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Namibia 7.6. - 5.11.2006 / 6.12 - 19.12.2006 Norden Unsere Erwartungen an Namibia waren recht unterschiedlich: Karsten freute sich darauf, endlich wieder deutsch sprechen und Fleisch in rauen Mengen verdrücken zu können (bis jetzt gabs vielleicht alle 2 Wochen mal Fleisch) und Barbara freute sich zwar auf Namibias Tierwelt, war aber sehr traurig darüber, Schwarzafrika (in ihren Worten: „das richtige Afrika“) zu verlassen und hatte eigentlich gar keine Lust auf Namibia. Schon auf der Namibischen Seite des kleinen Grenzübergangs sah alles anders aus als bis jetzt gewohnt. Es gab moderne Grenzgebäude mit .richtigen Schaltern. Nur die ganze Bürokratie verlief gewohnt afrikanisch langsam und kompliziert. Zum ersten Mal wurden unsere Auto auf Herz und Nieren bzw. auf Motor- und Chassisnummer auf Übereinstimmung mit dem Carnet überprüft. Nicht ganz einfach, wenn die Motornummer im roten Toyota erst abgelesen werden kann, wenn der Motor vollständig ausgebaut ist und unsere Chassisnummer unter dem Korrosionsschutz erst frei gekratzt werden muss… Natürlich wurde das Wageninnere auch genaustens unter die Lupe genommen. Ein Zollbeamter kontrollierten Karstens Kleiderkisten und eine Zollbeamtin kontrollierte Barbaras Kisten – noch nie gehabt zuvor. Wir waren uns nach über zwei Stunden einig: der schlimmste Grenzübergang, den wir in Afrika je hatten! Kaum waren wir in Namibia, mussten wir uns erst einmal an den Linksverkehr gewöhnen. Und auch nach einem Monat Namibia müssen wir uns immer noch konzentrieren, wenn wir im Linksverkehr durch grosse Städte wie Windhoek kurven. Schon nach den ersten paar Metern in Namibia bewahrheiteten sich Barbaras Befürchtungen: Mit bester Teerstrasse und modernsten Verkehrs- und Strassenschildern alle paar Meter kamen wir uns vor wie in Europa. Ausser der flachen Buschlandschaft erinnerte nichts mehr an Afrika. Auch die folgende Piste entlang dem Grenzfluss Kunene, wie alle grösseren Pisten in Namibia, war in einem solch guten Zustand wie wir es in den letzten sechs Monaten nie erlebt hatten.
An diesem ersten
Tag in Namibia schafften wir es gerade Mal rund 70 km in die Kunene-River-Lodge.
Eine richtige Lodge direkt am Kunene mit kleinen Bungalows, wunderschönem
Campingplatz, richtigen und funktionierenden sanitären Anlagen, warmen Duschen!,
Stromanschluss und einem Restaurant mit Terrasse auf den Fluss so viel
Luxus
empfanden wir schon fast als dekadent – aber wir genossen es natürlich
trotzdem! Dieser Luxus hatte aber auch seinen Preis, der unserem afrikagewohnten
Preisempfinden extrem weh tat: 75 N$ pro Person, also ganze 15.- CHF pro Kopf
und das auf dem Campingplatz.
Seit langem trafen wir auch wieder einmal andere weisse Touristen – so richtige Touristen aus Südafrika oder Europa, die für zwei oder drei Wochen durch Namibia kurvten. Auch Schweizer auf einer Busreise waren dabei und siehe da, die Welt ist klein, Barbara traf jemand von ihrer früheren Arbeitstelle dem BFF bzw. BFM. Interessant ist es, wie wir unterschiedlich auf unser neues Umfeld reagierten: während Christoph und Sibylle sich freuten, andere Touristen zu treffen, fühlten wir uns recht unwohl und fehl am Platz. Aber wir mussten uns wohl oder übel daran gewöhnen, es wurde bzw. wird wohl nur noch schlimmer. Dafür freuten wir uns umso mehr, dass wir hier Jane und Tom mit ihrem Hund Alf trafen. Die beiden Engländer waren schon etwas länger in Afrika unterwegs und wir hatten häufige ihre Webseite für Infos konsultiert. Jetzt erfuhren wir auch, weshalb wir sie eingeholt hatten: sie hatten das selbe Problem mit dem Angola-Visum und hatten es kurzerhand eigenhändig auf Doubleentry geändert. Leider gibt’s schon seit längerem keine Doubleentry mehr, weshalb man an der Grenze ihre Fälschung sofort feststellte und sie Probleme kriegten. Schliesslich mussten sie sich in Kinshasa neue Pässe besorgen, damit sie ein neues Visum erhielten – und das dauerte natürlich…
Wir waren von
Angola so ausgepowert, dass wir trotz des Preises drei Tage in der
Kunene-River-Lodge blieben. Hier verabschiedeten wir uns auch von unseren
Reisegespänli. Die Holländer fuhren nach Windhoek um ihren Besuch in Empfang zu
nehmen und Christoph und Sibylle planten noch eine Rundreise im
Ohne Umwege gings
anschliessend südlich nach Opuwo, wo wir zum ersten Mal wieder richtig einkaufen
konnten – und das gleich in einem Supermarkt wie zu Hause. Wir konnten sogar das
dringend benötigte Geld einfach mit der Postcard aus einem Bancomaten beziehen
und im Supermarkt mit Visa bezahlen. Überall sahen wir jetzt weisse Bevölkerung
und die wenigen Autos auf der Strasse waren neue und moderne Geländewagen. Opuwo
faszinierte uns aber aus einem anderen Grund: diese Kleinstadt ist ein Wir residierten mit Christoph und Sibylle auf dem Campingplatz des luxuriösen Country Hotels. Eigentlich wollten wir ja von der Grenze aus direkt nach Windhoek fahren um unsere Passerneuerung in die Wege zu leiten, einzukaufen und anschliessend gleich weiterzufahren nach Sambia, Simbabwe und Botswana um dann am 1. August nach Namibia zurück zu kommen und Uli in Windhoek abzuholen. Aber es kam natürlich wieder einmal anders: Nachdem wir alle Varianten durchgedacht hatten, liessen wir uns von Christoph und Sibylle davon überzeugen, mit ihnen gemeinsam erst noch den einsamen Nord-Westen von Namibia, das Kaokoveld, zu bereisen und erst anschliessend nach Windhoek zu fahren. Diese Routenänderung machte für uns Sinn, da wir uns eh schon im Norden Namibias befanden und mit Uli wohl nicht mehr so hoch in den Norden kommen würden. Es hiess aber auch, dass wir vor Ulis Ankunft nicht mehr in andere Länder fahren sondern gleich die gesamten 3 Monate bis nach Ulis Abreise ende August in Namibia verbringen werden. So liessen wir uns also genügend Zeit für das wunderschöne Kaokoveld. Nachdem wir uns in Opuwo mit ausreichend Lebensmittel eingedeckt hatten – für die nächsten 2-3 Wochen sollten wir keine Lebensmittelgeschäfte mehr antreffen – gings über kleine Pisten wieder nordwärts Richtung Marienflusstal. Da wir ja mit zwei Autos unterwegs waren, trauten wir uns auch den berühmt-berüchtigten Van-Zyls Pass zu, von Ost nach West mit den schwierigsten Passagen in der Abfahrt. Nicht um sonst wird in allen Reiseführern strikte von dieser Strecke abgeraten – ausser man ist Offroad-Profi. Die Strecke über den Pass führte uns tatsächlich in zwei Tagen über knapp autobreite Feldwege über Stock und Stein, Geröllfelder und riesige Steinstufen. Entsprechend langsam kamen wir vorwärts. Alle paar Meter mussten wir aussteigen und nach der Geländebesichtigung erst einmal grosse Steine herbei schaffen um die Fahrspur mindestens im entferntesten fahrbar zu machen. Trotzdem krochen wir dann in der Untersetzung und durchgetrettener Bremse, also wortwörtlich im Schneckentempo, die steilen Abhänge runter. Wir hofften inständig, dass unsere Autos nirgends aufliegen werden, nicht soviel Schrägelage erhalten, dass sie kippen oder dass loses Geröll mit uns zusammen einfach wegrutscht in die Tiefe. Es war alles andere als einfach, die vorher festgelegte Fahrspur dann auch tatsächlich zu fahren. Christoph und Sibylle hatten noch ein Handicup mehr: Ihre Servolenkung war dabei, den Geist aufzugeben… Es war spannend, gab spektakuläre Fotos und Videos und hat sich xfach gelohnt. Mali genoss diese Route, weil sie fast alles nebenher spazieren konnte. Weil die Aussicht von der Passhöhe so faszinierend war, genossen wir den ganzen Nachmittag dort und übernachteten auch gleich an diesem schönen Ort.
