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Swaziland    28.1. - 31.1.2007

Swaziland - klein aber fein. Für uns auf jeden Fall einen Umweg wert. Da visumsfrei und Mitglied der Zollunion sollte der Grenzübertritt einfach sein. Zum ersten Mal seit langem mussten wir uns aber mit einem übellaunigen Grenzbeamten rumschlagen. Er verlangte Malis Papiere und studierte mit Inbrunst das falsche Dokument. Barbara reichte ihm ganz korrekt ihren neuen, noch ganz jungfräulichen Pass. Nach 5  Minuten intensiven Blätterns fragte er nach dem südafrikanischen Ausreisestempel. Mit dem alten, annullierten Pass war er nun so glücklich, dass er darauf beharrte, den Einreisestempel in diesen ungültigen Pass zu setzen. Da half alles diskutieren nichts. Mit der Bezahlung der 50 Rand Strassengebühr hatten wir dann auch die letzte Hürde geschafft und waren somit in unserem 23. afrikanischen Land eingereist. 

Das kleine Königreich Swaziland ist gerade mal knapp halb so gross wie die Schweiz. Und wie in der Schweiz ist auch ein grosser Teil Swazilands hüglig oder gar bergig und sehr grün. Hier aber enden dann wohl die Gemeinsamkeiten. Swaziland ist mit 1 Million Leuten bedeutend weniger dicht besiedelt, gesprochen werden siSwati und Englisch und die Regierungsform ist eine Monarchie mit einem demokratisch gewählten Parlament.

Auf unserem Weg von der Grenze bei Bulembu nach Piggs Peak wurden wir mit einem ersten Wirtschaftsprodukt Swazilands konfrontiert: Piggs Peak ist das Holzfällerzentrum und die meisten der umliegenden Hügel im Nordwesten des Landes sind mit dichten Pinienwäldern bepflanzt, richtige Plantagen. Von der Sandpiste, die sich über die Hügel schlängelte, boten sich zwischendurch tolle Ausblick über das dunkelgrüne Hügelland. Als wir in Piggs Peak auf die Teerstrasse Richtung der 60 km entfernten Hauptstadt Mbabane einbogen, staunten wir nicht schlecht über die zahlreichen wie aus dem Nichts aufgetauchten Fahrzeuge mit Südafrikanischen Nummernschildern. Wir waren wohl  wieder auf der Touristenroute gelandet. Unsere Vermutung bestätigte sich bald durch die traditionell (un)bekleideten Kinder, die am Strassenrand Tänze für die Touris aufführten und die vielen Souvenirstände neben der Strasse. Es war witzig zuzusehen, wie zwei Südafrikanische Reisebusse ihre  souvenirversessene Fracht über die Stände ergoss und diese nach wohl nur 5 minütiger „Shoppingrast“ mit ihren Beutestücken schwer beladen wieder in den Bus kletterte. Da haben die Händler wohl für einige Wochen ausgesorgt. Und wer hätte es geglaubt, sogar Wohnmobile waren hier unterwegs.

Mittlerweile waren die Pinienwälder durch hüglige Graslandschaft gespickt mit seltsam rund geschliffenen Felsen und einem grossen Stausee abgelöst worden. In einer schönen Lodge mit angegliedertem Backpacker versuchten wir unser Glück. Die schwarze Angestellte war mit unserem Anliegen, neben dem Backpacker zu campieren völlig überfordert. Das hätten sie noch nie gehabt. Zudem sei ihre Chefin heute nicht da und sie könne dies nicht selber entscheiden. Aber nein, noch nie gehabt – also geht’s auch nicht. Typisch Afrika!

