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Uganda             2.5. - 12.5.2007

The Pearl of Africa – so nannte Winston Churchill Uganda. Das für afrikanische Verhältnisse eher kleine Land – 236'000 km2 (rund 6 mal grösser als die Schweiz) - verfügte trotz fruchtbarem Land und Ernteüberschuss wegen seiner Inlandlage lange nur über begrenzte Handelsverbindungen zu den grossen Häfen am indischen Ozean und damit zum Rest der Welt. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts schliesslich wurden Kontakte zu arabischen Händlern  und zu den ersten Europäischen Entdeckern geknüpft. Aber auch Uganda wurde nicht verschont von der Welle der Kolonialisierung, die über den afrikanischen Kontinent schwappte. Mit dem Vertrag von Berlin 1890 wurde Afrika mit Landkarte und Massstab unter den Kolonialmächten aufgeteilt – ohne dass die Afrikaner dazu befragt worden wären. Uganda gelangte so zusammen mit Kenia und Sansibar unter Britisches Protektorat. Seit 1962 ist Uganda unabhängig und machte anschliessend heftige politische Wirren und Bürgerkriege durch. Seit vielen Jahren nun befindet sich Uganda aber auf dem aufsteigenden Ast und macht mittlerweile seinem Titel – Perle von Afrika – alle Ehre.

Unsere Einreise nach Uganda wäre absolut unspektakulär verlaufen, hätten wir uns nicht um die geforderte Strassengebühr von 35'000 Uganda Shilling (23.- Fr.) drücken wollen. Im Vertrauen darauf, dass es im kleinen Grenzkaff keinen Bancomaten geben würde, erklärten wir dreist, dass wir in keiner Währung Bargeld dabei hätten und erst einen Bancomaten bräuchten um die Roadtax bezahlen zu können. Zur Unterstreichung unserer Behauptung wedelte Karsten dem Beamten mit der Visakarte unter der Nase rum – und siehe da, nach einigem hin und her klappte es tatsächlich. Wir bekamen einen Zettel in die Hand gedrückt mit dem Vermerk, dass wir in der nächsten grossen Stadt oder spätestens bei der Ausreise die Roadtax zu bezahlen hätten – was wir aber nicht machten. Auf der einen Seite hatten wir tatsächlich etwas ein schlechtes Gewissen, weil die Strassen in Uganda relativ gut sind und der Strassenbau – nota bene alles Handarbeit! – heftig voran getrieben wird. Auf der anderen Seite aber trösteten wir uns damit, dass unser Geld vermutlich nur dazu gebraucht worden wäre, weitere der unzähligen mörderischen Speed-Breaker auf die Strasse zu pflastern. Es soll nur niemals wieder jemand über den Schwellen-Ruedi und seine verkehrsberuhigenden Massnahmen in Zürich schimpfen! Gegen die häufig unmarkierten, auf einer Länge von 2 km im Abstand von gerade mal 50 Metern angebrachten Sprungschanzen und plomben-freischüttelnden Bodenwellen in Ostafrika sind Papis Schwellen vernachlässigbare Bodenunebenheiten!

In der ersten grossen Stadt nach der Grenze, in Masaka, genossen wir es, mal wieder auf einem richtigen und wunderschön angelegten Campingplatz zu stehen. Wie immer blätterten wir beim Einschreiben das Gästebuch durch und stolperten auch hier über Namen, mit welchen wir ein Gesicht in Verbindung bringen konnten. Nik und Nicole zum Beispiel waren vor knapp zwei Jahren hier. Vor etwas mehr als einem Jahr hatten wir die beiden auf dem Campingplatz in Bamako, Mali, getroffen. Solche Kleinigkeiten sind es, die uns unterwegs freuen und die neuen und fremden Orten plötzlich einen vertrauten Touch verleihen. Und wie wir wieder einmal mehr feststellen konnten, fördert es das Wohlbefinden und die Qualität der Reiseerlebnisse ungemein, wenn man sich mit der lokalen Bevölkerung verständigen kann. Nach der Kisuaheli – Sprachbarriere in Tansania schätze es Barbara enorm, sich mit Andrew, dem Sohn des Platzbesitzers, über x-beliebige Themen problemlos in Englisch austauschen zu können (Barbaras Fazit: Ich will nie in ein Land reisen, in welchem ich mich nicht mit den Leuten unterhalten kann. Da lerne ich lieber jahrelang Fremdsprachen!). Positiv überrascht waren wir über die gute Bildung, die bei diesem Gespräch zutage trat. Der Teenager verfügte über ein grosses Allgemeinwissen und kannte sein Land bestens. Er gab uns neue interessante Reisetipps und wusste sogar über Strassenverbindungen und –zustand Bescheid. Eine ähnliche Erfahrung hatten wir bereits bei der Einreise an der Grenze gemacht, als uns ein junger Beamter in perfektem Englisch auf der Landkarte touristische Highlights, Strassenverbindungen und Grenzübergänge aufzeigte. Nicht umsonst also wird Uganda als ein Land mit sehr hohem Bildungsniveau beschrieben und die Makerere-Universität in Kampala gilt auch heute noch als eines der grössten Bildungszentren Afrikas.

