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Republik Kongo          16.5. -26.5 2006

Am frühen Morgen, noch vor 8 Uhr, standen wir mit unseren drei Autos in Doussala an der Grenze zur Republik Kongo. Wir machten uns auf ein langwieriges Einreiseprozedere gefasst. Widererwarten ging es aber für afrikanische Verhältnisse recht flott von statten – vielleicht gerade wegen der frühen Morgenstunde. Unter dem Titel „Einreise“ mussten wir zwar während mehreren Kilometern immer wieder bei verschiednen Kontrollposten anhalten und die Papiere vorzeigen, die häufig minutiös in Hefter und Bücher abgeschrieben wurden. Alles lief aber sehr freundlich und korrekt ab. Unser Wageninneres wurde einzig mit einem kurzen Blick überprüft.

 In Nyanga, rund 40 Kilometer nach der eigentlichen Grenze mussten wir uns bei der Immigration und dem Zoll melden, um die offiziellen Einreisestempel in Pässe und Autopapiere zu erhalten. Und da wurde es dann doch etwas komplizierter: Einer der Beamten misstraute dem Foto in  Jeroens Pass und behauptete, dies sei ein Bild einer Frau. Wir hielten das ganze für einen Witz und Jeroen erklärte lachend, es sei seine Schwester. Bald merkten wir aber leider, dass es dem Beamten mit seiner Behauptung ernst war. Er wollte Jeroen den Pass nicht mehr zurück geben. Auch der Vergleich mit dem Foto im Führerausweis half nichts. Erst der herbeigerufene Chef  konnte das Problem lösen, als er seinem Untergebenen erklärte, dass eines der Fotos eine Frontaufnahme und das andere eine Profilaufnahme und dies mit Sicherheit ein Passfoto von Jeroen sei. Der Chef wollte dann bei dieser Gelegenheit gerade noch das Impfbüchlein von Mali sehen, verglich aber nur rasch das Foto im Ausweis mit unserem im Auto herumkletternden Hund. Im nächsten Büro wollte der Zöllner vor dem Abstempeln der Autopapiere alle mitgeführten elektronischen Apparate aufgezählt haben. Es passte ihm nicht, dass unsere Fotoapparate, GPS etc. nicht im Carnet aufgeführt waren. Wir mussten ihm also erst erklären, dass im Carnet nur die fest installierten Autozubehörteile aufgelistet sind. Anschliessend unterzog er das Innere der Autos einer genauen Inspektion. Er wollte wissen, was wir in unseren Kisten so mitführen und zeigte Barbara drei Kisten, die sie ihm öffnen musste. Pech gehabt – er hat unsere einzigen drei Kleiderkisten erwischt. Aber auch da gabs was auzusetzen: Karstens alte Militärhose erregte Missfallen und es brauchte Barbara einige Nerven, dem Zöllner klar zu machen, dass  es sich hierbei um normale Allzweckbekleidung handelt. Das dritte Büro, wo wir unsere Einreisestempel erhalten sollten, war verwaist. Barbara musste den Beamten erst mit dem Auto von einer Beerdigung abholen. Einmal im Büro gings dann aber ruck-zuck, bis der Beamte feststellte, dass Karsten und Sibylle dieselbe Visum-Nummer hatten. Wieder einmal hatte eine Botschaft geschlampt und wir mussten es ausbaden. Zum Glück war der Beamte aber verständnisvoll und liess uns nach einigem Hin und Her am frühen Nachmittag ziehen.

 

 

Unser Weg führte uns durch eigenartig und eindrucksvolle hüglige Graslandschaft und vorbei an winzigen kleinen Dörfern, die häufig nur aus drei oder vier Lehmhäusern bestanden. Aber jedes Haus verfügte über einen kleinen sandigen und teilweise mit etwas grün bepflanzten Vorhof, der blitzblank gefegt war. Die Leute standen am Strassenrand und winkten uns freundlich zu. Zum ersten Mal seit zwei Monaten hatten wir nun auch wieder richtig blauen Himmel – fertig mit der milchigweissen  Decke. Nach einigem Suchen fanden wir gegen Abend einen wunderschönen Platz für ein Bushcamp in einer ehemaligen Kiesgrube und feierten unseren ersten Tag Kongo mit Bier, Martini, Chips und Oliven, während Mali und Lakshmi durch das Gelände tobten.       

