz so schlimm. Marrakech gefiel uns sehr gut. Das erste Mal konnten wir ohne aufdringliche Verkäufer in Ruhe lädelen, durch die Souks schlendern und die eindrücklichen Sehenswürdigkeiten geniessen. Vermutlich lag es daran, dass mittlerweile massenhaft v.a. französische Weihnachtstouristen eingetroffen sind, die eher nach Geld ausgeben aussahen als wir…

In einem der Kräuterläden liessen wir uns dann dazu überreden uns einer Verjüngungskur mittels Gesichtsmaske aus Naturprodukten zu unterziehen. Kurzfristig hats tatsächlich auch gewirkt, v.a. hat es aber einfach Riesenspass gemacht. Besonders angetan hat es uns aber der grosse Hauptplatz von Marrakech. Es war absolut faszinierend zu sehen, wie sich der Platz, der tagsüber von Schlangenbeschwörern und anderen interessanten Gestalten bevölkert war, bei Dämmerung in ein riesengrosses Freilichtrestaurant mit –zig Essständen und Tischen verwandelte. Und zu essen gabs wirklich alles, was die marokkanische Küche zu bieten hat. Zu späterer Stunde gehörte der Platz dann den Gauklern, Geschichtenerzählern und Musikern.

Nach Marrakech gings weiter an die Küste nach Essaouira. Mittlerweile waren wir wieder alleine unterwegs, da Sibylle und Christoph schon eher aufgebrochen waren, um mit ihren holländischen Freunden Weihnachten in der Nähe von Agadir zu feiern. Essaouira ist ein kleines Fischerstädtchen mit einer sehr eindrücklichen Fischauktion, sehr viel Charme und mindestens ebenso vielen Souvenierläden. Also genau das richtige für Weihnachtseinkäufe… Karsten hat eine Galabyia erhalten (langes Kleid, ideal für den nächtlichen WC-Gang auf dem Campingplatz oder so), Barbara hat orange Lederbabouches (Finken) bekommen damit sie das Auto nicht immer schmutzig macht, und Macun (unser Auto) hat einen gewobenen Teppich für den Mittelgang geschenkt bekommen. Und als Höhepunkt haben wir uns ein exquisites 4-gängiges Weihnachtsmenu gegönnt in der Auberge, in deren Innenhof wir übernachten durften. Es war  nicht nur ein wunderschönes Plätzchen mit Meersicht sondern für Weihnachten einfach ideal. In der ganzen Auberge gibt’s keine Elektrizität. Deshalb wurden abends überall Laternen und Kerzen angezündet und mit Cheminée geheizt. Eine richtig feierliche, weihnachtliche Atmosphäre. 

 

Den 25. Dezember haben wir mit Sibylle, Christoph, Rielle, Jeroen und einigen holländischen Freunden von ihnen am Strand von Tarazoute gefeiert. Alle haben etwas selbst gekochtes zum grossen Weihnachtsbuffet beigetragen und wir kamen nicht aus dem Schlemmen raus. Schon fast kitschig ist der Abend ausgeklungen mit Lagerfeuer am Strand unter Sternenhimmel, mit Wellenrauschen, Gitarrenklängen und gemeinsamem Singen. Und zum absoluten Höhepunkt gab es dann zum Desert noch Schoggicreme.

 

Am nächsten Tag fuhren wir alleine weiter um uns erst in Agadir noch mit einer Alustange einzudecken für unsere in Marrakech gefertigte Regenplane (sie soll den Eingang zum Auto trocken halten, funktioniert aber leider noch nicht so gut, wie wir das bei Christoph gesehen haben) und dann den Anstieg ins ca. 1000 MüM gelegene Tafraoute im Anti-Atlas unter die Räder zu nehmen. Unterwegs bewunderten wir immer wieder die Trittsicherheit der marokkanischen Ziegen, die sich spezielle Leckerbisse, Argane-Nüsse aus den Bäumen holen. Wir verbrachten zwei Tage in der einmalig schönen Landschaft und hätten locker noch länger bleiben können. Die rosa Felsformationen, die an den Hängen klebenden Dörfer, die kargen Pässe und die üppigen Palmenhaine entlang von fast trockenen Rinnsalen sind einfach malerisch. Malerisch im wörtlichen Sinn sind die von einem belgischen „Künstler“ blaugepinnselten Felsen mitten im Nirgendwo.

Gerne wären wir über eine Piste zurück zum Meer gefahren, nur fehlten uns leider die GPS-Koordinaten für den Pistenanfang und wir suchten die Einfahrt vergeblich. Etwas später stellten wir dann aber fest, dass wir sehr wohl auf der richtigen Piste unterwegs waren – sie war mittlerweile einfach geteert…..