Nur ein paar Kilometer später stiessen wir auf eine, sich zwar teilweise noch im Bau befindliche, sechsspurige Autobahn. Die passte nun gar nicht hierhin, führte uns aber auf direktem Weg in die Hauptstadt Mbabane. Vorher allerdings mussten wir noch einem ganz frischen, hässlichen Autounfall auf der Gegenfahrbahn ausweichen. Ein vollbesetzter Minibus (hier das öffentliche Verkehrsmittel) klebte kopfüber an der Mittelleitplanke. Da mussten sich Ambulanz und Feuerwehr leider nicht mehr beeilen. Wir hatten bis jetzt glücklicherweise noch nie einen solchen Unfall gesehen, aber die vielen Wracks in Afrikas Strassengräben sprechen eine deutliche Sprache. Es ist ja leider nicht nur so, dass die völlig überfüllten Busse in einem schlechten Zustand sind. Hinzu kommen in aller Regel fehlende Versicherung und  halsbrecherische Fahrweise. Das Leben auf Afrikas Strassen ist gerade für schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fussgänger, Velofahrer, Eselskarren, Tiere, kleine Autos – eigentlich alles was nicht gerade Lastwagengrösse hat – recht gefährlich. Es gilt das Recht des Stärkeren, gebremst wird nur, wenn man selber Schaden davon tragen könnte. Wir fahren grundsätzlich möglichst defensiv und vorsichtig und sind heilfroh, wenn auch weiterhin nichts passiert. Denn zu allem Übel müsste man sich dann ja auch noch mit dem einheimischen Gesetz und der lokalen Polizei herum schlagen. Und als Ausländer zieht man da in aller Regel den Kürzeren… Für Unfallsituationen mit Personenschaden haben wir schon die gegensätzlichsten Ratschläge erhalten: Am Besten sei es, die Familienangehörigen rasch für alle geltend gemachten Kosten auszubezahlen und zu verschwinden um möglichst nicht mit Polizei und Gesetz in Kontakt zu geraten. Denn Afrikas Mühlen mahlen langsam und eine Gefängniserfahrung in Afrika ist wohl das letzte, was man sich als Ausländer wünscht. Oder aber genau das Gegenteil: Man solle so schnell wie möglich von der Unfallstelle verschwinden und zur nächsten richtigen Polizeistation fahren um Meldung zu machen um alles gesetzlich zu regeln. Anderenfalls werde man von den Angehörigen gleich vor Ort gelyncht.    Fazit: Es darf halt einfach nichts passieren!

Mbabane überraschte uns. Die Hauptstadt gleicht viel mehr einem grossen, gut ausgebauten Dorf. Mbabane liegt erhöht auf und zwischen Hügeln und verfügt dadurch über ein angenehmes Klima. Die Leute wirkten auf uns gelöst, fröhlich und entspannt. Sogar die Businessmen in ihren Anzügen und die fürs Geschäft herausgeputzten Frauen waren trotz ihrer zielstrebigen Gangart relaxed. Während wir auf unser Mozambique-Visum warteten,  hatten wir genug Zeit, das bunte Treiben zu beobachten. Wir sassen in einem grossen und modernen Shoppingcenter auf der Terrasse eines Fast Food-Restaurants und liessen die Leute an uns vorbei defilieren. Wir kamen uns einmal mehr ganz und gar nicht vor wie in Afrika. Allerdings trafen sich auch hier Tradition und Moderne: Ein interessantes Bild, wenn halbnackte, traditionell in Tuch und Fell gekleidete Leute durch das ultra moderne Einkaufsparadies bummeln!
Am Nachmittag, nach nur gerade 4 Stunden Wartezeit, konnten wir unsere Mozambique-Visa bereits abholen, für lächerliche 85 Rand pro Person. Zur Erinnerung: In Pretoria hätte uns genau das gleiche Visum viermal mehr gekostet – weshalb auch immer!  

Wir verliessen Mbabane Richtung Osten. Hier windet sich die Autobahn gleich ausserhalb der Stadt steil die Hügel hinunter ins geschichtsträchtige Ezulwini-Tal. Seit sich der erste König Swazilands zu Beginn des 19. Jahrhunderts wegen Angriffen der Zulus in dieses Tal zurückzog, gilt es als Stammlande der Königsfamilie. Swaziland wurde nach rund 60 Jahren britischem Protektorat 1968 unabhängig. Allerdings löste der König Sobhuza II nur fünf Jahre später die Verfassung  - mehrheitlich ein Werk der Briten – und alle politischen Parteien auf. Vier Jahre später standen die neue Verfassung und das neue Parlamente. Die ganze Macht lag nun beim König. Er hielt die alte Kultur und Tradition hoch. So liess er sich, wie sein Nachfolger heute, gerne in traditioneller Fellkleidung und bei rituellen Festen ablichten. Als König Sobhuza II 1982 starb, hinterliess er über 100 Ehefrauen und mehr als 600 Kinder. Ganz der Tradition entsprechend wurde eine 75tägige Trauerzeit ausgerufen und strengstens durchgesetzt. Erlaubt war in dieser Zeit nur die Erfüllung der essentiellsten Handelsbedürfnisse, die das Weiterbestehen der Nationen sicherten – und dies schloss z.B. jegliche Vergnügen körperlicher Natur aus. Wer in dieser Zeit Sex hatte, wurde ausgepeitscht. Bei der riesigen Anzahl der potentiellen königlichen Thronfolger gestaltete sich die Auswahl des Nachfolgers als schwierig. 1986 schliesslich wurde ein 18jähriger Prinz zu König Mswati III gekrönt. 

