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Mosambik   31.1. - 16.2.2007

Süden

Bem vindo a Moçambique! So begrüsst die ehemalige portugiesische Kolonie ihre Gäste freundlich in grossen Lettern gleich an der Grenze. Am modernen und leeren Grenzübergang Goba ging alles zügig. Kaum fuhren wir auf den Parkplatz, kriegten wir einen Laufzettel in die Hand gedrückt. Dieser wurde bei jedem Schalter abgestempelt und im Gegensatz zur Einreise nach Südafrika am Schluss sogar kontrolliert.  Mit selbstsicherem Auftreten gelang es uns, dem Zöllner unser Carnet als ausreichendes internationales Fahrzeugpapier unter zujubeln – auch wenn es für Mosambik explizit nicht gültig ist. Er stempelte es brav ab und wir konnten uns so um die Import-/Transit- oder was auch immer für Gebühren drücken. Auf die eigentlich vorgeschrieben Haftpflichtversicherung verzichten wir grosszügig – solange niemand danach fragt …  Am frühen Nachmittag und hundert Kilometer weiter waren wir schon kurz vor Maputo. Eine sechsspurige Autobahn führt mitten ins Zentrum. Da diese aber zahlpflichtig ist, versuchten wir uns auf Nebenstrassen anzuschleichen – nur um nach ein paar vergeblichen Versuchen die letzen hundert Meter vor der Zahlstelle doch noch auf die Autobahn zu müssen. Aber zum Glück akzeptierten sie dort wenigstens unsere Rand, denn über die einheimische Währung Meticais verfügten wir noch nicht. Ein Bancomat war deshalb unser nächstes Ziel, gleich gefolgt von einem Vodacom-Shop, wo wir uns eine mosambikanische Telefonkarte zulegen wollten. Nicht so einfach, wenn man am falschen Ort sucht – jedenfalls kamen wir so schon zu unserer ersten Stadtrundfahrt.

Und dann der grosse Moment, die Einlösung von Barbaras Geschäfts-Abschiedsgeschenk der VKM (Vereinigung der kantonalen Migrationsbehörden, www.vkm-asm.ch ): Unterkunft mit allem drum und dran in Maputo bei Jacqueline von der Schweizer Botschaft. Wir wussten aber nicht mehr so genau, was das Geschenk wirklich beinhaltet und uns war etwas seltsam zumute bei jemand Fremden einfach so rein zu trampen um uns einzunisten. Aber Jacqueline empfing uns mit Gintonic am kleinen Swimmingpool und entsprechend schnell zerflossen unsere Bedenken. Die Hausführung beinhaltete gleich die Instruktion von Radio, TV, DVD, Waschmaschiene und Internet und endete im für uns liebvoll hergerichteten Gästezimmer. Toll, da fühlten wir uns wirklich gleich willkommen und zuhause. Nur wollten wir doch eigentlich auch hier in unserem Bett in unseren eigenen vier Wänden im Auto schlafen. Jacqueline respektierte unseren Wunsch und erst im Nachhinein erfuhren wir, wie schwierig es für sie war, ihren Angestellten zu erklären, dass ihre Gäste vor dem Haus im Auto schlafen würden. Für die so gastfreundlichen Afrikaner eine vollkommen absurde Vorstellung.  Jacqueline erklärte ihnen deshalb kurzerhand, dass es in der Schweiz normal sei, dass die Gäste im Auto schlafen würden … ! Also, wer uns in der Schweiz besucht, weiss jetzt, was ihm blühen wird! Nachdem wir am ersten Morgen aber schon früh von den auf leisen Sohlen ums Auto herum schleichenden Wächtern geweckt wurden und Barbara nachts alle Mühe hatte die dreifach verschlossene Tür zu öffnen um aufs WC zu gelangen, zogen wir dann zur Erleichterung aller doch mit Sack und Pack um ins Gästezimmer. Und wie sehr genossen wir den Luxus von so viel Raum und Bewegungsfreiheit. Das Zimmer kam uns riesig vor und ein angegliedertes eigenes Badezimmer und eine Aircondition war fast zuviel des Guten. Vierzehn Monate lang hatten wir alle diese Annehmlichkeiten kein einziges Mal vermisst, aber jetzt, wo wir sie hatten, war es einfach paradiesisch! Nur Mali war das Ganze nicht geheuer: Schlafen in einem Zimmer und nicht auf ihrem gewohnten Platz im Auto? Wo gibt’s denn so was? Aber es gibt eben immer ein erstes Mal.– Auch für die Katze Mixli, die ihr Haus nun plötzlich mit einem Katzenfutter stehlenden, immer zum Spielen und Schmusen aufgelegten Hund teilen musste. Mixli wies die danach laut aufjaulende Mali deshalb einige Male mit einem mehr oder weniger heftigen Tatzenhieb aufs Hinterteil in ihre Schranken.  

Die Zeit in Maputo verbrachten wir zu einem grossen Teil einfach mit Rumhängen in Jacquelines geschmackvoll eingerichtetem Haus, in ihrem Garten und natürlich am Pool. Bei feucht-heissen Temperaturen zwischen 30 und 40°C liegt die einzige Abkühlung im lauwarmen Wasser. Aber Maputo (bzw. Jacqueline) hiess auch

  • unbeschränktes Internetsurfen (wer kein Mail von uns aus dieser Zeit erhielt, hat bestimmt eine neue Emailadresse, die wir noch nicht kennen)

  • tägliches Schoggi- oder Zimtglacé à la Jacqueline (Karsten konnte seine verlorenen 10 kg wieder etwas reinholen)

  • verwöhnt werden nach Strich und Faden (nicht nur, dass wir im Haus alles benützen und nicht einmal fürs Essen bezahlen durften, die Hausangestellte Soraya kochte und putzte für uns und die Wächter sorgten für einen ruhigen Schlaf und richteten nach Malis Umgrab- und Spielaktionen den Garten wieder her) 

  • gemütliche DVD-Abende (wir hoffen, wir haben für das Francophonie-Festival in Maputo den richtigen Schweizer Film ausgesucht)

  • interessante, nette Leute kennen lernen (die serbische Ärztin Jadranka, die im Spital in Maputo arbeitet; der südafrikanische Allrounder Mike, der ein medizinisches Evakuationssystem aufgebaut hat; Jörg von der Deutschen Botschaft und seine Frau Celesta, die uns zu einem feinen Znacht und einer Hunde-Party einluden; der deutsche Banker Matthias, der nach einem Schweizerdeutschkurs  perfekt Berndeutsch spricht und dessen Eltern in Erfurt wohnen; den Schweizer Orthopädiemechaniker und ehemaliger IKRK-Mitarbeiter „Buri“, der seit 12 Jahren in Maputo die Autowerkstatt „Auto Suiça“ betreibt; die zwei EDA-Techniker, die die Schweizer Botschaften IT mässig umrüsten und die gleichzeitig wie wir auf den Schweizer Botschaften in Kapstadt und Pretoria waren; und viele mehr)

  • ausgedehnte Hundespaziergäng am bei Ebbe fast kilometerbreiten Strand (wenn immer möglich mit Jadranka und ihrem Schäfer – BorderCollie Mischling Ziki oder mit Celesta und dem russischen Lucky)

  • erfahren wie angenehm es ist, ein Auto mit CD-Nummer zu fahren (Jaqueline überliess uns häufig ihr Auto und sobald die Polizei das CD-Nummernschild sah, waren unsere Verkehrssünden wie parkieren im Halteverbot vergessen – mit unserem Auto wäre das wohl anders ausgegangen…)

  • ausgedehntes Souvenir-Shopping (wegen Platzmangel hatten wir bis jetzt auf Souvenirs verzichtet, aber da wir aus Maputo sowieso ein Paket nach Hause schicken wollen …)

  • Paketversand via Luftfracht nach Hause (unglaublich, drei Stunden wurden wir am Flughafen von Büro zu Büro und wieder retour geschickt für Stempel und Unterschriften auf Formularen, die es nicht vorgedruckt gibt, sondern die wir mit Durchschlagpapier in dreifacher Ausfertigung von Hand abschreiben mussten)

  • Visums-Verlängerung von dreissig auf sechzig Tage (nach stundenlangem, ergebnislosen Anstehen in einer überfüllten, stickigen und stinkenden Schalterhalle à la Afrika, erhielten wir das gewünschte dank Sorayas Freundin bei der Migration dann doch noch – innerhalb 3 Tagen, wenn vielleicht auch etwas teurer… und zustehen würden uns eigentlich sowieso 90 Tage)

