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Tansania          1.4. - 2.5.2007  /  24.5. - 11.6.2007

Süd- und Zentraltansania

Tansania – hier gibt’s alles. Wenn wir als Kinder zu Hause Bilderbücher angeschaut und über die Fotos der gelben Savannenlandschaft mit den furchterregend schönen Tieren, der imposant geschmückten Masai, des schneebedeckten Kilimanjaro, der riesigen Seen, der paradiesischen Strände und der Wolkenkratzer direkt am Meer gestaunt hatten, so erlebten wir dies alles und viel mehr eins zu eins hier in Tansania. In diesem riesig grossen Land findet jede Vegetationszone (ausser die Wüste) ihr Plätzchen. Tansania erstreckt sich von knapp südlich des Äquators (1° südliche Breite) bis an die Grenze Mosambiks auf 11° südlicher Breite und von Meereshöhe bis zum Gipfel des Kilimanjaros auf 5’895 Metern. Das Land misst 945’000 km2, oder anders gesagt es ist rund 23mal so gross wie die Schweiz oder doppelt so gross wie Schweden. Es werden über 100 Sprachen gesprochen. Jeder Stamm hat seine eigene Sprache und die Sprachen sind nur teilweise mit einander verwandt. Und dies alles ist nur ein kleiner Teil der Vielfältigkeit, die uns in Tansania erwartete.

Vom Grenzübergang zwischen Malawi und Tansania hatten wir bisher nur negative Stories gehört: mühsam, unfreundlich, langwierig und teuer. Einmal mehr war unsere eigene Erfahrung eine ganz andere. Zwar wurden auch wir von einem Büro ins andere geschickt, wurden aber überall äusserst freundlich, rasch und kompetent behandelt. Anstatt der teuren Raodtax bezahlten wir nur 5.-$ Transitgebühren und glücklicherweise merkte niemand, dass wir anstatt 7 Tagen einen ganzen Monat in Tansania rumgekurvt waren. Ganz verblüfft stellten wir fest, dass sogar der Preis der Haftpflichtversicherung Verhandlungssache ist. Für die Yellowcard mit sechs Monaten Gültigkeit bis nach Ägypten wollte der eifrige Versicherungshengst zuerst 200.-$, verkaufte sie uns dann aber schliesslich doch für 100.-$. Auf dem ganzen Zollgelände wurde in grossen Schildern darauf hingewiesen, dass Geldwechseln auf der Strasse verboten ist. Dies hielt aber die fliegend Händler nicht davon ab, uns ganze Bündel von Geldscheinen unter die Nase zu halten. Aber wir hatten zum Glück bereits auf der Malawiseite in einer offiziellen Wechselstube (wohl zum ersten Mal) getauscht.

Unsere erste Nacht in Tansania verbrachten wir in Tukuyu auf einem Schulgelände. Die Region um Tukuyu ist das regenreichste Gebiet Tansanias. Entsprechend grün und üppig ist die Vegetation, die sich über die hügelige, schon fast bergige Landschaft zieht. Riesige Bananenbäume, Reis-, Mais-, Tabakfelder und endlose Teeplantagen zieren das Bild. Einfach wundervoll! Von Ruarwe Tea and Tour erfuhren wir alles Wissenswerte über Tee. Wir besuchten Cecilia, eine der vielen Tee-Kleinbauern. Eingequetscht zwischen ihrem kleinen Haus, den Ställen für die Tiere und dem nächsten Wohnhaus bewirtschaftet sie eine Aare Teestauden. Sie erklärte uns, dass der Tee dann geerntet wird, wenn zwei saftig grüne Blätter die Krone zieren und dass nur diese Blätter gepflückt werden dürfen. Eine Ernte ist zwei- bis dreimal monatlich möglich und bringt ihr mit ihrer einen Aare Teestauden 8’000 bis 10’000 Shilling (ca. 8 bis 10.- Fr.) monatlich ein. Alle Kleinbauern sind in einer Vereinigung zusammengeschlossen und haben entsprechend gewichtigeres Mitspracherecht, wenn es um die Weiterverarbeitung des Tees in der Fabrik und um die Preispolitik geht. Der Tee wird unter dem Label „faretrade“ zu einem fairen Preis verkauft. Anschliessend besuchten wir eine riesige Teeplantage etwas ausserhalb. Hier pflücken 200 Leute täglich irgendwo auf den 18'000 Hektaren. Die Teepflücker – meistens Frauen – werden pro Kilo gepflücktem Tee bezahlt. Für ein Kilogramm Tee erhalten sie 35 Shilling (35 Rappen). Geübte Teepflücker schaffen bis zu 100 kg pro Tag und verdienen dafür Fr. 3.50. Der Plantagenmanager, der in seiner weissen Kleidung, den Gummistiefeln und dem Holzstock über die Felder marschierte, erinnerte uns stark an einen ehemaligen Kolonialherren …

Zügig nahmen wir anschliessend den Weg Richtung Dar-es-Salam unter die Räder. In einigen Tagen wollten wir Marcel dort am Flughafen abholen und der Weg war noch viele hundert Kilometer weit. Er führte uns vorbei an endlosen Wiesen, Sonnenblumenfelder und auf ein Hochplateau hinauf, wo wir durch dichte Pinienwälder fuhren. Auf knapp 1900 Metern frohren wir diese Nacht ganz schön vor uns hin bei kalten 15°C. Entschädigt wurden wir aber durch ein exquisites drei Gängemenu im Old Farmhouse bei romantischer Kerzenlicht Ambiance und heissen Kohlebecken an den Füssen. Auf der Teerstrasse gings am nächsten Tag vorbei an kleinen Dörfer und schnell viel uns auf, dass in Tansania offenbar ein weit höherer Standard herrscht als in anderen Afrikanischen Ländern. Die allermeisten Häuser waren solide gebaut mit Wellblechdach oder Ziegeln, Veranda und, wir glaubten es kaum, mit richtigen Glasfenstern. Auch die Kleidung der Leute wirkte neurer und teurer.
 
Dieser relative Reichtum mag vielleicht daher kommen, dass Tansania im Unterschied zu den meisten anderen Afrikanischen Ländern keinen Bürgerkrieg hatte und Innenpolitisch über viele Jahre stabil war. Denn rein wirtschaftlich gesehen, gehörte Tansania lange zu den ärmsten Ländern der Welt bis es anfangs der 90 Jahre erhebliche Unterstützungshilfe erhielt. 1961 erlebte Tansania einen friedlichen Übergang von der britischen Kolonie Tanganyika in die Unabhängigkeit. Der erste Präsident Julius Nyerere, ein ehemaliger Volksschullehrer, setzte auf den Sozialismus mit dem chinesischen Kommunismus als Model. Er übernahm ein Land das sowohl an Rohstoffen wie an ausgebildeten Arbeitskräften arm war. Die sozialistische Politik erwies sich bald als wirtschaftlicher Fehlschlag. Als Nyerere 1978 offen das mörderische Regime Idi Amins in Uganda verurteilte, führte dies zu einem Krieg zwischen den beiden Ländern. Städte in Tansanias Westen wurden bombardiert, im Gegenzug marschierte Tansania in Uganda ein und beendete Amins Herrschaft. Dieser Krieg trocknete das Land wirtschaftlich noch weiter aus, so dass sich Nyerere schliesslich 1985 dazu entschloss, zurück zu treten. Er ist wohl einer der ganz wenigen afrikanischen Präsidenten der aus eigener Initiative und friedlich aus dem Amt schied. Ebenso dürfte seine öffentliche Rechenschaft über begangene Fehler und Erfolge in seiner Amtszeit in der afrikanischen Geschichte einzigartig sein. Kein Wunder wird der 1999 verstorbene Nyerere bis heute in Tansania verehrt. Hier wird er „Mwalimu“ (Lehrer) genannt, ausserhalb bezieht man sich auf ihn als das „Gewissen Schwarzafrikas“. Nyereres grösster Erfolg war es mit Sicherheit, das Stammesdenken der Bevölkerung, das in vielen anderen afrikanischen Ländern zu Bürgerkriegen geführt hatte, zu unterdrücken zugunsten einem Nationendenken. Die Leute in Tansania fühlen sich in erster Line als Tansanier. Die Stammeszugehörigkeit steht an zweiter Stelle.
Friedlich ging es innenpolitisch weiter mit der Entwicklung zum demokratischen Mehrparteiensystem.

Ein imposanter Pass führte uns schliesslich wieder ins Tiefland hinunter und durch das gespenstische Baobab-Valley – Berghänge gesäumt von regelrechten Baobab-Wäldern – entlang des Ruahariver zum Mikumi Nationalpark. Die geteerte Transitstrasse nach Dar-es-Salam führt über 50 km mitten durch den Park hindurch und wird von donnernden Lastwagen stark frequentiert. Und trotzdem, auf dieser Strecke durch den Nationalpark sahen wir unglaublich viele Tiere. Da der Transit kostenfrei ist, fuhren wir gleich dreimal hin und her (zweimal am Abend und nochmals am nächsten Morgen). Riesige Elefantenherden, weit über 50 Stück grasten friedlich in der Ebene neben zahlreichen Giraffen und Zebras. Überall wimmelte es von Impalas. Eine Pavianhorde mit einigen Männchen und vielen Weibchen mit ganz kleinen Jungen am Bauch oder auf dem Rücken machte uns ihre Aufwartung am Strassenrand. Sogar die eher seltenen Büffel entdeckten wir keine 30 Meter von der Strasse entfernt, wie sie sich in einem Schlammloch suhlten. Die Tiere scheinen sich an den stinkenden und lärmenden Schwerverkehr gewöhnt zu haben. Keine drei Meter neben der Strasse liessen sich die Elefanten nicht stören beim Grasen und eine Giraffe stand seelenruhig am Strassenrand, während ein 40 Tonner zwei Meter neben ihr mit etwa 60 kmh vorbeidonnerte. Als wir allerdings langsam heran rollten und dann stehen blieben, suchte sie erschreckt das Weite. Und dann, wir trauten erst unseren Augen nicht, entdeckten wir doch tatsächlich keine 10 Meter neben der Strasse eine Löwin. Unser Glückstag! Sie trottete gerade von einem Baum in den Schatten des nächsten Baumes, wo sie sich faul ins meterhohe Gras fallen liess und somit wieder unsichtbar wurde. Mit einem Schaudern kam uns doch gleich wieder der Velofahrer in den Sinn, den wir am Vortag über die Transitstrasse durch den Park hatten trampeln sehen. An  wie vielen Löwen ist der wohl vorbei gekeucht?