Auch wenn heute demokratische Reformen Boden gut machen, regiert(e) König Maswati das Land ganz in den Fussstapfen seines Vaters: traditionell und als absoluter Monarch – zum Guten, häufig wohl aber eher zum Schlechten des Landes. So zum Beispiel kaufte sich der junge König 2002 entgegen allen internationalen und nationalen Protesten einen königlichen Jet. Kostenpunkt? 45 Millionen US Dollar – zu einer Zeit als viele Swazis darum kämpften, nicht zu verhungern!
Kurz bevor wir in der Schweiz losgefahren waren, hatten wir aus der Zeitung erfahren, dass Swazilands König eben seine 13. Frau geehelicht hatte. Vermutlich wird er heute bereits 14 oder 15 Ehefrauen haben. Traditionsgemäss wählt sich der König beim jährlichen Umhalanga eine weitere Ehefrau. Bei diesem “Schilf-Tanz“ sammeln unverheiratete Mädchen eine Woche lang Schilf für den Unterhalt und die Reparatur des königlichen Palastes. Am sechsten Tag vollführen sie den eigentlichen Tanz und bringen das Schilf der Königsmutter. Der Umhalanga ist eine Art sechstägiger Debutantinnen-Ball für die heiratsfähigen jungen Swazifrauen und ein Laufsteg für potentielle königliche Ehefrauen. Negative Schlagzeilen im Zusammenhang mit dem Umhalanga machte der König 2002. Er erwählte sich ein 18jähriges Mädchen zu seiner 10. Ehefrau. Deren Mutter allerdings wollte den König vor Gericht bringen, weil er die Tochter gegen ihren Willen festhalten und missbrauchen würde. Der oberste Richter sowie zwei weitere Richter wurden gezwungen, ihr Amt niederzulegen, da sie sich dem königlichen Befehl widersetzt und geweigert hatten, den Fall unbearbeitet ad acta zu legen. Dies führte dazu, dass Richter und Anwälte in Swaziland in Streik traten um zu protestieren gegen die Unantastbarkeit des Königs, bzw. dessen Weigerung, sich dem Recht zu unterwerfen.
Trotz aller Vorbehalte ist der König eine starke Vorbildsfigur. Er wird „Löwe“ genannt (englisch also: the lion king!). Will man der Monarchenstellung und der königlichen Mehrfachehe etwas Positives abgewinnen, kann man argumentieren, dass durch absolute Macht und starke familiäre Verbindungen zu den unterschiedlichsten Clans die relative Stabilität und Unabhängigkeit Swazilands gesichert wird. Im Vergleich zu Lesotho erscheint uns Swaziland insgesamt auch wohlhabender und moderner. Bettelnden Leuen begegneten wir nicht, dafür unzähligen Schulkindern, die sich brennend für unsere Reise und die Verhältnisse in Europa interessierten. 

Das königliche Ezulwini Tal ist heute leider mehrheitlich mit modernen und luxuriösen Ferienanlagen (mit Golf, Tennisplätzen, Spa etc) verbaut. Von der eigentlichen Kultur bekommt man nur bei den traditionellen Festern etwas mit. Weil der Umhalanga leider im August oder September statt findet, mussten auch wir uns mit Bildern dieses Spektakels begnügen. Trotz zwei Anläufen fanden wir nicht einmal den traditionellen königlichen Schilfpalast. 