Am Fusse des
Passes angelangt, signierten wir erste Mal wie alle vor uns einen Stein und
machten uns auf durch das mit trockenen Buschgras und einzelnen Bäumen
bewachsene Marienflusstal. Angestrengt hielten
Anschliessend fuhren wir ins Hartmannstal, das noch abgelegener und karger ist. Am End des Tals türmen sich goldige Sanddüne einige hundert Meter bis runter zum Kunene-Fluss. Wir waren vernünftig genug, nicht zu versuchen, durch das Dünenfeld zu fahren, sondern schlugen unser Camp nach dem ersten Steckenbleiben in den Dünen auf. Wunderschön! In dieser abgelegenen Region hatten wir nur gerade mal zwei weitere Touristen gesehen, dafür viele wilde Tiere (Antilopen, Strausse, Chameleon etc.) Je weiter südlich wir nun kamen, desto mehr Touristen begegneten wir. Karsten und ich hatten schon lange nicht mehr das Gefühl in Afrika zu sein aufgrund der modernen Infrastruktur der Campingplätze – ja es gibt hier richtige Campingplätze! – und der guten Strassen.
Weiter ging es durch das Hoanib-Flussbett durch bezaubernde Landschaft Richtung Kamanjab. Auf dem Weg Richtung Outjo besuchten wir eine Geparden Farm. Auf einer Safari konnten wir über 15 Geparde mit zwei zweiwochenalten, tapsigen Jungtieren in einem riesigen eingehagten Buschland beobachten, mit Fütterung. Sensationell, wie geschmeidig die Tiere nach dem Fleisch sprangen und es im Flug auffingen. Zum Höhepunkt durften wir drei von Hand aufgezogene erwachsene Geparde streicheln. Schon ein seltsames Gefühl. Mali fand das ganze Getiere hier recht suspekt.
Von nun an waren
wir wieder alleine unterwegs und fuhren auf die Farm Hohenfels, ca. 200 km
nördlich von Windhoek. Wir wussten von Christoph und Sibylle, dass ein
Ostdeutscher die Farm führt. Zu unsrem Schrecken waren auf der Farm keine
Haustiere erlaubt wegen der vielen kleinen Wildtieren die sie dort haben.
Trotzdem durften wir mit Mali bleiben und sie hat sich auch ganz brav verhalten
und keine der Tiere gejagt. Wir waren die einzigen Gäste und hatten die ganze
Infrastruktur für uns: einen Aufenthaltsraum
und eine voll eingerichtete Küche.
Es war wunderschön nach knapp sieben Monaten das erste Mal wieder in einer
richtigen Küche mit viel Platz zu kochen.
Bei Roland
erlebten wir einen gemütlichen Abend mit einheimischen Jägern und bekamen als
Mitternachtsmenue frische Oryx-Leber serviert (am selben Nachmittag geschossen)
– ganz fein! Roland hat
Anfangs Juli
schafften wir es dann doch noch bis nach Windhoek. Hier sind wir 15 km
ausserhalb auf einer schönen Farm – Elisenheim- bei Andreas. Wir trafen hier
Christoph, Sibylle, Hoschi und Andrea wieder.
In Windhoek mussten wir uns nun um die Passerneuerung kümmern und unser Namibia-Visum von einem Monat auf drei Monate verlängern lassen. Alles extrem kompliziert und zeitaufwendig. Zudem mussten wir mal wieder auf ausgedehnte Shoppingtour und unter anderem neue Campingstühle suchen. Unsere alten, in Burkina Faso neu überzogenen Stühle haben definitiv den Geist aufgegeben. Soviel zur afrikanischen Qualitätsarbeit! Mali hatte deshalb mal wieder etwas Stadttraining und war in den Shops auch ganz brav bis auf das eine Mal, als sie in den Laden pinkelt – und das obwohl Barbara mit ihr extra fünf Minuten zuvor raus gegangen war. Aber draussen auf der Strasse war es Mali wohl zu hektisch…. Wir hingegen empfinden Windhoek aber überhaupt nicht als hektisch - ganz und gar keine typische afrikanische Stadt. Alles geht geordnet und ruhig zu und her, es hat überall Verkehrsschilder, die befolgt werden, Verkehrsampeln, Markierungen auf den breiten und sauberen Strassen, Troittoirs und moderne Einkaufspassagen. Windhoek erinnert uns am ehesten an eine amerikanische Kleinstadt. Dafür spricht auch die grosse Anzahl weisser Bevölkerung im Gegensatz zu den wenigen Schwarzen, die hier zu sehen sind. Alles sehr schön, für uns aber nicht mehr Afrika bzw. das was wir uns unter Afrika vorstellen. Wir freuen uns jetzt deshalb schon wieder auf das „richtige“ Afrika. Barbara nahm sich vor, in Windhoek unseren neuen Internetauftritt, an dem sie nun seit Wochen gearbeitet hatte, aufzuschalten. Während sie also tagelang am Computer sass, optimierte Karsten noch unseren Innenausbau weiter. So haben wir jetzt einen richtigen Wasserhanen, wo wir unser gefiltertes Wasser raus lassen können. Zudem haben wir an allen Türen zusätzliche Schlösser anschweissen lassen, damit unser Auto etwas einbruchresistenter wird. Es gibt also ständig etwas zu tun und wir beide sehnen uns mal wieder nach einem Tag süssen Nichtstuns! Sobald wir uns vom Elisenheim los reissen können, fahren wir in Namibias tiefen Süden, bevor wir dann ende Juli wieder nach Windhoek kommen um Uli am 1. August abzuholen. Mit ihm werden wir Namibias Mitte bereisen. Windhoek, 10. Juli 2006
Nach knapp zwei Wochen hatten wir in Windhoek alles organisiert, was es zu organisieren gab und unserer Fahrt in den Süden stand nichts mehr entgegen. Zwar war Karsten noch nicht im Besitz seines neuen Passes, da die Ausstellung rund 8 Wochen dauert. Aber die Dame von der Botschaft versicherte ihm nach anfänglichen Schwierigkeiten - die Botschaft wollte nur einen einjährigen provisorischen Pass ausstellen, sie musste erst in Erfurt um Erlaubnis anfragen für einen regulären Pass, Karsten hat sich durch vermeintlich arrogantes Auftreten unbeliebt gemacht – dass der regulären Passausstellung nichts mehr im Wege stehen würde und alles nur noch eine Frage der Zeit sei. Auch Barbara hatte noch keinen neuen Pass. Sie hatte zwar beim Schweizer Honorarkonsul das nötige Formular ausgefüllt, als sie aber erfuhr, dass sie selber den Versand des Formulars an die Botschaft nach Kapstadt und die Weiterleitung des neuen Passes nach Windhoek organisieren müsse, war es ihr doch zu mühsam und sie entschied sich, erst in Kapstadt direkt einen neuen Pass zu beantragen. Zumal ihr die Botschaft per Email versichert hatte, dass ein neuer Pass innerhalb 3 Wochen erhältlich sei. Mal sehen …
Auch unsere
Visaverlängerung für Namibia hat nicht so geklappt wie erwartet: Wir dachten,
wir würden im Innenministerium gleich wie bei der Einreise an der Grenze einfach
ruckzuck einen Stempel kriegen mit der neuen maximalen Gültigkeitsdauer von 3
Monaten (bei der Einreise planten wir noch erstmal nur ca. 3 Wochen in Namibia
zu sein und später nochmals zurück zu kommen). Schliesslich dürfen sich
Schweizer und Deutsche 3 Monate pro Jahr „visumsfrei“ in Namibia aufhalten. Aber
die unfreundliche Dame (in Karstens Worten: die „fette Qualle“) am Schalter des
zuständigen Amtes knöpfte uns erst einmal 25 Franken pro Person ab (bei der
Einreise war der Visumstempel gratis!) und wollte unsere Pässe mindestens 7 Tage
behalten, da es so lange dauere, bis über unser Gesuch entschieden werde. Nur,
wir waren nicht mehr so lange in Windhoek und ohne unsere Pässe wollten wir
nicht weiterreisen – auch wenn das gemäss den Aussagen dieser Dame kein Problem
gewesen wäre. Nach immer heftig werdender Diskussion und länger werdender
Schlange von Wartenden hinter uns, gab sie uns mürrisch die Pässe zurück
zusammen mit einem Schreiben, dass unser Verlängerungsgesuch hängig ist. Wenn
wir also das nächste Mal in Windhoek sind, sollten wir innerhalb eines Tages die
Verlängerung im Pass erhalten – sofern unser Gesuch bis dahin entschieden ist.
