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Sambia
5.11. - 21.11.2006
Auf nach
Sambia – zurück nach Zentralafrika. Schon bei der Einreise merken wir, dass wir
das südliche Afrika verlassen hatten und zurück waren im zentralafrikanischen
Bürokratie Dschungel. Hier noch ein Formular ausfüllen, da alle Angaben in zwei
Bücher eintragen, weiter ins nächste Büro für die Zollformalitäten und raus in
die zwei behelfsmässigen Baracken für Versicherung und lokale Strassengebühr.
Trotzdem gings relativ zügig und es herrschte eine angenehme Atmosphäre. Die
Grenzbeamten hatten wieder Zeit für ein Pläuschchen und waren jederzeit für
einen Scherz zu haben. Uns war aber nicht mehr zum Scherzen zumute, nachdem wir
alle vorgeschriebenen Gebühren bezahlt hatten: je 25 US$ fürs Visum, 67 US$
Treibstoffgebühr, 15 US$ für 30 Tage Fahrzeugversicherung und 5 US$ lokale
Strassengebühr, Total 137 US$!!! Karsten hätte am liebsten wieder rechtsumkehrt
gemacht. Aber wir hatten ja schliesslich schon bezahlt….
Nach der
Grenze gings Richtung Norden über eine kleine, holprige Piste, alles entlang
dem Sambesi River. Wir passierten unzählige kleine Strohhüttendörfer mit
lachenden und winkenden Kindern am Pistenrand. Die Frauen sahen wir wie immer
entweder beschäftig mit harter Feldarbeit oder Wasserkanistern und Feuerholz auf
dem Kopf herbei schleppen, während die Männer in geselligen Runden unter den
schattenspendenden Bäumen sassen. In der afrikanischen Kultur gibt es eine
strenge Arbeitsteilung: die Frauen verrichten die täglich anfallenden Arbeiten
wie Feldarbeit, Kochen, Wasserholen, Feuerholzsammeln, Waschen, und
Kindererziehung während die Männer für die periodisch anfallenden, körperlich
strengeren Arbeiten zuständig sind wie Hausbau, Rohdung und Jagd. Im laufe der
Zeit ist nun aber die Arbeit der Männer durch viele Hilfsmittel erleichtert
worden, wohingegen die Frauen für Wasser und Feuerholz häufig viel weiter gehen
müssen als früher und nach wie vor auf die traditionellen Hilfsmittel angewiesen
sind. Kein einfaches Leben! Früher halfen jeweils die Kinder ihren Müttern bei
der Arbeit. Heute fehlt auch diese Arbeitskraft aufgrund der Schulpflicht (die
täglichen Schulwege der Kinder nehmen zudem teilweise mehrere Stunden in
Anspruch). Diese Kehrseite der Medaille mag auch erklären, weshalb nicht alle
Kinder in den Genuss einer Schulbildung kommen.
Auf unserer
Fahrt konnten wir immer wieder grandiose Ausblicke auf den träge dahin
fliessenden Strom geniessen. Es war kaum vorstellbar, dass dieses ruhige Wasser
einige Kilometer nördlich auf der ganzen Breite über die Felsstufe der
Ngonye-Falls weiss schäumend herab stürzt. Aber dem ist tatsächlich so. Gleich
neben dem Wasserfall konnten wir auf einem ganz einfachen und buschigen Platz im
Sand campieren – und das für teure 10 Franken! Aber schön wars. Diesen Tipp
hatten wir von einem deutschen Paar erhalten, dass wir unterwegs gekreuzt
hatten. Mit ihnen hatten wir am Pistenrand fast eine Stunde lange Infos
ausgetauscht. Am Abend kam eine ganze Kinderschar bei unserem Camp vorbei und
führte uns über Stock und Stein zu den Aussichtspunkten des Wasserfalls. Mali
freute sich über die Gesellschaft und nachdem die Kinder ihre Angst überwunden
hatten, spielten sie laut und fröhlich mit Mali.
 Am
nächsten Morgen liessen wir uns mit einem Mokoro, einem Einbaum, auf die andere
Flussseite rudern um den Wasserfall auf einer Insel aus nächster Nähe zu
bestaunen. Gewaltig wie das Wasser brodelnd auf einer Breite von 1110 Metern
über die 15 Meter hohe Stufe stürzt – und das bei momentan niedrigstem
Wasserstand. Die weisse Gischt hüllte uns komplett ein. Das fand unsere
wasserscheue Mali weniger toll, dafür hatte sie Freude am Mokoro fahren. Für
die Rückfahrt sprang sie freiwillig rein und zierte während der ganzen Überfahrt
unseren Einbaum als Galionsfigur.