Unterwegs besichtigten wir eine Schlangenfarm mit den gefährlichsten Exemplaren des Afrikanischen Kontinents. Im ersten Moment erschien uns zwar die ausgewachsene Python wenig gefährlich da ungiftig, aber diese tag- und nachtaktive Würgeschlange überwältigt einen Teenager innert Minuten. Mit den verschiedenen Kobras, viel sind zum Glück vor allem nachtaktiv, ist auch nicht zu Spassen, kann das Gift der meisten doch für ausgewachsene Menschen innert weniger Stunden zum Tod führen. Die Puffotter ist für die meisten tödlichen Schlangenbisse in Afrika verantwortlich. Sie ist sehr gut getarnt und eine der wenigen Schlangen, die nicht ausweicht. Sie bleibt träge und bewegungslos am Boden liegen und wird deshalb häufig erst gesehen, wenn es zu spät ist.  Das Gift der Gabon Otter ist noch gefährlicher und am meisten gefürchtet wird die Mamba. Die grüne Mamba lebt vorwiegend in Bäumen und ist sehr scheu, weshalb es glücklicherweise zu wenigen Unfällen mit Menschen kommt. Anders die schwarze Mamba. Sie ist sowohl am Boden wie in den Bäumen anzutreffen, ist blitzschnell und soll recht aggressiv sein. Sie ist dunkelgrün, braun oder grau gefärbt, sehr lange und dünn, mit bis zu 4.5 Metern die längste Schlange überhaupt. Ihren Name hat sie vom tiefschwarzen Gaumensegel. Sie ist hoch giftig und gemeinerweise beisst sie ihr Opfer in den höchsten erreichbaren Punkt. Unglaublich aber wahr: Sie kann sich soweit aufrichten um einen Menschen in den Brustbereich oder Kopf zu beissen – was die tödliche Wirkung des Gifts noch unterstützt. Unser Guide erzählte uns, dass die Einheimischen die Schwarzen Mambas fangen würden, indem sie mit Töpfen mit heissem Brei auf den Köpfen unter den Bäumen entlang gehen würden. Die Mambas würden sich aus den Bäumen auf ihr Opfer stürzen und kopf voran in den heissen Brei eintauchen. Dadurch würden sie erblinden und könnten leicht getötet werden. Schon möglich, wir möchten es aber sicher nicht ausprobieren! Die Boumslang und die Vinesnake, beides Baumschlangen, sind sehr gefährlich, weil es bis heute kein Serum gegen ihr Gift gibt. Neuerdings soll aber in Südafrika ein wirksames Mittel entwickelt worden sein, das aber nirgends erhältlich ist. Der einzige Trost ist, dass diese Schlangen scheu sind und sich ihre Fangzähne ganz hinten im Rachen befinden. Um ihr Gift ein zu spritzen, müssen sie also ihren ganzen Rachen öffnen und um einen Körperteil des Opfers wickeln können, wie zum Beispiel um einen Finger, einen Handkante oder Handgelenk. Barbara, die riesigen Respekt vor Schlangen hat, hatte sich eigentlich erhofft, mit dem Besuch der Schlangenfarm etwas von dem ungutes Gefühl abzubauen, aber weit gefehlt….! Da half es auch nichts, als sie erfuhr, dass auf der Schlangenfarm kein Schlangenserum für die Mitarbeiter vorhanden ist, weil zu teuer und noch nie etwas passiert!

Schon weit vor Dar-es-Salam begannen sich die unzähligen Laster auf der Strasse zu stauen und im Zentrum ging gar nichts mehr. Ein solches Verkehrschaos hatten wir in Afrika noch selten erlebt! Es dauerte Stunden bis wir endlich die Nordbeach erreichten, wo Marcel für uns drei ein schönes Haus gemietet hatte. Uns blieb gerade noch Zeit, schnell einiges vom Auto ins Haus zu räumen, etwas essbares hinunter zu schlingen und schon mussten wir uns wieder ins Verkehrschaos stürzen, dieses Mal Richtung Flughafen. Gar nicht so einfach, in der Finsternis ohne Strassenbeleuchtung und –beschriftung und ohne Stadtplan den Flughafen zu finden. Zum Glück hatten wir grosszügig zwei Stunden Fahrzeit eingerechnet (für ca. 25 km!) und schafften es so gerade noch Marcel pünktlich am Flughafen in Empfang zu nehmen. Wir freuten uns riesig über unseren Besuch aus der Schweiz! Wieder zurück in unserer Villa gings dann erst einmal ans Geschenke auspacken: Schoggi und Käse – ja sogar ein Fondue – von zu Hause. Ein Fixleintuch für unser Bett (unseres hat sich nach über einem Jahr täglichen Gebrauchs in seine Bestandteile aufgelöst) und Imprägnierspray für unser Dach (die Regenzeit erwartet uns)  - beides in Afrika in vernünftiger Qualität nicht vorhanden. Und vieles mehr – Weihnachten an Ostern! Wir waren so begierig darauf, möglichst viel von zu Hause zu erfahren, dass es weit nach Mitternacht wurde, bis wir erschöpft ins Bett torkelten. Und welch böses Erwachen am nächsten Morgen: Unserem vor der Haustür im eingezäunten und bewachten Grundstück parkierten Auto fehlten beide Rücklichter (die Kabel waren kurzerhand durchgeschnitten worden), der linke Blinker vorne war weg und dem Aussenspiegel fehlte bereits eine von zwei Schrauben. Und das Schlimmste: im vorderen Blinker war unser Reserveautoschlüssel versteckt! Nach 16 Monaten diebstahlfreiem Afrika nun eine solche Begrüssung in Dar-es-Salam! Für Barbara bedeutete es  den ganzen Vormittag in der lottrigen Polizeistation zu verbringen zwecks Rapporterstattung und in aller Ruhe Tansanias Rechtssystem in der Praxis studieren zu können. In einer heruntergekommenen Besenkammer nahm ein Beamter den Rapport auf, handschriftlich - wegen seinen mangelhaften Englischkenntnissen gemäss Barbaras buchstabierendem Diktat. Rundherum stapelten sich verstaubte Papierberge – vermutlich Akten – bis an die Decke. Ob da jemals ein Dossier wieder gefunden wird? Gerade als Barbara etliche Stunden später mit einem offiziellen Diebstahlsrapport das Polizeigebäude verlassen wollte, rief der Wächter an und teilte aufgeregt mit, dass verdächtige Leute ums Haus streichen würden. Ruckzuck trommelte der Polizeichef einige Helfer zusammen um die Verdächtigen gleich vor Ort fest zu nehmen. Angeblich waren gerade alle Polizeifahrzeuge im Einsatz, so dass erst ein Pick-up-Taxi organisiert werden musste – selbstverständlich zu unseren Kosten (wir erhielten später aber vom Hauseigentümer eine Rückerstattung). Mit dem Pick-up mit rund zehn Helfern auf der Ladefläche gings zurück zum Haus, wo tatsächlich ein Stadtstreicher darauf wartete, von der Polizei mitgenommen zu werden. Wer sich nun wirklich an unseren Autoteilen bereichert hatte, werden wir wohl nie erfahren. Am gleichen Nachmittag konnte Karsten jedoch alle Ersatzteile in neuwertiger Qualität für nur 30.- $ auf Dars Märkten auftreiben. Einzig unser abhanden gekommener Reserveschlüssel machte uns etwas Sorgen. Zum ersten Mal waren nun unsere in Namibia an allen Türen angebrachten zusätzlichen Schliessvorrichtungen mit Hängeschlössern Gold wert. Alles in allem sind wir nochmals mit einem blauen Auge davon gekommen! 

Die zehn Tage in unserer luxuriösen Villa mit grossem Garten verging wie im Flug mit Plaudern, langen Strandspaziergängen, Baden, Lesen, Spielen und Faulenzen. Nach einem ersten Versuch, der in stundenlangem Anstehen im Stau endete (immerhin schafften wir es bis ins Mövenpick-Hotel zu einem feinen Caramelita-Glace – Luxus pur!) verzichteten wir auf weitere Stadtbesuche. Auch unseren 2tägigen Sansibar-Besuch bliesen wir verärgert ab, nachdem wir im Hafen aufs mühsamste bedrängt wurden, uns der Spass ganze 70.-$ pro Person für Hin- und Rückfahrt (je zwei Stunden) mit dem Schiff hätte kosten sollen (ein Vermögen in Afrika!), wir zusätzlich für Mali hätten bezahlen müssen und sie für die Überfahrt auf einer moslemischen Fähre in eine Box hätten packen oder auf ein christliches Schiff hätten warten müssen. Touristenabzocke par Exellence - zum Kotzen! [Anmerkung zum Preisvergleich: später erkundigten wir uns, was eine Verladung unseres Autos per Kran für eine 9stündige Schiffsüberfahrt auf dem Victoriasee kosten würde – 34.-$ fürs Auto und je 15.-$ pro Person in einer Erstklass-Kabine, insgesamt also 64.-$!!!].

Dafür setzten wir unser Safari-Vorhaben trotz widriger Regenzeitbedingungen in die Tat um. Die Anfahrt in das im Süden gelegene Selous Game Reserve dauerte anstatt der versprochenen sechs Stunden ganze zehn Stunden - unter anderem einmal mehr wegen Stau in Dar. Wir mussten uns auf kleinen Pisten durch tiefe Wasser- und Schlammlöcher kämpfen. An manchen Stellen hatte sich die Piste mitten in den Dörfern in kleine Seen verwandelt, in denen fröhlich Enten umher schwaderten. Erst in der Dunkelheit erreichten wir das zwei Kilometer ausserhalb des Parks gelegene Mbega-Camp. Was uns in der Dunkelheit als abweisend und ungepflegt erschien, entpuppte sich am nächsten Tag bei Licht als herziger Campingplatz mitten im Dschungel und direkt am Ufer des breiten Ruaharivers. Das Highlight von Marcel und Karstens morgentlicher Bootssafari war sicher die Hippo-Mutter mit ihren ganz kleinen zwei Jungen an Land beim Grasen. Aber natürlich fehlten auch Krokodile und die verschiedensten Vogelarten nicht. Am Nachmittag liessen sich Barbara und Marcel im offenen Landrover auf einen Game Drive in den Park chauffieren. Kleine Waldelefanten mit einer erfahrenen Leitkuh (Weibchen führen Herden an, Bullen sind meist Einzelgänger), Paviane, Warzenschweine, Impalas (Marcels Kommentar: ein Impala müsste man sein - 30 Weibchen auf ein Männchen …), grosse Herden bis zu 40 Stück von Masai- und Netzgiraffen in unmittelbarer Nähe, unzählige Webervögel mit ihren Nestern (Barbaras Kommentar: so ist’s richtig – die Männchen bauen ein Nest und das Weibchen sucht sich das schönste Nest aus), und zum Abschluss eine Löwin als Shooting Star. Das Selous Game Reserve ist einer der beiden Parks in Tansania, wo die seltenen Baumlöwen vorkommen. Wir entdeckten unsere Löwin im hohen Gras. Nachdem sie lange für uns in nur zwei Metern Entfernung posiert hatte, strich sie ums Auto herum und kletterte flink auf einen nahen Baum um sich nochmals in Pose zu werfen. Hatten wir jetzt tatsächlich einen Baumlöwen vor uns? Unglaublich, unser Glück!