Irgendwie kann Barbara jetzt den Kunden im Migrationsamt etwas nachfühlen… Mit einiger Überzeugungsarbeit gelang es Barbara schliesslich, Karsten zum Aufbruch zu bewegen. Ihm gefiel es mittlerweile in Windhoek ausgezeichnet, da er alle Shoppingzentren, Baumärkte, Autogaragen und feinen Restaurants kannte. Vor allem der Abschied vom Café Zoo, wo er sich nachmittags jeweils für Kaffee und Kuchen einquartierte, fiel ihm schwer. Aber es war ja nur ein Abschied auf Zeit und am 11. Juli, nachdem Hoschi und Andrea und Christoph und Sibylle schon seit Tagen wieder unterwegs waren, ging es auch bei uns los Richtung Süden. Über beste Teerstrasse fuhren wir via Rehobot Richtung Mariental. Seit wir den Veterinärszaun („Seuchenzaun“: Agrarprodukte, Fleisch und Tiere, die von Nordnamibia her kommen werden hier kontrolliert, da alles, was südlich vom Zaun produziert wird, Exportqualität aufweist), der sich unterhalb des Etoshaparks quer durch das ganze Land zieht, passiert hatten, fuhren wir nur noch entlang oder durch eingezäuntes Farmland. Entweder verliefen parallel links und rechts zur Strasse Zäune oder aber wir mussten alle paar Kilometer anhalten und die Tore der Zäune, die quer über die Strasse verliefen öffnen. Entsprechend schwierig bis unmöglich war es nun, jeweils ein Plätzchen zum Wildcampen zu finden. Wir verbrachten nun also zur Freude Karstens die meisten Nächte auf teuren Campingplätzen. Den absolute Rekord schafften wir bereits am ersten Abend unserer Südtour: Beim ersten angefahrenen Campingplatz wurden wir wegen Mali erst gar nicht rein gelassen. Dies sollte uns im zentralen und südlichen Namibia noch öfter passieren. Hier ist man nicht gerade hundefreundlich! Bei Sonnenuntergang erreichten wir mit der Anib Kalahari Lodge die nächste Übernachtungsmöglichkeit bei Mariental, schmuggelten Mali rein und hatten aufgrund der vorgerückten Stunde trotz des horrenden Preises von 100 N$ pro Person (15 €) keine Lust mehr noch zig Kilometer weiter zu fahren. Aber wir waren ja vorgewarnt: Barbara hatte am Nachmittag in dieser Lodge angerufen und sich erkundigt, ob der im Campingführer abgedruckte Preis eben dieser 100 N$ vielleicht ein Druckfehler sei oder ob andernfalls das Nachtessen im Preis inbegriffen sei – sie wurde nur ausgelacht! Barbara erklärte also, dass wir nicht kommen würden, da uns dies doch viel zu teuer wäre – und trotzdem landeten wir schliesslich genau dort. Aber dafür war es wirklich konfortabel. Es gab nur drei Campingplätze und die waren so weit auseinander, dass man vom einen nicht zum nächsten sah. Wir hatten unser eigenes Häuschen mit Feuerstelle, WC und Heisswasserdusche.
Als wir uns am Nachmittag unserem nächsten Ziel, dem Fish River Canyon nährten und uns nach einer geeigneten Übernachtungsmöglichkeit umsahen, entdeckten wir beim Canyon Roadhouse den roten Toyota von Sibylle und Christoph. Ungeplant hatten sich unsere Wege also wieder gekreuzt. Wir packten die Gelegenheit beim Schopf und nutzten ein gemeinsames Abendessen um die News der letzten Tage auszutauschen. Nach einigem Hin und Her durften wir schliesslich auch mit Mali auf dem Campingplatz des Roadhouses übernachten, mussten aber versprechen, sie ständig an der Leine zu halten. Man warnte uns auch davor, dass wir mit Mali nicht in den Fish River Canyon eingelassen würden. In keinem der zahlreichen Parks Namibia sind Hunde erlaubt.
In der Hoffnung auf ein ruhigeres Badeerlebnis fuhren wir –diesmal durch flache und eintönige Landschaft – am nächsten Tag nach Warmbad. In dem kleinen Nest fanden wir dann zwar die warmen Quellen, von einem Bad war aber nirgends was zu sehen und noch weniger vom Campingplatz, der auf unserer Karte eingezeichnet ist. Schöner Flop! Obwohl Karsten keine Lust mehr hatte weiter zu fahren, war er auch nicht zu haben für eine Übernachtung mitten im kleinen Dorf. Also nahmen wir die 130 km zurück zum nächsten Campingplatz in Grünau unter die Räder. Barbara wollte einen Teil dieser Strecke auf einer kleinen Sandpiste fahren, wozu Karsten nur unter lautem Murren zustimmte. Nach rund 15 km Geholpere durch schöne Landschaft und drei Zaungatter, die wir öffnen mussten, war unsere Fahrt abrupt vor dem vierten mit drei Schlössern abgeschlossenem Gatter zu Ende. An diesem Tag ging wirklich alles schief. Auch jetzt war Karsten zu keinem Bushcamp zu überreden und so fuhren wir alles wieder zurück und schafften es zum Eindunkeln gerade noch auf den wenig einladenden Parkplatz – sorry Campingplatz – in Grünau.
Dafür wurden wir
am nächsten Tag entlohnt mit einer landschaftlich faszinierender Rundfahrt durch
die Karasberge.
Auf dem Weg nach
Lüderitz legten wir noch einen Stopp ein bei den wilden Wüstenpferden in Garup.
Die Geschichte besagt, dass vor langer Zeit einige Pferde
Andrea und Hoschi zog es nach Süden und uns nach Norden zurück nach Windhoek, weshalb wir uns in Lüderitz wieder verabschieden mussten – nur um uns einige Stunden später etwas ausserhalb wieder über den Weg zu laufen. Wir entschieden uns für einen weiteren gemeinsamen Abend, konnten aber wegen der Kälte und des eisigen Winds weder das gemeinsame Grillieren - da half auch aller über dem Feuer gebraute Glühwein nichts – noch das gemeinsame Frühstück geniessen.
Wir wussten, dass
unsere holländischen Freunde mittlerweile auf dem Weg von Windhoek Richtung
Süden sein mussten und hofften sehr, ihnen irgend wo über den Weg zu laufen. Wir
überlegten lange hin und her, wo sie wohl am ehesten sein könnten, folgten dann
aber mangels gesicherter Informationen unserer eigenen Route nordwärts – um am
frühen Nachmittag bei unserem Ziel, dem Schloss Duiswib anzukommen und dort als
ersten den beigen Landy der Holländer zu erblicken. Mali überschlug sich fast
vor Freude, als sie Lakshmi wieder sah und sauste mit ihr auf dem Campingplatz
herum.
Wir steuerten auf unserem Weg nach Windhoek als letzte Station das Camp Geko an, von dem wir wussten, dass es auf einer von Schweizern geführter Farm liegt. Zuoberst auf dem Hügel mit fantastischer Aussicht über das ganze Tal schlugen wir unser Camp auf und gesellten uns nach einem selbst gekochten Abendessen (Klösse mit Fleischbällchen und Küribsmus) zu den anderen Gästen ins Restaurant und lernten schnell die Gastgeber Heidi und René kennen. Es war sehr spannend von beiden mehr über das Leben auf einer Farm in Namibia zu erfahren. Mali interessierte sich vor allem für ihre drei Hunde und die zwei Katzen und freute sich darüber, dass auch sie seit langem mal wieder ein wirklich von Herzen willkommener Gast war. Unsere Gespräche setzten sich auch am nächsten Morgen noch so lange fort, dass wir schliesslich erst am Mittag mit zwei Stunden Verspätung losfuhren. Aber es hatte sich auf jeden Fall gelohnt! Wir konnten noch Renés Sammlung seiner handgefertigten Messer, alles Unikate aus Materialen aus Namibia, bewundern und selbst ein Messer in Auftrag geben mit dem Zahn eines Wildschweins, den wir auf Hohenfels geschenkt erhalten hatten, als Griff. Als Wegzerrung nahmen wir noch eine von Heidis selbst gemachten Confis mit, Papaya und Ginger – fein! Nach einer eindrücklichen Passfahrt wieder in Windhoek zurück, mussten wir erst einmal unsere Vorräte wieder aufstocken. Obwohl es in Namibia eigentlich alles zu kaufen gibt wie in Europa, haben wir hier zum ersten Mal auf unserer Afrikareise Probleme ausreichend Frischprodukte einkaufen zu können – paradox! Entlang der ganzen Westküste Afrikas fuhren wir meist täglich, spätestens alle zwei Tage an kleinen Märkten oder Shops vorbei, wo wir uns mit Brot, Eiern und lokalem Gemüse (mindestens Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln) und Obst eindecken konnten. Hier in Namibia gibts alles, aber nur in den Supermärkten der grösseren Ortschaften und diese sind in hier etliche Tagesreisen von einander entfernt. Auf dem Weg zu unserem „Downtown“-Übernachtungsort in Windhoeks Zentrum, dem roof of africa, trauten wir unseren Augen kaum, als wir an Andreas und Hoschis Auto vorbei fuhren. Wir wähnten die Beiden in Botswana. Sie hatten das selbe Übernachtungsziel wie wir und so genossen wir nochmals einen gemeinsamen Abend und verabredeten uns für eine kleine 1. Augustfeier auf der Farm Hohenfels.