Mbabane und das Ezulwini-Tal verfügen über eine gute touristische Infrastruktur. So fanden wir in der Hauptstadt ein Backpacker (mit DVD-Verleih und Pizza-Delivery, aber sehr hundeunfreundlich) und in Ezulwini einen schönen aber teuren Campingplatz. Das war es dann aber auch schon. Die wenigen weitern Unterkünfte im Land befinden sich entweder in einem der drei Nationalparks oder aber sind nicht gewillt, Leute auf ihrem Gelände campieren zu lassen. Für Bushcamps ist die zentrale und südöstliche Region Swazilands zu dicht besiedelt.  Dies mussten wir feststellen, als wir am nächsten Tag eine Rundtour bis an die südliche und östliche Grenze des Landes fuhren um abends schliesslich beim Eindunkeln gezwungener Massen wieder in Ezulwini zu landen. Wenigstens mussten wir nicht mehr auf den teuren Camping sondern fanden ein nettes und günstiges Backpacker. Trotzdem aber hatte sich dieser Loop gelohnt. Wir konnten Swazilands unterschiedliche Landschaftsformen geniessen. Sobald wir etwas ausserhalb Manzini waren, fuhren wir nämlich wieder durch schöne Natur im Grand Valley südwärts, einzig unterbrochen durch die typischen kleinen Dörfer. Links und rechts der der modernen Teerstrasse reckten sich dicht bewaldete Hügel himmelwärts. An Swazilands Südgrenze mussten wir uns erst einmal durchfragen um die richtige Strasse ostwärts zu finden, da plötzlich alle Schilder fehlten. Allmählich wandelte sich nun auch die Landschaft, bis sie im östlichen Tiefland von riesigen Zuckerrohrplantagen geprägt war. Am späten Nachmittag engagierten waren wir uns schliesslich noch in einem „Landy-Hilfsprojekt“. Der Engländer Steve stand verzweifelt am Strassenrand neben seinem umgebauten 6x6 Landy, der aus unerfindlichen Gründen keinen Wank mehr machte. Steve war ebenfalls entlang der Westküste unterwegs gewesen, hatte aber als Alleinreisender aus Sicherheitsgründen von Lagos nach Kapstadt verschifft. Nach einigem Hin und Her und ergebnisloser Mechanikersuche in der Umgebung, versuchten wir schliesslich doch, den schweren Landy  anzustossen. Und siehe da, obwohl es leicht bergauf ging, schafften wir es zu zweit und der Mithilfe von etwa zwanzig Kindern das Auto ins Rollen zu bringen. Ruck, ruck – ruck, ruck und der Landy sprang an, so wie es Karsten gleich zu Beginn prophezeit hatte. Endlich nun kam unsere Geschenkkiste einmal zum Einsatz. Diese Kinder werden zukünftig sicher jederzeit einem gestrandeten Touristen weiterhelfen … 

Wie immer unterwegs erhielten wir auch in Swaziland von vielen netten Leuten Reisetipps. So erfuhren wir, dass der kleine Grenzübergang im Osten des Landes nach Mozambique mittlerweile eröffnet wurde. Unsere Karten wiesen ihn noch als geschlossen aus. Diese Strecke solle auf bester Strasse durch landschaftlich sehr schöne Gegend zum kaum frequentierten Grenzübergang führen. Deshalb solle dort die Einreise ins Nachbarland Mozambique zügig und problemlos erfolgen – ganz anders als beim Grenzübergang weiter nördlich. Im Übrigen sollen wir in Swaziland noch voll tanken, da der Treibstoff in Mozambique doppelt so teuer sei. Diese Tipps waren Gold wert! Nach nur 90 Minuten Fahrt über das schöne Grenzgebirge Lebombo Mountains standen wir vollgetankt am modernen und absolut leeren Grenzübergang Goba. Hier war auch der junge Zöllner auf Draht, erkannte sofort, dass Barbaras alter Pass ungültig war und setzte den Ausreisestempel diskussionslos in den neuen Pass. Über die Dummheit seines Kollegen bei der Einreise schüttelte er nur lachend den Kopf. Einen Augenblick später war Swaziland für uns nur noch eine schöne, bleibende Erinnerung.

Maputo, 12. Februar 2007