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Südafrika 19.12.2006 – 13.1.2007 / 17.1. - 28.1.2007 Zum Ersten 10'000 Tage
im Gefängnis – Nelson Mandela für seine Überzeugung; weltweit drittgrösste
Bio-Diversität; Cape Agulhas, der südlichste Punkt Afrikas; Fläche von 1'223'404 km2 – 30x so
gross wie Schweiz; 44 Millionen Einwohner – 6x mehr als die Schweiz;
Apartheid bis 1994 - jetzt "Umgekehrte Appartheid?";Einkaufszentren wie in den USA;
Weihnachten im Hochsommer; über 100’000 Hektaren Weinanbaugebiet; 17% der Küste
und 6% des Inlandes als Naturschutz- /Nationalparkgebiet; 30'000 Hektaren
Farmland jährlich Verlust zugunsten fortschreitender Urbanisierung; Wale;
steigende Kriminalität; Landschaft von A-Z und einfach vom Feinsten; enorme
Gastfreundlichkeit; Kälte; Grippe; Traumstrände Auf der Brücke über den Oranje und schon sind wir in Südafrika. Für die Einreiseformalitäten erhielten wir - man stelle sich das vor – einen Laufzettel! An jedem der vier zu passierenden Schalter wurde er auch brav abgestempelt. Alles ging blitzschnell. Allerdings mussten wir den Laufzettel am letzten Schalter unkontrolliert in eine Schachtel werfen und die Beamten an der Grenzbarierre hatten deshalb schliesslich dann doch keine Kontrolle darüber, wem sie nun die Schranke öffneten. Also doch noch ein Quäntchen Afrika. Der Oranje trennt an dieser Stelle nicht nur zwei Länder, sondern zieht auch eine klare Grenze zwischen zwei ganz unterschiedlichen Landschaftsformen. Auf der Nordseite erstreckt sich die topfebene buschgrasbewachsene Halbwüste Namibias während sich am Südufer braunrote nackte Felswände zu imposanter Berglandschaft türmen. Hier erinnert die niedrige, grüne mit Blumen durchsetzte Buschvegetation erst stark an Norditalien und später an Südfrankreich. In Südafrika wurde es nun erstmals mit Sonnenuntergang auch wieder empfindlich kühl. Wir waren mit rund 800 Meter zwar nur noch halb so hoch wie in Windhoek aber dafür knapp 1000 Kilometer südlicher. In Windhoek hatten wir senkrechten Sonnenstand und entsprechend laue Nächte und hier begannen wir nun wieder zu frösteln wie in einer Sommernacht in den Bergen. Zusammen mit Reinhilde und Wolfgang aus Regensburg gings von der Grenze zügig südwärts. Wir hatten die beiden schon im Oktober im Elisenheim kennen gelernt und nach ihrem 6 wöchigen „Heimaturlaub“ (sie nannten es Arbeiten) zufällig dort wieder getroffen. Gleichzeitig waren wir Richtung Kapstadt aufgebrochen und hatten uns ohne zu verabredenabends auf den Campingplätzen oder am Grenzübergang wieder getroffen. So verbrachten wir auch unseren ersten Abend in Südafrika gemeinsam bei einem gemütlichen Braai auf dem Campingplatz in Springbock. Allerdings war das Vergnügen nur von kurzer Dauer, bevor wir frierend in unseren Autos verschwanden.Reinhilde und Wolfgang entschieden sich für die Weiterfahrt entlang der Küste, während wir durchs Inland fuhren. Aber in Afrika trifft man sich ja sowieso immer wieder! Die
Weinroute führte uns südwärts vorbei an riesigen Weingütern – jedes mit seinem
eigenen kleinen Stausee. Sie windet sich durch Täler mit kargen braunen
Berghängen und üppig grünen Talsohlen. Überall wo bewässert wird, schiesst
dichte, sattgrüne Vegetation aus dem sonst staubig, trockenen Boden.
