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Togo, Benin, Nigeria
19.4 - 25.4.2006
Quer durch Togo,
Benin und Nigeria hiess nun die Devise – und alles auch noch möglichst rasch.
Wir hatten vor, Togo und Benin im südlichen unteren Drittel auf Nebenstrassen zu
durchqueren um so den grossen Grenzübergängen und Städten entlang der Küste
ausweichen zu können. Für Togo und Benin werden an den Grenzübergängen Visa
ausgestellt, aber eben nicht an allen Grenzübergängen – wie wir feststellen
mussten. Beim ersten Grenzübergang nach Togo blitzten wir ab. Dieser
Grenzübergang war so klein, dass hier keine Visa ausgestellt wurden. Beim
nächsten Grenzübergang in Ho sollte es möglich sein, wie wir von Christoph und
Sibylle wussten. Da wie immer sämtliche Hinweisschilder fehlten, fragten wir uns
durch. Bald einmal stellten wir fest, dass wir offensichtlich zu einem anderen
als dem gewünschten Grenzübergang unterwegs waren, nämlich zum grossen Übergang
unten an der Küste bei Lomé – also genau das, was wir vermeiden wollten. Es
machte es auch nicht besser, als wir dann noch von einer Polizeikontrolle mit
Radarpistole angehalten wurden. Barbara war wie immer zügig unterwegs und wir
hatten keine Ahnung, welche Höchstgeschwindigkeit hier galt. Karsten war
stinksauer, aber Barbara hielt ein kleines Schwätzchen mit den Polizisten und
fragte unschuldig nach dem Weg, Distanz und Dauer zum nächsten Grenzübergang.
Darüber vergassen die Beamten ihre Aufgabe und liessen uns ungeschoren ziehen –
oder vielleicht waren wir ja auch korrekt unterwegs gewesen...
Beim Eindunkeln
erreichten wir den Grenzübergang bei Lomé - den grössten, den wir hier in Afrika
bisher erlebt hatten. Entsprechend lange dauerte es auch, bis wir endlich in
Togo waren. Geschlagene zwei Stunden wurden wir von Gebäude zu Gebäude geschickt
und wurden so genau kontrolliert wie noch nie. Wir mussten sogar Malis
Impfausweis vorlegen. Bis jetzt hatte sich noch nie jemand für Hunde
interessiert. Im Dunkeln kämpften wir uns quer durch Lomé und waren heil froh,
als wir endlich auf dem Campingplatz ausserhalb Lomé bei der Schweizerin Alice
unterschlüpfen konnten. Von ihr erfuhren wir, dass Angola und Südafrika vor rund
1.5 Jahren grosse Probleme machten bei der Einreise mit Hunden. Viele
Hunde-Reisende seien deshalb wieder umgekehrt. Wir lassen uns überraschen, wie
es jetzt ist…
Nach nur einer
Stunde Fahrzeit entlang Togos Küste (ca. 60 km) erreichten wir den Grenzübergang
nach Benin. Hier ging alles schnell und unkompliziert von statten. Wir erhielten
allerdings nur ein Transitvisum für 48 Stunden, was aber zu unseren Plänen
passte. Hier in Benin galt es nun auch die Uhr eine Stunde vor zu stellen. Somit
haben wir wieder die einstündige Zeitdifferenz zu Europa, wie vor dem Wechsel
zur europäischen Sommerzeit.
Kurz nach der
Grenze gönnten wir uns in Grand Popo nochmals einen ruhigen Nachmittag am Strand
bevor wir uns am nächsten Tag in Benins Verkehrschaos auf der Küstenstrasse
Richtung Cotonou stürzten. „Les Pilots“, wie die Autofahrer genannt werden,
waren unterwegs wie die Henker – oder eben wie Tiefflieger. Es wurde erst besser
als wir nach Norden Richtung Abomey abbogen. Von Abomey gings am nächsten Tag
zur Nigerianischen Grenze in der Nähe von Kétou. Wir wählten extra einen kleinen
Grenzübergang etwas nördlich, um so den Moloch Lagos umfahren zu können. Gemäss
unserer Strassenkarte hatten wir 70 km Piste vor uns, weshalb wir uns die Route
aufs GPS übertrugen um uns nicht zu verfahren. Statt Piste fanden wir neuesten
Asphalt vor und waren nach einer Stunde bereits in Kétou um die
Ausreiseformalitäten zu erledigen. Die Autopapiere wurden vom Zollbeamten zügig
abgestempelt. Nette Polizisten erklärten uns, dass wir die Ausreisestempel im
Pass direkt an der Grenze in ca. 17 km im Dorf XY erhalten würden. Unser GPS
zeigte uns zwar 26 km an bis zur Grenze aber was solls. Über Piste gings nun
jetzt also Richtung Nigeria.