Für uns war es sehr interessant über Jacqueline einmal einen Einblick in das Leben einer Expats-Gemeinde zu erhalten. Die weissen Ausländer in Maputo scheinen sich alle untereinander zu kennen und eine eingeschworene Gemeinschaft zu bilden. Auf der einen Seite zwar schön und vermutlich notwendig, auf der anderen Seite aber für uns auch irgendwie unrealistisch. Schon etwas verblüfft waren wir über das enorme Bedürfnis nach Sicherheit. Alles wird x-fach verriegelt und abgesperrt, hinter den Mauern bellen die Hunde und in Jaquelines Quartier sitzt vor jeder Einfahrt ein Wächter. Im Auto unterwegs werden die Türen von innen verriegelt und als Frau fährt man nachts nicht alleine rum. Und alleine spazieren am Strand, auch mit Hund, ist ein Tabu. Wir haben Afrika auf unserer ganzen Reise nie als gefährlich empfunden. Das mag aber zum Teil daran liegen, dass wir die Grossstädte häufig gemieden hatten. Auch Maputo erschien uns nicht gefährlicher als irgend eine andere Grossstadt.  

In Maputo fühlten wir uns vielmehr sogar  besonders freundlich behandelt. Häufig grüssten uns die Leute mit einem Lächeln und beiden erhobenen, die Handflächen nach aussen gekehrten Hände. Diese Begrüssungsform geht auf die lange Kriegszeit in Mosambik zurück und zeigt, dass das Gegenüber keine Waffen trägt und einem freundlich gesinnt ist. Mosambik sieht auf einen jahrzehntelangen  Krieg zurück. Im 19. Jahrhundert, als europäische Staaten sich um Afrika zu streiten begannen, wurde Portugal zur offiziellen Kolonialmacht in Mosambik. Faktisch befand sich Mosambik allerdings schon seit dem 17. Jahrhundert unter der portugiesischen Krone. Zu Beginn der 70er Jahre verstärkte sich die nationalistische Unabhängigkeitsbewegung und  1962 schliesslich wurde Frelimo (Front for the Liberation of Mozambique)ins Leben gerufen und entschied sich früh für eine Politik des gewaltsamen Widerstands. Nach mehr als einer Dekade Kriegsjahren wurde Mosambik 1975 in die Unabhängigkeit entlassen. Die Portugiesen verliessen über Nacht das Land und liessen ihrer Zerstörungswut freien Lauf. Die neue Frelimo-Regierung stand nun vor der fast unlösbaren Aufgabe, ein Land mit zerstörter Infrastruktur und ohne Fachleute aus dem Ruin in den Wohlstand zu führen. Dies gelang ihr mittels Sozialismus und mit Unterstützung kommunistischer Länder für kurze Zeit so gut, dass Mosambik in linken westlichen Kreisen als erfolgreicher kommunistischer Musterstaat galt. Sogar Bob Dylan  griff dies in einem seiner Songs auf. In dieser Zeit auch durften mosambikanische Jugendliche in der DDR eine Ausbildung absolvieren und kehrten später in ihr Heimatland zurück. So erlebte es Karsten, dass er von einem Mosambikaner auf Deutsch mit unverkennbar sächsischem Akzent in ein Gespräch verwickelt wurde.
Aber es sollte nicht lange währen. 1983 stand Mosambik vor dem Bankrott, einerseits wegen wiederkehrenden Flut- und Dürrekatastrophen, andererseits aus politischen Gründen. Mosambiks Sozialismus  und seine Unterstützung anderer kommunistisch angehauchter Organisationen wie des ANC in Südafrika brachten die Nachbarn Südafrika und Rhodesien als Initiatoren und kapitalistische Staaten als Geldgeber für die Guerilla Gruppierung Renamo auf den Plan. Renamos einzige Aufgabe und Ausrichtung war es mit gezielten Sabotageakten und Terrormassnahmen, Mosambik zu destabilisieren. Strassen wurden zerbombt, Schulen und Spitäler zerstört, Intellektuelle exekutiert und die Bevölkerung wurde gezielt ausgehungert. Eigene politische Interessen verfolgte Renamo keine. Auf dem Rücken einer jungen gebeutelten Nation wurde über Jahre ein Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West geführt. Erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion änderte sich auch für Mosambik die Geschichte. Frelimo switchte vom Sozialismus zur Marktwirtschaft und Renamo entwickelte politische Ziele und wurde zur offiziellen Opposition. Seit über zehn Jahren nun herrscht in Mosambik Frieden und der Aufschwung ist an vielen Orten sicht- und in der optimistischen Erwartungshaltung der Leute spürbar. Dies trotz den Rückschlägen, die das Land durch die verheernden Flutkatastrophen 2000 und 2001 hinnehmen musste. Dabei sind auch die Markierungen der immer noch zahlreichen Landmienen aus dem Krieg verloren gegangen. Immer wieder gibt es auch heute noch neue Mienenopfer. Trotzdem ist es heute in erster Linie ein Imageproblem gegen das eine Nation kämpft, die sich zu einem grossen Teil wieder aufgerappelt hat.
Und hier noch etwas für eher Spiegel- und Bunte News Interessierte. Garcia, die Frau des unter dubiosen Umständen tödlich verunglückten mosambikanischen Präsidenten Samora Machel, ist heute die dritte Ehefrau Nelson Mandelas.

Auf unseren Besorgungstouren bekamen wir natürlich auch einiges von der Millionenstadt Maputo zu sehen. Es gibt noch einige ehemals schöne Kolonialbauten wie zum Beispiel den Bahnhof zu entdecken. Allerdings zerfallen die meisten dieser Überbleibsel aus der Kolonialzeit langsam wie in den anderen afrikanischen Staaten, da das Wort „Unterhalt“ in Afrika nicht zu existieren scheint. So holt sich auch das Meer Stück für Stück von der palmengesäumten Uferpromenade zurück. Schade! Im Übrigen sieht Maputo aus wie jede andere afrikanische Grossstadt – bis auf die grandiose Lage mit Meer im Osten und im Süden der Stadt. Maputo gliedert sich in zwei Stadtteile: die unten am Meer gelegene Baixa mit Shopping- und Unterhaltungsvierteln und Polana auf dem Hügel mit nobleren Wohn- und Botschaftsquartieren. Maputo besticht jedoch durch sein Latin-Flair. Eine Kombination von Chic und Erotik ist hier angesagt, portugiesische Musik ist allgegenwärtig und wir fühlten uns mit einem Schlag nach Brasilien versetzt.

Aber alles Schöne hat irgendwann ein Ende und so verabschiedeten wir uns nach mehreren Anläufen nach knapp drei Wochen schweren Herzens von Jacqueline und Maputo. Herzlichen Dank Jacqueline, herzlichen Dank VKM!

Zügig rollten wir nun auf perfekter Asphaltstrasse Richtung Inhambane, wo wir unsere Reisefreunde Andrea und Hoschi treffen wollten. Zu zügig, wie ein Polizist fand, der uns seine Laserpistole unter die Nase hielt. 70 kmh statt der erlaubten 60, Busse 1000 Mtc. (50 Sfr.). Barbara musste insgeheim zugeben, dass sie möglicherweise etwas schneller unterwegs gewesen war als erlaubt, aber vermutlich keine 70 kmh. Also stritten wir uns mit der Polizei herum was gar nicht so einfach ist, wenn man keine gemeinsame Sprache findet. Barbaras portugiesisch reichte für solche Diskussionen nicht aus und die Herren Polizisten beharrten auf „no ingles“. Wutentbrannt gelang es Barbara schliesslich, ihren Führerausweis wieder an sich zu bringen, wir schnappten uns den Bussenzettel und brausten los ins 15 km entfernte Xai-Xai, wo wir beim Vorgesetzten Einsprache erheben wollten. Für die Bezahlung der Busse hatten wir eine siebentägige Frist erhalten und bestimmt wäre es für uns ohne Folge geblieben, wenn wir die Busse einfach nicht bezahlt hätten, zumal sich ja das „Führerschein-Pfand“ wieder in unserem Besitz befand. Aber bei Barbara drang die Juristin durch und sie war in Streitlaune. Der arme Vorgesetzte ertrank in ihrem Wortschwall aus englisch, spanisch und portugiesisch, mit welchem sie ihm die Unzulänglichkeit dieser Messmethode und die rechtliche Situation vorhielt. Er begriff nicht wirklich, bugsierte uns aber nach 20 Minuten mit mürrischem Gesicht aber innerlich vermutlich heilfroh aus seinem Büro, ohne dass wir einen Rappen bezahlen mussten.
Schon in Maputo textete Barbara erfolgreich einen Polizisten zu, der uns eine Busse von 5000 Mtc. aufbrummen wollte, weil Karsten nicht angegurtet war. Keiner der einheimischen Fahrer gurtet sich an, gebüsst werden aber nur die Ausländer. Auch  hier verstand der Polizist wohl nicht, was Barbara ihm erklärte, winkte uns aber nach fünf Minuten ungeduldig weiter.

