|
|
Mosambik 31.1. - 16.2.2007 Süden Bem
vindo a Moçambique! So begrüsst die ehemalige portugiesische Kolonie ihre Gäste
freundlich in grossen Lettern gleich an der Grenze. Am modernen und leeren
Grenzübergang Goba ging alles zügig. Kaum fuhren wir auf den Parkplatz, kriegten
wir einen Laufzettel in die Hand gedrückt. Dieser wurde bei jedem Schalter
abgestempelt und im Gegensatz zur Einreise nach Südafrika am Schluss sogar
kontrolliert. Mit selbstsicherem Auftreten gelang es uns, dem Zöllner unser
Carnet als ausreichendes internationales Fahrzeugpapier unter zujubeln – auch
wenn es für Mosambik explizit nicht gültig ist. Er stempelte es brav ab und wir
konnten uns so um die Import-/Transit- oder was auch immer für Gebühren drücken.
Auf die eigentlich vorgeschrieben Haftpflichtversicherung verzichten wir
grosszügig – solange niemand danach fragt … Am frühen Nachmittag und hundert
Kilometer weiter waren wir schon kurz vor Maputo. Eine sechsspurige Autobahn
führt mitten ins Zentrum. Da diese aber zahlpflichtig ist, versuchten wir uns
auf Nebenstrassen anzuschleichen – nur um nach ein paar vergeblichen Versuchen
die letzen hundert Meter vor der Zahlstelle doch noch auf die Autobahn zu
müssen. Und dann
der grosse Moment, die Einlösung von Barbaras Geschäfts-Abschiedsgeschenk der
VKM (Vereinigung der kantonalen Migrationsbehörden,
www.vkm-asm.ch ): Unterkunft mit allem drum und dran in Maputo bei
Jacqueline von der Schweizer Botschaft. Wir wussten aber nicht mehr so genau,
was das Geschenk wirklich beinhaltet und uns war etwas seltsam zumute bei jemand
Fremden einfach so rein zu trampen um uns einzunisten. Aber Jacqueline empfing
uns mit Gintonic am kleinen Swimmingpool und entsprechend schnell zerflossen
unsere Bedenken. Die Hausführung beinhaltete gleich die Instruktion von Radio,
TV, DVD, Waschmaschiene und Internet und endete im für uns liebvoll
hergerichteten Gästezimmer. Toll, da fühlten wir uns wirklich gleich willkommen
und zuhause. Nur wollten wir doch eigentlich auch hier in unserem Bett in
unseren eigenen vier Wänden im Auto schlafen. Jacqueline respektierte unseren
Wunsch und erst im Nachhinein erfuhren wir, wie schwierig es für sie war, ihren
Angestellten zu erklären, dass ihre Gäste vor dem Haus im Auto schlafen würden.
Für die so gastfreundlichen Afrikaner eine vollkommen absurde Vorstellung.
Jacqueline erklärte ihnen deshalb kurzerhand, dass es in der Schweiz normal sei,
dass die Gäste im Auto schlafen würden … ! Also, wer uns in der Schweiz besucht,
weiss jetzt, was ihm blühen wird! Nachdem wir am ersten Morgen aber schon früh
von den auf leisen Sohlen ums Auto herum schleichenden Wächtern geweckt wurden
und Barbara nachts alle Mühe hatte die dreifach verschlossene Tür zu öffnen um
aufs WC zu gelangen, zogen wir dann zur Erleichterung aller doch mit Sack und
Pack um ins Gästezimmer. Und wie sehr genossen wir den Luxus von so viel Raum
und Bewegungsfreiheit. Das Zimmer kam uns riesig vor und ein angegliedertes
eigenes Badezimmer und eine Aircondition war fast zuviel des Guten. Vierzehn
Monate lang hatten wir alle diese Annehmlichkeiten kein einziges Mal vermisst,
aber jetzt, wo wir sie hatten, war es einfach paradiesisch! Nur Mali war das
Ganze nicht geheuer: Schlafen in einem Zimmer und nicht auf ihrem gewohnten
Platz im Auto? Wo gibt’s denn so was? Aber es gibt eben immer ein erstes Mal.–
Auch für die Katze Mixli, die ihr Haus nun plötzlich mit einem Katzenfutter
stehlenden, immer zum Spielen und Schmusen aufgelegten Hund teilen musste. Mixli
wies die danach laut aufjaulende Mali deshalb einige Male mit einem mehr oder
weniger heftigen Tatzenhieb aufs Hinterteil in ihre Schranken.