In Windhoek
gingen wir jetzt wieder unseren üblichen organisatorischen Tätigkeiten nach:
Karstens Als wir an unserem ersten Abend auf unserem Stamm-Campingplatz, dem Elisenheim ankamen, rannte Mali freudig und übermütig durch die Anlage, bis sie nach fünf Minuten hinkend zurück kam. Sie hatte sich am Zaune eine Kralle ausgerissen. Wir fuhren also gleich wieder zurück in die Stadt zum Tierarzt wo sie eine Antibiotikaspritze und ein Schmerzmittel bekam. Die Kralle musste entfernt werden, da Mali aber für zwei Tage später sowieso einen Termin hatte zur Sterilisation unter Vollnarkose wurde es bis dahin aufgeschoben. Am Freitag rückten wir also morgens früh um 7h30 im Tierspital ein. Barbara klärte mit dem Tierarzt noch verschiedene andere offene Fragen betreffend chippen, Impfungen, Bluttest, reisen mit Hunden etc. Sie durfte schliesslich sogar bei der Operation dabei sein. Karsten beobachtete das Geschehen lieber aus sicherer Entfernung. Mali war den ganzen Tag von der Narkose noch recht benommen und torkelte durch die Gegend. Jetzt ist sie aber schon fast wieder fit. Am meisten stört sie noch der Verband am Pfötli, den sie ständig versucht wegzureissen. Im Elisenheim haben wir auch wieder das Baslerpaar Paul und Irène getroffen, die wir schon von unserem ersten Aufenthalt hier kannten. Wir genossen einen Abend in ihrem schönen und warmen Mercedes-„Wohnmobil“ bei Schoggipudding und vielen Informationen für unsere Weiterreise. Wir geniessen es, dass wir hier beim Reisen in Namibia immer wieder auf Freunde treffen und auch einfacheren Zugang zu der einheimischen Bevölkerung haben als in Westafrika. Auch wenn die Namibianer anfangs häufig etwas distanziert wirken, tauen sie sehr schnell auf und sind unheimlich nett und hilfsbereit. In langen Gesprächen mit unseren Gastgebern auf den Farmen erfahren wir immer interessantes zu Land und Leuten. Am ersten August werden wir Uli morgens früh vom Flughafen abholen und dann gleich nordwärts aufbrechen um für vier Wochen die Hightlights von Namibias Mitte zu erkunden. Windhoek, 31. Juli 2006
Uli schreibt: Nachtflug nach Windhoek. Die grelle Morgensonne beendet alle Versuche, Schlaf zu finden. „Ist das schön hier“, schiesst es mir bei der Landung durch den Kopf - Keine Hochhäuser, keine Gewerbegebiete. Nur Buschlandschaft soweit das Auge reicht. Und irgendwo dazwischen der winzige Airport! Die Freude wird noch grösser als mir Barbara und Karsten durch die Glasscheibe bei der Passkontrolle winken. Dort muss ich mich damit abfinden, dass der Ausspruch: „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit“ nicht von ungefähr kommt. „So lange, wie die Leute hier warten, muss der Stempel im Pass handgemalt sein“, denke ich. „Ging doch zügig“, meint Barbara hinterher… Nächste Station: Windhoek. Mietwagen abholen. Dort das gleiche Spiel. Aber Geduld ist ja erlernbar… Ich bekomme einen Golf II, der vor zwanzig Jahren sicher ein Riesen-Hit war. Egal. Was gar nicht egal ist: Der Linksverkehr! „Mann, das konnten sich nur Leute ausdenken, die sich immer noch eine Königin leisten und Fish & Chips für die Grösste aller kulinarischen Errungenschaften halten“, fluche ich. Nach einem Frühstück und dem dringend benötigten Kaffee geht es hinaus aus der Stadt in Richtung Norden. Auch hier keine seelenlosen Glaspaläste und nur wenig Gewerbegebiets-Tristesse. Zum Glück. Dafür Savanne. Scheinbar endlos und nur durch die Strasse geteilt. Nach gefühlten zehn Stunden Fahrt und ein paar Mal Sekunden-Schlaf kommen wir in der Nähe des Waterberg-Plateaus zu einem kleinen Campground.(Anmerkung: Mein Auto ist fast neu, läuft leise und scheint keinen Sprit zu verbrauchen. Das soll sich noch ändern…) Der Ort, der idyllisch am Fuss einer Anhöhe liegt, heisst Hohenfels und ist das Reich von Roland. Er ist aus Dresden und hat seine Heimat irgendwann in den Achtzigern verlassen. Geblieben ist sein gemütlicher, sächsischer Dialekt, der mich angenehm an Zuhause denken lässt. Anders als Daheim ist es hier jedoch verdammt kalt und die Sonne geht in einer Geschwindigkeit unter, als ob jemand das Licht ausknipst. Auch die Temperaturschwankungen sind Gewöhnungssache: T-Shirt, kurze Hose und Schwitzen bei Sonnenschein. Schnell warm anziehen wenn Wind aufkommt! Und noch wärmer anziehen nach Sonnenuntergang!
Entsprechend schwer fällt der
Abschied und entsprechend spät brechen wir in Richtung Norden, nach Opuwo, auf.
Fenster zu, Lüftung aus! Als wir nach stundenlanger, staubiger Pistenfahrt
endlich einen Platz für ein Camp irgendwo im Busch finden, sind auch die Gläser
meiner Sonnenbrille mit einer feinen Staubschicht überzogen.
Auf der Weiterfahrt zaubern hohe Berge, bizarre Felsenlandschaft, Hochebenen mit leuchtendem Prärie-Gras, wilde Tiere, kurvenreiche und steinige Pisten, uralte Bäume, kahle Steinwüsten und zahlreiche Ausblicke tief ins Kaoko-Land Eindrücke, die ich sicher noch zu Hause verarbeiten werde. Das Staunen wird nur ab und zu durch das heftige Krachen der Stossdämpfer unterbrochen. (Anmerkung: Ich habe zum Glück keinen Platten. Nur ab und zu fahre ich den Wagen im weichen Sand in einem der trockenen Flusstäler fest. Wir bekommen langsam Erfahrung beim Schieben und Schaufeln und im Gebrauch der Sandbleche.) Dann: Bush-Camp irgendwo
in den Bergen. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein Himba-Mädchen auf einem
Maultier auf. Nach der
langen Bergetappe erreichen wir Puros. (Anmerkung: Schnell gefahrene Kurven auf
Schotterpisten mit spitzen Steinen machen grosse Löcher in Reifen. - Ich habe
einen Platten und Reifenwechseln geht inzwischen auch ziemlich schnell…) Das
schönste Camp Namibias schlängelt sich an einem trockenen Flussbett entlang.
Überall stehen uralte Bäume und saftiges, grünes Buschwerk im weichen Sand. Das
Gelände ist so weitläufig, dass man die nächste Campsite nicht einmal sieht. Wir
sind fast die einzigen Gäste. Der Elefanten-Dung, der überall herum liegt,
steigert unsere Hoffnungen, die Dickhäuter hier in der Wildnis zu erleben.
Die staubige Bergwelt in der Nähe von Seisfontein
erinnert an das Königreich von Mordor in „Herr der Ringe“. Die Vegetation wird
immer spärlicher, je näher wir der Küste kommen.
Immer noch beeindruckt setzen wir unseren Weg am
nächsten Morgen in Richtung Küste fort.