Durch saftig grüne Hügellandschaft und quirlige afrikanische Städte, wie wir sie von Westafrika her kannten, fuhren wir am nächsten Tag in den tiefen Süden Ugandas nach Kabale. Eigentlich müsste es richtigerweise ja heissen in den hohen Süden Ugandas. Kabale im Dreiländereck Uganda-Ruanda-Demokratische Republik Kongo ist nämlich Ugandas höchst gelegene Stadt auf 2000 Metern! Aber auch der Rest des Landes ist nicht gerade „Tiefland“: ganz Uganda befindet sich auf einiges über 1000 Metern Höhe. Der höchste Punkt, Mount Margerita ist 5109 Meter hoch! Entsprechende angenehm ist für coole – oder kühle – Europäer das Klima. Tagsüber wird es angenehm sommerlich warm mit durchschnittlich 26°C – nur im brutzelnden Sonnenschein merkt man, dass man sich direkt am Äquator befindet - und nachts kühlt es ab bis auf etwa 17°C. Wir jedenfalls mummelten uns schlotternd in unsere warmen Bettdecken als wir die Nacht ausserhalb Kabales am Lake Bunyonyi verbrachten. Dieser See scheint direkt der Märchenwelt entflohen zu sein. Ganz verzahnt schmiegt sich der smaragdgrüne Bergsee an die terrassenförmig bebauten Berghänge. Verstreckte Buchten, verwunschene kleine Inseln und die ursprünglichen Einbäume, die friedlich auf dem Wasser schaukeln, vervollständigen das Bild. Wir genossen den Zauber und Mali die vierbeinige Spielgefährtin Bavou.

Vor der Weiterfahrt deckten wir uns in Kabales Käserei noch mit einem kleinen Laib leckerem Gouda-Käse ein. Wir hatten Glück und erwischten gerade noch das letzte Stück des begehrten Luxusgutes. Ebenfalls begehrt und ein Luxusgut schien hier der Diesel zu sein. Auf dem Hinweg hatten wir darauf verzichtet, den Tank aufzufüllen, weil uns der geforderte Preis von 2500 Uganda Shilling pro Liter zu hoch erschien. Die an den Tankstellen in Kabale angeschriebenen Dieselpreise schienen unsere Zurückhaltung zu rechtfertigen: nur gerade mal 2000 Shilling  pro Liter. Als wir dann allerdings freudestrahlend unseren Tank auffüllen wollten, erklärte man uns an jeder Tankstelle achselzuckend, dass der Diesel ausgegangen sei. Nachschub komme in den nächsten Tagen. Die einzige Tankstelle, die schliesslich noch genügend Diesel für uns hatte, schröpfte unser Budget erheblich bei sage und schreibe konkurrenzlosen 2800 Shilling (1.20 €) pro Liter.