Die Zeit in Maputo verbrachten wir zu einem grossen Teil einfach mit Rumhängen in Jacquelines geschmackvoll eingerichtetem Haus, in ihrem Garten und natürlich am Pool. Bei feucht-heissen Temperaturen zwischen 30 und 40°C liegt die einzige Abkühlung im lauwarmen Wasser. Aber Maputo (bzw. Jacqueline) hiess auch
Für uns war
es sehr interessant über Jacqueline einmal einen Einblick in das Leben einer
Expats-Gemeinde zu erhalten. Die weissen Ausländer in Maputo scheinen sich alle
untereinander zu kennen und eine eingeschworene Gemeinschaft zu bilden.
In Maputo
fühlten wir uns vielmehr sogar besonders freundlich behandelt. Häufig grüssten
uns die Leute mit einem Lächeln und beiden erhobenen, die Handflächen nach
aussen gekehrten Hände. Diese Begrüssungsform geht auf die lange Kriegszeit in
Mosambik zurück und zeigt, dass das Gegenüber keine Waffen trägt und einem
freundlich gesinnt ist. Mosambik sieht auf einen jahrzehntelangen Krieg zurück.
Im 19. Jahrhundert, als europäische Staaten sich um Afrika zu streiten begannen,
wurde Portugal zur offiziellen Kolonialmacht in Mosambik. Faktisch befand sich
Mosambik allerdings schon seit dem 17. Jahrhundert unter der portugiesischen
Krone. Zu Beginn der 70er Jahre verstärkte sich die nationalistische
Unabhängigkeitsbewegung und 1962 schliesslich wurde Frelimo (Front for the
Liberation of Mozambique)ins Leben gerufen und entschied sich früh für eine
Politik des gewaltsamen Widerstands. Nach mehr als einer Dekade Kriegsjahren
wurde Mosambik 1975 in die Unabhängigkeit entlassen. Die Portugiesen verliessen
über Nacht das Land und liessen ihrer Zerstörungswut freien Lauf. Die neue
Frelimo-Regierung stand nun vor der fast unlösbaren Aufgabe, ein Land mit
zerstörter Infrastruktur und ohne Fachleute aus dem Ruin in den Wohlstand zu
führen. Dies gelang ihr mittels Sozialismus und mit Unterstützung
kommunistischer Länder für kurze Zeit so gut, dass Mosambik in linken westlichen
Kreisen als erfolgreicher kommunistischer Musterstaat galt. Sogar Bob Dylan
griff dies in einem seiner Songs auf. In dieser Zeit auch durften
mosambikanische Jugendliche in der DDR eine Ausbildung absolvieren und kehrten
später in ihr Heimatland zurück. So erlebte es Karsten, dass er von einem
Mosambikaner auf Deutsch mit unverkennbar sächsischem Akzent in ein Gespräch
verwickelt wurde.
Aber alles Schöne hat irgendwann ein Ende und so verabschiedeten wir uns nach mehreren Anläufen nach knapp drei Wochen schweren Herzens von Jacqueline und Maputo. Herzlichen Dank Jacqueline, herzlichen Dank VKM! Zügig
rollten wir nun auf perfekter Asphaltstrasse Richtung Inhambane, wo wir unsere
Reisefreunde Andrea und Hoschi treffen wollten.
Nach langen
acht Stunden Fahrzeit waren wir endlich auf der Halbinsel und im uralten
Handelsstädtchen Inhambane. Persische und arabische Segelschiffe waren diesen
Naturhafen schon seit dem 11. Jahrhundert angefahren bis die Portugiesen die
arabischen Handelsplätze an Mosambiks Küste ab dem 16. Jahrhundert besetzten.
Seit dem Abgang der Portugiesen erleidet Inhambane das selbe Schicksal, wie die
meisten kolonialen Städte: Vergessen und dem Verfall preisgegeben. Trotzdem ist
noch etwas von seiner ehemaligen Pracht zu erahnen. Uns zog es weiter auf die
andere Seite der Landzunge an die Praia de Tofo, angeblich einer der schönsten
Strände Mosambiks. Wir freuten uns aber vor allem darüber, Andrea und Hoschi aus
Bern nach langer Zeit wieder zu treffen. Am zweiten August 06 hatten wir uns
voneinander in Namibia verabschiedet. Freunde unterwegs ersetzen uns beim Reisen
etwas die Familie.