                 

Dieser schöne Platz war ideal um am nächsten Morgen mit einem Überraschungsfrühstück in Sibylles Geburtstag zu starten. Die ballongeschmückte Tafel präsentierte Porridge, frische Grapefruit und Ananas, Eier, Brötchen mit Butter, Confi, Honig und Nutella und natürlich dampfenden Kaffee. Und Barbara und Karsten freuten sich über einen endlich wieder einmal etwas späteren morgentlichen Start (ca. 08h30…). 

Via Mila-Mila und die Malaysian Road, die so neu ist, dass sie in unseren Michelinkarten noch nicht verzeichnet war, wollten wir an diesem Abend noch Pointe-Noire an der Küste erreichen. Sibylle plante schon ihr exklusives Geburtstagsabendessen im Yachtclub – ohne aber die afrikanischen  Uhren, die immer etwas langsamer ticken, zu berücksichtigen. So begann die erste Verzögerung schon nach rund 50 km, als wir vom ersten Checkpoint komplett gefilzt wurden. Wir mussten nicht nur den netten aber schwerfälligen Beamten sämtlich Angaben aus unseren Pässen buchstabieren, damit sie diese  - am Schluss erst noch falsch - in ihre Hefte übertragen konnten, sondern mussten unter ihren Augen auch unsere Fahrzeuge ausräumen. Bei fast 40° im Autoinneren musste Barbara sämtliche unserer 12 Kisten eine nach der anderen rausnehmen und dem freundlichen und gesprächigen aber äusserst pflichtbewussten Beamten deren Inhalt, bzw. den Boden der Kiste zeigen. Der Beamte wollte sich davon überzeugen, dass wir keine Waffen bei uns hatten. Er hätte dieses Vorgehen von uns Europäern gelernt – vermutlich aus einem billigen TV-Krimi. Falls wir jemals etwas schmuggeln möchten, kennen wir jetzt zumindest die Stellen im Auto, die nie kontrolliert werden… Diese ganze Kontrollaktion hatte uns über eine Stunde Zeit gekostet – dafür keinen Rappen Geld (oder drei frische Fische, wie wir es bei einem Lastwagenfahrer beobachten konnten).

 In Mila-Mila zeigte unser GPS 100km Luftlinie bis nach Pointe-Noire an. Die effektive Distanz war auf der kurvigen Berg- und Talstrasse aber mindestens doppelt so gross und das bei einer schrecklich sandig-holprigen Piste.

                    

Kurz vor dem Eindunkeln waren wir noch immer 50 km Luftlinie von Pointe –Noire entfernt und fanden erst nach langem Suchen einen geeigneten und wie sich herausstellte sehr schönen Platz auf einer Anhöhe für unser Bushcamp. Sibylle musste sich ihr Geburtstagsessen nun leider selber kochen. 

 

Schon kurz vor Mittag kamen wir am nächsten Tag in Pointe-Noire an und fuhren auf direktem Weg zum angolanischen Konsulat. Dort erklärte man uns, dass erst morgen Freitag wieder Visa-Tag sei, dass nur 7 Anträge pro Visa-Tag entgegen genommen würden und wir deshalb möglichst früh da sein müssten, da wir ja 6 Personen seien. Wir würden nur ein 5tägiges Transitvisum für die angolanische Exklave Cabinda erhalten und müssten wohl 5 Arbeitstage darauf warten. Für ein normales Visum betrage die Wartezeit mindestens 2 Wochen und multiple Entry (für die anschliessende Einreise nach Angola) gäbe es nicht mehr. Für den Antrag müssten wir ein Begründungsschreiben zH. des Consuls vefassen (mit Computer!), ein Passfoto und Fotokopien mitbringen von unserem Pass mit dem Kongo-Visum mit Einreisestempel und von unserem gesamten Impfbüchlein. Dieses Transitvisum würde uns 20'000 CFA (ca. 32 €) kosten.