Bei
Höchststand führt der Sambesi soviel Wasser, dass weite Gebiete neben dem
eigentlichen Flusslauf überflutet sind. Dieses Schwemmland dient in der
Trockenzeit als ergiebige Viehweiden und Äcker. Sobald aber der Wasserpegel
steigt, müssen die Leute mit ihrem ganzen Hab und Gut in höher gelegene Regionen
umziehen. Zig kleine Pisten führen kreuz und quer über dieses Schwemmland und
enden - zu unserem Glück - alle wieder irgendwo auf der Hauptpiste. So ereichten
wir bald Sitoti, wo die Piste nach einer Fährüberfahrt auf dem
gegenüberliegenden (westlichen) Sambesiufer weiterführt. Zu unserer Freude
wartete nur ein Auto vor uns auf die Überfahrt und die Fähre wurde am
jenseitigen Ufer gerade beladen.
Nach drei Stunden Wartezeit war es allerdings
mit unserer Freude vorbei. Aber dann kam sie doch noch, zwar schief im Wasser
hängend und leckend, aber sie kam. Wir vermuteten, dass sie einen Motorschaden
gehabt hatte und uns deshalb so lange warten liess. Später stellte sich aber
heraus, dass eines der Autos, das auf die Fähre sollte einen platten Reifen
hatte und die Fähre nicht leer bzw. nur halbvoll übersetzten wollte. Also musste
erst einmal dieser Reifen geflickt werden. Die Auffahrt auf die Fähre war dann
das nächste Grossereignis. Da sie ja beschädigt war, konnte sie nur von einer
Seite her beladen werden. Es kostete uns einige Schweisstropfen rückwärts über
Stock und Stein auf die zwei schmalen Planken zu fahren und auf diesen über das
Wasser auf die Fähre zu balancieren. Zu allem Übel sollte uns diese Überfahrt
auch noch 20 US$ kosten – doppelt soviel wie die Einheimischen bezahlen. Alles
Diskutieren half nichts und wir bezahlten. Kurz darauf kam der Kassier zurück,
erklärte, dass er leider keine Quittungszettel mehr hätte (eine solche hatten
wir gar nicht erwartet) und uns deshalb zum Einheimischentarif passieren lasse.
Strahlend gab er uns die Hälfte des bezahlten Betrages zurück. So ehrlich, bzw.
erfinderisch sind die Sambier!
Wir
schafften es noch bis Senenga, wo wir in einer Lodge direkt am Sambesiufer
übernachten durften. Dort konnten nun auch unsere Stühle, die vom Regen der
letzten Nacht noch ganz durchweicht waren wieder trocknen. Auf dem abendlichen
Hundespaziergang wurde Barbara einmal mehr von einer jungen Frau auf typisch
afrikanische Art angesprochen: „Hello, I am Precious.
What’s your name? Can I give you my adress, so you can write me? Can I be your
friend? Can I come with you for this walk?” Precious begleitete Barbara
also auf dem Spaziergang und lud sie anschliessend zu sich nach Hause ein. Sie
erzählte auf entsprechende Fragen hin scheu aus ihrem Leben. Sie war gerade
dabei, die Prüfungen für ihren Schulabschluss zu machen und hoffte, gut genug
abzuschliessen um dann eine Ausbildung als Krankenschwester beginnen zu können.
Heiraten wolle sie noch nicht so bald, das habe noch Zeit. Eine moderne
Einstellung in dieser ländlichen Umgebung. Wie sich herausstellte, feierte sie
am nächsten Tag, dem 7.11. ihren 18. Geburtstag. Sie fand es lustig, dass sie am
selben Tag wie unsere Mali Geburtstag hat. Ja, unsere Mali wurde am 7.11.06
bereits jährig. Zur Feier des Tages erhielt Precious ein kleines Geschenk und
Mali einen grossen Knochen und viele Leckerlis. Wir fuhren auch erst gegen
Mittag weiter, so dass Mali den ganzen Morgen mit drei anderen Hunden auf dem
Lodgegelände rumtoben konnte.
In der Provinzhauptstadt Mongu
machte uns ein Bancomat ganz easy mal rasch zu Millionären – leider nur in
Kwacha… Anschliessend genoss es Barbara endlich mal wieder auf einem richtigen
afrikanischen Markt einzukaufen. Zwischen Mongu und dem Sambesi befinden sich
die Barotse-Ebene. In diesem Schwemmland in Lealui liegt der Palast des
Lozi-Königs, den wir besuchen wollten. Die Lozi sind eine ursprünglich aus dem
Kongo eingewanderte Volksgruppe, die früher weite Teile des heutigen Sambias
beherrschten. Auch heute noch gilt den Lozi das Wort ihres Königs bedeutend mehr
als das des Sambischen Präsidenten. Aber Mangels genauer Absprache lotste
Karsten Barbara aber anstatt zum Palast zur höher gelegenen Regenzeit-Residenz
des Königs. Ausser einem interessanten Museum war dort aber zu dieser Jahreszeit
natürlich niemand anzutreffen. Erst im März bei Wasserhöchststand verschiebt
sich der ganze Hofstatt per Einbaum aus der Ebene ins nur einige Meter höhere
„Hochland“. Mit Blick in den schwarz verhangenen Himmel entschieden wir uns
gegen eine weitere „Lealui-Suche“ und für die Suche unseres
Übernachtungsplatzes. Bereits im zweiten Anlauf fanden wir auch die
unbeschilderte, abseits versteckt liegende Missionsstation. Diesen Tipp
verdankten wir dem aus Namibia stammenden Südafrikaner, der für ein Jahr in
Sambia die Mobilfunkmasten aufbaut und vor uns auf die Fähre in Sitoti wartete.