Eine wunderschöne Zeit – wäre da nicht Favio gewesen. Favio wurde im indischen Ozean geboren, machte sich über den Süden Madagaskars her und pirschte sich langsam entlang Mosambiks Küste nordwärts um unberechenbar und heftig irgend wo an Land zu gehen. Wie immer, diese Männer! – Nein, dieses Mal handelt es sich um einen tropischen Wirbelsturm, einen Zyklon. Sein Zentrum solle ein Durchmesser von 10 km haben mit Windgeschwindigkeiten von 300 kmh. Niemand konnte genau vorher sagen, wo er vom Meer aufs Land wechseln wird um seine Spur der Verwüstung zurück zu lassen. In Tofo jedenfalls wurde alles verbarrikadiert. Wir erhielten die unterschiedlichsten Informationen und standen mit der Schweizer und der Deutschen Botschaft und mit MeteoSchweiz in Kontakt. Ganz konfus von den unterschiedlichen Verhaltensregeln und Tipps blieben wir alle schliesslich in Tofo und hofften darauf, dass Favio weiterziehen würde oder uns notfalls die vorgelagerte Sanddüne vor dem Schlimmsten schützen würde. Sicherheitshalber parkierten wir unsere Autos um in weite Ferne von Bäumen, Palmen und fliegenden Kokosnüssen. Wir hatten Glück: Favio zog draussen auf dem Meer an uns vorbei und bescherte uns nur heftigen Wind, Regen und tosendes Meer. Er ging 200 km weiter nördlich mit 240 kmh an Land und machte den Touristenort Vilanculos platt. Schrecklich! Tofo
war toll, wir wollten aber die Strände im Norden von Mosambik noch erkunden.
Deshalb hiess es einmal mehr Abschied nehmen von Andrea und Hoschi. Wir werden
die beiden wohl das nächste Mal erst in der Schweiz wieder sehen. Wir hatten die
Zeit mit ihnen genossen und es hatte uns auch gut getan zu hören, dass andere
Paare genau die gleichen „Krämpfe“ miteinander haben wie wir. Der Abschied viel
uns schwer und weil wir erst gegen Mittag los kamen, schafften wir es an diesem
Tag auch nicht mehr weit sondern nur gerade ausgerechnet noch bis nach
Vilanculos. Schon 40 km südlich begannen die Verwüstungen. Bäume waren geknickt,
Häuser abgedeckt und Maisfelder zerfleddert. Je näher wir Vilanculos kamen,
desto schlimmer wurde es. Unmöglich hier ein vernünftiges Bushcamp zu finden. So
blieb uns nichts anders übrig als nach Vilanculos hinein zu fahren, in der
Hoffung einen unbeschädigten oder wenig verwüsteten Übernachtungsplatz zu
finden. Sinnloses Unterfangen! In Vilanculos war kein Grundstück ohne grössere
Verwüstung davon gekommen.