Auf kleinen kaum befahrenen Pisten schraubten wir uns nun auf gut 2500 Meter hoch um von Hügel zu Hügel entlang des Bergkammes westwärts zu fahren. Die Ausblicke über das dünn besiedelte, extrem hüglig-wellige Gebiet sind fantastisch. Die einzelnen kleinen, terrassenförmig bebauten Felder bilden ein fröhliches Patchwork, das alle Bergflanken überzieht. Nur schon der Gedanke daran, wie die Bauern ganz unten von der Talsohle täglich die unzähligen Höhenmeter überwinden müssen um zu ihrem Feld weit oben an der Bergflanke zu gelangen, trieb uns den Schweiss auf die Stirn. Bebaut werden die Felder vorwiegend mit Mais und Maniok und in etwas tieferen Regionen mit Zuckerrohr, Bananen und Tee. Maniok wird fast in ganz Afrika angebaut. Maniok ist ein ursprünglich in Südamerika beheimatetes Wolfsmilchsgewächs und wird mittlerweile weltweit in den Tropen kultiviert. Maniok hat viele Vorteile. Diese stärkehaltige Wurzelknolle gedeiht auch in nährstoffarmem Boden, ist weitgehend dürreresistent und muss erst dann geerntet werden, wenn sie gebraucht wird, was eine aufwendige Lagerung erübrigt. Dafür ist die Verarbeitung von Maniok nicht ganz einfach: Die Schale der Wurzelknolle enthält ein blausäureähnliches Gift. Dieses wird erst durch mehrtägiges Wässern, Schälen, Pressen, Raspeln und Trocknen abgebaut. Eine unsachgemässe Zubereitung von Maniok kann deshalb zu Rückenmarkschädigung mit folgender Lähmung oder gar zum Tod führen. Wir liessen wohlweisslich die Finger von Maniok.
Dort wo die Hänge nicht bebaut werden, breiten  sich dichte Nadelwälder aus. Selbstverständlich werden auch diese genutzt. Die gefällten Bäume werden an Ort und Stelle zu Brettern verarbeitet. Schweisstreibende Zweimann-Handarbeit an einem riesigen Sägebock mit einer überdimensionalen Handsäge.

Die Suche nach einem Übernachtungsplatz gestaltete sich an diesem Tag wieder einmal äusserst schwierig. Beim ersten angesteuerten (ganz leeren) Hotel-Resort hätten wir zwar campieren dürfen, allerdings für 30 US$ pro Person – und das nach zähen Verhandlungen. Wir trauten unseren Ohren nicht, bezahlten wir doch sonst für einen Campingplatz in Uganda rund 3 US$! Also weiter nach Ishasha, dem Grenzort zum Kongo. Wir hielten uns an die vorbildlich angebrachten Wegweiser und – fuhren glatt an Ishasha vorbei. Bis heute wissen wir nicht, wo dieser Ort nun liegt – trotz intensivem Kartenstudium und Auswertung unserer Route auf dem Computer. Wir befanden uns in schöner aber einsamster Savannenlandschaft, in der Nähe der kongolesischen Grenze (Barbara befürchtete schon, illegal in den Kongo eingereist zu sein) und des Queen Elisabeth Nationalparks. Hier wollten wir nun definitiv kein Bushcamp riskieren, zumal wir keine Ahnung hatten, wo wir uns genau befanden. Endlich entdeckten wir schliesslich ein Schild, das zu einer Schule wies. Die Schulen mit ihrem grossen gepflegten Schulgelände sind in Ostafrika jeweils wahre Bijoux. Moderne, grosszügige Häuser mit sanitären Anlagen und mit breiten, geschmückten Zufahrtswegen - regelrechten Auffahrten. Aber nicht so hier. Die Zufahrt war ein holpriger, steiler Wanderweg. Da in Uganda gerade Schulferienzeit war, hofften wir darauf, diese Schulanlage ganz für uns alleine zu haben. Weit gefehlt. Innert Minuten stattete uns das ganze in der Nähe gelegene Ort einen Besuch ab. Der Dorfvorsteher, der Gemeindevorsteher, der Distriktabgeordnete und der Vertreter der Interessen der Jugendlichen in der Politik machten uns der Reihe nach ihre Aufwartung. Jedes Mal mussten wir von Neuem erklären, weshalb wir hier waren. Über 50 Kinder und Jugendliche belagerten unser Auto und kommentierten jede unserer Bewegungen. Ungläubig sahen sie uns zu, wie wir Käsesuppe (Fondue) assen. Penetrant blieben sie sitzen bis wir uns schliesslich genervt und müde ins Bett verzogen – nur um am nächsten Morgen beim ersten Tageslicht wieder da zu stehen. Allerdings waren es nun die Frauen und Mädchen. Barbara zauberte ihnen ein breites Lachen aufs Gesicht, indem sie allen etwas Parfüm auf den Handrücken sprühte. Mit wie wenig kann man doch Freude bereiten! 