Nach langen acht Stunden Fahrzeit waren wir endlich auf der Halbinsel und im uralten Handelsstädtchen Inhambane. Persische und arabische Segelschiffe waren diesen Naturhafen schon seit dem 11. Jahrhundert angefahren bis die Portugiesen die arabischen Handelsplätze an Mosambiks Küste ab dem 16. Jahrhundert besetzten. Seit dem Abgang der Portugiesen erleidet Inhambane das selbe Schicksal, wie die meisten kolonialen Städte: Vergessen und dem Verfall preisgegeben. Trotzdem ist noch etwas von seiner ehemaligen Pracht zu erahnen. Uns zog es weiter auf die andere Seite der Landzunge an die Praia de Tofo, angeblich einer der schönsten Strände Mosambiks. Wir freuten uns aber vor allem darüber, Andrea und Hoschi aus Bern nach langer Zeit wieder zu treffen. Am zweiten August 06 hatten wir uns voneinander in Namibia verabschiedet. Freunde unterwegs ersetzen uns beim Reisen etwas die Familie. Zusammen mit den Beiden durften wir uns gratis auf das Grundstück des im Entstehen begriffenen Camps Coco Cabana stellen. Der Schweizer Zimmermann Jan hatte sich das Grundstück direkt am Strand zusammen mit zwei Freunden gekauft. Mit Hilfe von Schweizer Zimmerleuten und Schreinern auf Wanderschaft nimmt sein Traum nun allmählich Gestalt an. Für uns bedeutete es vier lustige und unterhaltsame Tage und Abende in einer 13 köpfigen Schweizerclique. Im nahe gelegenen Bamboozi Camp genossen wir Sonnenterasse, Restaurant, Dusche und WC.

Eine wunderschöne Zeit – wäre da nicht Favio gewesen. Favio wurde im indischen Ozean geboren, machte sich über den Süden Madagaskars her und pirschte sich langsam entlang Mosambiks Küste nordwärts um unberechenbar und heftig irgend wo an Land zu gehen. Wie immer, diese Männer! – Nein, dieses Mal handelt es sich um einen tropischen Wirbelsturm, einen Zyklon. Sein Zentrum solle ein Durchmesser von 10 km  haben mit Windgeschwindigkeiten von 300 kmh. Niemand konnte genau vorher sagen, wo er  vom Meer aufs Land wechseln wird um seine Spur der Verwüstung zurück zu lassen. In Tofo jedenfalls wurde alles verbarrikadiert. Wir erhielten die unterschiedlichsten Informationen und standen mit der Schweizer und der Deutschen Botschaft und mit MeteoSchweiz in Kontakt. Ganz konfus von den unterschiedlichen Verhaltensregeln und Tipps blieben wir alle schliesslich in Tofo und hofften darauf, dass Favio weiterziehen würde oder uns notfalls die vorgelagerte Sanddüne vor dem Schlimmsten schützen würde. Sicherheitshalber parkierten wir unsere Autos um in weite Ferne von Bäumen, Palmen und fliegenden Kokosnüssen. Wir hatten Glück: Favio zog draussen auf dem Meer an uns vorbei und bescherte uns nur heftigen Wind, Regen und tosendes Meer. Er ging 200 km weiter nördlich mit 240 kmh an Land und machte den Touristenort Vilanculos platt. Schrecklich!

Tofo war toll, wir wollten aber die Strände im Norden von Mosambik noch erkunden. Deshalb hiess es einmal mehr Abschied nehmen von Andrea und Hoschi. Wir werden die beiden wohl das nächste Mal erst in der Schweiz wieder sehen. Wir hatten die Zeit mit ihnen genossen und es hatte uns auch gut getan zu hören, dass andere Paare genau die gleichen „Krämpfe“ miteinander haben wie wir. Der Abschied viel uns schwer und weil wir erst gegen Mittag los kamen, schafften wir es an diesem Tag auch nicht mehr weit sondern nur gerade ausgerechnet noch bis nach Vilanculos. Schon 40 km südlich begannen die Verwüstungen. Bäume waren geknickt, Häuser abgedeckt und Maisfelder zerfleddert. Je näher wir Vilanculos kamen, desto schlimmer wurde es. Unmöglich hier ein vernünftiges Bushcamp zu finden. So blieb uns nichts anders übrig als nach Vilanculos hinein zu fahren, in der Hoffung einen unbeschädigten oder wenig verwüsteten Übernachtungsplatz zu finden. Sinnloses Unterfangen! In Vilanculos war kein Grundstück ohne grössere Verwüstung davon gekommen. Die Hotels und der Campingplatz direkt am Meer gleichen einer seit Jahren verwaisten Baustelle, die sich die Natur zurück erobert hat. Strom und Wasserversorgung funktionieren nicht mehr. Häuser und Supermärkte wurden geplündert. Wir waren erstaunt darüber, dass wir auch zwei Tage nach dem Ereignis noch keine Hilfsorganisationen vor Ort vorfanden. Allerdings rückten die ersten am nächsten Tag an. Zusammen mit dem Österreicherpaar Ines und Albert konnten wir schliesslich die Nacht auf dem Grundstück der Tante des Campingplatzbesitzers verbringen. Wir durften Küche und Bad benutzen und uns war es richtig peinlich, diesen Leuten in ihrer Not noch zur Last zu fallen. Aber das ist eben Gastfreundschaft in Afrika!

Nördlich von Vilanculos waren die Zerstörungen noch grösser. Uralte, riesige Bäume lagen entwurzelt am Boden, häufig quer über der Strasse. Strassenschilder waren zerfetzt, es lagen grosse Teile von Wellblechdächern herum und sogar die ultrastabilen hohen Mobilfunk-Sendemasten hielten trotz ihrer geringen Angriffsfläche dem Wind nicht stand. Schon ein eindrückliches Bild, wenn ein so grosses Stahlungetüm wie ein Kinderspielzeug geknickt und verbogen am Boden liegt! Anhand der Lage der Trümmerteile konnten wir sehen, dass Favio hier seine Zugrichtung um fast 180° geändert hatte. Favio hinterliess auf einer Breite von fast 100 Kilometern eine Schneise der Zerstörung.

Im Eilzugstempo gings nun auf der guten Asphaltstrasse nordwärts. Wie schon am Vortag mussten wir uns durch heftigsten Gewitterregen und anhaltenden Nieselregen kämpfen. Kein Wunder, schliesslich herrscht in Mosambik von Dezember bis April Regenzeit. Bis jetzt hatten wir einfach nur Glück gehabt mit dem Wetter. Die Regengüsse verwandelten die Strassengräben innert Minuten in reissende Flüsse und in der topfebenen Landschaft bildeten sich sofort überall kleine Seen, die bedenklich rasch wuchsen. Das Strassentrasse lag manchmal nur noch einige wenige Zentimeter über der modrigen Sumpflandschaft. Wir verstanden nun, weshalb die Brücken so überdimensioniert gebaut wurden. Die kleinen Rinnsale hatten sich urplötzlich in gewaltige braune Ströme verwandelt, die alles überfluteten. Die ungeteerten Strassen in den Dörfern waren nur noch Schlammpisten. Die Kinder planschten fröhlich in den wassergefüllten Schlaglöchern. Ihnen schien der Regen nichts auszumachen und auch die Frauen freuten sich darüber, mussten sie doch nicht mehr kilometerweit Wasser schleppen, sondern konnten einfach Regenwasser in grossen Eimern direkt vor der Haustür auffangen. In einer Seelenruhe pedalten oder spazierten Männer im strömenden Regen der Strasse entlang. Waren wir hier denn die einzigen, denen der Regen etwas ausmachte? Dabei hatten wir sogar das Glück im trockenen Auto sitzen zu können. Typisch Europäer: anstatt hinzunehmen was nicht zu ändern ist und das Beste daraus zu machen, ärgert man sich grün und blau und kriegt schlechte Laune.