Im Eilzugstempo gings nun auf der guten Asphaltstrasse nordwärts. Wie schon am Vortag mussten wir uns durch heftigsten Gewitterregen und anhaltenden Nieselregen kämpfen. Kein Wunder, schliesslich herrscht in Mosambik von Dezember bis April Regenzeit. Bis jetzt hatten wir einfach nur Glück gehabt mit dem Wetter. Die Regengüsse verwandelten die Strassengräben innert Minuten in reissende Flüsse und in der topfebenen Landschaft bildeten sich sofort überall kleine Seen, die bedenklich rasch wuchsen. Das Strassentrasse lag manchmal nur noch einige wenige Zentimeter über der modrigen Sumpflandschaft. Wir verstanden nun, weshalb die Brücken so überdimensioniert gebaut wurden. Die kleinen Rinnsale hatten sich urplötzlich in gewaltige braune Ströme verwandelt, die alles überfluteten. Die ungeteerten Strassen in den Dörfern waren nur noch Schlammpisten. Die Kinder planschten fröhlich in den wassergefüllten Schlaglöchern. Ihnen schien der Regen nichts auszumachen und auch die Frauen freuten sich darüber, mussten sie doch nicht mehr kilometerweit Wasser schleppen, sondern konnten einfach Regenwasser in grossen Eimern direkt vor der Haustür auffangen. In einer Seelenruhe pedalten oder spazierten Männer im strömenden Regen der Strasse entlang. Waren wir hier denn die einzigen, denen der Regen etwas ausmachte? Dabei hatten wir sogar das Glück im trockenen Auto sitzen zu können. Typisch Europäer: anstatt hinzunehmen was nicht zu ändern ist und das Beste daraus zu machen, ärgert man sich grün und blau und kriegt schlechte Laune. Die Strasse führt uns nun von den Palmenhainen an der Küste weg ins buschige Inland. Dies war uns nur recht, braute sich vor Madagaskar doch bereits der nächste Zyklon, Gamede, zusammen. Zum ersten Mal auf unserer Reise sahen wir uns mit einem Dieselproblem konfrontiert. Grossspurig waren wir vor 150 km an der letzten Tankstelle vorbei gefahren um am Verkehrsknotenpunkt Inchope unsere Tanks zu füllen. Wir hätten vielleicht doch besser vorher unsere zwei Strassenkarten konsultieren sollen, die Inchope zu Recht als kleines Nest ohne Tankstelle auswiesen. Bis zur nächsten Tankstelle auf unserer Route nordwärts in 400 km reichte unser Dieselvorrat nicht mehr. Wollten wir nicht Diesel von dubioser Qualität in Flaschen oder Kanistern an der Strasse kaufen, mussten wir wohl oder Übel einen Umweg zum Tanken etwas weiter östlich in Kauf nehmen. 30 km hin und zurück über löchrige Asphaltstrase und eineinhalb Stunden Zeit kostete uns unsere Nachlässigkeit. Mittlerweile dunkelte es bereits ein. Mit Mühe fanden wir schliesslich in der dicht besiedelten Gegend doch noch eine ehemalige Kiesgrube, die trocken genug war für ein Bushcamp. Allerdings teilten wir unseren schönen Platz mit hunderten von Zecken, die sich genussvoll auf uns und Mali stürzten. Am frühen Nachmittag des nächsten Tages kamen wir in Caia an. Auf unsere ergebnislosen Suche nach einem Markt landeten wir schliesslich an einer Hilfsgüterausgabe-Stelle des roten Kreuzes und des UNHCR. Kein Wunder gibt’s keinen Mark, wenn die Leute hier der Überschwemmungen wegen auf Lebensmittelverteilung angewiesen sind. Allerdings waren uns die Überschwemmungen gar nicht so schlimm erschienen. Gespannt fuhren wir die wenigen Kilometer zum Sambesi. Auf unserer Reise hatten wir den viert grössten Fluss Afrikas nun schon viele Male gesehen und überquert und waren gespannt, welches Gesicht er uns hier, kurz vor der Mündung in den indischen Ozean zeigt. Wir standen vor einem einige hundert Meter breiten braunen, reissenden Strom. Nichts mehr von klarem, gemächlichem fliessenden Wasser wie in Sambia. Zum Glück war auch hier der Hochwasserstand weit aus weniger drastisch als angekündigt und befürchtet und die grosse Fähre über den Fluss verkehrte fahrplanmässig und zügig. Wir mussten einzig 30 Minuten warten, bis die Crew ihre Mittagspause beendet hatte. Wir kamen gleich mit der ersten Ladung mit auf die Fähre und auf die Minute genau (und das in Afrika!) legte das Schiff ab und brachte uns wohlbehalten vom Süden in den Norden Mosambiks. Pemba, 5. März 2007 Afrika aus dem Bilderbuch! Der Sambesi bildet die symbolische Grenze zwischen Süd- und Nordmosambik. Die Leute aus dem Süden schimpfen die Bewohner aus dem Norden rückständische Bauerntölpel und die Nordmosambikaner fühlen sich von der Regierung ganz im Süden des Landes (Maputo ist über 2000 km entfernt) nicht ernst genommen und vernachlässigt. Uns erschien der Norden des Landes um einiges ursprünglicher als der Süden. Dichte grüne Tropenvegetation mit Bananenbäumen und wogenden Palmenhainen, einsame Traumstrände, türkisblaues Meer, kleine Schilfdörfer, Segelboote, singende Fischer, Hitze, schlechtere Strassen und kaum touristische Infrastruktur. Afrika wie man es sich immer vorstellt.