Die Transitfahrt durch den gesamten Queen Elisabeth Nationalpark gefiel uns vor allem der abwechslungsreichen Landschaft wegen, Tiere sahen wir kaum. Offene Savannenlandschaft wurde abgelöst durch dichten hügeligen Wald, der wiederum Blicke auf den schimmernden Lake Edward freigab und später überging in topfebene schilfige Sumpflandschaft. Und hier zeigte sich, dass die zahlreichen Warnungen vor dieser Transitstrecke absolut gerechtfertigt waren. Vom letzten Regen war die Strasse in diesem Sumpfgebiet noch völlig schlammig und matschig. Zudem hatten die überladenen Laster tiefe Spurrillen und Löcher in den Schlamm gegraben. Zu allem Übel ist das Strassentrasse auf beiden Seiten sehr abschüssig. Einmal in Schräglage rutscht das Auto unaufhaltsam neben die Strasse. Ein rechter Nervenkitzel unter diesen Umständen zwei stecken gebliebenen, die Strasse blockierenden Lastwagen auszuweichen!
Kurz nach dem Nationalpark fühlten wir uns plötzlich wieder ganz heimisch – kein Wunder, wir hatten eben den Äquator überquert und atmeten nun wieder den vertrauten Geruch der Nordhemisphäre …

Südlich des unspektakulären Kaffs Fort Portal locken einige kleine Kraterseen und der Kibale-Forest mit seinen zahlreichen Affen- und Vogelarten. Wir campierten direkt auf dem Kraterrand am Lake Nkruma. Die vielleicht 70 Meter hohen und steilen Kraterwände sind dicht bewaldet. Der runde Kratersee misst wohl ungefähr die Fläche eines Fussballfeldes, hat glasklares Wasser und soll bilharziosefrei sein. Wir testeten es allerdings nicht aus, sondern erfreuten uns zwei Tage lang ganz einfach an der Ruhe des schönen Plätzchens und an den frechen, über unseren Köpfen herum turnenden Affen. Die faulen, Blätter fressenden, schwarz-weissen Schreihälse – Seidenaffen (Colobusaffen) – hatten es uns besonders angetan. Sie sehen witzig aus mit ihren weissen Bärten und Augenbrauen, dem langen weissen Fell an den Seitenpartien und der buschigen weissen Schwanzspitze. Ihres Fells wegen wurden die Seidenaffen seit je her gejagt. In vielen alten Ostafrikanischen Kulturen wurde ihr Fell als Schmuck für die Krieger oder deren Waffen verwendet. Auch in Übersee war das schwarz-weisse Fell beliebt: Schon Marco Polo berichtete im späten 13. Jahrhundert von den begehrten Colobus-Pelz-Umhängen in Zentral Asien. Unglücklicherweise kamen Colobus-Mäntel auch in Europa in Mode im späten 18. Jahrhundert und um 1970 herum. Schätzungsweise wurden über 2 Millionen Pelze nach Europa exportiert. Erstaunlicherweise gibt es den Seidenaff aber heute noch. Ein Weibchen hatte nur alle zwei Jahre Nachwuchs und dann nur ein einziges Äffchen. Das neu geborene Äffchen ist ganz weiss bis auf das rosafarbene Gesicht. Eine Geburt ist für die gesamte Affenfamilie (ca. 1-3 Männchen und 2-4 Weibchen mit Nachwuchs) ein Grossereignis. Meistens wollen alle weiblichen Familienmitglieder, auch die Allerkleinsten, das Neugeborene halten. Das verschafft der Mutter zwar eine Verschnaufpause, aber die Babysitter sind nicht immer die kompetentesten. Es kommt schon mal vor, dass die kleinen Äffchen kopfüber am Schanz hochgehalten oder aus hohen Bäumen fallengelassen werden. Dies ist einer der häufigsten Gründe für die Kindersterblichkeit bei den Seidenaffen. Die Seidenaffen sind ausgesprochen faule Affen. Wenn sie nicht gerade fressen, fläzen sie rum und verdauen. Sie bewegen sich im Durchschnitt gerade mal rund 350 Meter pro Tag fort. Bei Gefahr warnen die Männchen den Rest der Familie mit lautem Röhren. Dieses Röhren wird aber auch als Kommunikation zwischen verschiedenen Familien verwendet – in der Regel zwischen Mitternacht und Morgendämmerung… Irgendwo in weiter Ferne beginnt das Röhren und allmählich fallen alle Männchen ein, so dass sich der Lärm in einer unaufhaltsamen Welle nähert. Es tönt dann etwa so wie ein knatterndes Motorrad direkt neben dem Kopfkissen oder wie wenn der eigene Magen knurren würde – allerdings mit 75 Dezibel! 