Die Erlösung kommt am nächsten Tag in Form
des Namib-Naukluft Nationalparks. Wir erfahren dort, dass Wüste selten wüst,
meist aber recht abwechslungsreich ist: Zunächst gibt sich die Namib in der
„Moonlandscape“ so kahl und öde wie das Death Valley in Kalifornien, danach ist
sie wieder dicht mit Gras bewachsen und bergig. Selbst einen Fluss tief unten in
einem
Unsere nächste Übernachtung in der Nähe von Solitaire bleibt nicht nur wegen der phantastischen Aussicht von einer Bergkuppe auf eine weite Hochebene und die dahinter liegenden Berge im Gedächtnis: René, der Schweizer Verwalter von „Camp Gecko“ (und Hersteller von individuell und handgemachten Messern), ändert möglicherweise mit der Frage „Wollt ihr nicht länger bleiben und hier auf der Farm ein bisschen arbeiten?“ die weiteren Reisepläne von Barbara und Karsten… Während die beiden überlegen, ob sie ihren Aufenthalt verlängern, geht meine Zeit hier langsam zu Ende.
Wir machen uns auf den Weg nach Windhoek, zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour. Der Kreis schliesst sich. (Anmerkung: Die Geräusche meines Autos werden schlimmer und die Vibrationen sind inzwischen so stark, dass ich beim Fahren eine Rückenmassage bekomme. Als ich das Auto abgebe, ist längst klar, dass die Selbstbeteiligung für die Versicherung fällig wird. Ich bin dennoch überrascht, als ich vom Manager erfahre, wofür: „Sorry, die Reparatur der Steinschläge in der Windschutzscheibe wird leider nicht übernommen“… ) Das letzte Wochenende verbringen wir in aller Ruhe auf dem wunderschönen Campground vom Elisenheim. Noch einmal ein Abendessen am offenen Feuer. Noch einmal intensiv den Sternenhimmel betrachten, der hier viel heller scheint als Zuhause und an dem die Sternschnuppen um die Wette fliegen. Noch einmal eine Stadtbesichtigung, eine Wanderung auf einen der Berge gleich in der Nähe. Noch einmal dasitzen und in die Ferne schauen. Da hinten irgendwo muss der Flieger starten, der mich zurück bringt. (Anmerkung: Als das Flugzeug in Frankfurt landet, rumpelt es. Haben wir einen Platten?) Windhoek, 30. August 2006
Ein paar Wochen in Namibia auf Camp Gecko arbeiten? – Das wärs doch! Jetzt mussten wir uns also nur noch darum kümmern, dass unser Namibiavisum, das anfangs September ausläuft, einmal mehr verlängert wird. Mit den Namibischen Behörden hatten wir ja schon so unsere Erfahrungen gemacht… In Windhoek brachten wir also schweren Herzens erst einmal Uli auf den Flieger. Wir hatten die vier Wochen mit ihm und seinen Sprüchen, den interessanten Gesprächen am Feuer und die Paolo Fusi – Lesungen unheimlich genossen. Es hatte uns gut getan, Afrika zur Abwechslung mit afrika-ungewohnten Augen zu sehen und vieles, woran wir uns schon lange gewöhnt hatten, erneut in Frage zu stellen. Der Abschied viel uns dementsprechend schwer. Am Flughafen wurde uns so richtig bewusst, dass Europa für uns gefühlsmässig viel weiter weg ist als nur 10 Flugstunden. Es war für uns einfach unvorstellbar, dass wir wie alle diese Leute, die fürs Einchecken anstanden, ebenso am nächsten Morgen wieder zuhause sein könnten. Obwohl fast alle Europäer waren, kamen sie uns vor wie aus einer anderen Welt. Mit ihnen verband uns genauso viel oder wenig, wie mit den fremden Kulturen, denen wir auf unserer Reise bisher begegnet sind. Das Gefühl, nirgends wirklich dazu zu gehören, hinterliess eine Leere, die zu unserer trüben Abschiedsstimmung passte. In den folgenden Tagen in Windhoek prüften und ergänzten wir noch verschiedenes an unserer Ausrüstung und deckte uns mit namibisch-europäischen Köstlichkeiten ein für eine allfällige Weiterreise. Falls es mit der Visaverlängerung nämlich nicht klappen sollte, würden uns nur wenige Tage für die Ausreise aus Namibia bleiben. 360 km weiter und zwei Tage später standen wir mit klopfendem Herzen in Walvisbay im Immigrationoffice. Hier sollte es gemäss Insiderinfos einfacher sein zu einer Verlängerung zu kommen als in Windhoek. Mittlerweile wussten wir, dass wir am Besten direkt mit dem Chef verhandeln. Wir erklärten ihm wortreich, dass wir nach unserer langen Reise durch Afrika in Namibia erst einmal unser Auto im grossen Stil hätten überholen müssen und uns deshalb die drei Monate nicht gereicht hätten, ganz Namibia zu bereisen. Unsere Reiseroute ging über die Vorstellungskraft des guten Mannes und er glaubte uns erst, als er unsere Pässe und die Autopapiere gründlich geprüft hatte. Aber dann ging es ruck-zuck. Unglaublich, nach nur 30 Minuten hatten wir unsere neuen Visa in den Pässen – zwar nur zwei anstatt drei zusätzliche Monate, aber wer will denn schon so lange arbeiten?
Wir gönnten uns
noch ein paar letzte arbeitsfreie Tage. Da Walvisbay nicht gerade der Brüller
ist, verbrachten wir eine Nacht im Nobelferienort Langenstrand. Hier sollen Brad
Pitt und Angelina Jolie ihr Kind bekommen haben. Uns haben der schmutzige Strand
und die eingesandeten
Villen nicht
sonderlich beeindruckt - aber vielleicht lag es auch nur am an diese Küste
allgegenwärtigen Nebel.
Daher zogen wir
das uns mittlerweile bekannte Swakopmund vor – und siehe da, hier schien
ausnahmsweise sogar die Sonne.
Am späten Samstagnachmittag kamen wir auf der Gecko-Farm an. Gut gewählt – am Wochenende wird auf der Farm nur das Nötigste oder nur zum „Vergnügen“ gearbeitet und wir konnten so unseren neuen Arbeitsalltag äusserst gemütlich angehen lassen. Als wir dann aber hörten, mit welchen Arbeitszeiten es ab Montag losgehen sollte, mussten wir erst einmal leer Schlucken: Von früh morgens um 7.00 Uhr bis 12.00 und nachmittags von 13.30 bis 17.30 Uhr wird auf Gecko gekrampft. Haben wir uns das freiwillige Arbeiten wirklich so vorgestellt??? –Klar, wir kriegen Kost und Logis, aber trotzdem. Am Sonntagabend vor unserem ersten Arbeitstag hätten wir am liebsten gleich wieder alles eingepackt und wären weiter gefahren. Wie sind wir nur auf diese hirnrissige Idee gekommen freiwillig zu arbeiten? Zu allem Übel fand in dieser Nacht auch noch die Umstellung auf die Sommerzeit statt und wir mussten faktisch also noch eine Stunde früher aufstehen. Dem Ganzen konnten wir nur einen überzeugenden Vorteil abgewinnen: Auf die häufige Frage nach dem schlimmsten Moment auf unserer Reise wussten wir nun erstmals eine Antwort.
Bevor es aber mit
Arbeiten so richtig zur Sache ging, konnten wir uns am Montag erst einmal mit
Plänen zeichnen beschäftigen und uns etwas auf der Farm umsehen. Neben dem
ursprünglichen Farmbetrieb lebt Gecko v.a. von den Einnahmen als Gästefarm. Über
die eigentlichen Farmgebäuden – Wohnhaus, Workshop, Farmstore, Fleischraum und
Angestelltenhäuser – läuft der Farmbetrieb.
Wir bauten nicht
wie ursprünglich vorgesehen an einem neuen Campingplatz. Die zwei bestehenden
Plätze decken den momentanen Bedarf an Campingmöglichkeit ausreichend. Zudem ist
auf Gecko leider auch immer alles eine Kostenfrage und der neue Platz wäre wohl
nicht nur unheimlich arbeits- sondern auch kostenintensiv geworden. Stattdessen
bauten wir den sechsten, erst halb fertig gestellten Bungalow von einer
2-Personen Schlafmöglichkeit in einen Familienbungalow um.
Mit
viel Enthusiasmus massen, schaufelten, mauerten, sägten, bohrten, schraubten,
nagelten, feilten und hobelten wir tagelang in der prallen Sonne. Auch wenn
Barbara zuerst v.a. die planerischen, organisatorischen und dolmetschen Aufgaben
übernahm, erprobte sie nach kurzer Zeit auch mehr oder weniger erfolgreich ihr
handwerkliches Geschick.