Wir trafen ihn hier wieder und luden ihn zum gemeinsamen Znacht im Trockenen –
unter unserem bewährten Regendach – ein. Er freute sich sehr über etwas
Gesellschaft und über den Schoggipudding nach dem Chili con Carne – alles Luxus,
auf den er in seinen einsamen Tagen im Busch verzichten musste. Nur der
andauernde Regen und die damit einhergehende Abkühlung dämpfte unsere Stimmung
etwas.
Schon am Nachmittag schüttete es so heftig, dass wir das angesammelte
Wasser auf unserem Regendach immer wieder ablaufen lassen mussten und wir uns
wegen des vielen Spritzwassers und des kalten Windes schliesslich ins Autoinnere
flüchteten zum Lesen. Bei soviel Wasser von oben wollten wir auch unser Zeltdach
noch nicht öffnen und hatten es deshalb recht eng. Selbst Mali zog es vor im
Auto zu bleiben und war nicht zu einem Abendspaziergang zu überreden.
Unbeschildert wie die Strassen
hier in Sambia wieder sind, machten wir uns am nächsten Tag auf die Suche nach
der Hauptstrasse Richtung Lusaka – und landeten dabei fast auf dem Rollfeld des
kleinen Flughafens. Gleich daneben umzäumte ein Stacheldraht ein grosses,
staubiges Gelände mit einigen Wellblechverschlägen. Trist und hoffnungslos
wirkte dieses UNHCR-Flüchtlinglager auf uns. Die angolanischen Flüchtlingen
selbst schien sich aber recht gut mit diesem Leben arrangiert zu haben. Zudem
lockt ja auch eine baldige Rückkehr ins mittlerweile kriegsruhige Heimatland.
Wir fanden unsere Strasse dann
doch noch und auf der Transitstrecke ging es weiter durch den Kafue
Nationalpark. Wir waren absolut verblüfft und begeistert, wie viele Tiere wir
auf dieser „Autobahn“ durch den Park zu sehen bekamen, alles gratis und franko:
eine riesige Herde von Kaffernbüffel, Leier-, Pferde-, Rappenantilopen, Pukus,
Impalas, Adler und eine riesige Elefantenherde. Eine zweite, kleine Gruppe mit
zwei erwachsenen Elefantenkühen und drei Kälbern wollte genau da, wo wir standen
die Strasse überqueren.
Die Leitkuh forderte uns durch heftiges Ohrenausstellen
und Schnauben auf, den Weg frei zu geben. Da wir nicht sofort gehorchten
wirbelte sie Staub auf, nahm Anlauf und rannte auf uns zu, wobei sie uns mit
erhobenem Rüssel und vorgereckten Stosszähnen wütend antrompetete. Ihr glaubt
nicht, wie schnell man da doch plötzlich das Gaspedal findet ..
Westlich des Parks und nur
durch den breiten Kafue River von ihm getrennt übernachteten wir bei der schönen
Mukambi-Lodge. Schon neben dem Eingang lag ein ausgewachsenes Warzenschwein und
ein zweites streckte sich genüsslich neben dem Swimmingpool aus. Fünf Meter
neben dem Pool stapfte ein Elefant im seichten Flussufer herum und schlug sich
mit Schilf den Bauch voll.
Auf dem Campingplatz wimmelte es von Meerkatzen,
Krokodile trieben vor unserer Nase träge im Fluss dahin und vor Hippo- und
Elefantenbesuchen wurden wir gewarnt. Karin, eine Krankenschwester aus Halle
(erstaunlicherweise treffen wir in Afrika immer wieder auf allein reisende
Frauen – Männer haben dazu offenbar zu wenig Mut…) wurde am Nachmittag von den
Warzenschweinen buchstäblich belagert, angestubst und drangsaliert weil sie Obst
und Süssigkeiten im Zelt hatte. Im Gegensatz zu Namibia störte sich in dieser
wildreichen Umgebung niemand an Mali. Zu ihrer eigenen Sicherheit verordneten
wir ihr aber (zumindest am Anfang) Leinenzwang. Einige Kilometer weiter südlich
entlud sich an diesem Abend ein heftiges Gewitter. Glücklicherweise bekamen wir
ausser einigen Tropfen und einer sensationellen Gewitterstimmung mit Regenbogen
nichts davon ab.