Im Kibale-Forest werden auch „Schimpansen-Spaziergänge“ angeboten. Allerdings sind die Schimpansen sehr scheu und nur aus der Ferne zu beobachten. Das war uns dann doch keine 100 US$ pro Person wert. Uganda beherbergt zudem die Hälfte aller Berggorillas weltweit. Einige wenige Gruppen sind soweit an den Menschen gewöhnt, dass man sich ihnen in freier Wildbahn nähern darf. Selbstverständlich nur mit einem Ranger und pro Besuch maximal für eine Stunde. Sicher ein tolles und eindrückliches Erlebnis, allerdings zu einem stolzen Preis: 500 US$ pro Person! So gerne wir die Gorillas auch gesehen hätten, verzichteten wir bei diesen überrissenen Preisen lieber darauf. Irgendwo hat alles seine Grenzen und wir zweifelten daran, ob all das viele Geld wirklich nur den Gorillas zugute kommen würde.

Von der unberührten Natur und Einsamkeit spedierte uns eine nur gerade dreistündige Fahrt zurück in die afrikanische Grossstadthektik der Hauptstadt Kampala. Der Name Kampala leitet sich ab aus „kasozi ka Impala“, was übersetzt Antilopenhügel heisst. Kampala breitet sich, wie Rom, auf sieben sanft gewellten Hügeln aus. Uns erinnerte Kampala der Hügel wegen stark an Kameruns Hauptstadt Yaoundé und läuft über mit der typischen westafrikanischen Quirligkeit. Hier in der Hauptstadt ist der Aufwärtstrend Ugandas stark zu spüren. Die Leute verströmen fast fühlbaren Optimismus. Überall schiessen moderne Bürogebäude aus dem Boden und die alten, zerfallenen und teilweise vom Krieg zerstörten Häuser werden abgerissen. Uganda hat mit seinen dunklen Jahren abgeschlossen – nach fast 30 Jahren Chaos und Bürgerkrieg:

Die Briten regierten während der Protektoratszeit das Land nur indirekt, indem sie den ursprünglichen Königreichen viel Freiheit liessen. Für ihre neu gegründete Verwaltung und für die wichtigen Handelsposten favorisierten sie aber die Einsetzung von Leuten aus dem Stamm der Buganda. Die von der Kolonialmacht benachteiligten Acholi und Lango machten dafür Karriere im Militärapparat. Die ethnische Verteilung in Zivilleben und Militär programmierte so den Konflikt, unter dem Uganda bis heute zu leiden hat. Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Ländern entwickelten sich in Uganda kaum stammesübergreifende Unabhängigkeitsbewegungen. Der erste Präsident des selbständigen Uganda, Milton Obote, stand vor der Aufgabe, die auseinanderdriftenden ethnischen Interessen zusammenzuführen – eine Aufgabe, bei der er scheiterte. Einer der wichtigsten Handlanger Obotes war der Militärverantwortliche Idi Amin. Dieser stürzte Obote schliesslich 1971 und in den folgenden 8 Jahren herrschte Amin mit unberechenbarer Brutalität über Uganda. Sein erster Rachefeldzug galt den gebildeten Stammesgenossen Obotes, den Acholi und Lango, die systematisch ausgerottet wurden. Folter und Mord waren an der Tagesordnung. Rund 300'000 Ugander verloren ihr Leben. Alle politischen Aktivitäten wurden unterbunden und die Armee erhielt die Ermächtigung, jeden sogleich zu erschiessen, der sich der Opposition gegen das Regime verdächtig machte. Ein weiterer Dorn im Auge war ihm die 70'000 Personen starke asiatische Bevölkerung. 1972 erhielten alle Asiaten das Ultimatum, Uganda innert 90 Tagen zu verlassen – mit wenig mehr als den Kleidern, die sie auf dem Leib trugen. Erst als sich Amin schliesslich 1978 / 79 gegen Tansania wandte, um dem das Amin-Regim kritisierende Land eine Lektion zu erteilen, kam seine Schreckensherrschaft zu einem abrupten Ende. Milton Obote kehrte aus dem Exil zurück – nur um Amins Politik, diesmal mit umgekehrten ethnischen Vorzeichen, fortzusetzen. Ihm folgte 1985 nach einem Coup Okello, der bereits ein Jahr später von der Guerilla des folgenden Präsidenten Musveni verjagt wurde. In der Regierungszeit Musveni stabilisierte sich die politische uns wirtschaftliche Lage. Er verfolgte eine marxistisch geprägte, aber in erster Linie pragmatische Politik. Musveni glaubt an ein Einparteiensystem, weil er befürchtet, dass sich politische Parteien nach den Stammeszugehörigkeiten bilden und somit alte Wunden wieder aufgerissen werden.