                

Die letzten Ferientage mit Marcel verbrachten wir an der sauberen, langen und weisssandigen Südbeach von Dar-es-Salam im Sunrise Beach Bungalow/Camping Resort. Nach zähen Verhandlungen bezahlte Marcel für seinen schönen Executive-Bungalow mit täglich 50.-$ gleich viel, wie uns die 8 Personen-Villa an der Nordbeach pro Tag gekostet hatte! Die Villa war ein richtiges Schnäppchen! Dafür war der Strand im Süden nun viel sauberer und das Wasser kristallklar. Und Marcel konnte in vollen Zügen der indischen Küche frönen. Obwohl nur sieben Kilometer von Tansanias grösster Stadt (3 Millionen Einwohner) entfernt, war von der Metropole weder etwas zu sehen noch zu spüren. Wunderbar! Trotzdem waren wir in kürzester Zeit mit dem Auto im Stadtzentrum, sofern wir nicht allzu lange auf die Fähre warten mussten, die Autos, Waren und Menschen innerhalb zehn Minuten vom Südufer ins Zentrum spedierte. Wir stellten aber rasch fest, dass es in Dar-es-Salam eigentlich nichts zu sehen gibt – eine nicht sehr afrikanische Grossstadt mehr. Da blieben wir doch lieber an der Beach und lernten dort die Belgier Bret und Lieven kennen, die mit ihrem Toyota die Ostküste herunter gefahren waren und uns viele wertvolle Infos geben konnten. Schnell fanden wir heraus, dass die beiden unterwegs „unsere“ Holländer und Rick getroffen hatten. In Afrika kennen sich die Reisenden untereinander - wie klein ist doch die Welt! Gemeinsam genossen wir entspannte Tage an der Beach. So richtig Ferien im Liegestuhl. Brets anfänglich unangenehme und schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Seeigel entwickelte sich rasch zu einem interessanten medizinischen Experiment: Natürlich schafften wir es nicht, die unzähligen Stacheln aus ihrem Fuss zu entfernen. Diese brachen bei der kleinsten Berührung sofort ab und die Spitzen blieben im Fuss stecken. Wir erwogen schon Arzt und Antibiotika, als ein zu Hilfe geholter Angestellter uns die Wirksamkeit der afrikanischen Naturmedizin demonstrierte. Zuerst brach er alle Stacheln ab und reinigte die verletzte Stelle mit einer aufgeschnittenen Limone. Dann träufelte er die Milch aus der Schale einer unreifen Papaya auf den verletzten Fuss. That’s it! Nach 30 Minuten fühlte sich der Fuss an wie eh und je und die dunkel verfärbten Einstiche begannen zu verblassen. Die Stachelspitzen blieben im Fuss drin und lösten sich nach einigen Tagen von selbst auf oder schufen sich heraus. Alles ohne Infektion, obwohl Bret am nächsten Tag bereits wieder im Wasser planschte und barfuss durch den Sand spazierte!

Wie immer hat alles Schöne mal ein Ende. Nach zweieinhalb tollen Wochen brachten wir Marcel schweren Herzens wieder zum Flughafen. Wir blieben noch ein paar Tage in Dar und feierten unseren Hochzeitstag mit einem feinen Käsefondue, das uns Marcel aus der Schweiz mitgebracht hatte. Mmhh – nur das pampige englische Weissbrot wollte  nicht so richtig dazu passen. Nachdem unser Auto von sintflutartigen Regenfällen fast vom Campingplatz gespült worden war, brachen dann auch wir auf. Schwer fiel uns und vor allem Mali der Abschied von „Stinkhund“. Obwohl – wie der Name schon verrät – nicht gerade der gepflegteste Hund, haben wir drei die treue und brave Hündin, die uns auf Schritt und Tritt gefolgt war, ins Herz geschlossen. Aber zum Glück kommen wir ja demnächst nochmals nach Dar zurück.

Durchs Landesinnere gings zügig über gute Teerstrasse nordwestwärts Richtung Hauptstadt Dodoma. Dodoma ist 10mal kleiner als Dar-es-Salam. Einzig seiner zentralen Lage verdankt es Dodoma, dass es nach der Unabhängigkeit Tansanias zur Hauptstadt wurde – ein Akt mit vorwiegend Symbolcharakter. Die zentrale Lage soll die Offenheit der Regierung gegenüber allen Volksgruppen und die Gleichbehandlung demonstrieren. Nur gerade wenn das Parlament tagt, läuft in Dodoma etwas. In der gesamten restlichen Zeit ist Dar das pulsierendes Zentrum Tansanias. Uns kam Dodoma wie ein kleines Provinznest vor. Allerdings mit einiger Militärpräsenz, wie wir am Morgen in unserem Bushcamp etwas ausserhalb von Dodoma feststellen mussten. Wir waren gerade am Aufbrechen, als drei Militärfritzen aufmarschierten und uns aggressiv nach woher und wohin fragten und uns vorwarfen, hier auf dem Militärgelände Fotos gemacht zu haben. Unangenehme Situation! Die drei sprachen kaum englisch und erst als wir mit ihnen alle Fotos auf unserer Kamera durchgingen, entspannte sich die Situation. Zum Glück hatten wir keine Bilder gemacht. Warum auch? – Der Platz war eine stinknormale Lichtung in einem buschigen Feld. Dass wir uns auf Militärgelände hätten befinden sollen war uns neu und  erschien uns mehr als nur unglaubwürdig!

Die Landschaft entlang der rund 800 km bis in den Norden Tansanias besteht vorwiegend aus flachem Land - teilweise bewirtschaftet (v.a. Mais), teilweise buschig – das jetzt am Ende der Regenzeit mit einer beeindruckenden Blütenpracht überzogen war. In weiss, gelb, lila, rot, blau und grün leuchtete uns die Landschaft entgegen. Einzelnen Häusern und Dörfern säumten die Strasse und immer wieder reckten sich riesige Baobabs in die Höhe. Bei Singida wurde die Umgebung hügliger und interessante Steinformationen und –haufen prägten das Bild mit dem tiefblauen See im Hintergrund. Die Fahrt ging nun stundenlang auf holpriger und zermürbender Sandpiste weiter, während gleich daneben die neue breite Teerstrasse am Entstehen war. Besonders frustrierend war es für uns, wenn wir ewig lang neben einem bereits vollständig fertig gestellten aber noch nicht freigegebenen Streckenabschnitt her rumpeln mussten. Allerdings schlichen wir uns zwischendurch schon mal auf die neue Strasse. So gelang es uns unwissentlich, den schlimmsten Streckenabschnitt, den „Van Zyls-Pass für Lastwagen“ zu umfahren. Während zwei endlose Schlangen von Laster langsamer als im Schritttempo den Pass hoch bzw. runter kletterten, brausten wir auf der neuen noch ungeteerten Strasse durch die Schlucht. Die Brücken fehlten zwar noch, aber die Durchfahrten durch die kleinen Flüsse nahmen wir gerne in Kauf. Wir hofften nur, dass uns die aufbrausenden Chinesen nicht erwischen würden. Der Strassenbau in Tansania steht voll und ganz unter der Herrschaft der Ingenieure aus China. Diese planen, messen, kalkulieren, diskutieren und stehen in ihren blütenweissen Kleidern mit den Händen in den Hosentaschen herum, während sich die einheimische Bevölkerung mit der harten Knochenarbeit abrackert.

Im kleinen Nest Igunga fragten wir uns, wie von den Holländern empfohlen, nach Father Bolle von der katholischen Mission durch. Der 74jährige belgische Missionar lebt seit 47 Jahren in Tansania, seit 12 Jahren in Igunga als einziger Weisser. Father Bolle freute sich über unseren Besuch und nahm uns gleich mit auf einen kurzen Ausflug zu einem Spaziergang am nahe gelegenen Stausee. In seiner alten Klapperkiste, die nur noch vom Rost zusammen gehalten wurde, brauste er über die holprige kleine Piste – der afrikanische Fahrstil scheint nach einer gewissen Zeit abzufärben. Wir hofften nur, dass unsere Schutzengel mit Father Bolles Tempo mithalten können. Obwohl für den nächsten Tag ein grosses Meeting angesetzt war, bot uns Fahter Bolle an, uns zu einem der ursprünglichen Volksstämme in der Nähe mitzunehmen. Dafür blieben wir natürlich gerne einen weiteren Tag in der Mission, zumal wir genötigt wurden, dreimal täglich am feinen Essen teilzunehmen. Father Bolle begleitete uns auf einen Marktbummel und später chauffierte uns sein Fahrer auf den grossen wöchentlichen Rindermarkt. Das Happening in Igunga! Wir vertrieben uns anschliessend die Zeit mit Murmel-Spielen mit den Kindern bis wir am Nachmittag mit Father Bolle zu den Wtaturu (oder so ähnlich…) aufbrachen.