Der Kafue River wird bei
Itezhi-Tezhi mittels eines gewaltigen Damms gestaut. Der künstliche See mit
seinen Inseln ist so gross, dass wir das gegenüberliegende Ufer nur erahnen
konnten. Wir entschieden uns für den Campingplatz der Musungwa Safari Lodge.
Dieser Platz war tatsächlich wie im von Sibylle und Christoph geerbten
Sambia-Reiseführer beschrieben klein und unattraktiv. Wir hatten allerdings die
gesamte schöne Hotelanlage inkl. Swimmingpool und Aussicht auf den See ganz für
uns alleine und das wog alles andere auf. Nach einiger Verhandlung war auch der
Preis mit 10 US$ pro Person zwar immer noch teuer aber gleich wie in allen
anderen Lodges.
Ganz so traumhaft wie im
Reiseführer beschrieben war die Fahrt von Itezhi-Tezhi nach Namwala nicht, vor
allem die versprochenen Palmen gab es nur am Anfang. Dafür war es umso schwerer,
die richtige Piste auf der Südseite des nun nach der Staumauer wesentlich
schmäleren Kafue Rivers zu finden. Über knochenhartes Schwemmland holperten wir
auf kaum sichtbaren Pisten im Zick-Zack gegen Osten. Als wir schon nicht mehr
daran glaubten, trafen wir doch noch auf die sandige Hauptpiste, die uns nun am
Rande des Schwemmlandes entlang saftig grünen Wiesen an kleinen Dörfern vorbei
führte. Ausnahmsweise hatten wir auch wieder einmal strahlend blauen Himmel –
dafür aber 45°C.
In Namwala gings mit der Fähre auf die Nordseite des Kafue und
einmal mehr unterstützten wir die sambische Wirtschaft mit 20 US$... Auf der
anderen Seite führte die schmale Piste durch dichten Busch. Die alt vertrauten
Kratzgeräusche von Holz und Dornen auf Toyota-Carrosserie stellten sich
postwendend ein. Immer wieder verloren wir die Hauptpiste, eigentlich nur ein
etwas breiterer Eselskarrenweg, aus den Augen. Immerhin hatten wir mit den
GPS-Koordinaten der 140 km entfernten Stadt einen gewissen Anhaltspunkt. Bis
dorthin schafften wir es, aber die 150 km Asphaltstrasse bis Lusaka mochten wir
uns und Mali nicht mehr antun. Dem zogen wir ein gemütliches Bushcamp vor und
schonten damit erst noch unsere in Sambia arg strapazierten Geldreserven.
Schon von weitem sahen wir die
drei oder vier Hochhäuser der Hauptstadt. Auch das Verkehrsaufkommen
vervielfachte sich rasant. Und schon waren wir mitten drin in einer
afrikanischeren Hauptstadt als es Windhoek ist, aber europäischer als die vielen
Hauptstädte Westafrikas. Der Verkehr ist dicht aber erstaunlich geordnet und
ruhig. Die meisten der Fahrzeuge sind neueren Jahrgangs und häufig auf Hochglanz
polierte Geländewagen.
Neben der Strasse geht es aber weit weniger geordnet zu
und her. Überall konkurrieren schrille Ladenbeschriftungen, bunte Verkaufsstände
und Strassenhändler um die Gunst der herumwuselnden Menschenmassen. Weisse sieht
man hier kaum, dafür ist Lusaka andersweitig Multikulti: Neben den traditionell
in bunt gemusterte Stoffe oder modern gekleideten Sambiern nahmen wir
überrascht zahlreiche indische Frauen in ihren fein gewobenen Saris wahr,
daneben bärtige Männer arabischer Herkunft (vereinzelt mit Saddam-Hussein
bedruckten Hemden) und tief verschleierte Frauen. Wie in den meisten
afrikanischen Städten sind alle Grundstücke eingezäunt und anhand darüber hinaus
ragenden Bäume und blühenden Büsche lassen sich prächtige Anwesen mit gepflegten
Gärten hinter den Mauern nur vermuten.
Das Manda Hill Shopping
Zentrum bietet dem gut betuchten und verwöhnten Kunden alles, was das Herz
begehrt – ausser Imprägnationsspray und vernünftige Moskitonetze, wie wir
feststellen mussten. Und da man uns verbieten wollte, Mali nur schon auf dem
Parkplatz des Einkaufszentrums aus dem Auto zu nehmen, geschweige den sie in
eines der Cafés mitzunehmen und auch ein erbostes Gespräch mit dem General
Manager nichts half, war Manda Hill für uns gestorben.