Nach gut 20 km
kamen wir in ein grösseres Dorf. Plötzlich waren alle Schilder englisch
angeschrieben. Auch unsere Fragen nach dem Weg nach Meko, wo wir gemäss
Michelin-Karte und Roadbook die Einreiseformalitäten erledigen mussten, wurden
in Englisch beantwortet. Waren wir etwa schon in Nigeria? Gemäss unserem GPS
fehlten noch gut 4 km bis zur Grenze und den angekündigten Grenzposten hatten
wir bis jetzt auch nicht passiert. Also weiter, jetzt auf neuer Teerstrasse.
Nach kurzer Zeit stoppte uns das erste Nagelbrett auf der Strasse. Drei
Bretterbuden standen neben der Strasse, alle mit eigenem Nagelbrett. Ein Mann in
Zivil forderte uns auf, unsere Papiere vorzuweisen. Karsten war sofort äusserst
skeptisch. Schliesslich hatten wir soviel von Nagelbrett-Banditen in Nigeria
gehört – aber eigentlich waren wir ja noch nicht in Nigeria, oder doch? Auf
unsere Bitte hin, zeigte uns der Mann in Zivil seinen Ausweis – tatsächlich:
nigerianische Polizei. Bei jeder Bretterbude mussten wir jetzt Fagen beantworten
und unterschiedliche Papiere vorweisen. Die letzte Kontrolle war die
Immigration. Sie schauten sich unser Visum an und fragten nach den
Einreisestempeln. Wir erklärten ihnen, dass wir diese gemäss unserer Information
in Meko erhalten würden. Falsch! Die Einreiseformalitäten hätten wir im letzten
Dorf machen müssen und waren somit illegal in Nigeria eingereist. Der Beamte
behielt unsere Pässe (Karsten war sauer auf Barbara, dass sie hierzu
eingewilligt hatte) und fuhr uns mit dem Motorrad vor zum letzten Dorf, wo wir
im hintersten Winkel, natürlich ohne jegliche Hinweisschilder, den
Nigerianischen Zoll und die Immigration fanden.
Wir füllten brav
alle Formulare aus und erklärten dem Beamten, weshalb wir „illegal“ eingereist
waren. Zum Beweis mussten wir ihm unsere Michelin-Karte zeigen. Aber uns wurde
nicht nur die illegale Einreise zur Last gelegt, sondern auch die fehlenden
Ausreisestempel von Benin, die wir ebenfalls in diesem Dorf irgendwo hätten
einholen sollen. Aber das Schlimmste waren unsere „gefälschten“ Visa. Die
Nigerianische Botschaft in Bamako hat zwei Felder in unseren Visa doch
tatsächlich falsch ausgefüllt. Da steckten wir ja schön in der Scheisse!
Zum Glück hatte
Karsten die Quittungen von der Botschaft in Bamako aufbewahrt und somit hatten
wir zumindest annähernd einen Beweis für unsere Geschichte. Der Beamte gab auch
zu, dass er schon mehrfach solche schludrigen Visa von Bamako gesehen hätte. Bis
jetzt hätte Nigeria die Einreise mit solchen Visa aber immer verweigert und die
Leute zurück geschickt. Nur – unser Beninvisum war mittlerweile auch abgelaufen
und an dieser kleinen Grenze würden wir kein neues bekommen. Der Beamte erklärte
sich bereit, bei seinem Vorgesetzten in Abeokuta telefonisch nachzufragen, ob er
eine Ausnahme machen dürfe und uns einreisen lassen könne. Der Boss war aber
nicht erreichbar. Immer wieder versuchte es der nette Beamte über sein privates
Handy (einen andren Anschluss gab es nicht) bis seine Telefonkarte leer war. Er
bat uns, ihm eine neue Telefonkarte zu besorgen. Wir versuchten ihm zu erklären,
dass wir noch keine Neira (nig. Währung) hatten. Leider glaubte er uns nicht,
wurde wütend und wollte uns nicht mehr helfen. Nach einiger Zeit erbarmte sich
sein Schreiberling unser und organisierte für uns erst eine Wechselmöglichkeit
und dann die Telefonkarte. Barbara und der Beamte entschuldigten sich
gegenseitig für das Missverständnis und er versuchte weiterhin seinen Boss zu
erreichen. Er erklärte uns, dass er selber einen Entscheid fällen müsse, wenn er
bis 16 Uhr keine Antwort erhalte. Wie dieser Entscheid wohl ausfallen würde?