Und
sonstige Arbeiten gibt’s auf einer Farm immer genug. Karsten werkelte tagelang –
insbesondere an den Wochenenden - im Workshop herum und half René und Jos bei
der Reparatur der Farmfarzeuge, bei der Herstellung von Renés handgemachten
Messern und, und, und. Er nutzte natürlich auch gerade die Gelegenheit, einige
Dinge für unser Auto zu basteln wie Reservekanisterhalterung, Halterung fürs
Regendach, Verstärkung der kaputten Batteriehalterung und ein Sitzplatz für Mali
zwischen Fahrer- und Beifahrersitz. Als Folge davon musste er sich von René und
Jos immer wieder damit aufziehen lassen, dass er laufend das beste Material
abzügle und an unser Auto packe. Unser Auto sei vermutlich mittlerweile so
schwer, dass wir gar nie mehr losfahren könnten... Barbara half beim Kochen und
Waschen, Putzen der Bungalows und Versorgung der Tiere. Ihr gelang es, den
widerspenstigen Truthahn und seine Henne dazu zu erziehen, dass sie auf
Händeklatschen quer über die Farm in ihr Gatter und anschliessend in ihre
Schlafhütte marschierten.
Was es heisst, für eine solche Farm verantwortlich zu sein, erfuhren wir, als wir zwei Tage alleine mit den Angestellten zusammen die Farm und die Gäste betreuten. Eine tolle, interessante und lehrreiche Erfahrung. Das Schwierigste dabei war wohl der Umgang mit den Angestellten. Diese nutzten es nach Strich und Faden aus, dass ihre richtigen Chefs alle ausgeflogen waren. Sie liessen sich von uns kaum etwas sagen, benutzten Maschinen und Telefon die sonst für sie tabu sind und logen uns bei unserem Einschreiten frech ins Gesicht. Kein Wunder waren wir froh, als Heidi und René wieder zurück waren. Auf unsere Klagen hin erklärte uns René desillusioniert, dass dies die besten Arbeiter seien, die man hier kriegen würde. Schliesslich würden sie nicht saufen oder klauen und seien im Grossen und Ganzen anständig. Als wir hörten, in welchem Ausmass René und Heidi die Familie unterstützen, welche Privilegien sie im Vergleich zu Arbeitern auf anderen Farmen haben und welchen kameradschaftlichen Umgang auf Gecko herrscht, wuchs unsere Enttäuschung über dieses Verhalten nur noch mehr. Als
Ausgleich zu unserem Schaffen nahmen uns Heidi und René mit auf Farmdrives, wo
wir die unberührte Natur geniessen und nach den zahlreichen Wildtieren Ausschau
halten konnten – und nicht zu Vergessen: den flammenden Sonnenuntergang bei
Erbbeeren mit Schlagrahm erleben durften! Zweimal gönnten wir uns auch einen
Ausflug nach Solitaire zum besten Apfelkuchen Namibias und ins 60km entfernte
Rostock Ritz. Mitten in der Wüste gibt’s da Meeresfrüchte zu essen – bei
sensationellem Blick von der Terrasse auf das vom Sonnenuntergang rot gefärbte
Land.
Für
Mali waren diese sechs Wochen Gecko das wahre Paradies. Mit den drei Hunden
Stony, Pala und Look standen ihr immer genügend Spielgefährten zur Verfügung.
Das erklärte Lieblingsspiel war definitiv „alle auf Mali“ und es ging manchmal
Natürlich haben wir in unserer Geckozeit auch einige der interessanten Gäste beim gemeinsamen Abendessen in der Lapa kennen gelernt. Sie waren immer ganz fasziniert, wenn wir von unserer Reise erzählten und löcherten uns mit allerlei Fragen. Bei einer dieser Gelegenheiten haben wir auch wieder einmal mehr festgestellt, wie klein doch die Welt ist: einige der Gäste kannten unser geliebtes Fextal bestens und verbringen regelmässig Ferien dort. Riesig freuten wir uns über die Besuche von Freunden. Mit Bettina und Raaschad, die wir in Swakopmund kennengelernt hatten und die seit zehn Monaten durch das südliche Afrika reisten, verbrachten wir einen gemütichen Grillabend. Nicht schlecht staunten wir, als die Schweizer Freunde von René und Heidi, Eva und Fabian, auf der Farm aufkreuzten und uns grinsend erklärten, sie würden uns kennen und hätten schon Fotos von uns gesehen. Wie sich heraus stellte, hatten sie einige Wochen zuvor zufällig Sibylle und Christoph kennen gelernt, die damals auch gerade Botswana unterwegs waren. Schnell stellte sich offenbar heraus, dass sowohl Eva und Fabian die Gecko Farm kannten und Sibylle und Christoph Freunde haben, die zur Zeit gerade auf Gecko arbeiteten. So klein ist die Welt! Auf Gecko staunten wir immer wieder wie sparsam und überlegt mit den Ressourcen umgegangen wird. Gecko ist wie viele andere Farmen nicht ans Stromnetz angeschlossen. Der Strom für Licht und Telefon kommt täglich über drei Solarpanels und wird in vier Batterien zwischen gespeichert. Nur zweimal wöchentlich wird für ein paar Stunden der Generator angeworfen. In dieser Zeit wird im Haus alles erledigt, was Strom braucht: der Kühlschrank wird runtergekühlt, die Waschmaschine angestellt, wenn nötig die Nähmaschine in Betrieb genommen etc. Wasser – reines Trinkwasser - wird permanent über ein Windrad aus dem 120 Meter tiefen Bohrloch gepumpt. Wenn möglich werden die Waschtage mit den Bewässerungstagen kombiniert und neben der Windpumpe wir gleichzeitig mit dem Generator Wasser gepumpt und alle Wassertanks aufgefüllt. Ein grosser, offener Wasserspeicher dient auch gleichzeitig als Oeko-Swimmingpool, dessen Wasser anschliessend für die Bewässerung des Orangengartens gebraucht wird. Auch in der Werkstatt wird der kleine Generator erst in Betrieb genommen, wenn mindestens zwei Personen gleichzeitig Strom brauchen. Uns wurde auch erst auf Gecko wieder bewusst, welche Bedrohung ein Gewitter auch heutzutage noch darstellt. Falls ein Blitz irgendwo auf dem Farmgelände einschlägt, brennt das trockene Buschgras sofort lichterloh und die Sturmwinde tragen ihres dazu bei, dass das Feuer rasend schnell um sich greift. Kein Wunder, wird man auf einer Farm immer nervös, wenn ein Gewitter im Anzug ist. In der Lapa auf dem Berg, wo die ganze Farm überblickbar ist, wird dann jeweils Feuerwache gehalten – immer in der Hoffnung, dass das ausgeklügelte Notfall-Löschkonzept nicht zum Einsatz kommen muss.
Mit der Fertigstellung unserer Bauten näherte sich aber auch unsere Gecko-Zeit ihrem Ende. Auch wenn Barbara in den sechs Wochen ab und zu den Drang zur Weiterreise verspürt hatte, fiel uns der Abschied von Gecko schliesslich unheimlich schwer. Wir hatten auf Gecko nach neun Monaten Reisen erstmals wieder so etwas wie ein zu Hause gefunden und fühlten uns dort wohl. Um viele Freundschaften, Erfahrungen, Erlebnisse und zwei handgemachte Gecko-Messer reicher, verabschiedeten wir uns schliesslich Mitte Oktober von der Gecko-Crew und waren „on the road again“ Richtung Windhoek. In Windhoek blieb uns aber keine Zeit Trübsal zu blasen, da erwartete uns nämlich schon die nächste Überraschung in Form eines roten Toyotas. Nachdem wir uns vor drei Monaten im Süden Namibias endgültig von Sibylle und Christoph verabschiedet hatten in der Annahme, dass wir uns das nächste Mal wohl in der Schweiz treffen werden, staunten wir nicht schlecht, als die Beiden uns im Elisenheim erwarteten. Von den vielen Eindrücken gesättigt, haben sie ihre Pläne geändert und fliegen Mitte November nach einem Jahr Afrika von Namibia nach Hause zurück. Ihren Toyota werden sie hier verkaufen – falls also jemand Interesse hat … - oder für eine ihrer nächsten Reise unterstellen. So schnell ändern sich die Pläne in Afrika! Durch welche Länder es bei uns weiter geht, ist noch offen. Auf jeden Fall läuft unser Namibiavisum am 7. November ab und für uns steht nach wie vor fest, dass wir auf dem Landweg in die Schweiz zurück kehren wollen. Windhoek, 18. Oktober 2006
Die Namibische Einwanderungsbehörde überlegte sich bereits, uns das "Residence Permit" (Niederlassungsbewilligung) zu erteilen - doch nach fünf Monaten konnten wir uns am 5. November doch noch von Namibia losreissen. Den bekannten Caprivi Zipfel hoben wir uns für unsere letzte Namibia Woche auf – so zu sagen als Wiedereingewöhnungsprogramm für das richtige Afrika. Zuerst
mussten wir uns aber einmal mehr vom Elisenheim in Windhoek los reissen. Aus
unseren geplanten zwei, drei Tagen Windhoek wurde wieder mehr als eine Woche.