Kein Wunder
fiel es uns bei dieser dichten Besiedlung schwer, einen akzeptablen
Bushcamp-Platz zu finden – und touristische Infrastruktur gabs hier nicht. Die
erste Nach verbrachten wir neben einem Haus und hatten natürlich den ganzen
Abend die ganze Familie zu Besuch.
Durch
unsere letzte Erfahrung sensibilisiert, füllten wir an einer kleinen Tankstelle
unterwegs einen unserer Tanks auf. Nach einer kurzen Überschlagsrechnung nach
dem Bezahlen traf uns fast der Schlag. Ein Liter hatte fast 50 Meticais gekostet
anstatt der üblichen 26. Da kann doch etwas nicht stimmen! Wir beschwerten uns
lautstark beim Chef der Tankstelle und siehe da, wir erhielten für unser Geld
gleich nochmals so viele Liter. Entweder hatte man uns hier zum ersten Mal in
Afrika tatsächlich mit dem Diesel übers Ohr hauen wollen, oder aber es handelte
sich tatsächlich um ein Versehen, was ausnahmsweise sogar Karsten glaubte. Zum
Glück hatten wir nachgerechnet. Am frühen
Nachmittag trafen wir in Nampula ein. Nampula ist die grösste Stadt in
Nordmosambik und der Hauptstandort der v.a. im Norden aktiven
Hilfsorganisationen. Hier konnten wir sogar in einem Shoprite beschränktem
Einkaufsvergnügen nachgehen. Und welch ein Luxus, es gibt auch einen
Campingplatz.
Von Nampula gings direkt auf die Ilha de Moçambique. Unterwegs boten Kinder und Jugendliche an der Strasse überall geröstete Cashewnüsse an. Bereits im Süden Mosambiks sind wir an vielen mit weissen Säcken bestückten Bäumen und Ästen vorbeigefahren. Es sah aus wie eine mit Wimpel geschmückte Strasse. Bis wir uns allerding entschliessen konnten, an einem dieser Stände anzuhalten und einen Sack mit Cashewnüssen zu kaufen, war der ganze Zauber vorbei. Das Angebot bestand nur auf wenigen Kilometern Strassenabschnitt. Dies sollte uns hier nun nicht mehr passieren und wir kauften gleich beim zweiten Stand etwa 3 Kilogramm dieser gerösteten Nüsse – für lächerliche 5 Fr. Überall stehen die ehemals nur in Südamerika beheimateten Cashewbäume mit ihrer weit ausladenden Kronen. Mosambiks Cashewnüsse sind ein wichtiges Exportgut. Früher wurden sie auch im Land selber verarbeitet und verpackt, heute aber werden sie dafür aus Kostengründen nach Indien verschifft. Als wenn das arme Mosambik nicht genügend billige Arbeitskräfte hätte! Sogar die Infrastruktur bestünde, aber heute sind die Fabriken alle geschlossen. Die mosambikanischen Cashewnüsse sollen weltweit die besten sein – uns jedenfalls schmeckten sie vorzüglich. Nach knapp
200 km Fahrt standen wir vor der Ilha de Moçambique. Die Insel ist mit dem
Festland über eine 1.5 km lange einspurige Brücke verbunden. Zwei Pfeiler an der
Auffahrt geben klar die Höchstbreite vor. Unser Auto mit Seitentank passte
gerade knapp durch. Ein Schild beschränkt das Maximale Gewicht: 2.5 Tonnen. Da
waren wir wohl gerade mal eine halbe Tonne zu schwer aber in Anbetracht der mit
Waren und -zig Leuten überfüllten Kleinlastern, die die Brücke heil überqueren,
machen wir uns keine Sorgen. Das Wasser ist nicht tief und sehr klar, so dass
wir von der Brücke aus bis auf den Grund sehen. Das Eiland - gerade mal 600
Meter breit und 2.5 km lang und von rund 7000 Leuten bewohnt und – beherbergt
ein UNESCO-Weltkulturerbe. Seit dem 6. Jahrhundert befand sich auf der Insel
bereits ein arabischer Handelsstützpunkt der von Scheich Moussa Ben Mbiki
beherrscht wurde. Um fünfzehnhundert herum bauten die Portugiesen die Insel zu
ihrem ersten ständigen Stützpunkt an Afrikas Ostküste aus. Die portugiesische
Variante des Namens des Scheichs gab zuerst der Insel und anschliessend der
ganzen Kolonie den Namen Moçambique. Über Jahrhunderte war die Ilha de