In immer
noch etwas angeschlagener Stimmung nahmen wir die restlichen Kilometer nach
Kapstadt durch hüglige schöne Berglandschaft und über schmale Passstrassen unter
die Räder. Einfachheitshalber entschieden wir uns dann für die Autobahn die uns
von Osten her in die Millionenstadt hineinführte. Der Kulturschock!
Von unseren mittlerweile weit vor uns reisenden holländischen Freunden Rielle und Jeroen hatten wir per Email verschieden Tipps, Infos und Adressen erhalten für gute, preiswerte und hundefreundliche Übernachtungsmöglichkeiten. Das vereinfachte uns gerade im campingplatzlosen Kapstadt das Leben erheblich. Zudem ist der ganze Dezember und die erste Januarhälfte Südafrikas Sommerferienzeit und alle Campingplätze an der Küste aber auch viele im Inland sind überfüllt. Aber auf den holländischen Spuren wandelnd fand sich immer ein wunderschönes und meist einsames Plätzchen. Danke Rielle und Jeroen!
In unserer
Woche in Kapstadt gab es einigen Papierkram zu erledigen. So beantragte Barbara
einen neuen Pass, da der alte voll ist. Unser „falsches“ Carnet de Passage
konnten wir vom „südafrikansichen TCS“ korrigieren lassen.
Kaum vom Tafelberg wieder zurück, sprang uns die Schlagzeile der Tageszeitung ins Auge: Mountain Summit Attack! Am Vortag wurden ausländische Touristen auf dem Berg ausgeraubt und niedergestochen (diese Schlagzeile fand ihren Weg bis in die Schweiz, wie wir von besorgten Anrufen erfuhren). Kriminalität ist in Südafrika, insbesondere in den Grossstädten ein akutes Problem. Wir glaubten lange, dass diesbezüglich wohl übertrieben wird, wurden aber leider eines besseren belehrt. Für nur kleine Beträge – manchmal nur schon ein Handy – werden Leute überfallen, ausgeraubt und gewaltsam angegriffen. Zwei junge Männer aus unserem Backpacker erlebten dies am eigenen Leib ausgerechnet am Heiligabend. Auch Richard und Claire und ihre Freunde – alle wohnen in Kapstadt – haben entsprechende Geschichten zu berichten gewusst. Richard und Claire waren Nicoles und Christophs „Gasteltern“ in Kapstadt und als wir ihnen von den Beiden ein kleines Weihnachtsgeschenk brachten, luden sie uns spontan zu einem Braai ein. Die immer wieder erlebte enorme Gastfreundschaft und Grosszügigkeit in Südafrika steht im krassen Gegensatz zur bedrohlichen Kriminalität. Dieser Grillabend eröffnete uns interessante Einblicke in das Alltagsleben und die Probleme in Südafrika. Und es war schön, wieder einmal Gesprächen über den normalen Arbeitsalltag und seine Sorgen lauschen zu können…
Regen und
Barbaras fiebrige Schwächeanfälle verhinderten unsere am 26.12. vorgesehene
Weiterreise um einen Tag. Am 27. dann gings aber los. Wir kurvten entlang der
hügligen Küste, die immer wieder reizvolle Blicke auf lange Sandstrände bot.
Vergebens hielten wir nach den berühmten Walherden Ausschau, die von September
bis Dezember diese Küste bevölkern und das seichte Wasser als Gebärsaal nutzen.
Barbara hatte immerhin am Kap der guten Hoffnung von weitem eine Walfontäne
gesehen. Aber dabei sollte es bleiben.
Des
Nieselregens wegen zogen wir am nächsten Morgen dem Flussbad die Thermalquellen
in Montagu vor. Diese sind wunderschön in einer Schlucht gelegen. Kaum sassen
wir allerdings im warmen Nass, stoppte wegen Stromausfalls der Zufluss von
weiterem heissem Wasser. Nach einer knappen Stunde war das Badewasser fast so
kalt wie das Wasser von oben - und wir schnell wieder draussen. Durch die
bergige Landschaft von Klein-Karoo erreichten wir die Straussenmetropole
Oudshoorn. Im dritten Anlauf fanden wir dann in der sonst so vollen Stadt auf
der Wiese eines B&B doch noch ein Plätzchen zum Übernachten. Die Besitzerin war
so begeistert von unserer Reise, dass wir gleich bei der Ankunft mit ihr im
Atlas unsere Reiseroute durchgehen mussten.