 Mit diesen gesammelten Informationen machten wir uns erst einmal auf den Weg einen geeigneten Übernachtungsplatz in Pointe-Noire zu suchen. Nicht einfach! Dank Tipps von anderen Reisenden landeten wir schliesslich im Yachtclub von Pointe-Noire. Dort durften wir uns direkt am Strand hinstellen und WC und Dusche des Yachtclubs benutzen – und das alles erst noch gratis! Am späten Nachmittag erhielten wir Gesellschaft von weiteren Overlandern. Die zwei Pärchen aus Bern sind wie wir von der Schweiz aus unterwegs mit ihren Autos nach Südafrika. Das war natürlich ein grosses Hallo und wir hatten viel zu erzählen - aber auch ein Problem mehr: Jetzt waren wir bereits zehn Personen, die am nächsten Morgen ein Visum beantragen wollten. Schnell entschieden wir uns dafür, geschlossen aufzutreten und zu versuchen, die Visa als Gruppe zu beantragen und somit die Limite der 7 Anträge pro Tag zu umgehen. Schnell tippten wir noch das Antragsschreiben  in den Labtop und erstellten in der Stadt die nötigen Fotokopien und Briefe. Gegen Abend erhielten wir noch Besuch von Martin. Wie schon andere, erzählte auch er, dass wir uns wohl jetzt schon besser auf eine 2wöchige Wartezeit für unser Transitvisum einrichten sollten. Martin ist mit seinem Motorrad und seinem Surfbrett von  Deutschland nach Kapstadt unterwegs ist. Wir sind also definitiv nicht die einzig Verrückten auf dieser Welt!

Am nächsten Morgen vor der Botschaft erweiterten wir unsere fiktive Reisegruppe spontan noch um ein weiteres Mitglied: Tom, der mit seinem Velo nun schon seit drei Jahren unterwegs ist von England nach Südafrika ( www.tomthepom.org.uk ), versuchte nun schon seit einer Woche einen  Visumsantrag zu stellen und wurde immer wieder weggeschickt wegen fehlender Kopien und Antragsschreiben oder als Überzähliger. Unsere Strategie hatte Erfolg und wir durften uns tatsächlich alle als Gruppe um Visa bewerben. Vorher mussten wir aber unsere Fotokopien nochmals neu erstellen, da jede Kopie auf einem separaten A4 Blatt zu sein hatte und wir natürlich aus papier- und geldsparenden Gründen mehrere Kopien auf dem selbe Blatt platziert hatten. Bevor dann 3 Leute aus unserer Gruppe ins Konsulat rein durften, um für alle Gruppenmitglieder die Antragsformulare auszufüllen, musste sich Tom bei Jeroen noch geschlossene Schuhe ausborgen – Männern mit offenen Schuhen wird der Zutritt zum Konsulat verwehrt. Nachdem wir für alle die 4seitigen Fomulare den etwas seltsamen Vorstellungen der Rezeptionistin entsprechend ausgefüllt und unterschrieben! hatten, verschwand diese mit unseren Pässen im Büro des Schreiberlings. Als sie wieder erschien, erklärte sie, dass grundsätzlich alle ausser Rielle und Tom ein Visum erhalten würden. Bei ihnen beiden sei nicht mehr genug Platz im Pass für das Visum, da eine ganze Seite, d.h. Vorder- und Rückseite frei sein müssten. Beide hatten noch mehrere freie Seiten im Pass, aber der willkürlichen Stempelanordnung der einzelnen Zöllner wegen eben keine freien beidseitigen Seiten mehr.

Nun begannen die endlosen Diskussionen, begleitet von einem vorgetäuschten Nervenzusammenbruch von Rielle und der Unterstützung verschiedener anderer Wartender. Die Situation war auch wirklich verzwickt: Ohne Visum konnten wir nicht weiterreisen und ein Visum wollte das Konsulat nicht ausstellen ohne freie Seite – was für Rielle und Tom bedeuten würde, dass sie einen neuen Pass bräuchten. Zurück konnten wir natürlich nicht, da wir für keines der vorherigen Länder mehr ein gültiges Visum besassen. Im Kongo konnten wir nicht ewig bleiben, da wir nur ein 15tägiges Visum erhalten hatten. Für einen neuen Pass hätten wir nach Kinshasa fahren müssen, was wir aufgrund der Distanz, der gefährlichen Strecke und der anstehenden Wahlen auf keinen Fall wollten. Zudem beträgt die Wartezeit für einen neuen Pass mehrere (ca. 8) Wochen. Und wenn die Vorschriften für das zweite Visum das wir uns anschliessend in der DRC für Angola besorgen müssten gleich blieben, hätten auch Karsten und Jeroen das selbe Problem mit ihren Pässen