Auf dem Campingplatz in der Nähe des alten französischen Fort Bou Jerif setzten wir dann endlich unsere schon länger geplante und des Wetters wegen immer wieder verschobene Waschaktion in die Tat um. Aber auch hier waren uns die Wettergötter nicht wohl gesonnen und so mussten wir fluchtartig die Wäscheleine leeren und unser heimeliges Autowohnzimmer kurzfristig in einen Trockenraum umwandeln. Zum Glück war am nächsten Tag die Sonne wieder da, denn unser Autotrocknungsraum ist noch verbesserungsbedürftig…  Schon zu diesem Fort hin wollten wir eigentlich über Pisten fahren, haben sie aber wieder einmal nicht gefunden – zum Glück, wie sich am anderen Tag herausstellte. Andere haben die Piste zwar gefunden, sie war des schlechten Wetters wegen aber kaum mehr fahrbar und sie haben für die paar Kilometer bis nach Mitternacht gebraucht. Und über Pistenfahrt im Dunkeln freuen sich weder Auto noch Fahrer! Vom Fort gings weiter an den Plage Blanche mit seinen vielen Sanddünen. Eigentlich hatten wir uns nach den Berichten über die nächtliche Pistenfahrt entschieden, auf der Teerstrasse zurück zu fahren. Mittlerweile schien aber die Sonne und der starke Wind hatte die meisten Wasserpfützen bereits wieder ausgetrocknet. So flexibel wie wir sind, entschieden wir uns also wieder um und fuhren mit drei weiteren 4x4 Fahrzeugen (ein Deutscher, zwei Spanier) doch über die Piste Richtung Tan-Tan (gemäss Karte ca. 24 km). Gruppengefühl verleitet zu Wagemut – wie sich herausstellte, war die Piste nicht mehr vorhanden und es ging deshalb irgendwie und irgendwo querfeldein über Steine und durch Büsche, durch Sandfelder, durch Schlamm, tiefe Rillen und durch etliche Wadis bzw.hier in Marokko „Oueds“ die zu Flüssen wurden. Immer wieder hiess es aussteigen, Gelände abmarschieren, den besten, ev. fahrbaren Weg suchen, durch Flüsse waten um Wassertiefe und Untergrund auszukundschaften und dann schliesslich „Augen zu und durch“.                    

Als wir dann bei einbrechender Dämmerung auf der Teerstrasse ankamen, waren wohl aller recht erleichtert. Mit den drei Münchnern, die ihrem Zeitplan gemäss wohl schon lange in Mauretanien sein sollten genossen wir dann erstmal ein Abendessen in Tan-Tan-Plage und eine heisse Dusche in ihrem Hotelzimmer. Für uns hiess es dann Übernachtung bei Sturmwind am Strand.

Vorbei an zahlreichen Polizeikontrollen gings anschliessen auf guter, schnurgerader Teerstrasse zügig entlang der mit Schiffwracks gesäumten Steilküste Richtung Süden. Immer wieder tauchten aus dem Nichts goldige Dünen auf, die ihren Sand grosszügig auch über die Strasse verteilten.

Südlich von Boujdour fanden wir einen wunderschönen zig-kilometerlangen Sandstrand mit zwei Wracks und entschieden uns, hier einen gemütlichen Jahresausklang zu verbringen. Zum ersten Mal stürzten wir uns auf unserer Reise in die Fluten des Atlantiks – nicht weil es so warm war, sondern weil wir seit einigen Tagen grosszügig auf nur kalte Duschen verzichtet hatten (genau genommen hat nur Karsten Stinken einer kalten Dusche vorgezogen, Barbara war da tapferer …) bzw. beim Wildcampen unser gutes Trinkwasser nicht fürs Duschen verschwenden wollten. Und nach dem Salzwasser kam dann auch unsere autoeigene Dusche zum ersten Mal zum Einsatz. Wir freuten uns riesig über unseren einsamen Platz, den wir hier gefunden hatten, .....

                                           

....bis drei Fischer aus dem Nichts auftauchten und sich direkt auf den 10 Metern zwischen Meer und unserem Auto installierten. Nach der ersten Enttäuschung fanden wir uns aber damit ab und als sie uns gegen Abend auch noch zwei frisch gefangene Fische brachten war die Welt wieder in Ordnung. Als sie später mit einem weiteren grossen Fisch ankamen, entschlossen wir uns, den grossen Fisch à la marocaine zuzubereiten und mit den Fischern gemeinsam das Sylvestermenu zukochen und zu geniessen. Neben einer Fischtagine aus unserer Bratpfanne gabs Tomatensalat, Reis und Gemüse. Wir verbrachten einen lustigen Abend, v.a. als es darum ging, dass die Marokkaner mit Gabel und Messer zu Essen versuchten und wir umgedreht die Tagine nach marokkanischer Art mit den Händen assen. Des starken Winds wegen war der Abend für uns früher zu Ende als vorgesehen und wir verzogen uns noch vor Mitternacht ins Bett – aber natürlich erst, nachdem Karsten seine Sylvesterrakete, die er von den Münchnern geschenkt erhalten hatte, in den Himmel geschossen hatte. Wir wären gerne noch einen weiteren Tag an unserem Strand geblieben – mit Fisch wurden wir auch reichlich versorgt – aber der starke Wind trieb uns weiter.

Wir sind nun in Dakhla, der letzten grösseren Stadt vor der mauretanischen Grenze. Die 350 km nach Mauretanien werden wir wohl in zwei Tagesetappen unter die Räder nehmen, um ja nicht im verminten Grenzstreifen übernachten zu müssen. Die Umgebung hier wäre ideal zum wild an einem der schönen Sandstrände zu campen. Da wir aber Wasser, Diesel und Esswaren auffüllen müssen, sind wir in der Stadt auf dem nicht gerade schönen Campingplatz. Nach dem Sturm von letzter Nacht und dem heftigen Wind heute trotzdem gar keine schlechte Wahl…

Wir bedanken uns an dieser Stelle noch ganz herzlich für alle Weihnachts- und Neujahrsgrüsse die wir per SMS und Email erhalten haben. Wir haben uns sehr darüber gefreut. Da ein SMS hier soviel kostet wie eine Stunde Internet, dieses aber so langsam ist, dass wir innert kürzester Zeit die Geduld verlieren, haben wir nicht immer geantwortet. Wir hoffen aber, dass Ihr alle trotzdem schöne Weihnachten hattet und gut gerutscht seid.

In den nächsten 2-3 Wochen in Mauretanien werden wir keine SMS empfangen und verschicken können und Internet ist nicht sehr weit verbreitet. Aber in Senegal wird es dann wieder besser.

 Dakhla, 2. Januar 2006