Moçambique Hauptstadt und Verwaltungszentrum der Kolonie. Der Handel mit
Elfenbein, Gold und leider auch Sklaven blühte. Immer wieder versuchten andere
Kolonialmächte den Portugiesen di Insel streitig zu machen – ergebnislos. Erst
als wegen den Expansionsbewegungen der Engländer und Buren die Hauptstadt in den
Süden des Landes, nach Maputo verlegt werden musste, verlor die Insel an
Bedeutung. Unser
nächstes Ziel war Luftlinie wohl nur gerade 5 km entfernt, der Badestrand in
einer Bucht genau gegenüber dem Nordzipfel der Insel. Da wollten wir nun endlich
einmal richtig Badeferien machen. Gemäss Auskunft von Karsten von der Helvetas
in Nampula soll dort Mosambiks schönster Strand sein. Wir waren gespannt. Erst
einmal aber mussten wir um die ganze Bucht herumfahren und uns über eine
holprige und löchrige Sandpiste quälen. Strassenkilometer waren es etwa 60 und
wir brauchten über zwei Stunden. Dafür wurden wir belohnt mit Bilderbuchafrika:
Auch auf unserem Weg weiter nordwärts wurden wir begleitet von üppiger Vegetation, die stellenweise die Strasse bereits zu überwuchern drohte. Auch hier wurde der fruchtbare Boden fleissig genutzt: Bananen-, Mango- und Papaya-, und Cashewbäume säumten die Strasse und angebaut wurden überall Mais, Zuckkerrohr und Maniok. Bei einem solchen Segen der Natur kann man sich gar nicht vorstellen, dass Mosambik immer noch zu den ganz armen Ländern gehört. Im grössten
Touristenort Nordmosambiks, in Pemba machten wir zwei Tage Zwischenhalt. In
Pemba gibt’s von Casino über Luxushotels und einfachen Backpacker alles. Obwohl
Nebensaison, war hier schon einiges los. Wir möchten Pemba nicht in der
Hauptsaison erleben. Der Strand beeindruckte uns nicht besonders, dafür gabs
hier Internet und einen kleinen Supermarkt. Das Internetcafé war der einzige
klimatisierte Raum. Wunderbar! – Denn eine solch schwüle Hitze hatten wir seit
Gabon nicht mehr erlebt. Bewegungsloses im Schatten Sitzen im Camp trieb uns den
Schweiss schon in Strömen aus allen Poren obwohl wir nur die Badehosen trugen.
Wir sahen den ganzen Tag aus, als kämen wir direkt aus der Sauna. Und Abkühlung
gabs nirgends ausser im Internetcafé. Erst ging es jetzt einmal noch ein Stück nordwärts. Zu unserer angenehmen Überraschung anders als in de Karte verzeichnet weiterhin auf guter Teerstrasse. Bis auf einige lang gezogene Erhebungen war das Land hier wieder flach – abgesehen von den manchmal über zwei Metern hohen spitz zulaufenden Termitenhügeln am Strassenrand. Interessant ist, dass die sichtbaren Hügel nur einen Fünftel des gesamten Termitenbaus bilden. Dieser Fünftel dient der Luftzufuhr und dem Wärmeausgleich. Die meisten Termitenhügel neigen sich leicht nach Nordwesten, um der Sonne während der heissesten Tageszeit die geringste Angriffsfläche zu bieten. Die unterirdischen Gänge können bis zu 70 Metern lang bzw. tief sein und reichen bis zum Grundwasser. Das führt dazu, dass im Bau immer eine konstante Luftfeuchtigkeit von rund 95% herrscht und eine Temperatur von 30°C. Ist eine Klimaregulierung nötig, werden Gänge im Bau geöffnet oder geschlossen. Die Regenzeit ist die Gründungszeit neuer Termitenstaaten. Nach einem heftigen Regen öffnet sich der Termitenhügel gegen Abend und Millionen geflügelter Termiten begeben sich auf den Hochzeitsflug. Dieses Phänomen durften wir im Caprivi einmal beobachten. Faszinierend! Die Königen gibt auf ihrem Hochzeitsflug mit einem Duftstoff den König an. Haben sich die beiden gefunden, graben sie sich ein und gründen einen neuen Termitenstaat. Termiten spielen eine wichtige ökologische Rolle, da sie mineralreiche Erde aus der Tiefe holen und den Boden auflockern. Zudem sind sie eine wichtige Nahrungsquelle für Tier und Mensch.