Auf dem Weg
zum imposanten Swartbergpass schauten wir auf einer Farm vorbei, die, wie wir
richtig vermuteten, Schweizern gehörte. Sogleich wurden wir von Pascal, einem
ehemaligen Jockey aus Genf, auf einen Kaffe eingeladen. Nur schwer rissen wir
uns nach einer Stunde plaudern los um die steile Passstrasse unter die Räder zu
nehmen. Wir wurden mit einer sensationellen Rundsicht belohnt und kamen uns vor,
wie auf dem Dache der Welt.
Auf dieses Naturerlebnis folgte das volle Kontrastprogramm: sechsspurige Autobahn um Port Elizabeth herum und der Küste entlang vorbei an mondänen Strandsiedlungen. Allerdings wurden wir von dieser Küstenstrecke enttäuscht. Zwischen uns und dem Meer lagen immer mehrere Reihen hohe, bewachsene Dünen, so dass wir vom Meer kaum was zu Gesicht bekamen. Als wir ein Stück weiter den 10 km langen Abstecher durch die Düne zum Meer vor machten, erlebten wir die positive Seite dieses Küstenabschnitts: menschenleere, kilometerlange schneeweisse, ganz flache Sandstrände! Und dazu ein fast leerer Campingplatz an der Lagune der Flussmündung. Nicht nur Mali genoss die langen Strandspaziergänge … und das in Hamburg! Ja, Hamburg haben wir uns schon etwas anders vorgestellt. Aber auch Berlin, Amsterdam, Sans Soucie, East London, und wie sie alle heissen lassen sich wohl nicht mit ihren europäischen Pendants vergleichen. Nach dem
Meer waren nun wieder Berge angesagt. Zum Glück war die Fahrt nach Hogsback
nicht allzu weit, da Karsten nun mittlerweile grippegeschwächt war. Hogsback
soll den Schriftsteller Tolkien dazu inspiriert haben, seine Fantasy-Saga „Herr
der Ringe“ zu schreiben.
Seit unserem letzten Besuch auf Camp Gecko stand für uns fest, dass wir einen Abstecher nach Cintsa machen würden. Dort verbrachte nämlich Luca, Heidis Sohn, 2 Ferienwochen am Meer bei seinem Papa im Buccaneers Backpackers. Wir freuten uns auf Luca und gemäss unserem Reiseführer soll das Buccaneers wohl das beste Backpacker Südafrikas sein. Perfekt! – Nur war Luca ausgerechnet als wir kamen mit seinem Papa einige Tage unterwegs und das Backpacker war völlig ausgebucht. Nachdem sich die Chefin aber selbst um uns kümmerte, fanden wir doch noch ein kleines Plätzchen für unser Auto – sogar mit Sicht auf den fantastischen Sandstrand und erst noch gratis. Barbara fühlte sich mittlerweile so weit genesen, dass sie sich am Nachmittag in die doch recht kalten Fluten stürzte, tapfer begleitet von Mali. Schade, Luca hatten wir nicht mehr getroffen und das Buccaneers, so schön es ist, hatte uns etwas zu viele happy people. Uns zog es am nächsten Tag also weiter an ein etwas ruhigeres Plätzchen. Von Bulungula hatten wir von Nicole und Christoph schon in Botswana gehört und hatten diese ruhige Backpacker-Lodge abseits jeder Touristenroute seither noch ein paar Mal als Geheimtipp empfohlen bekommen. Bulungula ist eine kleine Xhora-Community an der Wildcoast in der Transkei. Die Transkei ist eines der ehemaligen Homelands. Nur hier durften sich die Schwarzen zu Appartheidszeiten – also bis 1994 – frei bewegen und Grundeigentum erwerben. Ausserhalb der Homelands waren sie nur als billig-Arbeitnehmer geduldet und ohne jegliche politische Rechte. Sie