Auf unseren Ausflügen und abends in der Bar erzählte Andreas vom Leben als Farmer. Viel kam uns von unserer Geckozeit bekannt vor, nur dass Andreas noch die zusätzliche Schwierigkeit der Nähe zu Windhoek hat. So ist Diebstahl hier ein viel grösseres Problem als „auf dem Land“. Fast täglich werden entweder Holz vom Farmgebiet abgezügelt, Schwimmer der Wassertränke geklaut, Werkzeuge kommen weg und die letzte Diebesbande hatte nachts alle vier Räder eines 4x4 Fahrzeuges gestohlen während die Besitzer friedlich im Dachzelt schliefen! Deshalb patroullierte nachts seit Neustem ein bewaffneter Wächter im Elisenheim. Um sicherzustellen, dass die eigenen Angestellten nicht klauen liess sich Andreas eine wirksame Methode einfallen: Sind Ende Monat jeweils immer noch alle Werkzeuge gemäss Liste vorhanden, erhält jeder Angestellte einen Bonus. Genauso, wenn Ende der Mähsaison die Mähmaschine immer noch funktionstüchtig ist. Ein Farmer ist zudem auch gleichzeitig Kummeronkel, Vermittler und Friedensrichter für seine Angestellten, – da nicht jugendfrei, verzichten wir an dieser Stelle auf das von Andreas angeführte Beispiel… Zu unserer Freude – und ihrem Leid? – trafen wir im Elisenheim zufällig Thomas und Michi. Den beiden gehört die Autoumbaufirma Desert-Tec in Deutschland und sie haben das Hubdach von unserem Auto gemacht. Karsten stand natürlich sogleich bei den Beiden auf der Matte: „Ihr habt unser Dach gemacht – könnt ihr bitte mal schauen, weshalb es sich nicht mehr ganz öffnen lässt? – Und ihr kennt euch ja auch mit Motoren aus, denn wir haben da ein so seltsames Geräusch – und mein Luftfilter… - und…“. Ihre letzten beiden Ferientage verbrachten Thomas und Michi also unter ihrem, unserem und Christophs Auto. Die Folge davon ist, dass wir im Dezember nochmals zurück nach Namibia müssen um in Windhoek die neuen Gasdruckdämpfer für unser Dach abzuholen, die jemand aus Deutschland mitbringt.
Mit Sibylle und Christoph zusammen machten wir uns schliesslich einmal mehr auf nach Swakopmund. Während sich das Wetter in Windhoek seit unserem letzten Besuch verändert hatte und es nun fast jeden Nachmittag regnete, war es in Swakopmund wie immer: neblig und kühl. So hatten wir einen guten Grund, stundenlang in den Cafés und feinen Seafood Restaurants rumzuhängen.
Im Sophia
Dale Restcamp etwas ausserhalb von Swakopmund fühlten wir uns so wohl, dass wir
unsere Weiterfahrt Tag um Tag verschoben. Hier löst sich der Nebel etwas früher
auf und es ist wärmer als in der Stadt. Zudem stammen die Besitzer, Hendrik und
seine Mutter aus Karstens Heimat Thüringen. Für Karsten heimatliche Klänge, für
Barbara heimatliche Gerüche: aus Hendriks Skiraum breitete sich der unverkennbare
Duft von eingebügeltem Skiwachs aus. Hendrik bietet nicht nur das Dünenskifahren
an, sondern trainiert selber regelmässig in den Dünen um das jährlich
Infernosskirennen (15 km) in der Schweiz mitzufahren (www.ski-namibia.com)
. Ganz wichtig für unsere Heimatgefühle waren auch die gemütlichen Kino – sorry,
Videoabende im roten Toyota.
Aus Sibylles und Christophs verzweifeltem Versuch, wenigstens ein einziges Mal länger an einem Ort zu bleiben als wir, wurde auch dieses Mal nichts. Nach einer Woche Swakopmund brachen wir schliesslich am selben Tag auf – wir wegen unseren morgentlichen Mali-Spaziergängen und dem ausgedehnten Zmorgen allerdings zwei Stunden nach ihnen. Jetzt trennten sich unsere Weg definitiv: Sie zog es zurück nach Windhoek und in die Schweiz, uns zog es erst mal Richtung Norden in den Caprivi und dann nach Südsambia. In Omaruru wollten wir eigentlich die Herausgeber des Reiseführers „Namibia –en route“ besuchen. Wir hatten sie in Lüderitz kennen gelernt. Aus dem Besuch wurde allerdings nichts, die beiden waren wohl gerade „en route“. Dafür schauten wir beim einzigen Weingut Nambias vorbei. Trotz nicht idealer Weinbedingungen wird hier Wein angebaut, der, wie wir bei der Degustation feststellten, gar nicht mal so schlecht schmeckt – schon gar nicht nach dem dritten Glas… Zwar nicht mit Wein dafür mit einer Flasche Grappa im Gepäck ging es für uns weiter Richtung Norden. Nach mehrfacher Empfehlung freuten wir uns schon auf das feine Essen im Roys Camp. Als wir aber nach 400km Teerstrassen-Blochen und 2 Stunden Einkaufen in Otjworngo erschöpft am späten Nachmittag im Camp ankamen, zerplatzen unsere Dinnerträume wie Seifenblasen: Hunde sind im Camp absolut verboten. Der jungen Frau an der Reception war es überhaupt nicht recht und sie setzte alle Hebel in Bewegung, um uns doch noch im Camp übernachten zu lassen – leider ergebnislos. Und auf den nächsten 120 km bis nach Rundu gibt es kein weiteres Restcamp mehr. Also seit langem mal wieder ein Bushcamp, wohl oder übel. Die Receptionistin hatte solches Mitleid mit uns als sie in unsere enttäuschten, müden Gesichter schaute, dass sie uns drängte, mindestens rasch die WCs und Duschen des Campings zu benützen. Immer noch müde, aber zumindest wohlriechend, machten wir uns wieder auf den Weg ohne die geringste Chance, in den Zäunen entlang der Teerstrasse eine Lücke zu finden um in den Busch zu gelangen. Nach 70 km überquerten wir endlich den Veterinärszaun, in der Hoffnung, nun wieder „Zaunfrei“ zu sein. Tatsächlich erwarteten uns unmittelbar hinter dem Veterinärszaun wieder die typischen afrikanischen Lehm- und Strohhütten in kleinen Siedlungen mit lachenden Kindern, Ziegen, Esel und Kühen auf den Strassen und streunenden Hunden. Der Veterinärszaun kam uns regelrecht vor wie eine Staatsgrenze. Nach der Überquerung erwartete uns eine andere Welt – aber immer noch Zäune entlang der Strasse und zusätzlich Siedlungen. Weitere 30 km später fanden wir dann doch noch ein Plätzchen, mehr schlecht als recht. Aber es reichte immerhin aus, dass wir zwischen unseren nächtlichen zwei- und vierbeinigen Besuchern doch noch ab und zu mal ein Auge zu tun konnten. Mit Erreichen des Okavango-Flusses waren wir nun endlich im Caprivi. Schon einige Kilometer nördlich hatte sich die Landschaft allmählich zu verändern begonnen und jetzt wähnten wir uns zurück in den feuchten, immer grünen, üppigen Tropen – und das im Wüstenland Namibia! Nur fünf Flüsse in Namibia führen ständig Wasser, drei davon befinden sich im Caprivi. Deshalb und wegen der höchsten Niederschlagsmenge hat der Caprivi den grössten Wasserreichtum des Landes. Der Okavango, Kwando und Sambezi sind auf weiten Strecken Grenzflüsse. In Jahren mit hohem Niederschlag überfluten sie riesige Gebiete im Caprivi. Nur schon ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass der Caprivi eine Spezialität ist: Der Caprivi-Zipfel erstreckt sich als ein nur ca. 40 km schmales Band rund 400 km nach Osten. Der Reichskanzler von Caprivi erhandelte diesen Landstreifen 1890 von Grossbritannien um über den Sambezi eine schiffbare Verbindung zwischen Namibia und den deutschen Kolonien in Ostafrika zu schaffen. Allerdings wusste er nicht, dass nur wenige Kilometer nach dem Caprivi die berühmten Victoriafälle diesen ausgeklügelten Plan zunichte machen. Der Caprivi ist wieder „richtig“ afrikanisch – leider auch im Bezug auf Krankheiten wie Malaria und AIDS. Unsere erste Nacht am Okavango verbrachten wir auf einem schönen Lodge-Campingplatz direkt am Flussufer. Im gemächlich dahin fliessenden Wasser konnten wir in nur wenigen Metern Entfernung immer wieder auftauchende Hippos beobachten. Ihr Schnauben und Plantschen geleitete uns nachts sachte in den Schlaf. In dieser Lodge merkten wir wieder einmal, wie klein doch die Welt ist: Wir trafen Schweizer mit nahen Verwandten im Fex, die auch wir gut kennen. Am nächsten
Morgen schmuggelten wir Mali in den Buffalo (bzw. Bwabwata) National Park und
rollten drei Stunden kreuz und quer durch den Park auf Pirschfahrt. Nachdem am
Vortag mit dem ersten grossen Regen bereits die Regensaison eingeläutet wurde,
sahen wir nicht ganz so viele Tiere, wurden aber mit einer bezaubernden
ursprünglichen Landschaft belohnt.