Mittlerweile
sassen wir seit fast 5 Stunden an der Grenze und hatten noch zwei Stunden Fahrt
vor uns bis nach Abeokuta, wo wir übernachten wollten. Der Boss blieb
unerreichbar. Um 16 Uhr wurden wir tatsächlich ins Büro gerufen und siehe da:
der Beamte hat uns in Eigenregie die Einreisestempel gemacht. Überglücklich
nahmen wir unsere Pässe in Empfang – und alles ohne Schmiergeld! Da soll noch
jemand sagen, die nig. Beamten seinen unfreundlich und korrupt! Als Dank für
seine Unterstützung schenkten wir ihm bei der Abfahrt ein kleines Schweizer
Sackmesser, worüber er sich sehr freute. Der Zollbeamte hatte alles miterlebt
und erledigte unsere Autopapiere extrem rasch und speditiv. Auf die
Ausreisestempel von Benin wurde nun grosszügig verzichtet. Rasch wechselten wir
noch etwas Geld und machten uns dann zügig auf nach Abeokuta, wo wir bei
Dämmerung zwei Stunden und etwa 20 Checkpoints (alle freundlich aber
interessiert an unseren Papieren) später ankamen.
Von einem
Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Lagos hatten wir in Wli erfahren, dass im
Sacred Heart Hospital in Abeokuta die deutsche Ärztin Dr. Biersack arbeite und
wir vermutlich bei ihr übernachten könnten. Also machten wir uns auf die Suche
nach diesem Hospital – bei Finsternis, im Verkehrschaos und ohne Ahnung wo sich
das Spital befindet. Wir fragten uns quer durch die grosse Stadt und nach einer
weiteren Stunde wies uns dann die letzte Auskunftsperson quer über die Strasse
zur Einfahrt. Fast wären wir vorbei gefahren. Dreist verlangten wir beim Wächter
an der Einfahrt nach unserer „Freundin“ Dr. Biersack. Wir wurden zu ihr gebracht
und die ältere Dame freute sich riesig über deutsch sprechenden Besuch. Sie bat
uns noch zu sich auf die Terrasse für ein ausgedehntes Plauderstündchen bei Bier
für uns und Whisky für sie. Zu unserem wohlverdienten Znacht – seit dem
Frühstück gabs nichts mehr - kamen wir erst gegen 22 Uhr. Wir waren glücklich,
einen sicheren Übernachtungsort gefunden zu haben und gleichzeitig etwas
Einblick in ein afrikanisches Spital zu erhalten. Auf der Privatstation durften
wir die Toilette benutzen und erhielten am anderen Morgen ein Frühstück. Auf dem
Weg dorthin kamen wir auch an der allgemeinen Abteilung vorbei – nur nie krank
werden in Afrika!
Von Abeokuta
gings über die gefürchtete Autobahn 300 km nach Benin City. Nicht nur wegen der
vielen Raubüberfälle und den zahlreichen korrupten Checkpoints ist diese Strecke
verschrien, sondern auch wegen der gefährlichen und rücksichtslosen Fahrweise
und den entsprechend vielen Unfällen. Wir kamen heil durch, und wenn man sich
mal daran gewöhnt hatte, dass:
-
Jeder sein eigenes Tempo und seine eigene Spur fährt
-
Links und rechts überholt wird
-
Immer wieder Geisterfahrer entgegenkommen
-
Fussgänger auf der Autobahn unterwegs sind
-
Es mitten auf der Autobahn grosse Kreuzungen gibt (ohne
Hinweis selbstverständlich)
-
Aus dem Nichts Checkpoints auftauchen
-
Mangels Pannenstreifen immer wieder die eine oder andere
Spur durch ein liegen gebliebenes Fahrzeug blockiert wird
-
Die Autobahn kurzzeitig nur aus riesigen Schlaglöchern oder
Piste besteht
war alles nur
noch halb so schlimm. Reine Gewöhnungssache.