Die Strasse führt uns nun von den Palmenhainen an der Küste weg ins buschige Inland. Dies war uns nur recht, braute sich vor Madagaskar doch bereits der nächste Zyklon, Gamede, zusammen. Zum ersten Mal auf unserer Reise sahen wir uns mit einem Dieselproblem konfrontiert. Grossspurig waren wir vor 150 km an der letzten Tankstelle vorbei gefahren um am Verkehrsknotenpunkt Inchope unsere Tanks zu füllen. Wir hätten vielleicht doch besser vorher unsere zwei Strassenkarten konsultieren sollen, die Inchope zu Recht als kleines Nest ohne Tankstelle auswiesen. Bis zur nächsten Tankstelle auf unserer Route nordwärts in 400 km reichte unser Dieselvorrat nicht mehr. Wollten wir nicht Diesel von dubioser Qualität in Flaschen oder Kanistern an der Strasse kaufen, mussten wir wohl oder Übel einen Umweg zum Tanken etwas weiter östlich in Kauf nehmen. 30 km hin und zurück über löchrige Asphaltstrase und eineinhalb Stunden Zeit kostete uns unsere Nachlässigkeit. Mittlerweile dunkelte es bereits ein. Mit Mühe fanden wir schliesslich in der dicht besiedelten Gegend doch noch eine ehemalige Kiesgrube, die trocken genug war für ein Bushcamp. Allerdings teilten wir unseren schönen Platz mit hunderten von Zecken, die sich genussvoll auf uns und Mali stürzten.

Am frühen Nachmittag des nächsten Tages kamen wir in Caia an. Auf unsere ergebnislosen Suche nach einem Markt landeten wir schliesslich an einer Hilfsgüterausgabe-Stelle des roten Kreuzes und des UNHCR. Kein Wunder gibt’s keinen Mark, wenn die Leute hier der Überschwemmungen wegen auf Lebensmittelverteilung angewiesen sind. Allerdings waren uns die Überschwemmungen gar nicht so schlimm erschienen. Gespannt fuhren wir die wenigen Kilometer zum Sambesi. Auf unserer Reise hatten wir den viert grössten Fluss Afrikas nun schon viele Male gesehen und überquert und waren gespannt, welches Gesicht er uns hier, kurz vor der Mündung in den indischen Ozean zeigt. Wir standen vor einem einige hundert Meter breiten braunen, reissenden Strom. Nichts mehr von klarem, gemächlichem fliessenden Wasser wie in Sambia. Zum Glück war auch hier der Hochwasserstand weit aus weniger drastisch als angekündigt und befürchtet und die grosse Fähre über den Fluss verkehrte fahrplanmässig und zügig. Wir mussten einzig 30 Minuten warten, bis die Crew ihre Mittagspause beendet hatte. Wir kamen gleich mit der ersten Ladung mit auf die Fähre und auf die Minute genau (und das in Afrika!) legte das Schiff ab und brachte uns wohlbehalten vom Süden in den Norden Mosambiks. 

Pemba, 5. März 2007

Norden

Afrika aus dem Bilderbuch! Der Sambesi bildet die symbolische Grenze zwischen Süd- und Nordmosambik. Die Leute aus dem Süden schimpfen die Bewohner aus dem Norden rückständische Bauerntölpel und die Nordmosambikaner fühlen sich von der Regierung ganz im Süden des Landes (Maputo ist über 2000 km entfernt) nicht ernst genommen und vernachlässigt. Uns erschien der Norden des Landes um einiges ursprünglicher als der Süden. Dichte grüne Tropenvegetation mit Bananenbäumen und wogenden Palmenhainen, einsame Traumstrände, türkisblaues Meer, kleine Schilfdörfer, Segelboote, singende Fischer, Hitze, schlechtere Strassen und kaum touristische Infrastruktur. Afrika wie man es sich immer vorstellt.

Wir rollten immer noch auf der neuen und gut ausgebauten Hauptverbindungsachse nach Norden. Grosse Teile der Stecke waren bereits aus niggel naggel neuem Teer, einige wenige Abschnitte bestanden nur noch aus Teerbruchstücken mit tiefen Bombenkratern dazwischen und ein weiterer Teil wurde gerade neu gebaut. Tja, zerstört und zerbombt ist halt schneller als wieder aufgebaut. Wir kamen entsprechend nicht mehr ganz so schnell vorwärts, aber dafür hatten wir mehr Zeit, die Landschaft zu geniessen. Zwischen der dichten Vegetation reihten sich nun entlang der Strasse die kleinen Lehmhäuser mit ihren Schilfdächern – wie ein einziges langes Dorf. Die Leute verlassen ihre Dörfer im einsamen Busch um entlang der neuen Strasse in mühevoller Brandrodung und Säuberung der dichten Vegetation neue bebaubare Grundstück abzuringen. Nachvollziehbar: Die grosse Strasse ist für sie die Lebensader und der Zugang zur „Zivilisation“. Hier tobt das Leben – wenn auch nur in Form von viertelstündlich vorbeifahrenden Autos. Hier haben sie die Möglichkeit am Strassenrand für ihre Erzeugnisse wie Bananen, Papaya, Ananas und Mais Geld zu erhalten. Immer wieder sieht man neben der Strasse kleine Schemel stehen mit zwei Ananas, einer Schüssel Mangos oder zu kleinen Häufchen aufgeschichteten Tomaten zum Verkauf. Und hier ist es weniger beschwerlich, die Produkte auf den nächsten Markt zu karren. 

Kein Wunder fiel es uns bei dieser dichten Besiedlung schwer, einen akzeptablen Bushcamp-Platz zu finden – und touristische Infrastruktur gabs hier nicht. Die erste Nach verbrachten wir neben einem Haus und hatten natürlich den ganzen Abend die ganze Familie zu Besuch. Toll, wenn man schon fix und fertig ist von der langen Fahrerei und der Hitze und nur noch seine Ruhe möchte! Aber die Leute waren herzig. Sie baten uns um Musik aus dem Autoradio und vom Kleinkind bis zum Vater hüpften und wiegten sich alle im Takt. Kaum setzen wir uns an den Tisch um zu essen, verabschiedeten sich alle wohlerzogen. Am anderen Morgenweckten sie uns bereits im ersten Tageslicht kurz nach 5 Uhr mit einem fröhlichen „Bom dia!“ Barbara zog nur böse grummelnd die Decke über den Kopf und verzieh ihnen erst wieder als sie völlig fasziniert mit grossen Kulleraugen Karstens Rasurbemühungen verfolgten. Im nächsten Bushcamp in einer Kiesgrube wagten sich unsere Besucher zwar nicht in die Nähe, dafür hämmerte die ganze Nacht über die Musik aus der nahen Stadt. 

Durch unsere letzte Erfahrung sensibilisiert, füllten wir an einer kleinen Tankstelle unterwegs einen unserer Tanks auf. Nach einer kurzen Überschlagsrechnung nach dem Bezahlen traf uns fast der Schlag. Ein Liter hatte fast 50 Meticais gekostet anstatt der üblichen 26. Da kann doch etwas nicht stimmen! Wir beschwerten uns lautstark beim Chef der Tankstelle und siehe da, wir erhielten für unser Geld gleich nochmals so viele Liter. Entweder hatte man uns hier zum ersten Mal in Afrika tatsächlich mit dem Diesel übers Ohr hauen wollen, oder aber es handelte sich tatsächlich um ein Versehen, was ausnahmsweise sogar Karsten glaubte. Zum Glück hatten wir nachgerechnet.
Diese Probleme haben die meisten Einheimischen in Mosambik nicht. Das Hauptverkehrsmittel ist hier Schusters Rappen oder das Velo. Und selbstverständlich transportiert das Velo wie überall in Afrika nicht nur eine Person – das wäre ja Verschwendung. Auf einem Velo findet mindestens eine fünfköpfige Familie Platz. Vater pedalt, Mutter sitzt mit dem Jüngsten auf den Rücken gebunden auf dem Gepäckträger, das Mittlere sitzt auf dem Lenker und das älteste Kind balanciert auf der Stange. Und nicht zu vergessen, die zwei flatternden Hühner die vom Lenker baumeln.