Die Strecke
zwischen Chocas Mar und Pangane hatten wir die Woche zuvor in zwei Etappen
zurückgelegt und wollten dies nun in einem einzigen langen Fahrtag schaffen.
Also waren wir schon vor sechs Uhr auf den Beinen und kurz vor sieben
abfahrtbereit. Uuuhhhmm, uuuhhmmm, uuuhhhhmmm – war das einzige Motorgeräusch
als Barbara den Zündschlüssel drehte. Mist, da standen wir nun am äussersten
Zipfel einer Landzunge am Ende der Welt und unser Auto sprang nicht mehr an.
Batterie leer. Ein anderes Auto gibt’s im Dorf nicht und Überbrückungskabel
haben wir eh nicht dabei. Zu dritt versuchen wir das Auto im tiefen Sand auf
eine kleine Anhöhe zu bewegen, aussichtslos. Ein Hoffnungsschimmer kam auf, als
wir hörten, dass Hashim einen Traktor besitzt und uns also anziehen könnte. Nur,
Hashim war nicht da.
In unserem kleinen Paradies verbesserte sich unsere Stimmung schlagartig und wir genossen nochmals einige Tage „Endlosbad“, Nichtstun, Fisch und Crevetten. Barbaras Ohrenentzündung konnte etwas abheilen und Karstens Bein mit dem seit zwei Monaten schmerzhaft eingeklemmten Nerv tat die Salzwasserkur gut. Auch unsere kleinen, entzündeten, im tropischen Klima mal wieder nicht zu heilenden Wunden, schlossen sich mit dem sauberen Salzwasser nun langsam. Aus unserer Pangane-Erfahrung gelernt, hatten wir nun in diesen Tagen unser Solarpanel abgeschraubt und immer schön nach der Sonne ausgerichtet. Und, wird das Auto nun anspringen? Nein – obwohl Karsten dieses Mal den Zündschlüssel gedreht hatte! Barbara machte sich mit Mali auf einen langen heissen Strandspaziergang, in der Hoffnung, irgendwo noch andere Touristen mit Auto zu finden um unseren Macun wieder in Schwung zu bringen. Wir wussten bereits, dass von den Einheimischen in der Umgebung niemand ein Auto besitzt. Leider wurden die nächsten Touristen erst am folgenden Tag erwartet. Fünf Fischer halfen uns schliesslich unseren Macun anzustossen, obwohl wir uns keinen Erfolg davon versprachen im Weichsand und mit der kleinen Mulde, die es zu durchqueren galt. Und doch, nach einigem Holpern und Spucken sprang Macun im allerletzten Moment doch noch an. Glück gehabt! Wir planten, an diesem Tag bereits die über 500 km lange Piste durchs Landesinnere nach Malawi in Angriff zu nehmen. Aber nach unserem harzigen Aufbruch am Morgen und bummeligen Shoprite-Einkauf in Nampula, schafften wir es gerade noch vor Eindunkeln einmal mehr aufs schöne Montes-Naicuru Camp. Zwar wieder ein Umweg von zweimal 14 km, aber in den letzten zwei Wochen seit unserem letzten Besuch hier, wurde die schlechte Piste zumindest Stellenweise bereits ausgebessert. Offenbar wartet man hier in Mosambik bis gegen Ende der Regenzeit um die vom Regen stark beschädigten Strassen zu erneuern. Am nächsten
Morgen fuhren wir die 14 km wieder zurück nach Nampula und suchten dort die
Abzweigung der Piste, immerhin eine Hauptverkehrsverbindung, Richtung Malawi.
Wir waren uns sicher, vor zwei Wochen hier irgendwo ein entsprechendes
Verkehrsschild gesehen zu haben. Als 10 km ausserhalb der Stadt noch immer keine
Abzweigung auftauchte, zogen wir schliesslich unsere Detailkarten auf dem
Computer zu Rate. Oje, diese „Hauptverkehrsverbindung“ nach Malawi war unsere
kleine holprige Piste, die zum Montes Nairucu Camp führt. Nicht nur, dass wir
diese Strecke heute bereits vergeblich gefahren und nun wieder zurück fahren
mussten, nein uns graute auch vor 500 km auf einer solchen Piste. Aber da
mussten wir jetzt nun wohl durch! Die Piste entsprach dann auch stellenweise
unseren schlimmsten Erwartungen.