Die Wtaturu leben und kleiden sich noch in traditioneller Art und Weise. Im Schwemmland leben sie als Selbstversorger von Viehzucht und Ackerbau. Sie wohnen über die riesige Ebene verteilt einzeln in Familienverbänden, ein Mann mit seinen Frauen (Anzahl je nach Vermögen des Mannes) und den gemeinsamen Kindern, mit ein paar Hunden, Katzen und Hühnern. Sie leben in einfachen Lehmhütten mit einem gemeinsamen Vorplatz, alles geschützt durch eine runden Zaun aus Dornbüschen. Die Wtaturu sollen bisher kaum mit Weissen in Kontakt gekommen sein, erklärte uns Father Bolle. Ihre Traditionen und Bräuche seien noch wenig bekannt. Father Bolle wusste einzig, dass ein junger Mann vor der Heirat drei Jahre bei der Familie der Braut wohnen und arbeiten muss. Erst nach diesen drei Jahren Fronarbeit entscheidet die Familie der Braut, ob es zu einer Ehe kommt. Ist sie mit der geleisteten Arbeit nicht zufrieden, kann sie den jungen Bewerber kommentarlos abweisen. Ganz schön hart! Da die Wtaturu Father Bolle kannten, durften auch wir uns ihnen nähern. Es waren nur die Frauen und Kinder zu Hause. Die Männer waren noch unterwegs mit dem Vieh. Nachdem die erste Scheu überwunden war, wurden wir sogar herzlich begrüsst und erhielten als Gäste kleine Holzhocker als Sitzgelegenheit. Die Wtaturu und wir bestaunten uns gegenseitig. Sie berührten vorsichtig unsere weisse Haut und streichelten uns fasziniert über den Kopf mit den hellen und weichen Haaren. Wir kamen uns vor wie Hunde, die flattiert werden. Wir konnten uns dafür an ihrem gesamten Erscheinungsbild kaum satt sehen. Die Wtaturu tragen ein meist rot kariertes Tuch um die Hüfte, der Oberkörper von Frauen und Männern ist nackt, jedoch reich mit Schmuck behangen. Plastikperlenketten in allen Farben und Längen baumeln vom Hals. Die Frauen tragen zudem einen speziellen spiralförmigen Halsschmuck aus Messingreifen, die horizontal vom Hals abstehen und bei jeder Bewegung mitwippen. Die Löcher in den Ohrläppchen werden mit immer grösseren Lehmklumpen gedehnt, bis am Schluss riesige Silberscheiben platz darin finden. Ziert gerade kein solches Silber die Ohren, stülpen die Frauen ihre Ohrläppchen mit den grossen Löchern einfach hoch und hängen sie über die Ohrmuschel. Die Schneidezähne feilen die Frauen so zu, dass in der Mitte eine nach unten breiter werdende Zahnlücke entsteht. Handgelenke und Oberarme sind behangen mit Messingreifen. Die Knöchel der Wtaturu zieren -zig Kupferdrähte. Gegen Hitze und Kälte schlingen sie einfach ein grosses schwarzes Tuch um Kopf und Körper. Die Männer sind immer mit ihrem langen Hirtenstab unterwegs – immer, auch wenn sie über den Markt spazieren oder auf einem Velo den Weg entlang pedalen. Father Bolle erklärten sie, dass sie nie ohne ihren Stab weg gingen – er trage schliesslich auch immer seine Armbanduhr, auch wenn er sie gerade nicht brauche. In einer Grossfamilie – dieser Mann vermag vierzehn Ehefrauen und zahllose Kinder durchzufüttern! – waren zwei junge Frauen gerade dabei in grossen Kalebassen, die an der Wand hingen, Milch zu Butter zu schütteln. Ein langwieriges und mühsames unterfangen. Barbara schaffte es nicht einmal, den richtigen Schüttelrhythmus hinzubekommen. Die beiden Frauen aber schüttelten gedankenlos mit einer Hand, während sie nebenbei schwatzten und ihre Kinder stillten. Leider waren die Wtaturu sehr kamerscheu, bis auf die Kinder, die nicht genug bekommen konnten vom posieren und sich nachher in der Kamera anzuschauen. Welch ein eindrücklicher Nachmittag für uns!

              

Da der nächste Tag ein Sonntag war, packte Barbara die Gelegenheit beim Schopf eine Messe in Afrika zu besuchen, inspiriert von dem Kirchenchor, dessen Proben sie schon am Vorabend bewundernd verfolgt hatte. Die Sängerinnen und Sänger waren mit so viel Herzblut bei der Sache, dass die Messe nur schon deshalb ein Erfolg werden musste. Father Bolle las die Messe in Kisuaheli und Barbara verstand natürlich kein Wort. Sie versuchte deshalb einfach alles nachzumachen was die anderen Messebesucher machten – gar nicht so einfach, wenn man mit dem Ablauf einer katholischen Messe überhaupt nicht vertraut ist. Und in Afrika läuft sie sowieso nochmals ganz anders ab. Als Barbara um punkt 7.00 Uhr (die erste von drei Messen) in der Kirche erschien, war diese bereits zum Bersten voll. Rund 500 Leute sassen andächtig in den Holzbänken. Erst nach einigen Minuten merkte Barbara, dass sie auf der falschen Seite des Kirchenschiffes sass: Männer und Frauen sitzen getrennt, links die Männer, rechts die Frauen. Hier trugen die Leute wortwörtlich noch ihre Sonntagskleidung. Sie waren herausgeputzt mit wunderbaren Stoffen, Schmuck, fantasievollen Frisuren und gewagten Hüten. Einige der Frauen hatten ihre Kleinkinder dabei, entweder auf dem Schoss oder auf den Rücken gebunden. Wurden die Kleinen unruhig, kramten die Mütter kurzerhand ihre Brust hervor und stillten (auch hier wieder wortwörtlich) die kleinen Schreihälse. Das sollte frau mal bei uns in der Kirche machen…

Nach einem letzten herzhaften Frühstück mit Father Bolle machten wir uns auf in die zweitgrösste Stadt Tansanias. Mwanza ist wunderschön gelegen auf mehr als sieben Hügeln direkt am verzahnten Südufer des Victoriasees. Von den kleinen Hütten bis hin zu den grossen und protzigen Villen schmiegen sich die Bauten mit grandioser Aussicht an die Hügelflanken. Der Viktoriasee ist riesig. Mit 68'800 km2 (133mal Bodensee!) der grösste See Afrikas und der zweitgrösste Süsswassersee weltweit! Erstaunlicherweise ist er an den tiefsten Stellen nur gerade 85 Meter tief und erreicht im Durchschnitt eine Tiefe von nur 40 Metern. Und nochmals erstaunlich: der Viktoriasee liegt auf einer Höhe von 1134 Metern.
Leider wurden wir von Father Bolles Ordensbruder in Mwanza nicht ganz so herzlich empfangen und mussten den einzigen Campingplatz 20 km ausserhalb aufsuchen. Ein Campingplatz mit 15 Hunden … Wir erkundigten uns am nächsten Tag über die Möglichkeit einer Überfahrt mit dem Schiff nach Bukoba am Westufer des Victoriasees. Uns und Father Bolle erschien eine solche Schifffahrt sicherer, nachdem die Holländer uns gewarnt hatten, dass auf der Strasse entlang dem Westufer des Sees (Grenzgebiet) häufig Raubüberfälle stattfinden würden. Rielle und Jeroen hatten Glück gehabt, aber zwei Tage nach ihnen ist ein Minibus angehalten und überfallen worden wobei einige Passagiere getötet wurden. Schliesslich kam es dann aber für uns doch zu keiner Schiffsfahrt. Wir hätten zwar das Auto per Kran aufs Schiff verladen können und der Preis für uns vier von 64.-$ für die neunstündige nächtliche Überfahrt wäre auch ok gewesen, nur hätten wir der Schiffsbesatzung die Autoschlüssel übergeben müssen und hätten nicht mehr zum Auto gedurft. Dafür war nun Karsten überhaupt nicht zu haben! Also doch Strasse.

Nach einer kurzen 30minütigen Fährüberfahrt quälten wir uns über schlechte Piste entlang des Südufers des Sees westwärts und mussten in dem kleinen Nest Katoro einen Übernachtungsstopp einlegen. Nur leider sprach der Besitzer des einzigen eingezäunten Hotels mit Innenhof kein einziges Wort englisch. Mit Händen und Füssen und unserem Suaheli-Wörterbuch schafften wir es schliesslich nach ewig langer Zeit den Preis und das Vorhandensein von Wasser abzuklären. Dass wir im Auto schlafen wollten, verstand er erst, als wir das Dach aufklappten und ihm unser Bett zeigten. Wir waren echt verblüfft, dass die Leute aus Tansania so schlecht englisch verstehen und sprechen. Bisher konnten wir uns in allen Ländern in einer „Kolonialsprache“ relativ gut verständigen, auch auf dem Land. Zu unserem grossen Erstaunen nicht so in Tansania. Die erste, stärkste und offizielle Sprache ist hier Kisuaheli- Sie hat Englisch komplett verdrängt. Präsident Nyerere förderte in seiner Amtszeit das Nationendenken mit der Vereinigung von Tansanias x-verschiedenen Stammessprachen unter einer gemeinsamen Sprache. Nicht die Sprache der ehemaligen Kolonialherren sollte es sein, sondern die Sprache, die zuerst an der Küste gesprochen wurde und die sich durch den Handel schon frühzeitig ins Landesinnere ausgedehnt hatte. Kisuaheli ist die Sprache, die sich entwickelt hatte, als sich die arabischen Handelsleute seit dem 8. Jahrhundert an der Ostküste niederliessen und mit der einheimischen Bevölkerung vermischten. Sie wurden Suaheli genannt, abgeleitete vom arabischen Wort „swahil“ für Küste.
Im Hotel erhielten wir später Besuch von einigen Teenagern, die uns über das Woher und Wohin ausquetschten, versuchten uns etwas Geld abzuluchsen da sie arme Studenten seien, sich dann aber zufrieden gaben mit einer Kostprobe rohen Broccolis. Etwas später suchten sie uns nochmals heim, nun mit einem Prüfungsfragebogen aus der Schule. Ob wir ihnen damit helfen könnten? Vor allem Frage 6 müssten wir doch beantworten können: “Was hat dazu beigetragen, dass sich der Tourismus in der Schweiz so gut entwickeln konnte?“ – Gar nicht so einfach!

Früh morgens machten wir uns auf, um die gefährliche Strecke möglichst rasch hinter uns zu bringen. Schnell merkten wir, dass wir nicht wie geplant der Hauptstrasse auf der Karte folgten, sondern der sich neu im Bau befindlichen grossen Strasse, die teilweise bereits geteert war. So kamen wir erst ein gutes Stück später auf den gefährlichen Abschnitt. Tatsächlich gabs auf der schmalen, schlechten und einsamen Piste schon den einen oder anderen Ort, der sich für einen Überfall geeignet hätte – da passte der Häftlingstransport, den wir kreuzten, gerade richtig ins Bild. Aber alles ging gut und wir konnten die Fshrt durch die hügelige grüne Landschaft mit den schönen Ausblicken auf den See sogar geniessen. Weniger genussvoll war dann der Nachmittag und Abend auf dem an sich schönen Campingplatz im Lake Hotel. Ausgerechnet in diesem Hotel fand die grosse 1.Mai-Feier statt. Am Nachmittag dröhnten aufwieglerische Reden übers Gelände, die am Abend abgelöst wurden von scherbelnder Livemusik – selbstverständlich wie immer in Afrika alles über Lautsprecher in ohrenbetäubendem Lärm. Wie angenehm war da die Ruhe am nächsten Morgen beim Frühstück – wenn sich der Himmel nur nicht so rasant mit schwarzen Wolken überzogen hätte. In Rekordzeit räumten wir alles auf und verstauten es notdürftig und schon vielen die ersten Tropfen. Wir flüchteten ins Auto und liessen die Sintflut über uns herein brechen. Wir kamen uns vor wie in einer Waschstrasse, sogar das Rütteln und Dröhnen war authentisch. Leider hatten wir noch einige Kleinigkeiten draussen vergessen und keiner von uns beiden wollte sich in das kalte Nass stürzen. Ewig lange warteten wir, bis der Regen etwas schwächer wurde. Des Regens wegen entschieden wir uns für den grossen Grenzübergang nach Uganda in Mutukula mit Aspahltstrasse und verzichteten auf die Abkürzung über die Piste mit dem wenig frequentierten Grenzposten. In der Regenzeit ändert sich die Routenwahl halt manchmal rasch. Obwohl wir in Tansania nun mitten in die von März bis Mai dauernde Regenzeit hinein gefahren waren, waren uns die Wettergötter immer noch gut gesinnt. Ausser einigen sintflutartigen Regengüssen in Dar-es-Salam und in Bukoba waren wir trocken durch Tansania gekommen.