Am frühen Nachmittag trafen wir in Nampula ein. Nampula ist die grösste Stadt in Nordmosambik und der Hauptstandort der v.a. im Norden aktiven Hilfsorganisationen. Hier konnten wir sogar in einem Shoprite beschränktem Einkaufsvergnügen nachgehen. Und welch ein Luxus, es gibt auch einen Campingplatz. Allerdings mussten wir uns hierfür über 14 km äusserst schlechte Piste quälen. Aber es hatte sich gelohnt. Complexo Turistico Montes Nairucu ist ein wahres Bijou mit den schönsten Sanitärinstallationen die wir je in Mosambik hatten (ausser natürlich bei Jacqueline). Ganz alleine hatten wir die wundervolle Umgebung für uns. Den See mit den Palmufern und die Aussicht auf die imposanten Granitberge. Diese rundgelutschten, scheinbar aus einem Stein bestehenden, hunderte Meter hohen Massive erhoben sich schon ein ganzes Stück vor Nampula wie Zipfelmützen aus dem Flachland. Diese Zipfelmützenlandschaft begleitete uns auch weit über Nampula heraus nord- und westwärts. Gerne wüssten wir, wie es zu dieser geologischen Eigentümlichkeit gekommen war.

Von Nampula gings direkt auf die Ilha de Moçambique. Unterwegs boten Kinder und Jugendliche an der Strasse überall geröstete Cashewnüsse an. Bereits im Süden Mosambiks sind wir an vielen mit weissen Säcken bestückten Bäumen und Ästen vorbeigefahren. Es sah aus wie eine mit Wimpel geschmückte Strasse. Bis wir uns allerding entschliessen konnten, an einem dieser Stände anzuhalten und einen Sack mit Cashewnüssen zu kaufen, war der ganze Zauber vorbei. Das Angebot bestand nur auf wenigen Kilometern Strassenabschnitt. Dies sollte uns hier nun nicht mehr passieren und wir kauften gleich beim zweiten Stand etwa 3 Kilogramm dieser gerösteten Nüsse – für lächerliche 5 Fr. Überall stehen die ehemals nur in Südamerika beheimateten Cashewbäume mit ihrer weit ausladenden Kronen. Mosambiks Cashewnüsse sind ein wichtiges Exportgut. Früher wurden sie auch im Land selber verarbeitet und verpackt, heute aber werden sie dafür aus Kostengründen nach Indien verschifft. Als wenn das arme Mosambik nicht genügend billige Arbeitskräfte hätte! Sogar die Infrastruktur bestünde, aber heute sind die Fabriken alle geschlossen. Die mosambikanischen Cashewnüsse sollen weltweit die besten sein – uns jedenfalls schmeckten sie vorzüglich.

Nach knapp 200 km Fahrt standen wir vor der Ilha de Moçambique. Die Insel ist mit dem Festland über eine 1.5 km lange einspurige Brücke verbunden. Zwei Pfeiler an der Auffahrt geben klar die Höchstbreite vor. Unser Auto mit Seitentank passte gerade knapp durch. Ein Schild beschränkt das Maximale Gewicht: 2.5 Tonnen. Da waren wir wohl gerade mal eine halbe Tonne zu schwer aber in Anbetracht der mit Waren und -zig Leuten überfüllten Kleinlastern, die die Brücke heil überqueren, machen wir uns keine Sorgen. Das Wasser ist nicht tief und sehr klar, so dass wir von der Brücke aus bis auf den Grund sehen. Das Eiland - gerade mal 600 Meter breit und 2.5 km lang und von rund 7000 Leuten bewohnt und – beherbergt ein UNESCO-Weltkulturerbe. Seit dem 6. Jahrhundert befand sich auf der Insel bereits ein arabischer Handelsstützpunkt der von Scheich Moussa Ben Mbiki beherrscht wurde. Um fünfzehnhundert herum bauten die Portugiesen die Insel zu ihrem ersten ständigen Stützpunkt an Afrikas Ostküste aus. Die portugiesische Variante des Namens des Scheichs gab zuerst der Insel und anschliessend der ganzen Kolonie den Namen Moçambique. Über Jahrhunderte war die Ilha de Moçambique Hauptstadt und Verwaltungszentrum der Kolonie. Der Handel mit Elfenbein, Gold und leider auch Sklaven blühte. Immer wieder versuchten andere Kolonialmächte den Portugiesen di Insel streitig zu machen – ergebnislos. Erst als wegen den Expansionsbewegungen der Engländer und Buren die Hauptstadt in den Süden des Landes, nach Maputo verlegt werden musste, verlor die Insel an Bedeutung.
Der Nordteil der Insel ist das Weltkulturerbe: das uneinnehmbare Fort und die vielen ehemals herrschaftlichen Kolonialbauten. Allerdings zerfallen die meisten dieser kolonialen Überbleibsel langsam. Einige wenige Bauten wurden aber doch mittlerweile, da eben Weltkulturerbe, restauriert und erstrahlen in neuem Glanz. Bis jedoch alle restlichen Bauten wieder auf Vordermann gebracht sind, dürften diese bereits wieder zerfallen sein. Dem ungehinderten Zerfall kolonialer Prachtbauten sind wir in Afrika mittlerweile häufig begegnet. Häufig betreibt man an diesen eindrücklichen Zeugnissen der Geschichte nicht einmal den minimalsten Unterhalt. Immer wieder stellten wir auf unserer Reise fest, dass die Afrikanische Bevölkerung die Infrastruktur der ehemaligen Kolonialherren als Selbstverständlichkeit übernimmt und sie solange nutzt, bis sie auseinander fällt. Ist es dann soweit, wird neben der Ruine wieder das einheimische Schilf- oder Lehmhüttchen aufgebaut bestenfalls mit Plumpsklo. Mittlerweile können wir dazu nur sagen: typisch Afrika!
In krassem Gegensatz zu den Kolonialbauten im Nordteil der Insel steht das muslimische Schilf- und Lehmhüttendorf im Südteil. Die beiden Stadtteile gehen nahtlos ineinander über. Mit einem Schlag wurde die vornehme, wenn auch etwas baufällige Ruhe in den Gassen zwischen den Kolonialbauten abgelöst durch dicht bevölkerte Strässchen mit lärmenden Kindern, klingelnden Velos, meckernden Ziegen, gackernden Hühnern und schreienden Marktfrauen.
Uns gefiel der touristenfreien Spaziergang über die Insel. Einzig zu schaffen machte uns die drückende schwüle Hitze in den Gassen. Als gegen Abend ein laues Lüftchen aufkam, genossen wir dafür den Sonnenuntergang bei Crevetten und Ausblick auf die friedlich dahin ziehenden Dauhen mit ihren Dreiecksegeln umso mehr. In der Dämmerung gings über die Brücke zurück aufs Festland und auf den direkt neben der Brücke gelegenen Campingplatz der Mosambikanerin Helena. Schnell einmal erzählte sie uns, dass sie einige Zeit in der Schweiz, nämlich im Bündnerland in Sargans gelebt hätte. Sie kenne „Cool Man“ persönlich und bewies uns dies auch gleich mit einem Foto. Ob wir ihn auch kennen und von ihr grüssen würden?