mussten zudem immer ihr „resident permit“ auf sich tragen, da sie sonst ohne federlesens in eines der Homelands deportiert werden konnten – alles eindrücklich beschrieben in Nelson Mandelas Biographie „Long Walk to Freedom“ (gibts für die faulen Leser auch in abgekürzter Fassung). Seit 1994 hat sich nun zum Glück einiges geändert, aber wie wir immer wieder hören, nicht nur zum Positiven. Häufig wird jetzt von der "Umgekehrten-Appartheid" gesprochen. Jetzt mit einer "schwarzen Regierung" fühlen sich Weisse benachteiligt. Nicht selten würden Schwarze bei der Einstellung oder Beförderung vorgezogen, obwohl sie nicht über die nötigen Qualifikationen verfügen würden. So komme es - um nur ein Beispiel zu nennen - nicht selten vor, dass auf Polizeistationen die schwarzen Vorgesetzten unzureichend englisch könnten und sich deshalb einen weissen Arbeitskollegen herbeirufen müssten für die Anliegen von Enlischsprachigen. Auch die massiv angestiegene Kriminalitätsrate insbesondere von Kapitalverbrechen wird nicht selten auf das neue System zurück geführt. Mit der Aufhebung der Homelands können sich jetzt auch die vorher von einander getrennt lebenden Volksgruppen wie z.B. Zulu oder Xhosa frei bewegen und gerade zwischen Angehörigen unterschiedlicher schwarzer Volkssgruppen fänden immer wieder Gewaltverbrechen statt. Es scheint also auch hier eine Kehrseite der Medaille zu geben. Bulungula
liegt an einer Flussmündung direkt am Meer und ist von der Aussenwelt
abgeschirmt durch kilometerlanges Hügelland, Wälder und Flüsse. Die Anfahrt ist
so mühsam, dass sie nur mit einer speziellen Detailkarte und 4x4 bewältigt
werden kann. Kein Wunder also brauchten wir für die 200 km von Cintsa nach
Bulungula fast 5 Stunden. Zu allem Übel nieselte es auch noch und wir mussten
uns durch dichten Nebel kämpfen. Von der Landschaft sahen wir kaum etwas. Auch
Bulungula selber versank in tristen Grau und heftigem Wind. Das grau-schwarze
Meer brodelte und kochte. Nicht eben das erwartete Paradies… Auch der nächste
Tag wurde beherrscht von Gewitter, Dauerregen und Sturmwind. Gerne flüchteten
wir uns in den warmen, mit fröhlichen Farben gepinselten und gemütlichen
Aufenthaltsraum. Den ganzen Tag fläzten wir am Boden auf Kissen rum und fröntem
dem Nichtstun. Um uns herum tobten – zu Malis Leidwesen - die einheimischen
Kinder und einige erwachsene Communitymitglieder diskutierten lautstark an einem
der Tische – nicht jedermanns Sache. Das ist wohl nur möglich, weil die
Bulungula-Lodge zu 40% der Community gehört. Die Leute sind auch sonst in den
Tagesablauf in der Lodge eingebunden durch Mithilfe und als Guides für
verschiedene Aktivitäten. Dave, der Besitzer und selber ehemaliger Backpacker
erklärte uns, dass er die Lodge mit allen Hauptgebäuden und den 9 Bungalows 2004
in nur 3 Monaten aufgebaut hatte – für afrikanische Verhältnisse also in
Rekordzeit! Es waren permanent 40 Leute aus der Community beschäftigt,
allerdings im wöchentlichen Wechsel um alle gleichermassen profitieren zu
lassen. Das Resultat kann sich wirklich sehen lassen! Ganz begeistert waren wir
von den künstlerischen, bunt gepinselten und mit Mosaiken ausgelegten Duschen
und WC.
Port St.