In der bekannten deutschen
Metzgerei Majoru liessen wir uns von der schönen Auslage verleiten und stopften
unseren Kühlschrank mit Fleisch und Wurst voll. Schnell kamen wir mit Markus,
dem Besitzer ins Gespräch. Er empfahl uns das Lilay Village Rest seiner
Schwester als Unterkunft. In dem kleinen, ruhigen Camp mit Swimmingpool, wo wir
wieder einmal fast die einzigen Gäste waren, gefiel es uns auf dem Rasen unter
dem schattigen Bäumen bestens. Am nächsten Tag, einem Sonntag, war es mit der
Ruhe aber schnell vorbei, als schon früh die angekündigten Gäste für ein
indisches Picknick eintrudelten. Die indische Frauenvereinigung Lusakas hatte
alle ihre Landsleute über 50 zu diesem fröhlichen Anlass eingeladen. Es waren
wohl über 100 Leute anwesend die einen Sonntagnachmittag in Gesellschaft mit
Spielen und feinem indischen Essen genossen. Auch wir wurden sofort zu den
Spielen und ans Buffet eingeladen. Von Zweiterem machten wir gerne Gebrauch.
Wenn das scharfe indische Essen nur nicht gleich zweimal brennen würde…
Von Lusaka aus fuhren wir an
den Lower Sambesi nicht nur südwärts sondern auch abwärts. Einer Schweizer
Passstrasse ähnlich wand sich die Strasse über steile Berghänge von 1200 Metern
über Meer auf 400 Meter hinunter. Gelegentlich entdeckten wir in den Schluchten
Überreste von Lastwagen, deren Bremsen diesem Gefälle wohl nicht hatten Stand
halten können. Der Höhenunterschied machte sich für uns unangenehm bemerkbar an
der rasant angestiegenen Temperatur – wieder über 40°C trotz Wolken. Ungewollt
überquerten wir in Chirundu fast die Grenze nach Simbabwe. Die Schranke stoppte
unsere illegale Einwanderung im letzten Moment. Wegen der dutzenden Lastwagen
die über mindestens zwei Kilometer den Strassenrand säumten, hatten wir die
unbeschilderte Strasse verpasst, die uns auf Sambischer Seite dem Sambesi River
entlange führen sollte. Auch hier dient der Sambesi wieder als Grenze zweier
Länder – Sambia und Simbabwe. In der Gwabi Lodge verbrachten wir zwei geruhsame
Tage und trafen hier auf einen alten Bekannten – den Kafue River. Dieser mündet
nur zwei Kilometer südlich der Lodge in den breiten Sambesi. Eigentlich wollten
wir dem Sambesi einige Kilometer Richtung Osten entlang fahren, da diese Gegend
als besonders tierreich gilt. Aber eine weitere Fährüberfahrt über den Kafue
schreckte uns ab. Wir wollten nicht schon wieder zweimal 20 US$ loswerden für
die Hin- und Rückfahrt. Dafür gönnten wir uns eine Bootssafari von der Lodge
aus.
Es ist unglaublich, was man vom Fluss aus alles sieht und wie nahe man an
die Tiere heran kommt, sobald der Motor ausgeschaltet ist. Wir waren nur knapp
zwei Meter entfernt von 15 köpfigen Hippoherden, die unser Tun mit aus dem
Wasser gestreckten Köpfen kritisch verfolgten. Als wir noch näher kamen, liessen
sie ein warnendes Schnauben hören bevor sie blubbernd abtauchten. Barbara und
Mali war es gar nicht wohl diesen Kolossen so nahe zu sein. Schliesslich gelten
sie als die Säugetiere, die für die meisten Todesfälle verantwortlich sind.
Die
Krokodile im Uferschilf waren viel scheuer und liessen sich sofort lautlos ins
Wasser gleiten kaum kamen wir näher. Wir tuckerten auf eine ganze Elefantenherde
zu, die friedlich im Uferschilf graste bzw. „schilfte“. Geräuschlos liessen wir
uns an ihnen vorbei treiben. Weil uns die Elefanten des Gegenwinds wegen nicht
riechen konnten, trennte uns schliesslich nur noch knapp ein Meter vom ersten
Tier. Hätte der Elefant seinen Rüssel ausgestreckt, hätten wir ihn streicheln
können – oder so… Von den versprochenen Büffeln, Antilopen und Löwen war an
diesem Tag leider nichts zu sehen, trotzdem hätte sich die Fahrt nur schon
aufgrund der neuen Optik von der Flussmitte aus gelohnt.Von Fischern konnten wir
am Abend einen ca. 5 kg schweren Tigerfisch abkaufen. Der hat Zähne! Da können
die Pirañhas gleich einpacken. Krispin, der Campingplatzwart filetierte den
Fisch für uns und wir brieten die elefantenfussabdruckgrossen Filets auf dem
Grill. Wir schafften doch tatsächlich fast den ganzen Fisch (Karsten: „Es gab ja
auch nur Gemüse dazu…“). Sogar unsere nicht gerade fischversessene Mali legte
sich bei unseren Überresten ins Zeug.