Unser nächstes Ziel war Luftlinie wohl nur gerade 5 km entfernt, der Badestrand in einer Bucht genau gegenüber dem Nordzipfel der Insel. Da wollten wir nun endlich einmal richtig Badeferien machen. Gemäss Auskunft von Karsten von der Helvetas in Nampula soll dort Mosambiks schönster Strand sein. Wir waren gespannt. Erst einmal aber mussten wir um die ganze Bucht herumfahren und uns über eine holprige und löchrige Sandpiste quälen. Strassenkilometer waren es etwa 60 und wir brauchten über zwei Stunden. Dafür wurden wir belohnt mit Bilderbuchafrika: kleine Schilfdörfchen in wogenden Palmenhainen,  Männer wie gehabt in Gruppen unter Bäumen im Schatten faulenzend – sorry, in Afrika heisst das „die Männer treffen wichtige Entscheidungen“ und Kolonnen von bunt gekleideten Frauen die entlang der Piste ihre schweren vollen Wasserkanister oder Feuerholz auf den Köpfen balancierten. Es sind wortwörtlich die Frauen, die Zukunft des Kontinents Afrika auf ihren Köpfen tragen! Von Chocas Mar, dem letzten Dorf führte uns eine sehr weichsandige Piste am meerseitigen Dünenkamm entlang bis ans südlichste Ende der Landzunge, gegenüber der Ilha de Moçambique. Der ganze Küstenabschnitt war unbewohnt. Auf der kleinen Sanddüne vor dem Strand standen einzig vereinzelte runde Schilfhütten, die von den Leuten im nächst gelegenen Dorf vermietet wurde. „Schonender Tourismus unter Einbezug der ansässigen Bevölkerung“ klärte uns ein Schild auf. Das war doch mal eine gute Sache. Nach einer weiteren Stunde hatten wir uns endlich für einen Platz in der Nähe eines Schattenhüttchens entschieden. Perfekt! Wir standen mit dem Auto auf dem Dünenkamm und hatten wunderbaren Blick auf das ruhige, türkisfarbene Meer, Eine einfache Treppe aus Palmenrugeln führte uns an den schneeweissen Strand. So weissen und feinkörnigen Sand hatten wir noch nie gesehen, und Barbara war doch schon an einigen Stränden auf dieser Erdkugel. Und das allerschönste: wir hatten dieses Paradies für uns alleine. Weit und breit keine anderen Touristen, nur Fischer die uns mit frischem Fisch und Crevetten versorgten. Wir waren gerne bereit für dieses Plätzchen insgesamt 80 Meticais (4.- Fr.) pro Tag zu bezahlen. Am zweiten Tag entdeckten wir dann auch noch das Plumsklo und zusammen mit unserer Autodusche hatten wir alles was wir brauchten. Einfach Nichtstun, die schöne Aussicht geniessen, die elegant dahin gleitenden Dauhen mit ihren weissen oder bunt zusammengeflickten Segeln bewundern, dem Gesang der Fischer lauschen, lesen, baden im badewannenwarmen, kristallklaren Wasser, um die fisch-, korallen- und seesterngesäumten Felsen im Wasser herum schnorcheln und am ewig langen Strand mit Mali spazieren. Paradiesisch! Wenn der Schatten an unserem Plätzchen jetzt auch noch von Palmen anstelle der normalen Bäume gekommen wäre…  Als Wiedergutmachung für den ersten verregneten Abend, den wir im Auto verbringen mussten, strahlte für uns am zweiten Abend der Vollmond über dem Meer auf unseren Tisch. Dieser stand ganz am Rand der Düne im Sand und wir konnten nun während dem Genuss eines fangfrischen green-fish-curry die ganze Schönheit von Meer und Strand in silbernem Mondlicht in uns aufnehmen. Dieser Abend hätte ewig dauern können! Genauso wie unsere Strandferien. Aber viel zu schnell gingen unsere nur halb aufgefüllten Wasserreserven zur Neige. Und man sollte ja immer Aufhören, wenn es am schönsten ist… Und dann war da ja noch der Tipp der Holländer für den Traumstrand Pangane ganz im Norden, kurz vor der Tansanischen Grenze. Also los gings, wenn auch schweren Herzens!

Auch auf unserem Weg weiter nordwärts wurden wir begleitet von üppiger Vegetation, die stellenweise die Strasse bereits zu überwuchern drohte. Auch hier wurde der fruchtbare Boden fleissig genutzt: Bananen-, Mango- und Papaya-, und Cashewbäume säumten die Strasse und angebaut wurden überall Mais, Zuckkerrohr und Maniok. Bei einem solchen Segen der Natur kann man sich gar nicht vorstellen, dass Mosambik immer noch zu den ganz armen Ländern gehört.

Im grössten Touristenort Nordmosambiks, in Pemba machten wir zwei Tage Zwischenhalt. In Pemba gibt’s von Casino über Luxushotels und einfachen Backpacker alles. Obwohl Nebensaison, war hier schon einiges los. Wir möchten Pemba nicht in der Hauptsaison erleben. Der Strand beeindruckte uns nicht besonders, dafür gabs hier Internet und einen kleinen Supermarkt. Das Internetcafé war der einzige klimatisierte Raum. Wunderbar! – Denn eine solch schwüle Hitze hatten wir seit Gabon nicht mehr erlebt. Bewegungsloses im Schatten Sitzen im Camp trieb uns den Schweiss schon in Strömen aus allen Poren obwohl wir nur die Badehosen trugen. Wir sahen den ganzen Tag aus, als kämen wir direkt aus der Sauna. Und Abkühlung gabs nirgends ausser im Internetcafé.
In unserem Backpacker waren auch die Mitarbeiter der amerikanischen Minenräumorganisation HALO stationiert. Der Minenspezialisten Dave erzählte uns über die Erfolge und Misserfolge der Räumung der Landminen. So sind im Süden Mosambiks die meisten Minen bis auf einen kleinen Überrest entschärft und entfernt worden – nur weiss niemand mehr so genau, wo überall die nicht entschärften Minen sind. Hierzu sind die Angaben irgendwie verloren gegangen und jetzt muss das ganze Gebiet nochmals abgesucht werden – Wahnsinn! Dave empfahl uns wärmstens auf unserer Reise auch den Norden Somaliens, Somaliland, zu besuchen. Nachdem Dave ein Jahr dort gearbeitet hatte, konnte er uns versichern, dass erstens alle Landminen geräumt und zweitens Somaliland politisch völlig ruhig und sicher sei. Landschaftlich und kulturell lohne sich diese vom Tourismus völlig unentdeckte Gebiet auf jeden Fall. Barbara war sofort Feuer und Flamme, bei Karsten schrillten bereits die Alarmglocken. Wir werden sehen …

Erst ging es jetzt einmal noch ein Stück nordwärts. Zu unserer angenehmen Überraschung anders als in de Karte verzeichnet weiterhin auf guter Teerstrasse. Bis auf einige lang gezogene Erhebungen war das Land hier wieder flach – abgesehen von den manchmal über zwei Metern hohen spitz zulaufenden Termitenhügeln am Strassenrand. Interessant ist, dass die sichtbaren Hügel nur einen Fünftel des gesamten Termitenbaus bilden. Dieser Fünftel dient der Luftzufuhr und dem Wärmeausgleich. Die meisten Termitenhügel neigen sich leicht nach Nordwesten, um der Sonne während der heissesten Tageszeit die geringste Angriffsfläche zu bieten. Die unterirdischen Gänge können bis zu 70 Metern lang bzw. tief sein und reichen bis zum Grundwasser. Das führt dazu, dass im Bau immer eine konstante Luftfeuchtigkeit von rund 95% herrscht und eine Temperatur von 30°C. Ist eine Klimaregulierung nötig, werden Gänge im Bau geöffnet oder geschlossen. Die Regenzeit ist die Gründungszeit neuer Termitenstaaten. Nach einem heftigen Regen öffnet sich der Termitenhügel gegen Abend und Millionen geflügelter Termiten begeben sich auf den Hochzeitsflug. Dieses Phänomen durften wir im Caprivi einmal beobachten. Faszinierend! Die Königen gibt auf ihrem Hochzeitsflug mit einem Duftstoff den König an. Haben sich die beiden gefunden, graben sie sich ein und gründen einen neuen Termitenstaat. Termiten spielen eine wichtige ökologische Rolle, da sie mineralreiche Erde aus der Tiefe holen und den Boden auflockern. Zudem sind sie eine wichtige Nahrungsquelle für Tier und Mensch.