Irgend wann nahm sich ein freundlicher in eleganten Anzug gekleideten Mann unser an. Er machte einige Telefonanrufe, sprach mit der Rezeptionistin  und erklärte uns dann, dass wir alle unsere Visa erhalten würden – noch heute Nachmittag oder spätestens Montag. Er stellte sich uns als Tourismusminister von Cabinda vor und hinterliess uns seine Handynummer für weitere Notfälle. Wir freuten uns natürlich über diese Wende, trauten der Sache aber noch nicht so richtig.

Über Mittag wurden wir aus dem Konsulat rausgeschickt und am Nachmittag wollten sie uns nicht mehr reinlassen, sondern vertrösteten uns auf Montag. Das ganze Wochenende hatten wir jetzt Zeit uns worst-case-Szenarien auszumalen und nach Lösungen zu suchen. Daneben verbrachten wir die Zeit mit Wäsche waschen, ausgedehnten Strandspaziergängen mit den Hunden, Sudoku, Berichte schreiben und feinen Abendessen.

Am Montag erschienen wir wie geheissen um 9 Uhr auf dem Konsulat – und warteten dort geschlagene 6 Stunden zu elft vor dem Eingangstor in der Sonne. Es war ätzend aber es half offensichtlich: Nachmittags um 15 Uhr waren wir alle, auch Rielle und Tom, im Besitz eines 5tägigen  Transitvisums. Wir wissen nicht, was im Endeffekt geholfen hat, aber wir hatten das Visum in Rekordzeit, wie uns alle Insider versicherten.

Die anderen beiden Schweizer Pärchen fuhren am nächsten Tag los Richtung Cabinda, da ihr Kongo-Visum an diesem Tag ablief. Wir entschieden uns für zwei richtige Ruhetag an der Beach.

Nachdem  wir Caroline, die mit ihrem Boot schon 2x um die Welt gesegelt ist, kennen gelernt hatten und Jeroen den Mitarbeitern im Yachtclub erklärt hatte, wie die Segelboote startklar gemacht werden, durften wir zum Dank jederzeit segeln gehen – was wir natürlich mit Begeisterung ausnützten. Wer hätte gedacht, dass wir im Kongo Segelferien machen!

 

Pointe-Noire war auch sonst ein schöner Ort zum bleiben. Dank den vielen Expats gabs hier jeden erdenklichen europäischen Luxus. Zwar für unser Verständnis zu horrenden Preisen, aber manchmal muss man sich ja etwas Luxus gönnen. So gingen wir ab und zu im Yachtclub essen und genossen die grandiose Aussicht von der Terrasse. Wir leisteten uns sogar ein exquisites Japanisches Mittagessen mit 8 Gängen! Als wir am Donnerstag aufbrechen wollten, kam uns zum Glück noch rechtzeitig in den Sinn, dass Auffahrt wohl auch in Kongo ein Feiertag ist und wir wussten dass an Sonn- und Feiertagen die Grenzen in Cabinda geschlossen sind. Also blieben wir einen weiteren Tag in Pointe-Noire.

 Nach 10 Tagen Kongo gings am Freitag definitiv los Richtung Cabinda. Die Ausreise verlief rasch und problemlos.

Wir waren zwar ganze 10 Tage in der Republik Kongo, müssen aber gestehen, dass wir in dieser Zeit nur gerade mal den südwestlichen Zipfel des Landes sahen. Dieser Teil mit seinen freundlichen Leuten hat uns aber gut gefallen. Es scheint uns, dass dieser Teil des Landes vom Krieg recht verschont blieb und im Vergleich zu Westafrika ein gewisser Reichtum, wenn auch nur ein winzig kleiner in Form von guten, schönen Kleidern, vorhanden ist.

Opuwo, 13. Juni 2006