Johns, Luftlinie einige Kilometer weiter nördlich, ebenfalls an der Wild Coast
war unser nächstes Ziel – aber nicht wegen der dort ansässigen Hippie-Gemeinde
sondern wegen des Fondue, jawohl!, im „wood’n’spoon“. Von diesem Fondue träumten
wir schon seit wir in Namibia zum ersten Mal von Sibylle und Christoph davon
gehört hatten. An der Second Beach haben sich Priska und Dani aus der Schweiz
auf ihrer Reise durch Afrika vor 6 Jahren niedergelassen und das kleine
Restaurant eröffnet. Zimmermann Dani zimmerte die ganze Einrichtung und macht
kunstvolle Holzarbeiten während Priska in einer Hand den Kochlöffel schwingt und
auf dem anderen Arm eines der beiden Kinder balanciert. Von der
Restaurantterrasse wandert der entspannte Blick des Gastes über die von
tropischem Grün gesäumte Lagune und den Strand – wenn man sich da mal nicht wohl
fühlt! Ganz in der Nähe durften wir campen und freuten uns schon riesig aufs
Fondue. Aber Pech gehabt, Fondue seit Tagen ausverkauft! Das ist offenbar der
Renner in Südafrika. Für den nächsten Tag war zum Glück aber eine weitere
Lieferung des echten Schweizer Käses, direkt importiert aus Cham, geplant.
Nach
unserer Küsten-Bummelei frassen wir nun zügig die letzten Kilometer durch die
Transkei und arbeiteten uns ins Inland bis an den Fuss der Drakkensberge vor. In
der warmen Stube im herzigen Backpacker auf der Khotso-Pferde-Farm störte es uns
wenig, dass es draussen heftig gewitterte. Hier erhielten wir von Steve, dem
mega coolen Besitzer noch einige nützliche Infos zu Lesotho – und auf gings
Richtung Sani Pass.
Ficksburg, 17. Januar 2007
In der Chronologie geht es hier weiter mit dem Reisebericht über Lesotho. Anschliessend folgt unten der zweite Bericht über Südafrika.
You’re right! Yes madam, you’re absolutely right. – I was wrong! Starke Worte für einen Beamten in Afrika! Bis jetzt auch die absolute Prèmière. Und so kam es zu diesem denkwürdigen Ausspruch: Bei der erneuten Einreise nach Südafrika in Ficksburg versuchten wir den Zollbeamten zu erklären, weshalb sie unser neues Carnet stempeln sollten (das alte, abgelaufene aber eigentlich für Südafrika noch gültige Carnet hatten wir in Lesotho ja dummerweise ausstempeln lassen). 1. ist wohl noch nie jemand von Lesotho mit einem Carnet eingereist, 2. hatte die gute Frau am Schalter noch nie ein solches Dokument gesehen und verstand 3. überhaupt nicht, was wir wollten. Also holte sie ihren Vorgesetzten. Der freundliche schwarze Zöllner in unserem (jugendlichen) Alter verstand unser Anliegen rasch. Sogar dass wir mit zwei Carnets, dem alten und dem neuen, vor ihm standen, war kein Problem. Nur hatte er in seiner Laufbahn wohl noch nie ein Carnet selbst ausgefüllt. Er wollte partout den Ausreise- anstatt den Einreisebeleg stempeln, da wir das Auto ja aus Lesotho exportieren würden. Barbara musste mit ihm erst eine lange Diskussion über Import und Export führen. Nach erneutem intensiven Studium des Carnets kam dann die Erleuchtung zusammen mit diesem denkwürdigen Ausspruch. Der richtige Beleg war dann rasch ausgefüllt und Südafrika hatte uns wieder zurück. Ficksburg ist nur ein kleines Grenzkaff. Uns gefiel es aber erstaunlich gut. Der saubere, konfortable und wohl billigste Campingplatz Südafrikas liegt in einem Park mitten in der Stadt. Wir genossen es, in nur fünf Minuten zu Fuss im gut assortierten Spar, im freundlichen Midas, in der zuvorkommenden Toyota-Garage, im raschen Internetcafe und im feinen Restaurant –Pub zu sein. Am nächsten Morgen hatten wir ein Einkaufserlebnis ganz neuer Art: Shoppen im Dunkeln. Wegen städtischen Stromausfalls war im Spar nur die Notbeleuchtung in Betrieb. Beim Auspacken unserer Einkaufstaschen kamen wir uns vor wie Kinder mit ihren Wundertüten! In Ficksburg konnten wir auch endlich Karstens ungutes Gefühl beheben. Der Toyota-Spezialist versicherte ihm nach einer Probefahrt, dass das seltsame Geräusch, das wir seit einiger Zeit beim Gasgeben feststellten, tatsächlich nur vom Auspuff und nicht vom Motor kommt. Nun war die Welt wieder in Ordnung! Wir waren lange Zeit unsicher,
ob wir tatsächlich noch in die Drakensberge fahren sollten. Bedeutete dies doch,
dass wir entlang Lesothos Ostgrenze wieder alles südwärts und damit eigentlich
auch retour fahren würden. Aber wir liessen uns davon überzeugen, dass die
Berge, auf deren Rücken wir durch Lesotho gekurvt waren, von der
südafrikanischen Seite ebenfalls spektakulär sein sollen. In Südafrika fallen
die Dreitausender in senkrechten Felswänden auf das nur knapp 1000 Meter hohe
KwaZula-Natal ab.