Problemlos reisten wir an der Grenze in Mutukula aus Tansania aus Richtung Uganda – aber nicht für lange, denn wir werden in einigen Wochen nach Tansania zurück kommen um uns in Dar-es-Salam das Sudan-Visum zu besorgen. Dar-es-Salam ist zur Zeit der einzige Ort, wo dieses schwer erhältliche Visum innert vernünftiger Frist und mit vertretbarem Papierkram besorgt werden kann. Leider bleiben uns dann aber vom Ausstellungsdatum nur gerade 30 Tage bis zur Einreise in den Sudan. Aus diesem Grund schauen wir uns Tansania, Uganda und Kenia vorher in Ruhe an und machen dann den Umweg und fahren nochmals nach Dar-es-Salam zurück. Glücklicherweise hatten wir für Tansania ein 3monatiges Multiple-Entry-Visum erhalten. Dieses gilt allerdings nur, sofern wir uns zwischenzeitlich ausschliesslich in Uganda oder Kenia aufhalten. Aus diesem Grund hatten wir auch die zwei kleinen Nachbarländer im Westen, Burundi und Ruanda, auf unserer Reise auslassen müssen.

Kwa heri Tansania – bis bald!  

 Kampala, 8. Mai 2007

 

In der Chronologie geht es hier weiter mit den Reiseberichten über Uganda und Kenia. Anschliessend folgt unten der zweite Bericht über Tansania.

 

Osttansania

Karibu tena - welcome again in Tanzania! Die erlösenden Worte, als wir den Schlagbaum passierten und wieder nach Tansania rollten. In Windeseile hatten wir die Einreiseformalitäten erledigt. Nur so schnell wie möglich die Kenianische Ausreise mit den ganzen Problemen hinter uns lassen, hiess die Devise - bevor wir vielleicht noch nach Kenia zurück gepfiffen werden. Aber wir hatten es geschafft und das flaue Gefühl im Magen und die weichen Knie waren schnell vergessen.

Kurz nach der Grenze bogen wir im kleinen Nest Longido von der Teerstrasse ab auf eine unscheinbare und unbeschilderte Piste. Vor einigen Jahren noch wäre man wohl glatt an dieser Abzweigung vorbeigerauscht und hätte sich anschliessend mühsam danach durchfragen müssen, um den kleinen Weg am Ende dann doch nicht zu finden. Heute sucht man am Vorabend auf der elektronischen Karte auf dem Labtop die Abzweigung und die gewünschte Route heraus und überträgt die Koordinaten aufs GPS. Simpel und schnell - und so findet man dann auch die gewünschte Strecke. Häufig sind wir im Vorfeld allerdings zu faul, um die Route herauszusuchen und müssen uns dann doch nach alt bewährter Sitte durchfragen. Was aber dafür für Spannung sorgt und zu interessantem Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung führt.
Auf dieser Strecke von Longido quer durch den unbewohnten Busch zum Lake Natron waren wir allerdings doch froh, hatten wir die Route im GPS. Die kleine Piste verzweigte sich immer wieder und selbstverständlich war weit und breit keine Menschenseele zu sehen, die hätte "Wegweiser" spielen können. Und gerade das ist ja eines der tollen Dinge in Afrika: stundenlang durch die unberührte Wildnis zu fahren und ausser einigen scheuen Vierbeinern, die sofort die Flucht ergreifen, niemandem zu begegnen. Natur pur! Natur pur präsentierte sich uns in endlosen weissen Blütenfeldern, fast undurchdringlicher Buschvegetation, steiniger Halbwüste durchsetzt von tief eingefressenen aber trockenen Wasserläufen, die es irgend wie zu umfahren galt und mit feinstem Staub überzogene Ebenen, die in sämtlichen Pastellfarben schimmerten - alles überragt von zwei mächtigen Vulkankegeln in weiter Ferne. Fantastisch! Wir freuten uns auf ein ruhiges Bushcamp in der Wildnis und entschieden uns den Fahrtag früher zu beenden als ursprünglich gedacht. Zum einen hatten wir nämlich auf dem steinigen Untergrund die Piste verloren und unser GPS zeigte schon seit einiger Zeit beharrlich in eine andere Richtung - nur sah es dort noch viel weniger nach fahrbarer Piste aus. Zum andern hatten wir offenbar ein Problem mit unserem Stromkreislauf. Die beiden Bordbatterien luden sich während der Fahrt nur ungenügend auf. Barbara kramte also den Computer hervor und stellte bald erleichtert fest, dass wir uns sehr wohl punktgenau auf der richtigen Piste befanden. Sie holte nur gerade in einer weiten Schlaufe aus um uns auf den nächsten Hügel zu führen. Weniger erfolgreich waren Karstens Diagnosebemühungen. Alles Schrauben und Überprüfen half nichts, der Strom blieb weg. Kein Licht im Auto, kein Wasser über die strombetriebene Pumpe, anstatt Kühlschrank Warmhaltebox und im schlimmsten Fall kein Power um das Auto am nächsten Morgen wieder zu starten. Und das mitten im Nichts! Aber so nichtig war dieses Nichts dann doch nicht: irgendwoher tauchte plötzlich eine Gruppe Kinder auf, die unsere Mechanikerimitationen interessiert verfolgte, natürlich aus nächster Nähe. Erstaunlicherweise trugen die meisten dieser Kids sogar richtige Schuluniformen, die Minderheit traditionelle Masaikleidung. Während wir noch mit den Kindern scherzten sprang plötzlich der Kühlschrank mit einem leisen Surren wieder an. Der Strom war zurück - woher, wie und weshalb sollte uns auf immer schleierhaft bleiben. Nun konnten wir also unser grandioses Bushcamp doch noch so richtig geniessen und uns schliesslich vom meckernden Lachen der Hyänen in einen ruhigen und ungestörten Schlaf begleiten lassen.
Am nächsten Morgen machte uns die erwachsene Masaifraktion ihre Aufwartung. Die beiden Dorfältesten fläzten sich in unsere Stühle. Beide in traditioneller Masaitücher-Kleidung, der eine allerdings mit einer braunen Wollskimütze und einem blechernen Köfferchen ausgerüstet, der andere mit einer Pillendose durchs übergrosse Loch im Ohrläppchen gesteckt - auch eine Art, Medikamente (oder hier wohl eher Wertsachen wie Geld) immer auf Mann zu tragen. Stolz tauschten wir mit ihnen die wenigen Worte aus, die wir in Ma (Sprache der Masai) im Amboseli gelernt hatten: "Sopa" - "Epa" als gegenseitige Begrüssung. Über alles weitere versuchten wir uns in Zeichensprache zu unterhalten - Karstens Scharaden führten zu ausgelassenem Gelächter. Später gesellten sich noch die schmuckbehangenen Frauen dazu. Nach zahlreichen Fehlinterpretationen der Gesten begriff Barbara endlich, dass unter den Frauen oder Respektspersonen gegenüber die Begrüssung anders ablief. Anstatt Handschlag Segnung. Barbara musste sich leicht Vorneigen und jede der Frauen legte ihr nacheinander wie zum Segen die Hand auf den Kopf. Ein tolles Gefühl - wenn man dabei Vergessen kann, dass den Masai wohl nur äusserst selten Wasser zur Verfügung steht um sich die Hände zu waschen. Eine der Frauen hatte eine hässliche entzündete Wunde am Fuss, die wir desinfizierten, mit Wundsalbe bestrichen und mit einem Pflaster abdeckten. Stolz zeigte sie anschliessend ihren Fuss herum - und wir konnten uns kaum mehr retten vor all den Leuten, die irgend ein Leiden behandelt haben wollten. Aber der Frau mit dem grauen Star konnten wir beim besten Willen nicht helfen, was sie einfach nicht einsehen wollte.  Und Barbara musste standhaft beteuern, dass auch sie das Kind der Mutter, die zu wenig Muttermilch hatte, nicht stillen könne. Schliesslich durften wir dann doch noch aufbrechen.

Je näher wir dem Lake Natron kamen, desto mehr erinnerte uns die Landschaft an Namibias Nordwesten. Trockenes, kniehohes, golden schimmerndes Gras im leicht gewellten Gelände, soweit das Auge reicht. Immer wieder entdeckten wir wilde Tiere: Piroutten drehende Strausse, hochmütig in die Ferne schauende Giraffen, in hohen Sprüngen davon stiebene Antilopen, friedlich weidende Zebras und übermütig durch die Gegend galoppierende Gnus. Wie im Nationalpark - aber ohne Nationalpark und gratis! Mittlerweile waren wir am Fuss der beiden Vulkankegel, auf die wir seit zwei Tagen zugefahren waren, angelangt. Richtig runde Kegel, die sich drohend aus der Ebene erheben - wie man es eben kennt aus dem Bilderbuch. Der eine Vulkan soll noch immer aktiv sein und regelmässig kalte Lava ausstossen. Tatsächlich konnten wir auch weisse Lavaströme ausmachen, die sich wie erstarrte Bäche über die Flanken zogen. Von weitem hätte man meinen können es handle sich um Schnee. Wir hatten uns im Vorfeld überlegt, diesen Vulkan, den Ol Doinyo Lengai zu erklimmen. Vor Ort schreckte uns dann aber doch ab, dass wir uns einen kostenpflichtigen Führer hätten nehmen müssen, dass wir das Auto unbewacht im nirgendwo hätten stehen lassen sollen und dass wir um Mitternacht hätten aufbrechen müssen um am frühen Morgen den Gipfel zu erreichen. Zudem hätten Malis Pfoten wohl nicht gerade Freude am scharfkantigen Lavagestein gehabt. Also nicht drüber sondern im Auto im Schneckentempo rund um den Vulkan herum zum Lake Natron und dafür einen gemütlichen Nachmittag im Camp, sagten wir uns. Von weitem schon sahen wir den blau leuchtenden See - surreal, in der braunen, öden Wüstenlandschaft. Und plötzlich versperrte uns eine Schranke die Weiterfahrt. 50.-$ hätten wir berappen müssen um ans Seeufer und ins Camp zu fahren. Lake Natron scheint neuerdings eine Art Park zu sein.  Das Camp war von der Schranke aus in einer Distanz von nur gerade einem Kilometer bereits zu sehen. Trotz unserer Versicherung, dass wir nur in dieses Camp fahren wollen, blieb der Barrierenwärter hart. Wenn wir die Schranke passieren, koste das 50.-$, egal wie weit wir nachher fahren würden. Das Camp koste zudem pro Person 10.-$. Das war uns entschieden zu viel. Schliesslich ging es uns nie um den See selber sondern um die schöne Fahrt dahin. Wir drehten also kurz entschlossen wieder um und der Barrierenwärter verstand die Welt nicht mehr: den zwei Wazungu waren 50.-$ Eintritt zuviel!