In Kampala verbrachten wir drei Tage mit Waschen, Shopping, Internet und Visabeschaffung. Barbaras Nerven waren nach zwei Tagen vergeblichen Versuchs, den neusten Bericht ins Netz zu stellen zum zerreissen gespannt. Als dann im x-ten Internetcafé das Virenprogramm ungefragt auch noch unser Programm zur Aufdatierung der Homepage löschte, brach Barbaras Welt kurzzeitig zusammen. Aber hakuna-matatta – hakuna matatta funktioniert wieder. Unser dreimonatiges Äthiopienvisum erhielten wir tatsächlich innerhalb der versprochenen 24 Stunden ausgestellt – wobei die Unterlagen 23 Stunden und 45 Minuten unberührt auf dem Pult der Sekretärin lagen. Erst als Karsten zum vorgegeben Abholtermin erschien, kramte die Dame unsere Papiere hervor, gab sie ins nächste Büro weiter und händigte Karsten 10 Minuten später unsere Pässe mit den gewünschten Visa aus. Zwar absolut termingerecht, aber irgendwie doch ein etwas fragwürdiges Vorgehen!

Unser Aufbruch von Kampala wurde uns leicht gemacht. Schon während des Frühstücks mussten wir fluchtartig das Feld, genauer den Tisch, räumen vor dem sintflutartigen Regen. Innert Kürze stand die ganze Stadt, bzw. die tieferen Regionen zwischen den Hügeln unter Wasser. Die Strassen hatten sich in mindestens knöcheltiefe Flüsse verwandelt. Einzig den trotzig im Regen stehenden Marabus schien das ganze Nass nichts auszumachen. Sie wühlten genüsslich weiter rum in den Abfällen der Stadt. Die Marabus sind erstaunliche Vögel. Sie fallen nur schon durch ihre Grösse auf. Auf ihren langen Stelzenbeinen stehend sind die grau-weissen Vögel weit über einen Meter hoch. Auffallend sind ihr mächtiger Schnabel und der fleischfarbene Kehlsack. Der Marabu hat zusammen mit dem Kondor die grösste Flügelspannweite unter den Landvögeln. Da wird’s tatsächlich dunkel, wenn sich ein solches Riesenvieh in die Lüfte erhebt. 

Kaum 80 Kilometer weiter östlich ein weiteres Highlight Ugandas: In Jinja fliesst das Wasser aus dem Viktoriasee in den längsten Fluss der Welt. Der (weisse) Nil nimmt hier seinen Anfang. Über 6400 km fliesst das Wasser  – wobei ein grosser Teil davon unterwegs verdunstet - innert drei Monaten durch Uganda und die Wüsten Sudans und Ägyptens ins Mittelmeer. Nur eine gering schnellere Reisezeit als wir sie wohl haben werden ...
Nur einige Kilometer nach dem Ursprung rauscht das Nilwasser bereits zum ersten Mal über erhebliche Felsstufen in die Tiefen. Die Bujagali-Falls sind zwar eher Stromschnellen als Wasserfälle, aber ausgewachsene Stromschnellen, die sie sehen lassen können! Kein Wunder gehören diese Stromschnellen zu den spektakulärsten Withe-Water Rafting Destinationen der Welt. Von unserem schönen Speke-Campingplatz direkt neben der Bujagali-Falls konnten wir die lebensmüden Rafter in ihren Nussschalen beobachten. Ein Campingplatz mit hohem Unterhaltungswert und rauschender Hintergrundkulisse für die nächtlichen Träume – die bei Karsten allerdings gerade wegen des Rauschens ausblieben … 