Mit unserem
letzten Bushcamp in Mosambik hatten wir zu Beginn etwas mehr Glück. Wir fanden
schon am Nachmittag eine verlassene Kiesgrube, konnten in aller Ruhe duschen und
faulenzen, bis uns dann am frühen Abend eine Abordnung des nächstgelegenen Ortes
ihre Aufwartung machte. Wir wurden freundlich begrüsst, nach dem Woher und Wohin
gefragt. Die Leute freuten sich riesig und waren stolz darauf, dass Ausländer
bei ihnen in der Nähe übernachten wollten. Sie bedankten sich herzlich dafür und
zogen zehn Minuten später allesamt wieder ab. Als wir uns etwas später beim
Eindunkeln gerade übers Znacht her machen wollten, unterbrach uns das knatternde
Geräusch eines Motorrades, das sich durch die Kiesgrube kämpfte. Wen hatten wir
den da? Sch … - der Lenker trug eine Polizeiuniform und der Sozius eine
Windjacke, kurze orange Hose, Kniesocken und eine Kalaschnikov. Polizei oder
Banditen? – Beides nicht gerade unsere Wunschgäste. Doch wir hatten Glück und
hatten es mit der weniger schlimmen Sorte, mit der Polizei zu tun. Die fragte
sich allerdings was wir hier machten und ob wir vielleicht Banditen wären. Der
Uniformierte quetschte uns recht aggressiv aus und machte uns dann zum Vorwurf,
dass wir uns nicht bei ihm auf der nahen Station angemeldet und um Erlaubnis zur
Übernachtung gefragt hätten. Wie wenn wir das je gemacht hätten! Wir
entschuldigten uns in aller Form für unsere „Unterlassung“. Besänftigt erklärte
uns der Polizist, dass es hier viel zu gefährlich sei zum Übernachten (was wir
allerdings überhaupt nicht glaubten) und dass wir bei ihm auf dem Posten
schlafen müssten (er lockte mit Dusche und WC). Alles Diskutieren half nichts.
Er blieb hart. Wir assen dann halt erst mal in aller Ruhe unser Znacht, während
die Beiden geduldig neben dem Auto warteten. Sie wollten uns nicht einmal
alleine zum 3 km entfernten Posten fahren lassen. Sie befürchteten wohl
„Fahrerflucht“. Als wir schliesslich murrend unseren ganzen Krempel wieder
weggepackt, das Dach runter gezogen und das Auto startklar hatten, zuckelten wir
hinter dem Töff durch die stock finstere Nacht zum Dorf. Wie geheissen, bauten
wir unser Camp hinter einem Haus auf. Aber halt, Missverständnis! Das ist nur
das Verwaltungsgebäude und damit zu wenig sicher (mitten im Dorf …), wir müssen
uns direkt vor den Polizeiposten stellen. Also wieder Dach runter und nochmals
hundert Meter weiter. Genau nach Vorgabe parkieren. Mühsam! Wir trauerten
unserem schönen Bushcamp nach, während wir frustriert und schlaflos im Bett
lagen und gezwungener Massen dem Brummen des Generators und dem Soundspektakel
einer Openair-Kinovorführung lauschten. Schon morgens um vier nahm der Generator
seine Arbeit wieder auf und wir krabbelten schliesslich um 6 Uhr geschlagen aus
dem Bett. Zur Strafe für die Polizei beschlossen wir, mitten auf ihrem grossen
Platz ausgiebig zu frühstücken.
Bald darauf standen wir bereits in Mandimba am Grenzübergang. Wir hatten noch einmal kurzzeitig Herzklopfen, als wir beim Zoll unsere Fahrzeugpapiere – sprich das in Mosambik nicht gültige Carnet – vorweisen mussten. Trotz intensivem Studium des Gültigkeitsbereichs stempelte uns der Zöllner das Papier kommentarlos ab. Glücklicherweise wollte auch hier, wie in unseren gesamten sechs Wochen Mosambik, niemand unsere (nicht vorhandene) Haftpflichtversicherung sehen. Und dann: Adeus Moçambique, wunderschönes Land, das uns rundum begeistert hatte! Lilongwe, 21. März 2007
|