Weil wir zügig
unterwegs waren, vermutlich wegen des „wenigen“ sonntäglichen Verkehrs, kamen
wir weiter als geplant. Nach der Autobahn ausserhalb von Onitsha suchten wir
eine Übernachtungsmöglichkeit und wurden nach der gestrigen guten
Spitalerfahrung in Ilihada im „our lady of lourds hospital“ fündig. Das Spital
wird von Nonnen geleitet, die uns mit offenen Armen empfingen. Wir durften uns
einen Übernachtungsplatz auf dem Gelände aussuchen und erhielten wiederum WC und
Dusche auf der Privatstation. Eine weitere ruhige Nacht, für die wir am nächsten
Morgen nicht mal etwas bezahlen durften. Über das kleine Schweizer Sackmesser
freute sich die Spitalvorsteherin aber sehr.
Weiter ging es
Richtung Calabar durch verschiedene grosse Städte. Als wir in Owerri nach dem
richtigen Weg fragten, wurde uns kurzerhand eine Polizeieskorte mitgegeben, die
uns quer durch die Stadt lotste. Alles gratis und franko. Wir hatten in Nigeria
trotz aller Warnungen nur gute Erfahrungen gemacht mit Polizei und Militär. Zwar
wurden wir bei den meisten Checkpoints angehalten, häufig aber nur auf ein
kurzes Schwätzchen. Die eher seltenen Fragen nach einem Geschenk wurden immer
mit einem verschmitzten Lächeln gestellt: What do you HAVE for me? Sie liessen
sich immer mit einem ähnlichen Lächeln und einer der Antworten
-
Nothing
-
we HAVE many documents for you, which one would you like to see?
-
we HAVE a question:….
-
Nothing left, we gave all the presents to your many collegues on the way
problemlos erledigen und man wünschte uns fröhlich eine gute und sichere
Weiterfahrt.
Kurz
vor Büroschluss erreichten wir das Kamerunkonsulat in Calabar. Auch hier war das
Prozedere weit weniger mühsam als überall beschrieben. Wir hofften, den
Visa-Antrag noch am selben Tag stellen zu können und im Lauf des nächsten
Morgens die Visa zu erhalten. Aber welche Überraschung: gleichentags nur 1.5 h
später waren wir stolze Besitzer der Kamerun-Visa. Lange suchten wir in der sehr
sauberen, schönen und modernen Stadt eine Übernachtungsmöglichkeit. Schliesslich
durften wir für stolze 2000 Neira (knapp 10 €) unseren 2. Hochzeitstag-Abend auf
dem Parkplatz des Paradise City Hotel verbringen. Da wir uns weitere 1000 Neira
für WC und Dusche in einem Hotelzimmer sparen wollten, kam hier auch erstmals
unsere eigene WC-Tonne mit „Roby-Dog-Säcklein“ zum Einsatz.

Auf
guter Teerstrasse sollte es nun 160 km zum Grenzübergang nach Kamerun gehen. Gut
war die Strasse aber nur auf den ersten Kilometern. Danach wurde die Strasse
immer schmaler und führte schliesslich als grösserer Eselspfad durch den
Dschungel. Ohne die vereinzelten Checkpoints hätten wir das Gefühl gehabt uns
völlig verfahren zu haben. Die Piste war immer wieder durch riesige schlamm- und
wassergefüllte Löcher unterbrochen. Wenn möglich – das war aber leider selten
der Fall – umfuhren wir die Löcher, da man nie weiss, wie tief ein solches Loch
ist, wie viel Schräglage man bekommt und ob man es wieder raus schafft. Dessen
nicht genug, versperrte uns auch noch ein quer über der Piste liegender Baum die
Weiterfahrt. Es blieb uns nichts übrig, als unser Abschleppseil auszupacken und
den Baum mit unserem Auto weg zu ziehen. Auf fremde Hilfe hätten wir lange
warten können!

Entsprechend spät erreichten wir den Grenzübergang. Die Ausreise aus Nigeria
verlief zügig und problemlos. Nach 10 Minuten durften wir über die Brücke des
Grenzflusses rollen nach Kamerun. Da sollte einiges anders werden…
Entgegen aller Vorbehalte, Warnungen und Horrorgeschichten erlebten wir Nigeria
als sehr freundliches und problemloses Reiseland.
Dschang, 27, April 2006
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