An der Grenze zu Kenia steigt das Gelände um den Mount Elgon (4321m) herum erheblich an. Die Strasse windet sich der Bergflanke entlang und bietet überwältigende Ausblicke auf das rund 1000 Meter tiefere liegende Hochplateau. Dabei vergisst man schnell, dass auch dieses topfebene Hochplateau schon auf 1000 Metern über Meer liegt. Überall stürzen Wasserfälle über nackte Felswände. Der dritte der drei spektakulären Sipi-Fälle stürzt sich weiss schäumend im freien Fall knapp 100 Meter über eine senkrechte Felsklippe. Von unserem Twalight-Campinplatz-Baumhaus hatten wir freie Sicht auf das imposante Naturschauspiel. Sogar Mali erkürte diesen Ausguck im Baum zu ihrem Lieblingsplatz (vermutlich ganz nach dem Motto: Wenns schon Baumlöwen gibt, solls auch Baumhunde geben!). Nicht weniger eindrücklich war der Wasserfall aus der Froschperspektive und die Gischtwolke direkt neben dem Wasserfall war eine willkommene Abkühlung vor dem anstrengenden Rückweg die Bergflanke hoch. 

Nach einigem Zögern entschlossen wir uns schliesslich, auf der kleinen und bei Nässe gefährlichen Piste, um den Mount Elgon herumzufahren um beim kleinen Grenzposten am Suam River die Grenze nach Kenia zu überqueren. Wir hofften inständig, dass wir nach den mühevollen 90 km Gekraxle an diesem kleinen Grenzübergang tatsächlich auch ein Visum für Kenia ausgestellt erhalten würden. Aber wir waren uns schnell einig, dass sich diese Fahrt so oder so lohnen würde. Innert Kürze zeigte sich, dass auf dieser Route wohl nur alle Schaltjahre mal weisse Touristen verkehren – wenn überhaupt. Seit Westafrika hatten wir es nicht mehr erlebt, dass wir von jedem einzelnen Passanten oder Bewohner unterwegs mit breitem Grinsen und heftigem Winken begrüsst wurden. Die Kinder schrieen sich fast die Seele aus dem Leib mit ihren „Muzungu – Muzungu“-, „Jambo-Jambo“- oder „Habari-Habari“ Rufen. Hätten wir es nicht besser gewusst, hätten wir geglaubt uns in einem Stadion zu befinden, wo demnächst die Beatles auftreten und sich die Menge mit hysterischen Rufen in Trance versetzt. Häufig sahen wir die Kids nicht einmal sondern hörten nur ihr Schreien. Hier störte uns die sonst eher abfällige tönende Bezeichnung „Muzungu“ (ursprünglich: reicher [weisser] Mann, heute Bezeichnung für alle Weissen) nicht im geringsten. Wir kamen aus dem Dauergrinsen und Winken kaum heraus, bis uns schliesslich die Gesichtsmuskulatur schmerzte und uns fast der Arm abfiel. Dies zusammen mit der fantastischen Landschaft und der atemberaubenden Aussicht liess uns die langen Stunden mühevollen Gekraxles mit links wegstecken. Ein würdiges Highlight zum Abschluss! Am Nachmittag erreichten wir den Suam-River und damit das Ende unserer Uganda-Tour. Die Ausreise bei den beiden kleinen Grenzhüttchen verlief rasch und problemlos - abgesehen von einigen Diskussionen wegen der fehlenden Quittung für die (nicht!)bezahlte Raodtax. 

Fast zu kurz erschien uns schliesslich unser Aufenthalt in der reizvollen, grünen und hügligen Perle Afrikas!

Nairobi, 18. Mai 2007

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