Mittlerweile waren wir nur noch 200 km von der Grenze zu Tansania entfernt. Dahin wollten wir jetzt aber noch nicht, sondern wir bogen ab auf die kleine Piste, die uns übe 56 km wieder an Meer vor führte. Die letzten elf Kilometer mussten wir auf einem kleinen weichsandigen, mit grossflächigen Wasserlachen versehen Weg meistern – und dann tat sich ein weiters kleines Paradies auf. Auf einer Landzunge verteilen sich grosszügig in einem raschelnden Palmenhain die kleinen einfachen Schilfhäuser des muslimischen Fischerdorfs Pangane. Auf der einen Seite eine türkisfarbene Lagune, auf der anderen Seite das offene ruhige Meer mit vorgelagerten Inseln. Hierher verirren sich ganz selten Touristen und schon gar nicht in der Regenzeit. Freudig wurden wir von winkenden Kindern begrüsst. Ihren schwer beladenen Müttern mit Feuerholz oder Wasserkanistern auf dem Kopf waren wir unterwegs schon begegnet und hatten uns ganz schön erschreckt. Die Frauen sahen aus wie Gespenster mit ihrer zentimeterdick aufgetragenen weissen Gesichtsmasken aus Naturprodukten als Schönheitskur und gegen die Sonne. Im Gegensatz zu Europa scheint sich frau hier nicht zu schämen sich mitten in einer Verschönerungsaktion in der Öffentlichkeit zu zeigen. So gesehen auch schon in Südafrika, wo etliche Frauen mit bunten Lockenwicklern im Haar zum Einkaufen oder im Restaurant unterwegs waren. Und sogar die Männer waren hier zur Abwechslung mal am Arbeiten: Mit Taucherbrille und Netz oder Harpune bewaffnet wateten  sie durchs Wasser oder gondelten mit einem Einbaum oder eine Dauhe übers Meer. Am späten Nachmittag kamen die Fischer mit ihrem Fang zurück und setzten sich anschliessend in den warmen Sand zum Netze ausbessern. Wir genossen es dem bunten Treiben zu zusehen und das direkt von unserem Campingplatz aus am Ende der Landzunge. Ein kleiner Strandabschnitt unter Palmen mit drei rudimentären Schilfbungalow ist der Complexo turistico Hahsim. Eine liebvoll erstellte Openair-Dusche aus dem Wasserfass und zwei direkt im Sand eingelassene WC-Schüsseln vervollständigten unsere Unterkunft. Trink- und Abwaschwasser erhalten wir jeden morgen in einem verschliessbaren Eimer direkt nebens Auto geliefert – mit einer originellen Schöpfkelle aus einer Kokosnussschale. Karsten zog mit unserem Fischer los und beobachtet, wie geschickt und flink er nach Fischen und Muscheln tauchte. Nach zwei Stunden kam Karsten ganz geschafft zurück an Land – ohne Fisch. Das Rascheln der Palmen vermischte sich mit dem Rauschen des Meers. Ebbe und Flut kamen und gingen und die Zeit wurde unwichtig und rieselte dahin. Abwechslung bot „nur“ das heftige nächtliche Gewitter, dessen Sturmwinde uns davon überzeugten, rasch aus unserem Bett zu flüchten, das Dach runter zuziehen und uns auf Fahrer- und Beifahrersitz und im Mittelgang einigermassen bequeme Schlafplätzchen einzurichten.
Schade in Pangane war nur, dass der Strand und das Meer nicht ganz so einladend waren. Am Strand türmen sich jetzt in der windigen Regenzeit Berge von angeschwemmtem Seegras und Algen und wir mussten uns durch einen richtigen Seegrasteppich ins tiefere Wasser kämpfen. Und einige Strandabschnitte wurden als öffentliches WC missbraucht. Nach drei Tagen entschieden wir uns deshalb weiter bzw. zurück an unseren „richtigen“ Badestrand bei Chocas Mar zu fahren. Wir wollten einfach die Gelegenheit nützen um so richtig Badeferien zu machen. Auch wenn das hiess einige Kilometer zusätzlich zu machen und nicht wie geplant ganz im Norden quer durch das Landesinnere nach Malawi zu fahren. Aber die Strasse westwärts bei Nampula soll sowieso besser sein.

Die Strecke zwischen Chocas Mar und Pangane hatten wir die Woche zuvor in zwei Etappen zurückgelegt und wollten dies nun in einem einzigen langen Fahrtag schaffen. Also waren wir schon vor sechs Uhr auf den Beinen und kurz vor sieben abfahrtbereit. Uuuhhhmm, uuuhhmmm, uuuhhhhmmm – war das einzige Motorgeräusch als Barbara den Zündschlüssel drehte. Mist, da standen wir nun am äussersten Zipfel einer Landzunge am Ende der Welt und unser Auto sprang nicht mehr an. Batterie leer. Ein anderes Auto gibt’s im Dorf nicht und Überbrückungskabel haben wir eh nicht dabei. Zu dritt versuchen wir das Auto im tiefen Sand auf eine kleine Anhöhe zu bewegen, aussichtslos. Ein Hoffnungsschimmer kam auf, als wir hörten, dass Hashim einen Traktor besitzt und uns also anziehen könnte. Nur, Hashim war nicht da. Zu allem Übel war bei uns schon wieder Feuer im Dach, weil Karsten behauptete, dass das Auto angesprungen wäre, hätte Barbara es nur richtig gemacht. Wie wenn man ein Auto falsch anlassen könnte…! Es blieb uns also nichts anderes übrig als unsere Batterie übers Solarpanel wieder etwas Power einhauchen zu versuchen. Aber gar nicht so einfach, wenn sich die Sonne permanent hinter dicken Wolken versteckt. Nach einer Stunde Wartezeit tat sich noch immer nichts. Schliesslich trommelten wir doch einige der Fischer zusammen und zu neunt gelang es uns dann tatsächlich unser Auto anzuschieben. Wer hätte das gedacht. Mit knapp zwei Stunden Verspätung nahmen wir dann die gut 500 km unter die Räder und erreichten beim Eindunkeln nach einer misslaunig-schweigenden 10stündiger Fahrt doch noch unseren Strand. 

In unserem kleinen Paradies verbesserte sich unsere Stimmung schlagartig und wir genossen nochmals einige Tage „Endlosbad“, Nichtstun, Fisch und Crevetten. Barbaras Ohrenentzündung konnte etwas abheilen und Karstens Bein mit dem seit zwei Monaten schmerzhaft eingeklemmten Nerv tat die Salzwasserkur gut. Auch unsere kleinen, entzündeten, im tropischen Klima mal wieder nicht zu heilenden Wunden, schlossen sich mit dem sauberen Salzwasser nun langsam. Aus unserer Pangane-Erfahrung gelernt, hatten wir nun in diesen Tagen unser Solarpanel abgeschraubt und immer schön nach der Sonne ausgerichtet. Und, wird das Auto nun anspringen? Nein – obwohl Karsten dieses Mal den Zündschlüssel gedreht hatte! Barbara machte sich mit Mali auf einen langen heissen Strandspaziergang, in der Hoffnung, irgendwo noch andere Touristen mit Auto zu finden um unseren Macun wieder in Schwung zu bringen. Wir wussten bereits, dass von den Einheimischen in der Umgebung niemand ein Auto besitzt. Leider wurden die nächsten Touristen erst am folgenden Tag erwartet. Fünf Fischer halfen uns schliesslich unseren Macun anzustossen, obwohl wir uns keinen Erfolg davon versprachen im Weichsand und mit der kleinen Mulde, die es zu durchqueren galt. Und doch, nach einigem Holpern und Spucken sprang Macun im allerletzten Moment doch noch an. Glück gehabt!

Wir planten, an diesem Tag bereits die über 500 km lange Piste durchs Landesinnere nach Malawi in Angriff zu nehmen. Aber nach unserem harzigen Aufbruch am Morgen und bummeligen Shoprite-Einkauf in Nampula, schafften wir es gerade noch vor Eindunkeln einmal mehr aufs schöne Montes-Naicuru Camp. Zwar wieder ein Umweg von zweimal 14 km, aber in den letzten zwei Wochen seit unserem letzten Besuch hier, wurde die schlechte Piste zumindest Stellenweise bereits ausgebessert. Offenbar wartet man hier in Mosambik bis gegen Ende der Regenzeit um die vom Regen stark beschädigten Strassen zu erneuern.