Auf dem Rückweg über die Hauptpiste kriegten sich Barbara und Karsten derart in die Haare - ja, ja, es ging mal wieder um die unterschiedlichen Fahrstile und die Belastbarkeit des Autos auf schlechten Strassen - dass Barbara fluchtartig aus dem noch rollenden Auto sprang und sich erstmal auf einem längeren Fussmarsch in der sengenden Mittagssonne "abkühlen" musste. In einigem Abstand fuhr Karsten im Auto hinterher. Bestimmt ein witziges Bild - daran dachten wir in unserer Wut aber nicht. Nachdem sich Barbara endlich bequemt hatte, wieder einzusteigen, ging es in so rasantem Tempo weiter, dass uns Karsten um ein Haar über eine wohl hundert Meter hohe Felswand in den Abgrund eines erloschenen Vulkans gefahren hätte. Streiten lohnt sich einfach nicht, und schon gar nicht während der Autofahrt!  Zwei Stunden später und einige wenige Stimmungsbarometergrade besser trafen wir auf die nächste Schranke. Hier hätten wir 10.-$ bezahlen müssen für die Durchfahrt durchs Land der Masai, durch das die Strasse offenbar auf den letzten Kilometern geführt hatte. Uns platzte der Kragen - schon wieder sollten wir abgezockt werden und der Kerl an der Schranke erdreiste sich noch zu betonen dass es ja NUR 10.-$ seien. Ein solcher Typ hatte uns gerade noch gefehlt! Er kriegte nun unseren geballten Ärger und Frust ab. Wir dachten nicht im Traum daran, wegen eines handgepinselten Schildes und einer provisorischen Schranke zu bezahlen - und schon gar nicht in Dollar. Die bösen Worte flogen in ohrenbetäubender Lautstärke  hin und her. Schliesslich drohte der Barrieremensch uns ins lokale Gefängnis zu stecken und rief bereits nach Verstärkung. Nun wurde es uns doch etwas mulmig und wir lenkten zähneknirschend ein, allerdings nur unter der Bedingung, dass wir in Tansaniashilling bezahlen können und dass wir die Adresse des obersten Chefs erhalten würden um uns bei diesem persönlich beschweren zu können. Beide unsere Forderungen wurden erfüllt und endlich durften wir weiterfahren. Allerdings merkten wir bald, dass aus unsere Beschwerde wohl nichts werden würde: Wer arbeitet in Afrika schon am späten Freitag Nachmittag und am Wochenende? Natürlich niemand und schon gar nicht der oberste Chef.

Am nächsten Tag fuhren wir auf der Hauptverbindungsstrasse zwischen Arusha und dem Serengeti Nationalpark nach Arusha. Welch krasser Gegensatz zu den letzten beiden Tagen: hier führte eine teilweise vierspurige, allerneuste Teerstrasse durchs flache Land. Alle paar Minuten kamen uns modernste Jeeps der Safariunternehmen vollgepackt mit Wazungu entgegen, alle auf dem Weg in die Serengeti und den Ngorongoro-Krater. Wir hätten uns eigentlich beides auch gerne angesehen, aber waren nicht bereit alleine schon für den Ngorongoro-Krater über 200.-$ Eintritt pro Tag zu bezahlen. Da kann er noch so schön sein und als achtes Weltwunder gelten. Für uns eine Prinzipfrage - irgendwo hat schliesslich alles eine Grenze!
Arusha als Safariausgangsort war dann auch erwartungsgemäss überfüllt von "abendteuerlustigen" Weissen, die in den riesigen Overlandbussen oder den extralangen Jeeps durch die Gegend gekarrt wurden. Und selbstverständlich ist an solchen Orten immer alles doppelt so teuer, die Belästigungen doppelt so häufig, die Leute aber nur halb so freundlich wie anderswo. Für uns die einzigen Pluspunkte an Arusha: Hier gab es die speziellen Reserveradhalterungen zu kaufen und einen grossen Shoprite mit einer riesigen Palette an Lebensmitteln. Nur hatte der Shoprite bei unserer Ankunft am Samstag bereits seit einer Stunde geschlossen wegen Stromausfalls. Und so typisch für Afrika: nur einer der beiden Notstromgeneratoren war funktionstüchtig. Der andere war gerade defekt oder eines anderen Gerüchts zufolge in der vorhergehenden Nacht geklaut worden. So blieb der Shoprite halt den ganzen Tag geschlossen. Dafür anerbot sich der "Fahrzeugingenieur" auf unserem Campingplatz uns eine dieser in Tansania gängigen selfmade Reserveradhalterungen für wenig Geld zu schweissen. allerdings erst am Montag. Also blieb uns nichts anderes übrig als trotz schlechten Wetters das Wochenende in Arusha zu verbringen und auf Montag zu warten. Nicht gerade angenehm machte die Warterei, dass es auf dem einzigen Campingplatz in Arusha, dem Masai-Camp, von Hunden, die auf Mali los gingen, wimmelte und dass Bar und Restaurant auf dem Areal jede Nacht bis früh um 2 Uhr den ganzen Platz mit dröhnender Musik beschallten, so dass wir am anderen Ende im Bett liegend immer noch die Vibrationen des Basses fühlen konnten. In den kurzen Musik-Verschnaufpausen, dröhnte als Lückenfüller sogleich die Musik vom Nachbargrundstück herüber. Wir sehnten den Montag herbei! Und dann das böse Erwachen: der "Fahrzeugingenieur" hatte am Montag Null Bock auf Arbeit und blockte unseren Auftrag sogleich ab. Als Karsten insistierte, verschwand der Typ von der Bildfläche und tauchte erst am späten Nachmittag wieder auf. Stocksauer mussten wir auf unsere neue Halterung verzichten. Wir trösteten uns damit, dass es schliesslich ja die letzten eineinhalb Jahre auch ohne gegangen war. Wir hatten nur einmal das Türscharnier auswechseln mussten, weil das schwere Reserverad an der Tür durch die Schläge der schlechten Strassen das Scharnier ausgeschlagen hatte. Viel mehr ärgerte uns, dass wir wegen dieser blöden Halterung vergebens drei Tag auf dem mühsamen Camp hatten verbringen müssen. 

Nur gerade knapp 70 km ist Moshi, das "Bergsteigerzentrum" von Arusha entfernt. Von Moshi starten die Touren auf Afrikas höchsten Beg, den Kilimanjaro. Der Vulkankegel mit der ganzjährig schneebedeckten Kuppe wird nicht um sonst das Dach Afrikas genannt. Kilimanjaro bedeutet in Suaheli "Berg des bösen Geistes". In der Sprache der Masai heisst er Nga-ja-Ngai, was Haus Gottes bedeutet. Bereits die Häuptlinge der Chagga schickten vor Jahrhunderten ihre Späher los, das vermeintliche Silber zu holen, das den Gipfel des Kili bedecken sollte. Doch die Kundschafter hatten enttäuscht entdecken müssen, wie der Schnee in ihren Händen zerrann. Schon 1848 kamen die ersten Berichte vom "Schnee unter der Äquatorsonne" bis nach Europa. Jedoch schenkte man diesen Schilderungen lange keinen Glauben. Erst rund 40 Jahre später begannen die ersten Expeditionen auf den Kili. Der Höhenkrankheit wegen scheiterten diese jedoch regelmässig. Am 6. Oktober 1889 schliesslich bezwangen ein deutscher Geograph aus Leipzig und ein österreichischer Alpinist aus Salzburg den Kibo als höchsten und verreisten Gipfel des Kilimanjaros auf 5895 Metern. Mit dem Recht der Erstbesteiger tauften sie diese bisher namenlose Spitze als höchster Punkt deutscher und afrikanischer Erde "Kaiser Willhelm Spitze". So kurios und kennzeichnend für das Selbstverständnis der Europäer diese Szene sein mag, der Kilimanjaro blieb fast drei Jahrzehnte lang (bis 1918) der höchste Berg "deutscher Erde".
Wir hatten ursprünglich vorgehabt, uns am Kili zu versuchen. Technisch gleicht die Besteigung ja nur einer Bergwanderung. Nicht zu unterschätzen dabei ist aber die Höhe. Deswegen erreichen weniger als die Hälfte der Bergsteiger überhaupt den Gipfel. In den vier Tagen, die wir im Kiligebiet waren, sahen wir den Berg nie. Ständig verhüllte eine dichte Wolkenschicht den Himmel und feiner Nieselregen ging auf uns herab. Das gab dann wohl noch den letzten Ausschlag dazu, dass wir auf die Besteigung verzichteten. Aber ehrlich gesagt hatten wir im Vorfeld die Sache sowieso schon fast abgeschrieben. Erstens hätten wir Mali nicht mitnehmen dürfen auf diese mehrtätige Tour, zweitens hatten wir seit Ewigkeiten  nun keinen Sport mehr gemacht und kamen nur schon bei den kleinsten Hügeln ausser Puste, drittens machte uns der ganze Touristenrummel um den Kili nicht gerade an und viertens ist das ganze Unternehmen mit über 1000.-$ pro Person auch recht teuer. So blieb der Kilimanjaro für uns unbestiegen und von tansanischer Seite her auch ungesehen. Zum Glück hatten wir das eindrückliche Massiv zumindest von Kenia aus bewundern können.

Bei strömendem Regen ging es weiter Richtung Küste. Lange überlegten wir hin und her, ob sich der Abstecher in die Usambaraberge wohl trotzdem lohnen würde. Wer wagt gewinnt - oder verliert! Afrikas Switzerland, wie die Usambaraberge auch genannte werden, verhüllte sein Antlitz vor uns mit dichten Wolken und undurchdringlichem Nebel. Wir mussten unsere Fantasie gewaltig spielen lassen um uns aus den einzelnen grünen Flecken und Bergspitzen, die kurzzeitig aus dem Nebel ragten, eine saftig grüne Berglandschaft mit Wasserfällen und grandioser Aussicht ins rund tausend Meter tiefere Flachland auszumalen. Schade, bei schönem Wetter hätte es uns hier bestimmt gut gefallen. Immerhin konnten wir uns im Shop der Irente Farm, auf der wir übernachteten, mit fantastischen Köstlichkeiten eindecken: Frisches Müesli, Sourcreme, Rahm, hausgemachte Konfi, feines Roggenbrot, Quark (noch nie zuvor gehabt in Afrika!) und kaum zu glauben - richtigem Tilsiterkäse!