Nur knapp 80 km waren es nun
durch einer landschaftlich abwechslungsreiche, hügelige und Baobab bestückte
Landschaft bis an den Karibasee. Dieser See ist entstanden durch die Stauung des
Sambesi auf 280 km.
Er zählt zu den grössten Seen Afrikas und ist mit seiner
Oberfläche von 5230 km2 zehnmal so gross wie der Bodensee. An der
breitesten Stelle misst er 32 km – etwa die Länge des Zürichsees! Entsprechende
Ausmasse hat auch die Staumauer: 128 m hoch und 670 m breit mit einer Stärke an
der Basis von 24 m. Der Damm wurde in weniger als drei Jahren (1956-59) gebaut
und kostete 125 Millionen US$ und 86 Menschenleben. Es dauerte fünf Jahre bis
der See ganz gefüllt war. Der Karibasee deckt den Strombedarf seiner beiden
Anreinerstaaten Sambia und Simbabwe vollständig ab. Aber auch hier gibt es eine
Kehrseite der Medaille: Der Volksstamm der Tonga lebte im nun überfluteten
Sambesi Tal. Die Tonga waren vermutlich die ersten Besiedler Sambias und vor
rund 600 Jahren in ihrer Blütezeit trieben sie bereits intensiven Handel mit den
Völkern am indischen Ozean, dem Fernen Osten und Indien. Die Tonga weigerten
sich, das Tal wo ihre Wurzeln lagen zu verlassen. 57'000 Tonga mussten
zwangsumgesiedelt werden! Noch heute kommen sie mit dem neu zugewiesenen Land,
das andere Bewirtschaftung erfordert, nicht klar. Von den Segnungen des
Karibasees profitieren sie kaum. Aber nicht nur die Tonga waren Leid tragend:
Auch für die Wildtiere der gesamten Region war die Stauung eine Tragödie. Die
Tiere retteten sich vor dem steigenden Wasser auf Hügel, die erst zu Inseln und
dann ganz überspült wurden. Abertausende Tiere verloren so ihr Leben. Beherzte
Tierfreunde starteten deshalb die Operation Noah und retteten in Booten vom
Wasser eingeschlossene Tiere oder trieben sie schwimmend ans rettende Ufer.
Operation Noah dauerte mehrere Jahre und ging als grösste Tierrettungsaktion der
Welt in die Geschichte ein. Auch wenn nur ein Tropfen auf den heissen Stein so
wurden doch zwischen 4500 bis 6000 Tiere gerettet.
Um die sowohl auf sambischem und simbabwischen
Boden liegende Staumauer zu besuchen, mussten wir unsere Pässe beim sambischen
Grenzposten deponieren. Wir durften dann bis zur Staumauer fahren und liessen
deren gigantische Ausmasse bei einer Überquerung zu Fuss auf uns wirken. Hier
sollte man mal Bungy-Jumping anbieten!
Einige Kilometer weiter schlugen wir im Eagles Rest direkt am See unser Camp auf und genossen den Blick über das endlose
Wasser – die andere Seite war nicht zu sehen. Da nicht bewölkt, war es an diesem
Tag so heiss, dass es uns schwer fiel, einer Abkühlung im See zu widerstehen.
Wir mussten uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass der Karibasee das
Krokodilparadies ist. Durchschnittlich kommt auf 200 Meter Uferlänge ein Kroki!
Unsere Rumpsteaks mussten wir am Abend wegen viel Wasser von oben im Auto braten
– nicht gerade angenehm bei feuchten 30°C Aussentemperatur. Wir waren
anschliessend etwa gleich nass, wie wenn wir draussen geblieben wären. Die
heftigen Sturmwinde schüttelten die ganze Nacht über unser Auto durch.