Die schöne Strecke entlang den Drakensbergen soll immer wieder faszinierende Blicke auf das Felsmassiv freigeben – nur hatten wir nichts davon, da sich die ganze Bergkette in dichten Nebel hüllte. Wir fuhren so nahe wie möglich an die Berge heran, aber auch hier war die Sicht nicht besser. Zudem waren die letzten paar Kilometer mal wieder Nationalpark und damit Hundeverbot. Aber bei diesem Wetter wären die 5 Franken Parkeintritt sowieso zum Fenster hinaus geworfenes Geld gewesen. Allerdings ärgerte die kaltschnäuzige und arrogante Art, wie der Parkwächter uns den Eintritt in den Park mit Hund verbot (in der Sache hatte er ja recht – nur das Wie …!) Barbara derart, dass sie ausstieg und dem Typen anständig aber unmissverständlich die Leviten las. „ I am sorry madam! You are right, I was rude – I’m very sorry“. Über dieses Eingeständnis und die ehrliche Entschuldigung waren wir echt verblüfft. Das ist wohl eher eine Seltenheit – nicht nur in Afrika! Die Suche nach einem
geeigneten Übernachtungsplatz gestaltete sich an diesem Tag recht schwierig. Was
uns bisher ganz, ganz selten passiert war, kam nun gleich zweimal vor: Hunde im
Backpacker und auf dem Campingplatz nicht erlaubt. Die Besitzer hatten selber
mehrere Hunde – was bis anhin mit Mali nie ein Problem war. Auf der Weiterfahrt
verloren wir zu allem Übel noch unser Federblatt, das das Scharnier der hinteren
Tür entlasten soll. Zum Glück gelang es dem Auto hinter uns, rechtzeitig dem
„fliegenden Federblatt“ auszuweichen. Trotz intensivem Absuchen des
Strassengrabens fanden wir das gute Stück nicht wieder. Das Pünktchen aufs „i“
setzte schliesslich das heftige Gewitter, das uns den letzten Rest an guter
Laune raubte. Aber als Ausgleich für all dies landeten wir am Schluss in Kamberg
im toll gelegenen International Backpackers bei John.