Im festen Vertrauen darauf, dass an der Küste immer die Sonne scheint, zog es uns weiter westwärts. Schliesslich ging es auf einem kleinen Feldweg durch dichte Palmenhaine und vorbei an kleinen Lehmhäusern bis ans Meer. Von Peponi Beach hatten wir von anderen Reisenden schon viel tolles gehört. Und tatsächlich entpuppte sich Peponi als kleines Paradies. Ein grosszügig angelegter Campingplatz unter schattenspendenden Palmen direkt am einsamen Sandstrand. Ruhig und kein Touristenrummel. Jeder Platz mit eigenem Sonnen- bzw. Regenschutzhäuschen. Und für Afrika eher eine Seltenheit: blitzblanke sanitäre Anlagen mit heisser Dusche. Obendrein ein feines Restaurant und sehr hundefreundliche Besitzer. Ja, hier liesse es sich aushalten - wenn da nicht der Regen wäre... Jeden Tag mussten wir stundenlangem Regen trotzen. Zusammen mit den heftigen Sturmböen war es auch empfindlich kühl und das windgepeitschte graue Meer lud nicht zum Baden ein. Nach kurzer Zeit stand die halbe Campinganlage unter Wasser und der Gang zum WC endete regelmässig in einer gut knöcheltiefen Plantscherei. Auch unser geplanter Schnorcheltrip zum vorgelagerten Riff viel dem schlechten Wetter zum Opfer. Aber ein Gutes hatte der Regen: Der Überschwemmung wegen konnten unsere neuen Freunde nicht weiterfahren und leisteten uns noch etwas Gesellschaft. Bea und Christian mit Söhnchen Lion aus Basel (kurz: ChriBeLi) sind mit ihrem Toyota mit Dachzelt unterwegs nach Südafrika. Schnell schlossen wir drei die drei in unsere Herzen. Mali fand im viereinhalbjährigen  Lion einen quirrligen zweibeinigen Spielkameraden. Mit Bea und Christian konnten wir uns über Gott und die Welt unterhalten. Die gemeinsamen Frühstücks (unter dem Regenhäuschen wohlgemerkt) dehnten sich bis in die Mittagsstunden aus und die Abende waren lang - nicht nur deswegen, weil wir Mühe hatten, am Strand ein vernünftiges Feuer für unseren frischen Fisch hinzukriegen. Über Lion staunten wir immer wieder: nicht nur dass er sich schon die Schuhe selber Binden konnte, selbständig über die ganze Anlage aufs WC ging, sich stundenlang am Strand alleine beschäftigen konnte oder sich fröhlich mit fremdsprachigen Leuten unterhielt, sondern auch einen riesigen Wissensdurst an den Tag legte und uns alle durchreisten Länder aufzählen konnte inklusive der Sprachen, die dort gesprochen werden. Am meisten verblüffte uns aber, als er in unserem Tierbestimmungsbuch die einzelnen Tiere mit Name benennen konnte - oft sogar noch in englisch. Wir mussten ab und zu mal auf den Text blinzeln, bevor wir Lion bestätigen konnten, dass es sich zum Beispiel tatsächlich um eine Rappenantilope und nicht um eine Säbelantilope handelt. Mit viereinhalb Jahren ein solches Interesse, soviel Selbständigkeit und Artigkeit und trotzdem noch soviel unbeschwerte Kindlichkeit - obwohl wir nicht gerade die absoluten Kinderfans sind, schlossen wir den Zwerg ganz fest ins Herz. Wüssten wir, dass unsere eigenen Kinder ebenso sind, könnte man sich das glattweg überlegen... Karsten hatte nun in den beiden Physiotherapeuten die perfekten Ansprechpartner für seine Rückenschmerzen (eingeklemmter Muskel oder Nerv oder was auch immer) gefunden. Christian steckte Karsten schliesslich einige Nadeln und siehe da, obwohl die Behandlung schmerzhaft war, gings anschliessend besser.  ChriBeLi's hatten einen Tag vor uns die Nase voll vom Regen und fuhren in der Hoffnung auf mehr Sonne weiter nach Dar-es-Salam. Wir wollten am nächsten Tag nachkommen. Für solche Freunde verkürzt man die verregneten Badeferien gerne um ein paar Tage.

Zwischenzeitlich waren auch Kim und Tanja in Peponi eingetroffen. Wir hatten die beiden bereits auf der Strasse ausserhalb Nairobis getroffen. Da sie ihr Auto am selben Ort (Toms Fahrzeugtechnik) gekauft hatten, war es witzig, mit ihnen über Vor- und Nachteile unserer Autos zu philosophieren und etwas über Toms Verkaufsethik zu lästern (jedem verkauft er nur das Beste - allerdings ist das Beste immer etwas anderes, nämlich das, was gerade weg muss...). Wir sind mittlerweile zum Schluss gekommen, dass wir heute vieles an unserem Auto anders machen würden. Wir hätten uns vor der Reise vielleicht doch ein oder zwei Autoausbauten mehr anschauen sollen zur Ideensammlung. Und wenn man das Auto selber ausbauen würde, ginge man mit dem vorhandenen Platz wohl sparsamer um. Aber das sind nun mal Erfahrungen, die man erst unterwegs auf einer längeren Reise macht. Fürs nächste Mal wissen wir es... In Kim fand Barbara jemanden, der ihre Ansichten über Freuden und Leiden einer eigenen Website teilte. Der Zeitaufwand ist enorm und die Ansprüche, die man an sich selber stellt in Sachen Inhalt werden immer höher. Auf der einen Seite soll's leserfreundlich, spannend und persönlich bleiben, auf der anderen Seite möchte man auch dem Land gerecht werden und Wissenswertes über Kultur und Leute vermitteln. Eigene Erlebnisse, Ansichten und Meinungen gehören natürlich dazu, sollen aber auch als subjektive Einschätzung hervorgehen und nicht verallgemeinert werden. Und dann  noch das ganze Kapitel "Fotos" ... Ganz zu schweigen von den Internetmöglichkeiten in Afrika. Alles nicht so einfach! Dafür macht man hoffentlich den Zuhausgebliebenen und anderen Reisefans eine Freude und kann das Erlebte beim Schreiben der Berichte würdig verarbeiten. Kim und Tanja berichten über ihre Erlebnisse auf www.hinter-dem-horizont.net .

Unsere auf den frühen Morgen geplante Abfahrt aus Peponi verzögerte sich erheblich, weil erstens Barbara nach einer langen Reisebericht-Schreibnacht nicht aus dem Bett kam und zweitens als wir endlich abfahrtbereit waren, unser Auto wieder einmal keinen Wank machte. Zum Glück konnte Kim mit einem Überbrückungskabel helfen. Nur, als Barbara schliesslich den Gang einlegte und los fahren wollte, hätte der Motor ausnahmsweise wohl etwas mehr Gas gebraucht und starb gleich wieder ab. Ganze Übung nochmals! Aber jetzt half alles Überbrücken nichts. Macun rührte sich nicht. Also doch kein Batterienproblem sondern ein defekter Anlasser? Mit einigen helfenden Mannstärken gelang es uns dann aber doch Macun schiebenderweise zum Starten zu überreden. Jetzt den Motor einfach nicht mehr ausgehen lassen bis wir auf dem Campingplatz in Dar ankommen! Gesagt, getan, im strömenden Regen brausten wir die gut 300 km südwärts - in eisigem Schweigen, denn natürlich hatten die morgentlichen Schwierigkeiten wieder schlechte Laune gefolgt von einem handfesten Krach ausgelöst. In Dar fanden wir schliesslich den einzigen Händler, der unsere Optimabatterien im Angebot führt - allerdings erst einige Minuten nach Ladenschluss um fünf. Als Tüpfelchen aufs "i" standen wir jetzt in der Stosszeit ganze zwei Stunden an der Fähre an um an die Südbeach zu kommen - und alles mit laufendem Motor...

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir mit Autoanschieben, Anstehen an der Fähre und Rumkurven im hektischen Zentrum von Dar. Alle unsere drei Batterien waren hinüber. Die Starterbatterie hatten wir bereits schon einmal in Namibia erneuern müssen. Die beiden Gel-Bordbatterien sollten aber shockresistent sein und hätten eine Lebensdauer von vier Jahren.  Mühsam war es, diese beiden Batterien zu ersetzten. Der einzige Optima-Händler in ganz Dar führte unser Modell nicht. Wir versuchten es mit einer anderen Modell. Dieses erwies sich schnell als untauglich und nach einigem Hin und Her entschieden wir uns am nächsten Tag schliesslich für zwei ganz normale Batterien, in der Hoffnung, dass sie das häufige Tiefentladen und das Gerüttle bis Europa durchstehen. Dort hoffen wir auf Ersatz unserer ehemaliger Batterien aus Garantieleistung. Trotz vorheriger Abmessung stellte sich beim Einbau der neuen Batterien heraus, dass diese um einige Millimeter nicht in den vorgesehenen Platz passten. Einen weitern ganzen Tag Arbeit für Karsten um alles passend zu machen.  Und dann hatten wir ja unser Sudanvisum, weswegen wir überhaupt ein zweites Mal nach Dar gekommen waren, immer noch nicht.

Für das Sudanvisum brauchte es mehrere Anläufe. Zuerst mussten wir uns auf unsren eigenen Botschaften ein Empfehlungsschreiben organisieren. Nur leider stellt die Schweizer Botschaft kein solches aus. Barbara musste sich mit einer beglaubigten Passkopie zufrieden geben, in der Hoffnung, dass die Sudanbotschaft dies akzeptiert. Einziger Vorteil: die Kopie war gratis wohingegen  Karsten für sein dreizeiliges Empfehlungsschreiben knappe 30.- € bezahlen musste. Karsten hatte schon bei unsrem letzten Aufenthalt in Dar bei der Vorsprache auf der sudanesischen Botschaft einen guten Draht zur Sekretärin entwickelt. Sie schien sich fast ein bisschen verliebt zu haben. Diesen Umstand schamlos ausnützend, machte sich Karsten deshalb nun immer alleine auf zur Botschaft. einfachheitshalber mit öffentlichen Verkehrsmitteln. So kam Karsten in den Genuss Dalla-Dalla zu fahren. Die erste Herausforderung bestand darin, das "Bussystem" zu begreifen. Simpel: einfach einen vorbeifahrenden Toyotaminibus mit Handzeichen stoppen und einsteigen. Die Preise sind fix und spottbillig, man bezahlt direkt im Auto. Dafür ist der Sitzkomfort auch etwas eingeschränkt. Der für vierzehn Personen zugelassene Minibus wird bis um Platzen gefüllt - Karsten zählte 24 Personen! Nicht so einfach, sich da einen Sitzplatz zu ergattern... und erst recht nicht im richtigen Moment wieder an der Schiebetüre zu sein um auszusteigen. Aber mit afrikanischer Freundlichkeit und Gelassenheit alles hakuna matatta. Wir vertrauten darauf, dass wir das Visum dank Karstens Charme innert Kürze erhalten werden, vielleicht sogar etwas nachdatiert. Da hatten wir aber leider die Rechnung ohne den Wirt gemacht: die Sekretärin riss sich für uns bzw. für Karsten zwar tatsächlich ein Bein aus, nur spielte ihr Chef nicht mit. Er werde kein Visum ausstellen und beharrte darauf, dass wir, da auf dem Landweg reisend, das Visum in Äthiopien beantragen müssten. Karsten glaubte sich verhört zu haben. Alle unsere Reisekollegen hatten das Visum problemlos in Dar erhalten. Zudem waren wir extra für dieses Visum nach Dar zurück gefahren. Von Äthiopien wussten wir, dass die Visaausstellung zwei bis drei Wochen dauert. Das alles erklärte Karsten der Sekretärin ausführlich. Auch sie verstand die Welt nicht mehr. Das sei noch nie vorgekommen und sie könne sich die Weigerung ihres Chefs nur damit erklären, dass er wohl zur Zeit komplett überarbeitet sei. Immer wieder verschwand sie mit unseren Pässen im Büro des Vorgesetzten in der Hoffnung doch noch eine Wende herbei zu führen. Kurz vor Mittag sah es dann doch erfolgsversprechend aus - der Chef hatte unsere Pässe zumindest im Büro behalten. Da wir nicht wussten, wie es weitergehen würde, stand Karsten am nächsten Mittag bereits wieder auf der Matte. Der Botschafter wolle persönlich mit ihm sprechen, liess ihn die Sekretärin wissen, konnte aber nicht sagen weshalb. Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend schlich Karsten also ins betreffende Büro. Dort musste er sich nochmals anhören, dass wir spätestens in 30 Tagen im Sudan einreisen müssen und siehe da, er erhielt unsere Pässe mit Sudanvisum ausgehändigt. Glücklich doch noch zu diesem Visum gekommen zu sein, störten wir uns kaum mehr daran, dass die 30tägige Frist gemäss Ausstellungsdatum des Visums bereits am Vortag zu laufen begonnen hatte.