Auf der Weiterfahrt wurden wir
ausnahmsweise von einem der seltenen Strassencheckpoints angehalten. Hier musste
es sich wohl um etwas besonders handeln. Tatsächlich: sofort eilte ein weiterer
Beamter herbei mit einem Sprühkanister auf dem Rücken. Erinnerte ein wenig an
Gohstbusters… Zügig umrundete er unser Auto und sprühte die Räder mit
Desinfektionsmittel ein. Vorsichtsmassnahmen gegen Maul- und Klauenseuche wurde
uns erklärt. Das erinnerte uns gleich an den Tse-Tse Checkpoint, den wir vor
einigen Tagen passiert hatten. Mitten im Busch wurden wir gestoppt. Ein
verhutzeltes Männlein hatte mit einem mindestens ebenso alten und faltigen
Schmetterlingsnetz (in Kinderausführung) um unser Auto herum gewedelt. Die ganze
Aktion hatte höchstens 30 Sekunden gedauert und wir durften weiterfahren. Für
unser Autoinneres hatte er sich überhaupt nicht interessiert, als ob er gewusst
hätte, dass wir erst vor einigen Metern die dritte und letzte dieser lästigen
Tse-Tse-Fliegen aus dem Auto bugsiert hatten. Allerdings erst nachdem Barbara
drei recht schmerzhafte Stiche abgekriegt hatte!
Entlang Sambias Strassen
vielen uns immer wieder grosse Plakate und Schilder auf, die vor AIDS warnten.
Auch in anderen afrikanischen Ländern hatten wir schon ähnliche Plakate gesehen,
aber nie in dieser Vielzahl. Sambia investiert offensichtlich einiges in die
AIDS-Prävention. Es ist aber auch dringend nötig. Einem neuen GEO-Bericht
(natürlich Beute aus dem Elisenheim) ist zu entnehmen, dass in Sambia die
durchschnittliche Lebenserwartung bei 38 Jahren liegt (in den Nachbarländern
Botswana und Simbabwe ist sie noch tiefer). Sie ist in den letzten 30 Jahren um
rund 18 Jahre gesunken. Hauptgrund: AIDS. Wohl mindestens ein Drittel aller
Kinder hat einen Elternteil durch AIDS verloren. Gemäss Hochrechnungen der WHO
aus dem Jahre 2001 wird in diesen Ländern bald jedes zweite Kind ohne Eltern
aufwachsen.
Durch solche
Checkpoint-Erlebnisse oder Plakate, die uns doch sehr zum Nachdenken anregen,
vergehen auch lange Fahrten recht schnell. Zwischendurch gibt’s auch immer
wieder das eine oder andere zu besichtigen, wie zum Beispiel das interessante
Museum in Choma, das einem die Kultur, Tradition und Geschichte der Tonga
anschaulich näher bringt. In Choma schlugen wir auch gleich unser nächstes Camp
auf. Zur Feier des Tages weckte uns Mali am nächsten Morgen schon kurz nach 6
Uhr mit einem gejaulten Geburtstagsständchen für Barbara. Sie wollte sichergehen
die erste Gratulantin zu sein. Tja, unser Hund weiss was sich gehört… Lachs fürs Geburi-Zmorgen hatten wir dieses Mal nicht auftreiben können, aber gemütlich
unter einem Baum sitzend liessen wir uns einen selbstgebackenen Zopf schmecken.
Und wie es sich für einen solchen Ehrentag gehört, kam alles Gute von oben – so
sah das wohl zumindest der Skorpion, der aus dem Baum direkt in Karstens Schoss
purzelte. Aber was solls: bei uns drei Skorpionen kommt es auf einen mehr oder
weniger auch nicht mehr an.
Drei Stunden später waren wir
bereits in Livingstone. Zielstrebig fuhren wir geradewegs ins gemütliche Café
Zig-Zag und nisteten uns dort für den ganzen Nachmittag ein. Feines Essen ist
das Eine, gratis wireless Internetzugang das Andere. Wir genossen es, nach
Herzenslust zu surfen und dazu DRS 3 zu hören. Schon ein seltsames Gefühl, wenn
man Bundesrat Leuenberger im Radio über die Entwicklungshilfe in Afrika und den
Vormarsch von Malaria reden hört und dies selbst vor Ort erlebt. Das Zig-Zag
hatte es nicht nur uns angetan. Mali konnte mit den drei Hunden grenzenlos im
Garten rumtoben. Kein Wunder zog es uns drei in diesen Tagen noch ein paar Mal
ins Zig-Zag, zumal das der ideale Ort für regnerische Nachmittage ist - und
davon haben wir jetzt reichlich. Uns gefiel es aber auch auf dem schönen Camping der Livingstone
Safari Lodge und Mali fand im Rottweiler Mischling einen guten
Spielkameraden. Die beiden verschafften sich so viel Bewegung bei ihren
Verfolgungsjagden übers ganze Gelände, dass wir ohne schlechtes Gewissen auf
längere Malispaziergänge verzichten konnten. Der Dauerregen liess uns
feststellen, dass unser Regendach noch verbesserungsfähig war.
Der Wind trieb
den Regen einfach horizontal unter unser Regendach. Wir durften die
altertümliche Nähmaschine der Lodge benutzen und los gings mit schnipseln,
basteln und nähen.