Da wir schon einmal in Kamberg waren, wollten wir auch auf der Pferdefarm Sans Souci vorbei schauen. Auf Sans Souci hatten Sylvia und Charlie, deren Afrikareise wir im Internet zwecks guter Tipps mitverfolgten, einige Monate verbracht. Wir wurden herzlich empfangen von Trisha, der Farmerin. Fast zwei Stunden sassen wir bei ihr im Haus und plauderten. Es ist immer sehr spannend, wenn Leute, die in Afrika aufgewachsen sind, aus ihrem Leben und von ihren Erfahrungen erzählen. So haben wir von Trisha zum Beispiel gelernt, dass praktisch keine der „Schwarzen-Sprachen“ die Zukunfts/- Futurform kennt. Die Zukunft wird mit einer Konditionalform (Möglichkeitsform) ausgedrückt. In Deutsch würde es dann etwa heissen: „Wenn möglicherweise morgen die Sonne scheint, arbeite ich möglicherweise“. Trisha erzählte auch, dass es bei vielen Stämmen Tradition ist, dass man nichts zurück lässt und bei einem Umzug zum Beispiel alles, das nicht mitgenommen wird, verbrannt, inklusive Haus, Bäume etc. Es soll niemand anders davon profitieren können. Diese zwei Aspekte widerspiegeln (oder begründen?) eindrücklich die so einzig aufs Heute konzentrierte Lebensweise der schwarzen Afrikanischen Bevölkerung. Den meisten Europäern täte es gut, etwas mehr im Heute zu leben. Dafür müssten die Afrikaner wohl lernen ein klein wenig häufiger an die Zukunft zu denken. Die gut 500 km zu den
Betonmetropolen Johannesburg und Pretoria fegten wir über die Autobahn – trotz
Autobahngebühren. Aber wir wollten nun endlich einmal etwas vorwärts kommen.
Johannesburg liessen wir links liegen. Die ehemalige Goldgräberstadt glänzt
heute leider v.a. durch Kriminalität. Unser Ziel war das geruhsamere nur 56 km
entfernte Pretoria. Pretoria ist die „administrative“ Hauptstadt Südafrikas.
Hier befinden sich – für Reisende immer wichtig – die allermeisten Botschaften.
Nach einer kurzen und recht lauten Nacht in einem Backpacker holten wir am
Montagmorgen Barbaras neuen Pass auf der Schweizer Botschaft ab. Schnurstracks
versuchten wir anschliessend unser Glück auf der Sudan Botschaft. Von anderen
Reiseberichten wussten wir, wie mühsam es ist, sich das Sudanvisum unterwegs zu
besorgen. Vor ein paar Jahren allerdings gab es dieses Visum in Pretoria ohne
grossen Aufwand mit 6 Monaten Einreisfrist. Heute leider nicht mehr, wie wir
feststellen mussten. Neu gibt’s auch hier nur noch Visa mit einmonatiger Frist
und was wir hierfür alles hätten bringen müssen! Neben dem üblichen Kram hätten
wir noch eine Bestätigung des Arbeitgebers und Bankauszüge vorweisen sollen, den
genauen Reiseweg sowie eine Garantie eines speziellen Sudanesischen Reisebüros…!
Ne danke! Auch Mozambiques Botschaft verliessen wir unverrichteter Dinge. Wir
hatten keine Lust, erstens überhaupt diesen hohen Betrag (Barbara 60.- Fr. /
Karsten 70.-) fürs Visum zu berappen und diesen zweitens auch noch auf einer
Bank einzahlen zu müssen (in Afrika verbringt man Stunden mit Anstehen auf Bank
und Post). Wir wollten es lieber gleich an der Grenze probieren.
Ihr nächstes Projekt ist die Anschaffung einer mobilen Veterinärsstation. Damit sollen Tierärzte kostenlos in den Townships Tiere verarzten und sterilisieren. Das ganz grosse Ziel von Irma und Herbert ist es allerdings, in Südafrika eine Gesetzesänderung zum Wohle aller Tiere herbeizuführen. Sie sind im Moment dabei, über Tierschutzorganisationen, Parlamentarier, freiwillige Helfer und Sponsoren alle vorhandenen Kräfte zu mobilisieren und kanalisieren. Wir drücken ihnen beide Daumen, dass sie im Interesse aller Tiere ihr Ziel bald erreichen. Im Cat Village haben wir eines
der wenigen Hilfsprojekte gefunden, die wir zukünftig von zu Hause unterstützen
werden. Hier sind wir überzeugt, dass unser Geld zu 100% den Tieren zu Gute
kommt. Wir haben auf unserer Reise durch Afrika viele Hilfsprogramme gesehen,
die zwar wohl sicher gut gemeint waren, aber aus unserer Sicht ihren Zweck nicht
wirklich erfüllt hatten. Wenn Leute Hilfsgüter ohne eigenen Einsatz oder Aufwand
erhalten, wissen sie sie all zu oft auch nicht zu schätzen. Zudem nützen ihnen
teure technische (z.B. medizinische) Apparaturen nichts, wenn sie niemand
richtig bedienen, geschweige denn reparieren kann und sie nach 3 Monaten wegen
eines an sich kleinen Defekts unbenützbar in einer Ecke vor sich hin rosten.