Auf der Transitstrasse (hier ist es mit Mali kein Problem) ging es durch den Bwabwata National Park weiter Richtung Osten. Die Elfanten, vor welchen mit Strassenschildern immer wieder gewarnt wurde, sahen wir nicht, aber dafür kreuzte eine ganze Herde der seltenen Rappenantilopen direkt vor uns die Strasse. Fantastisch! Am Ende des Parks, in Kongola, wollten wir in dem im Reiseführer angekündigten Supermarkt unsere Vorräte aufstocken. Ausser Büchsen gabs nichts… Als Entschädigung gönnten wir uns ein superfeines Znacht in der luxuriösen Namshushame-Lodge mit Blick auf den Kwando-River. Trotz oder gerade wegen Mali wurden wir von der Managerfamilie ganz herzlich aufgenommen (trotz Hundeverbot…). Sie warnten uns aber eingehend vor dem aggressiven Hippo, das neuerdings nachts zum Grasen auf den Campingplatz kommt. Es hätte schon mehrfach Leute angegriffen und sie hätten es deshalb bereits versucht zu schiessen – obwohl sie hierfür erst eine Bewilligung des entsprechenden Amtes in Windhoek bräuchten. Mit vor Angst zitternden Knien und mit Mali an ganz kurzer Leine schlichen wir in der Dunkelheit vom Restaurant zurück auf den Campingplatz und retteten uns rasch ins sichere Auto. Vom Hippo sahen und hörten wir allerdings die ganze Nacht über nichts.
Die Ausreise aus Namibia verlief unspektakulär und zügig. Der Beamte interessierte sich keinen Deut für unsere Visa und deren Ablaufdatum – bei Barbara stempelte er das vor bereits 2 Monaten abgelaufene Visum ab… Good bye Namibia - wir haben die Zeit auf der „europäischen Insel“ in Afrika genossen und unsere Batterien für die Weiterreise wieder aufgeladen! Lusaka, 13. November 2006
In der Chronologie geht es hier weiter mit den Reiseberichten über Sambia und Botswana, bevor anschliessend unten der letzte Reisebericht über Namibia folgt.
Mit zittrigen Knien standen wir vor dem Einreiseschalter. Lassen sie uns nochmals nach Namibia rein oder merken sie, dass wir anstatt der erlaubten 3 Monate bereits 5 im Land waren? Aber die junge Frau hinter dem Schalter in ihrer weisen Uniformbluse ist so ins Gespräch mit ihrer Kollegin vertieft, dass sie nicht merkt, dass Barbaras Pass voller Namibiastempel ist. Ruck-zuck und ein weiterer Namibiamonat ist gebongt. Wir verzichten grosszügig auf die erneute Bezahlung der 25.- € Raod Tax. Dafür legten wir unsere alte, abgestempelte Road Tax-Quittung später einige Minuten ins Wasserbad und schon war der Ausreisestempel weg. Noch ein wenig Zerknittern und alle späteren Checkpoints glauben uns, dass dies die Originalquittung ist, die leider in der Hosentasche einen Waschgang mitgemacht hatte. Nach einer
direkt an der Grenze verbrachten Nacht glitten wir die restlichen 350 km über
den blumengesäumten Trans-Kalahari-Highway westwärts sanft und rasch nach
Windhoek. Und dort wurden wir von einem Phänomen eingeholt, wie es wohl jeder
nach seinem Urlaub kennt: Kaum zurück, kommt es einem vor, als wäre man nie weg
gewesen. Sofort holte uns der Windhoek-Alltag wieder ein und die Wochen Sambia
und Botswana rückten als schöne Erinnerungen in weite Ferne. Wieder trautes
Elisenheim, wieder bekannte Gesichter unter Einheimischen und Reisenden, wieder
Autobasteleien, wieder geliebtes Kaffee Zoo, wieder ewig lange Internetbesuche,
wieder Einkaufshektik, wieder Organisationsstress, wieder Take Away-Pizza, aber
neu: Filmabende mit ausgeliehenen DVDs. Dieses Mal in Wenn schon wieder Namibia, dann natürlich auch Gecko. Um einem Ramba-Zamba Wochenende im Elisenheim auszuweichen zogen wir unsere Stippvisite auf Camp Gecko kurz entschlossen vor und kehrten Windhoek für drei Tage den Rücken. Überraschung und Wiedersehensfreude waren gross – nicht zuletzt wegen mitgebrachter Pizza und Apfelkuchen. Auf Gecko ist das Meiste gleich geblieben, einiges hatte sich aber auch verändert: Bei den gemütlichen gemeinsamen Znachts und dem Spielabend gings wie immer hoch zu und her. Es war fast wie ein nach Hause kommen. Sogar der obligate nächtliche Sturmwind stellte sich pünktlich ein und bescherte und den typischen unruhigen Gecko-Schlaf. In Heidis Sohn Luca, der seine Sommer-Weihnachtsferien auf der Farm genoss, hatten wir einen treuen Begleiter und Mali einen nimmer müden Spielgefährten gefunden. Die drei Gecko-Hunde glänzten mit Kurzzeitgedächnis und knurrten Mali zur Begrüssung erst einmal an. Erst am zweiten Tag gestanden sie ihr ihren alten Platz im Rudel wieder zu. Die zwei kleinen Stinktiere wurden in die grosse Wildnis entlassen und der armeegrüne Pinzgauer hatte sich mittlerweile in ein attraktives Pijamapferd verwandelt. Und wäre nicht ausgerechnet dieser Montag ein staatlicher Feiertag gewesen, hätten wir vielleicht doch noch die grosse Gecko-Vieh-Impf-Aktion miterlebt … Gecko eben, wie wir es kennen und lieben. Entsprechend schwer viel uns der Abschied, aber unsere To-Do-Liste in Windhoek wartete. Zufällig hatten wir leider erst in den letzten Tagen einen Namibianischen Lederhändler kennen gelernt, der etwas von der Schuhmacherei versteht und sich auf für orthopädische Schuhe interessiert. Er hatte sogar vor einiger Zeit mit einem von Karstens ehemaligen Lehrern mehrere Kurse in Namibia durchgeführt. Gerne hätte er auch gleich Karsten engagiert. Aber ein oder zwei weitere Monate in Namibia? Nein, was zu viel ist, ist zu viel – aber vielleicht eine Chance für einen von Karstens Berufskollegen zu Hause, wer weiss? Mit der
Begründung noch auf Post von zu Hause warten zu müssen, konnten wir unsere
Abfahrt vom Elisenheim mit gutem Gewissen von Tag zu Tag hinaus schieben. Aber
dann traf zumindest ein Teil der Weihnachtspost ein (allerdings nötigten wir die
arme Frau auf der Post, die gesamten eben mit dem Flugzeug eingetroffenen
Postsäcke nach unserem Paket aus Deutschland zu durchsuchen) und das Elisenheim
gab zu unseren Ehren eine rauschende Abschiedsparty – oder so…
Cape Town, 24. Dezember 2006
In der Chronologie geht es hier weiter mit dem ersten Reisebericht über Südafrika.
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