Wir funktionierten unser riesiges, kaum genutztes Sonnensegel
um und haben jetzt ein Regendach mit Seitenwänden (hoffentlich verklagen uns
Sibylle und Christoph jetzt nicht wegen Patentverletzung). Gespannt warten wir
jetzt auf den nächsten Regen... Am Samstagnachmittag fand im
Swimmingpool der Lodge eine Teenie-Party statt. Es war amüsant die auch nach europäischen
Massstäben ultimativ aufgetackelten Girls und Boys zu beobachten und das wohl
universelle Balzverhalten zu studieren. Wenn das
Ganze nur nicht den ganzen Nachmittag und Abend von dröhnender, schädelsprengender Musik begleitet gewesen wäre…
Livingstone verfügt über
einigen kolonialen Charme, kombiniert mit einer boomenden Tourismusindustrie. Es
wird alles möglich und unmögliche angeboten, um die nur 10 km entfernten
Victoriafalls zu besuchen und zu erleben. Da sind Rundflug im Microlight und
Zugsafaris noch das Konservativste. Fallschirmspringen, Riverrafting,
Riversurfing, und Bungeejumping von der 111 Meter Eisenbahnbrücke verschaffen da
schon mehr Nervenkitzel. Wir entschieden uns für die Ultrakonservative
Besichtigungsvariante zu Fuss, schliesslich sind wir wieder um ein Jahr älter.
Mali musste leider wieder einmal im Auto warten. Obwohl wir bereits frühmorgens
um 7 Uhr da waren, wurde uns der ganze Touristenrummel schnell zu viel. Wir
hatten innert Kürze die Nase voll von den riesigen chinesischen Touristengruppen
im Gänsemarsch, den übergewichtigen Südafrikanern, die sich mit hochrotem Kopf
in ihre Schwimmwesten zwängten und den hypercoolen zwanzigjährigen Engländern,
die sich für ihr Riversurfing mit Sonnencreme eine Kriegsbemalung ins Gesicht
geschmiert hatten.
 Wir finden es Schade, dass die Victoriafälle derart
vermarktet werden. Klar, es bringt Geld, das hier gut gebraucht werden kann,
aber weniger wäre wohl mehr! Die Fälle sind nämlich wirklich eindrücklich auch
ohne das Ganze drum herum. Der Sambesi stürzt auf einer Breite von 1688 Metern
in eine schmale Schlucht 108 Meter in die Tiefe. Leider herrscht im November und
Dezember jeweils Wassertiefststand und wir erlebten die Fälle nicht in ihrer
ganzen Pracht. Da wo sonst Wasser schäumt und Gischt sprüht, sahen wir nur
nackte Felswände. Wir hätten das Spektakel gerne bei mehr Wasser gesehen, denn
in der Hochwasserzeit stürzt 30 mal soviel Wasser über die Felswände. Aber auch
in der Trockenzeit werden die Fälle ihrem ursprünglichen Name „Mosi-Oa-Tunya“ -
donnernder Rauch – gerecht.
Wir besichtigten die Fälle nur
von der sambischen Seite aus, obwohl in der Trockenzeit vor allem auf der
simbabwischen Seite Wasser in die Tiefe donnert. Die Grenze zwischen den Ländern
verläuft mitten im Wasserfall und auf Simbabwes Boden liegen die Mainfalls. Aber
die zusätzlichen Visa und der teure Eintritt auf der anderen Seite waren uns
einfach zu viel. Wir haben uns auch grundsätzlich entschieden, Simbabwe
auszulassen. Es geht uns dabei nicht um Sicherheit und Politik (obwohl wir
Mugabe auch nicht unterstützen möchten) oder fehlende Treibstoff- und
Lebensmittelversorgung, sondern es ist uns ganz einfach zu teuer. Bei der
Einreise müssten wir über 400 Franken bezahlen an Strassengebühren, unabhängig
von der Aufenthaltsdauer. Das muss nicht sein.
Nach vier erholsamen Tagen in
Livingstone werden wir nur 60 km westlicher in Kazungula mit einer erneuten
Fährüberquerung des Sambesi (vermutlich wieder zu teuren 20 US$...) Sambia
verlassen und in Botswana einreisen.
Wir erlebten Sambia als sehr
schönes, wenn auch reichlich teures Reiseland. Es ist typisch Afrikanisch, vom
Tourismus wenig verdorben, und trotzdem mit einer respektablen touristischen
Infrastruktur. Die Sambier sind sehr, sehr freundliche und zurückhaltende Leute. Wir sind hier
kaum Touristen begegnet. Und wenn wir doch welche getroffen hatten, waren sie
von einem ganz anderen Schlag als die vielen „Pauschaltouris“ in Namibia (das
gilt allerdings nicht für Livingstone).
Livingstone,
21. November 2006
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