Ähnlich sieht es bei gespendeten Baumaschinen und Fahrzeugen aus. Diese werden
nicht selten ohne jegliche Unterhalts- und Servicearbeiten - wie zum Beispiel
einem simplen Ölwechsel – solange gefahren, bis sie den Geist aufgeben und
einfach stehen gelassen werden. Dass dies nach bereits relativ kurzer Zeit der
Fall ist, überrascht bei dieser Behandlung nicht! Aber nicht so schlimm, der
Spendenonkel im Weihnachtsmann-Kostüm liefert ja innert Kürze Ersatz frei Haus!
Uns stört auch, dass verschiedene Hilfsorganisationen mittlerweile so aufgebläht
sind, dass die Administration einen grossen Teil der Spenden weg frisst. Und
weshalb nur müssen Hilfswerksmitarbeiter immer mit den allerneusten Fahrzeugen,
meistens irgendwelche Nach-Nach-Nach-Nachfolgemodellen unseres Toyotas,
unterwegs sein? Ganz zu schweigen von den wenigen? schwarzen Schafen die sich am
Hilfswerksbuisness eine goldene Nase verdienen. Wir hatten uns vorgestellt,
dass wir die Tage, die wir mit Warten auf unsere Visa in Pretoria verbringen
müssten, sinnvoll mit der Hilfe im Cat Village nutzen würden. Nur klappte es ja
mit keinem Visum und deshalb viel unser Aufenthalt im Cat Village auch etwas
kürzer aus als gedacht. Während unseren 5 Tagen konnten wir bei den Tieren
selber wenig mithelfen. Bei Irma, Herbert und den Freiwilligen sitzen alle
Handgriffe und sie haben eine gewisse Routine im Ablauf. Wir wollten
ursprünglich helfen, die Katzenhäuschen zu isolieren, aber mittlerweile haben
sich Freiwillige gefunden, die sich darauf spezialisiert haben.
Bei Irma und Herbert hat es
immer Platz für freiwillige Helfer! Warum also nicht mal einen tollen
Südafrikaurlaub mit einigen Tagen sinnvollen Frondienstes verbinden? Wir stellen
gerne den Kontakt zwischen Interessenten und dem Cat Village her! Wem das zu
umständlich ist, kann Cat Village und die neuen Projekte natürlich auch
finanziell unterstützen: Von Cat Village konnten wir
uns erst am Mittag los reissen und kamen an diesem Tag nicht mehr gerade weit.
Weil es heftig gewitterte, hätten wir gerne eine Backpacker-Unterkunft gehabt.
Aber wir wären nur schon glücklich gewesen, wenn wir einen Campingplatz gefunden
hätten. So endeten wir beim Eindunkeln rund 100km vor Swazilands Grenze in einem
offiziellen Bush Camp. Leider war die Anlage verlassen, verschlossen und wohl
schon seit längerem nicht mehr genutzt worden. Dafür wars gratis…
Selbstverständlich fuhren wir am nächsten Morgen - nach einer
Baum-von-der-Strasse-Entfernungs-Aktion-im-Nieselregen - auf den ersten 20 km
mindestens an 4 Campingplätzen vorbei!
Südafrika hatte uns nie gereizt, nach Südafrika wollten wir eigentlich nicht wirklich und von Südafrika hatten wir nichts erwartet. Südafrika hat uns in jeder Hinsicht positiv überrascht, Südafrika ist ein fantastisches und einfaches Reiseland, wir haben Südafrika lieben gelernt! Maputo, 6. Februar 2007 |