Schade war nur, dass wir uns nun schleunigst Richtung Norden aufmachen mussten. Gerne hätten wir noch einige Tage an der Beach verbracht. Immerhin hatten wir die wenige Zeit, die wir am schönen Sandstrand im Süden von Dar verbrachten hatten mit ChriBeLi's geniessen können. Lange Strandspaziergänge, erneute Nadelbehandlung für Karsten, gemütliche gemeinsame indische Abendessen im Kerzenschein am Strand - so hätte es noch lange weiter gehen können! Schweren Herzens verabschiedeten wir uns schliesslich von unseren Freunden, die ja südwärts unterwegs sind. Zum Glück sind Zürich und Basel nicht so weit von einander entfernt und dank dem von ihnen geliehenen Stapel Reiseführer für unsere Weiterreise nach Norden ist ein Wiedersehen gesichert.
Ebenfalls schwer viel uns der Abschied von Stinkhund, der mittlerweile gar nicht mehr stank. Während unserem letzten Aufenthalt in Dar hatten wir die Campingplatzhündin zusammen mit Mali mit Frontline, dem Antibrumm für Tiere (gegen Flöhe, Zecken etc.), eingesprüht - erfolgreich: ihr Fell hatte sich regeneriert und das Kratzen hatte nachgelassen. Sie sah wieder viel besser aus. Stürmisch hatte sie uns und Mali bei unserer Ankunft begrüsst und war uns seither nicht mehr von der Seite gewichen. Traurig trottete sie hinter unserem Auto her, als wir losfuhren. Wir konnten uns einzig damit trösten, dass sie es grundsätzlich ganz gut hat im Sunrise Beach und zufrieden ist.

Ausnahmsweise ging es bei der Fähre dieses Mal äusserst zügig. am Sonntagmorgen scheint niemand in die Stadt zu wollen. Der Fährbetrieb zwischen der Stadt und der Südbeach könnte nicht typischer sein für Afrika. zwei altersschwache Kähne pendeln die rund 200 Meter zwischen den Ufern hin und her. Bei unserem ersten Dar-Aufenthalt war bei der grösseren Fähre auf der einen Seite die Laderampe verklemmt - vermutlich schon seit Ewigkeiten.  Hakuna matatta: dann fahren halt die Autos rückwärts von der Fähre, auch wenn das dreimal so lange dauert. Und weil die auf die Fähre wartende Autoschlange die Ausfahrt blockiert, bleibt einem nur, das gesamte Hafengelände rückwärtsfahrend zu verlassen oder ein Wenden in hundert Zügen mitten im Gewühl zu praktizieren. Jeder Zentimeter auf der Fähre wir ausgenutzt und der freie Platz zwischen den Autos mit Velos, Schubkarren und Menschen gefüllt. Für die Überfahrt lehnten die Leute sich und ihr Gepäck selbstverständlich gegen unser Auto, setzten sich auf die Stossstange oder stützten ihren Ellenbogen neben unserem Ellenbogen auf der heruntergekurbelten Fensterscheibe auf. Bei diesem Gedränge gar nicht anders möglich und in Afrika ganz normal! Für uns bot sich so immer die Gelegenheit, ungeniert die Leute mustern zu können und mit den einen oder anderen ein Schwätzchen zu halten. Die Fähren sind oft so voll, dass sie am Ufer aufliegen und erst nach zwanzigminütigem Hin und Her Geschwanke los kommen - derweilen die zweite Fähre seelenruhig einige Meter entfernt im offenen Wasser vor sich herdümpelt und auf ihre Entladung wartet. Kein Wunder mussten wir häufig bis zu zwei Stunden anstehen, um auf die Fähre zu kommen. Aber immer noch besser als sich im endlosen Stau durch die Stadt an die Nordbeach oder auf der 25 km langen Umfahrung an die Südbeach zu quälen. Und schliesslich standen auch alle anderen in stoischer Ruhe an. Was die Afrikaner können, schaffen wir auch. Wenn man etwas lernt in Afrika, dann ist es Geduld zu haben. Ändern lässt es sich nicht, lächelnd erträgt es sich leichter!

So leer wie die Stadt war, so voll war die Küstenstrasse. Alle schien's am Wochenende ans Meer zu ziehen. Nach einigem Anstehen im Stau entschlossen wir uns schliesslich auf die Fahrt entlang der Küste nach Bagamoyo zu verzichten und auf der Inlandroute nordwärts nach Tanga zu fahren. Barbara hätte sich Bagamoyo gerne angesehen, soll es doch als einzige Stadt in Tansania mit schönen Bauten noch an die Kolonialzeit erinnern. Und nur schon der Name hat Charme: Bagamoyo heisst "leg dein Herz nieder". 1888 wurde Bagamoyo Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika bis diese Funktion drei Jahre später an Dar ging. Schon früh interessierte sich das Deutsche Reich für die Gebiete in Ostafrika südlich des Kilimanjaros. Für das deutsche Reich gründete de Historiker und Geograph Carl Peter schliesslich die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft mit dem Ziel "zur Annexion und später zur Verwaltung möglichst grosser Kolonialländer unter deutscher Flagge". Er ergaunerte ein dutzend Verträge mit den Häuptlingen unter zweifelhaften Methoden, etwa einem "Trunk guten Grogs", einem  "Vertrag in deutschem Text", Fahnenhissen und Salven, die "den Schwarzen ad oculus" demonstrieren sollten, "was sie im Fall einer Kontraktbrüchigkeit zu erwarten hätten". In der Berliner Konferenz und im Helgoland-Zanzibar-Vertrag  erhielt das Deutsche Reich 1890 schliesslich Deutsch-Ostafrika als Kolonie zugesprochen. Im Gegenzug akzeptierte es die britische Souveranität über Uganda und Sansibar und Gebiete im heutigen Kenia. Im selben Vertragswerk ging auch die "Verhandlungsmasse" Helgoland an Deutschland. Nach dem ersten Weltkrieg ging 1920 Deutsch-Ostafrika unter dem Namen Tanganyika als Mandat an den Völkerbund. (Für die folgende geschichtliche Entwicklung siehe erster Bericht zu Tansania). Interessanterweise erinnert heute in Tansania - ganz im Gegensatz zu Namibia - überhaupt nichts mehr an die ehemaligen deutschen Kolonialherren.

Bei der Fahrt nach Tanga staunten wir über die ansprechende, hüglig grüne Landschaft. Beim letzten Mal versank alles in der regnerischen, grauen Nebelsuppe. Riesige Ananasplantagen wurden abgelöst von Mais- oder Zuckerrohrfeldern, alles immer wieder unterbrochen von sanft wogenden Palmenhainen. Im Hintergrund erhoben sich majestätisch die Usambaraberge. Die bunten Kleider der Frauen sorgten für interessante Farbtupfer in der Landschaft. In kleinen Grüppchen in Einerkolonnen waren die Leute am Strassenrand unterwegs. Wie überall in Afrika balancierten sie mühelos alles möglich und unmöglich auf dem Kopf: bis an den Rand gefüllte Wassereimer, riesige Feuerholzbündel und halbe Baumstämme, Früchte in Schalen, fest verschnürte Tiere, zig mit rohen Eiern voll gepackte Kartons, einzelne Äxte, Handtaschen, Koffer (mit Rollen!), Schulhefte, einzelne Bleistifte oder Kugelschreiber, bereits offene und halb ausgetrunkene Getränkedosen, einzelne Zigaretten, und, und, und. Es gibt nichts, was in Afrika nicht auf dem Kopf getragen wird!

In Tanga übernachteten wir auf dem Campingplatz von Sepp aus dem Emmental. Zum Znacht gab es für Barbara eine Emmentaler Platte mit Speck, Cervelat und mit Emmentaler überbackenen Spiegeleiern. Dazu wieder einmal richtig feines knuspriges Brot. Ein Gedicht!

Von Tanga aus holperten wir über mehr Löcher als Piste bis zur Kenianischen Grenze. Die Ausreise verlief razfaz. Niemand wollte unsere Quittung für die bezahlte Raodtax sehen. Glück gehabt. Schliesslich hatten wir wie schon das letzte Mal in Tansania nur das Minimum, nämlich 5.-$ für 7 Tage bezahlt und waren ganze drei Wochen im Land gewesen. Für einen Monat hätten wir 25.-$ berappen müssen und das erste Mal für zwei Monate 50.-$.
Im Niemandsland zwischen Tansania und Kenia passierte dann, was wir schon immer befürchtet, aber bisher hatten vermeiden können (wenn zig Male auch nur knapp). Eines der vielen frei weidenden Tiere, eine Ziege, lief uns ins Auto. Vorher hatte die ganze Herde die Strasse überquert und Barbara hatte auf Schritttempo abgebremst. Als sie wieder beschleunigte, sprang ein Nachzügler aus dem Gebüsch. Trotz Ausweichmanöver und Vollbremsung reichte es nicht mehr. Obwohl wir in Afrika schon unzählige tote Tiere auf der Strasse und daneben hatten liegen sehen, wirft einem ein solches Erlebnis aus der Bahn. Barbara plagten noch tagelang Schuldgefühle. Ein trauriges Erlebnis zum Abschluss einer schönen Reise durch ein interessantes Land.

Nairobi, 15. Juni 2007