Am nächsten Morgen fuhren wir die 14 km wieder zurück nach Nampula und suchten dort die Abzweigung der Piste, immerhin eine Hauptverkehrsverbindung, Richtung Malawi. Wir waren uns sicher, vor zwei Wochen hier irgendwo ein entsprechendes Verkehrsschild gesehen zu haben. Als 10 km ausserhalb der Stadt noch immer keine Abzweigung auftauchte, zogen wir schliesslich unsere Detailkarten auf dem Computer zu Rate. Oje, diese „Hauptverkehrsverbindung“ nach Malawi war unsere kleine holprige Piste, die zum Montes Nairucu Camp führt. Nicht nur, dass wir diese Strecke heute bereits vergeblich gefahren und nun wieder zurück fahren mussten, nein uns graute auch vor 500 km auf einer solchen Piste. Aber da mussten wir jetzt nun wohl durch! Die Piste entsprach dann auch stellenweise unseren schlimmsten Erwartungen. Wir holperten über 100 km am Stück im ersten Gang mit sagenhaften 15 kmh von Schlagloch zu Schlagloch, knallten über die unzähligen tiefen quer verlaufenden Wasserrinnen und schaukelten durch und über die auch in Längsrichtung mit regelrechten Bachbetten ausgewaschene Piste. Ein Hohn waren die zahlreichen Strassenschilder, die die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf 60 kmh festlegten und die Warnungen vor kurvenreichen Strassenabschnitten. Interessanterweise gab es viele neue Brücken, die zweispurig und asphaltiert über kleine Bäche führten. Es scheint tatsächlich so, dass diese Strecke irgendwann einmal als Hauptverkehrsverbindung ausgebaut werden soll. Bis dahin dürfte wohl aber noch einige Zeit ins Land gehen … Zu unserer Erleichterung gab es aber doch schon einige längere Streckenabschnitte, wo die Piste ausgebessert und erneuert wurde. Wie schön lässt sich doch eine solche neue Sandpiste fahren!
Belohnt für unsere Mühen wurden wir aber mit Ursprünglichkeit und Landschaft vom Feinsten. Wären wir vorher nicht schon von Mosambik begeistert gewesen, wären wir es spätestens jetzt. Seit Nampula führte uns die Piste mitten durch diese „Zipfelmützenlandschaft“ nur dass diese Zipfelmützen hier im Westen des Landes bis 2400 Meter hoch sind. Die glatten und steilen Bergwände wird vielleicht irgend wann einmal jemand als Afrikas Klettereldorado entdecken. Unsere Herzen schlugen jedenfalls nur schon bei diesem gigantischen Anblick höher. Gesäumt ist die Piste von sattem grün – Gras, Bambus, Bäume und häufig kleine Felder von Mais, Zuckerrohr und Tabak. Die ganze Strecke entlang reihen sich schmucke kleine Hütten. Mit Blumen, Kakteen und Sträuchern haben die Bewohner ihre kleinen Vorplätze und Gärten richtig herausgeputzt.

Einziger Nachteil: einsame Bushcamps sind hier eine Illusion. Mit Mühe und Not fanden wir beim Eindunkeln gerade noch eine kleine Einfahrt neben der Strasse, wo unser Auto knapp reinpasste. Die Schnauze stand schon fast auf der Strasse. Innert Minuten sammelte sich auf der Strasse eine Menschenmenge an, so dass wir nur gerade im Stehen hinter dem Auto versteckt eine Suppe zum Znacht löffelten und uns schnell ins Bett verzogen. Aber auch wenn wir uns in solchen Momenten riesig über fehlenden Anstand und Zurückhaltung der gaffenden Menge aufregen, müssen wir uns immer wieder vor Augen halten, wie es denn umgekehrt wäre. Was würden wir wohl sagen oder machen, wenn ein Schwarzer mit Frau und drei Kindern mit seinem Eselkarren mit Wasserfässern und einigen gackernden Hühnern einfach so auf unser Grundstück gefahren käme, sein Hüttchen aufbauen und über dem Feuer sein Abendessen brutzeln würde? – Vermutlich liesse unser Verhalten einiges mehr zu wünschen übrig…!

Mit unserem letzten Bushcamp in Mosambik hatten wir zu Beginn etwas mehr Glück. Wir fanden schon am Nachmittag eine verlassene Kiesgrube, konnten in aller Ruhe duschen und faulenzen, bis uns dann am frühen Abend eine Abordnung des nächstgelegenen Ortes ihre Aufwartung machte. Wir wurden freundlich begrüsst, nach dem Woher und Wohin gefragt. Die Leute freuten sich riesig und waren stolz darauf, dass Ausländer bei ihnen in der Nähe übernachten wollten. Sie bedankten sich herzlich dafür und zogen zehn Minuten später allesamt wieder ab. Als wir uns etwas später beim Eindunkeln gerade übers Znacht her machen wollten, unterbrach uns das knatternde Geräusch eines Motorrades, das sich durch die Kiesgrube kämpfte. Wen hatten wir den da? Sch … - der Lenker trug eine Polizeiuniform und der Sozius eine Windjacke, kurze orange Hose, Kniesocken und eine Kalaschnikov. Polizei oder Banditen? – Beides nicht gerade unsere Wunschgäste. Doch wir hatten Glück und hatten es mit der weniger schlimmen Sorte, mit der Polizei zu tun. Die fragte sich allerdings was wir hier machten und ob wir vielleicht Banditen wären. Der Uniformierte quetschte uns recht aggressiv aus und machte uns dann zum Vorwurf, dass wir uns nicht bei ihm auf der nahen Station angemeldet und um Erlaubnis zur Übernachtung gefragt hätten. Wie wenn wir das je gemacht hätten! Wir entschuldigten uns in aller Form für unsere „Unterlassung“. Besänftigt erklärte uns der Polizist, dass es hier viel zu gefährlich sei zum Übernachten (was wir allerdings überhaupt nicht glaubten) und dass wir bei ihm auf dem Posten schlafen müssten (er lockte mit Dusche und WC). Alles Diskutieren half nichts. Er blieb hart. Wir assen dann halt erst mal in aller Ruhe unser Znacht, während die Beiden geduldig neben dem Auto warteten. Sie wollten uns nicht einmal alleine zum 3 km entfernten Posten fahren lassen. Sie befürchteten wohl „Fahrerflucht“.  Als wir schliesslich murrend unseren ganzen Krempel wieder weggepackt, das Dach runter gezogen und das Auto startklar hatten, zuckelten wir hinter dem Töff durch die stock finstere Nacht zum Dorf. Wie geheissen, bauten wir unser Camp hinter einem Haus auf. Aber halt, Missverständnis!  Das ist nur das Verwaltungsgebäude und damit zu wenig sicher (mitten im Dorf …), wir müssen uns direkt vor den Polizeiposten stellen. Also wieder Dach runter und nochmals hundert Meter weiter. Genau nach Vorgabe parkieren. Mühsam! Wir trauerten unserem schönen Bushcamp nach, während wir frustriert und schlaflos im Bett lagen und gezwungener Massen dem Brummen des Generators und dem Soundspektakel einer Openair-Kinovorführung lauschten. Schon morgens um vier nahm der Generator seine Arbeit wieder auf und wir krabbelten schliesslich um 6 Uhr geschlagen aus dem Bett. Zur Strafe für die Polizei beschlossen wir, mitten auf ihrem grossen Platz ausgiebig zu frühstücken. Was für ein Spektakel! Da sich gerade vis-à-vis die Dorfschule befand, war der Polizeihof innert Kürze mit –zig beobachtenden, tuschelnden und kichernden Kindern gefüllt. Zur Würdigung dieses aussergewöhnlichen Anlasses schien auch noch die erste Schulstunde auszufallen - oder aber die Lehrer standen einfach auch lieber um unser Auto herum. Mali vergnügte sich damit, immer wieder auf die Kinder zu zutänzeln, bis sie kreischend auseinander stoben, um ihnen dann freudig einige Meter hinter her zu rennen. Mal sehen, ob die Polizei die nächsten Touristen wieder nötigen auf ihrem Posten zu übernachten!
Aber eigentlich konnten wir unserem Polizisten nicht wirklich böse sein. Er war nach dem ersten heftigen Wortwechsel immer ausnehmend freundlich und ehrlich um unsere Sicherheit besorgt. Die Einheimischen können nun einmal einfach nicht nachvollziehen, dass wir lieber irgendwo im Busch übernachten, als wie sie mitten in einem Dorf. 

Bald darauf standen wir bereits in Mandimba am Grenzübergang. Wir hatten noch einmal kurzzeitig Herzklopfen, als wir beim Zoll unsere Fahrzeugpapiere – sprich das in Mosambik nicht gültige Carnet – vorweisen mussten. Trotz intensivem Studium des Gültigkeitsbereichs stempelte uns der Zöllner das Papier kommentarlos ab. Glücklicherweise wollte auch hier, wie in unseren gesamten sechs Wochen Mosambik, niemand unsere (nicht vorhandene) Haftpflichtversicherung sehen. Und dann:  Adeus Moçambique, wunderschönes Land, das uns rundum begeistert hatte!

Lilongwe, 21. März 2007